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29.06.2001 - 

Eigenentwicklungen statt Standardsoftware

E-Business-Lösungen im Eigenbau

Bei der Umsetzung von IT-Strategien greifen die meisten Unternehmen auf Standardlösungen zurück. Doch die Implementierung von Standardprogrammen ist in der Regel langwierig und teuer. Eine Alternative ist die Eigenentwicklung. Diesen Weg hat die Alternate GmbH gewählt. Von CW-Mitarbeiter Jan Schulze

Die IT-Unterstützung von Geschäftsprozessen wird häufig mit einem bestimmten Firmennamen der IT-Branche in Verbingung gebracht: SAP steht fast schon stellvertretend für Enterprise Resource Planning (ERP), bei Customer-Relationship-Management (CRM) denkt jeder an Siebel. Standardsoftware dominiert den Markt. Auch hier gibt es keine Erfolgsgarantie. Die Integration verschiedener Systeme zu einer einheitlichen Lösung sowie die Anpassung an die individuellen Anforderungen des Anwenders kostet meist viel Zeit und Geld. Viele Projekte scheitern daran, dass die neuen Technologien nicht oder nur unzureichend kompatibel zu den Geschäftsstrategien sind.

Einen anderen und unkonventionellen Weg geht die Firma Alternate Computerversand. Das mittelständische Unternehmen, das Computerteile über Call-Center und das Internet an Endkunden verkauft, setzt bei der Realisierung von IT-Projekten zu einem großen Teil auf selbst entwickelte Systeme. Im Mittelpunkt steht die Demand Chain, also der Daten- und Warenfluss vom Unternehmen zum Endkunden.

Die Entwicklung eigener Software war aus Sicht von Matthias Kramolisch, Geschäftsführer des Unternehmens, einfach notwendig: "Zu Beginn war unsere IT-Struktur ziemlich abenteuerlich." Die Basis bildete das wenig verbreitete Warenwirtschaftssystem "Defacto" des griechischen Anbieters Computer Logic. "Das Programm hat viele Vorteile, aber auch viele Nachteile. Letztere mussten wir durch eigene Entwicklungen wieder wettmachen." Zunächst programmierten die IT-Mitarbeiter Tools und Schnittstellen für Defacto. Die selbst gestrickten Erweiterungen ermöglichen es mittlerweile, online vorgenommene Bestellungen vollautomatisch in die Warenwirtschaft zu übernehmen - eine Funktion, die heute auch Bestandteil der gängigen Standardlösungen ist. Allerdings bietet das Altsystem nach Meinung von Alternate einige Vorteile, die dem Unternehmen nach wie vor wichtig sind. Das betagte Kernsystem kann durch die Erweiterungen weiterhin eingesetzt werden und bildet einen zentralen Bestandteil der IT-Umgebung von Alternate.

Flexibilität gefordertEine Forderung, die das Unternehmen an die eingesetzten Applikationen stellt, ist Flexibilität, um die Systeme möglichst schnell an neue Aufgaben anpassen zu können. Im Bereich der Demand Chain sind ständige Weiterentwicklungen notwendig, um Wettbewerbsvorteile zu sichern. Dazu gehört zum Beispiel die Übergabe der Lagerbestände aus der Warenwirtschaft in den Web-Shop. Damit können sich Kunden schon vor der Bestellung über die Produktverfügbarkeit informieren. Hier sieht Kramolisch klare Vorteile der internen Softwareentwicklung gegenüber einem komplett zugekauften System. Änderungen und Anpassungen lassen sich seiner Meinung nach viel einfacher gestalten als bei der Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister: "Wenn ich die Systeme inhouse habe und ihre Pflege, kann ich viel schneller auf veränderte Marktgegebenheiten reagieren."

