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12.10.2001 - 

Anwender des Jahres 2001/Dekra AG

E-Business treibt Logistikbranche an

Alle Beteiligten sollen die Einsparungspotenziale durch E-Business in der Transportwirtschaft nutzen - und dafür zahlen. Auf dieser Idee ist das "Dekranet" der Stuttgarter FahrzeugsachverständigenOrganisation Dekra aufgebaut, mit dem sie sich am diesjährigen Wettbewerb "Anwender des Jahres" beteiligt hat.

Harry Teifel, Leiter Unternehmensstrategie bei der Dekra AG, sieht Dekranet nicht vorrangig als ein E-Business-Projekt: "Für uns geht es darum, aus einer neutralen Position heraus Lösungen anzubieten, die den Prozessbeteiligten mit ihren unterschiedlichen Interessen helfen. Denn damit erschließen wir uns neue Geschäftsfelder." Darüber hinaus stärke die Dekra mit dem Projekt die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Kunden und sichere langfristig die Nachfrage nach ihren klassischen Dienstleistungen wie Fahrzeugprüfung, Gutachten oder Fahrzeugbewertung.

"Das Problem dabei ist kein technologisches", meint Teifel. Zwar müssten die meisten Frachtführer auch technisch erst einmal in die Lage versetzt werden, sich in eine durchge-hende Logistikkette einzuklinken. Doch die Hauptschwierigkeit bestehe darin, die Trans-portunternehmen davon zu überzeugen, dass ein System, von dem Auftraggeber und Spedi-tionen profitieren, auch für sie selbst Vorteile bringe und sie sich daher mit den modernen Technologien auseinander setzen sollten. Zu diesem Zweck will der aus Südafrika stam-mende Chefstratege der Dekra das Dekranet in Phase eins des Projekts als Community für seine Mitglieder und Kunden etablieren, um dann parallel dazu ein Geschäftsmodell zu installieren und beides miteinander zu verbinden.

Die Motivation zum Mitmachen ergibt sich laut Teifel aus dem wachsenden Wettbewerbsdruck in der Logistikbranche. Bei der Annahme, dass die Transporteure dem Dekranet im Vergleich mit anderen Anbietern ähnlicher Leistungen einen Vertrauensvorschuss entgegenbringen, beruft sich Teifel auf die Historie der Dekra: Das Unternehmen entstand 1925 als eine Vereinigung von Fuhrunternehmen. Bis heute existiert neben der Dekra AG der Dekra e.V., in dem 35000 Mitglieder mit insgesamt 650 000 Fahrzeugen organisiert sind. Diese Mitgliederbasis soll beispielsweise kostenlos einen EDI-Converter für die elektronische Auftragsannahme erhalten. Während bislang noch das Gros der Aufträge per Fax übermittelt wird, könnten die Frachtführer sich zukünftig mit elektronischer Auftragsannahme bei ihren Kunden profilieren, indem sie Bearbeitungszeiten verkürzen, Erfassungsfehler vermeiden und so die Prozesskosten insgesamt reduzieren helfen. Die laufenden Kosten für diese elektronischen Geschäftstransaktionen werden nach Teifels Vorstellung zum großen Teil die Verlader, also die Produzenten und Spediteure, übernehmen. "Dass sie dazu bereit sind, weil sie selbst Einsparungen erzielen, wissen wir aus Beispielen in den USA." Bislang zögern die Unternehmen laut Teifel mit Investitionen in Lösungen für die Prozessoptimierung einfach deshalb, weil sie häufig nicht sicher sind, dass genügend Partner in der Logistikkette mitmachen, um tatsächlich Einsparungen zu bewirken. Durch die Vorfinanzierung des Dekranet als Basis für SCM in der Transportwirtschaft schaffe die Dekra Planungssicherheit. Mit Vertrauensvorschuss und Goodwill-Aktionen ist es jedoch nicht getan. Eine zentrale Herausforderung ist der Aufbau der eigentlichen IT-Plattform. Schließlich sollen nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ein großer Teil der Transportwirtschaft ihre Transaktionen hierauf abwickeln. Die Aufgabe des Dekranet dabei lautet: Die heterogene Landschaft bei den Verladern mit einer neu zu schaffenden, homogenen Landschaft bei den Frachtführern zu verbinden.

Eine Plattform für die ganze BrancheDenn während sich auf der Seite der Urverlader, also bei den Produzenten, mit SAP ein Standard weitgehend durchgesetzt hat, sieht das schon bei den Speditionen ganz anders aus. Hier herrscht ein kaum überschaubarer Wildwuchs der Systeme. Bei den Frachtführern schließlich fehlt es bislang zumeist völlig an integrationsfähigen Anwendungen. Diese in normierter Form bereitzustellen und damit den Integrationsaufwand zu begrenzen, ist daher für Teifel der eigentliche Schlüssel zum Erfolg von Dekranet: "Die dazu nötigen Investitionen sind der Preis, den wir für diesen Schlüssel bezahlen müssen." Die Ausgaben belaufen sich voraussichtlich bis zum Abschluss der ersten Projektphase bis Ende 2001 auf etwa drei Millionen Euro.