Dem Vorteil der Flexibilität steht allerdings der hohe personelle und zeitliche Aufwand für die hausinterne Programmierung gegenüber. Mittlerweile sind bei Alternate zirka 30 der 300 Mitarbeiter am Standort Linden Applikationsentwickler und Web-Programmierer. Die Projektdauer bei einer kompletten Neuentwicklung ist beachtlich. Vor kurzem implementierte der Versender ein CRM-Modul. Aus Sicht von Alternate war es schwierig, eine Standardsoftware am Markt zu finden, die die spezifischen Anforderungen des Unternehmens abdeckt. Dazu gehört laut Kramolisch etwa die Bearbeitung und Abwicklung von Reklamationen. Das Unternehmen entschied sich für eine eigene Entwicklung. Konzeption und Programmierung des CRM-Moduls dauerten rund ein Jahr, wobei die meiste Zeit zum Erarbeiten des Konzepts benötigt wurde. Weitere sechs Monate waren für Implementierung und die anschließende Feinabstimmung notwendig, bis das System zufriedenstellend lief.

Kramolisch ist trotz des großen Entwicklungs- und Implementierungsaufwands von der Wirtschaftlichkeit dieser Strategie überzeugt. Bei Standardsoftware seien die Kosten für Anpassung, Änderungen oder neue Schnittstellen sehr hoch. Die selbst produzierten Lösungen kämen hier wesentlich günstiger.

Am Beispiel des Internet-Shops lässt sich für den Alternate-Geschäftsführer die Wirtschaftlichkeit der Inhouse-Strategie aufzeigen. Durch Online-Bestellungen erzielt das Unternehmen nach eigenen Angaben ungefähr 70 Prozent seines Umsatzes. Mit der Programmierung des Basissystems, das vor fünf Jahren online ging, war zunächst nur ein Mitarbeiter betraut. Entsprechend niedrig blieben die Entwicklungskosten. Im Lauf der Zeit wurde das System immer wieder an die sich wandelnden Anforderungen des Endkundengeschäfts angepasst und funktional erweitert. Zeitgleich baute das Unternehmen auch die eigene IT-Abteilung weiter aus. Der Web-Shop habe bis heute nie Verlust gemacht, freut sich Kramolisch. Durch die Eigenentwicklung konnte das Projekt klein starten und in für den individuellen Bedarf angemessenen Schritten wachsen. Das Shopsystem wurde vom Euro Handelsinstitut (EHI) in Köln zertifiziert.

Allerdings setzt das Unternehmen nicht auf Eigenentwicklungen um jeden Preis. Nicht jedes IT-Problem lässt sich hausintern lösen. Ein zugekauftes System setzt Alternate zum Beispiel in der Logistik ein. Die korrekte und möglichst schnelle Auslieferung der bestellten Waren ist ein geschäftskritischer Prozess, die Logistik ein entscheidender Teil innerhalb der Demand Chain. Zur Anbindung des automatischen Kleinteilelagers an das Shopsystem und die Warenwirtschaft waren detaillierte Kenntnisse der Schnittstellen zwischen den Siemens-Maschinensteuerungen und C-Programmen nötig.

Bei Bedarf zukaufenDieses Know-how war hausintern nicht vorhanden. Zusammen mit Beratern schauten sich die Verantwortlichen am Markt nach geeigneten Lösungen um. Schließlich entwickelte ein externer Anbieter das Logistiksystem in enger Zusammenarbeit mit Alternate und passte es individuell an. Da Alternate den Sourcecode des Programmes besitzt, können Weiterentwicklungen oder Änderungen bei Bedarf dann wieder selbst vorgenommen werden. Für die Logistiklösung erhielt das Unternehmen in diesem Jahr auf der CeBIT den Deutschen Internetpreis des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die Mixtur aus selbst entwickelten und zugekauften Lösungen wird auch in den beiden Niederlassungen in den Niederlanden und Spanien eingesetzt. In Zukunft will Alternate die Inhouse-Entwicklung sogar noch forcieren. Kramolisch ist vom Sinn dieser Strategie überzeugt: "Selbst kennt man seine Probleme und seine Anforderungen am besten."

Das UnternehmenDas Kerngeschäft der Alternate Computerversand GmbH ist der Endkundenhandel mit Computerkomponenten. Das 1992 gegründete Unternehmen vertreibt seine Ware seit 1997 auch über das Internet und nennt für das vergangene Jahr einen Umsatz von rund 150 Millionen Mark. Am Hauptstandort Linden beschäftigt Alternate zirka 300 Mitarbeiter. Niederlassungen gibt es inzwischen auch in den Niederlanden und Spanien.