Inzwischen wurden bereits eine Reihe von Lösungspartnern ausgewählt wie etwa Axit, Cargoclix, Deutsche Telekom und andere. Für die Realisierung erhielt IBM Global Services den Zuschlag. Die Entwicklung und Integration der ersten Phase soll im Dezember abgeschlossen sein, der Launch des Dekranet-Startprodukts ist für Januar geplant.

In dieser ersten Ausbaustufe hat das Angebot vor allem die Funktion eines Informationsportals. 21 Serviceelemente sollen den Dekra-Mitgliedern und Auftraggebern die Nutzung der Plattform schmackhaft machen. Sie können hier beispielsweise personalisierte Informationsangebote zu rechtlichen und technischen Fragen abrufen, Transportkosten ermitteln oder sich an die Fälligkeit der Hauptuntersuchung ihrer Nutzfahrzeuge erinnern lassen. Im Rahmen eines "Branchenbuchs" haben sie außerdem die Möglichkeit, sich mit einer Selbstauskunft über ihr Unternehmen und seine Leistungen auf der Plattform für potenzielle Kunden zu präsentieren. Große Verlader wie die Deutsche Post haben hierzu bereits eine Überprüfung und Zertifizierung der Transporteure durch die Dekra gefordert. Entsprechende Verhandlungen laufen noch.

Die Anbindung an das SAP-System der Dekra ist im ersten Projektschritt noch nicht geplant. "Wir glauben nicht, dass das den Frachtführern viel bringen würde", erklärt Teifel. Größeren Nutzen verspricht seiner Ansicht nach die Einbindung des "EDI Receivers" von Axit in die Plattform. Dabei handelt es sich um eine Lösung auf Basis einer von Seeburger entwickelten Technik, die hier laut Teifel erstmals an die Anforderungen der Kommunikation zwischen Verladern, Spediteuren und Transporteuren angepasst wurde. Diese steht dem Transporteur kostenlos zur Verfügung und versetzt ihn in die Lage, seine Aufträge elektronisch entgegenzunehmen und zu verwalten. Die Annahme einer Auftragstransaktion wird mit einer Gebühr "im Pfennigbereich", so Teifel, berechnet - unabhängig vom Auftragsvolumen.

Anspruchsvolles ZielIn Zukunft soll Dekranet auch Frachtbörsen oder Auftragsübertragungs-Tools wie Cargoclix, Benelog und andere integrieren. Solche Tools sollen den Auftraggeber dabei unterstützen, seine Aufträge möglichst effizient - beispielsweise direkt aus einer SAP-Anwendung heraus - erstellen und an seine Auftragnehmer zu übergeben. In der Endausbaustufe können dann - so die Vorstellung bei Dekra - nicht nur die Vergabe, sondern auch die bürokratische Abwicklung und die Abrechnung der Frachtaufträge vom Versender über den Spediteur bis zum Transporteur auf elektronischem Wege ohne Medienbrüche und Mehrfacherfassungen erfolgen.

Das Anspruchsvolle dieses Ziels war es, das Teifel dazu ermutigte, mit dem Projekt in das Rennen um den Preis als "Anwender des Jahres" zu gehen: "Weil wir keine Hauruck-Aktion planen, sondern eine nachhaltige Entwicklung für die ganze Branche." Von den dadurch erreichten Einsparungen sollen laut Teifel mehr als 70 Prozent an die Benutzer (Verlader, Frachtführer) zurückfließen und der Rest für den Dienstleister und Dekra übrig bleiben.

Aufgrund der Entwicklungen im E-Business in den letzten Jahren hält sich Teifel mit Äußerungen zu genauen Umsatzzielen für das Dekranet zurück. Er geht jedoch auf Basis von Marktuntersuchungen von Analysten davon aus, dass ein Umsatz zwischen 30 und 50 Millionen Euro mittelfristig realistisch ist. Dekra stellt sich auf entsprechende Investitionen ein. Bei der technischen Umsetzung legt die Dekra besonderen Wert darauf, dass die Lösungen mit den Vorgaben der IT-Architektur und -Strategie in Einklang stehen. Die wesentlichen Elemente dieser Architektur wurden im Rahmen des Business-Process-Reengineering-Projekts "Redis" erarbeitet und sehen den umfassenden Einsatz offener Standards wie "J2EE", "XML" und "LDAP" vor. Dabei setzt Dekra konsequent auf das Prinzip "Buy vor Make".

So kommen beim Aufbau des Dekranet bereits im Unternehmen genutzte Anwendungen wie der Application-Server von Borland, der Web-Server Apache und die Datenbank Oracle 8i zum Einsatz. Als Content-Management-System wurde die "Content Server Enterprise Edition" von Openmarket mit den Modulen "Content Server" und "Personalization Centre" ausgewählt. Dafür gaben vor allem die Unterstützung des J2EE-Standards und das Preis-Leistungs-Verhältnis den Ausschlag.

Des Weiteren sollen vorhandene, an die Bedürfnisse der Transportbranche angepasste Lösungen von Partnern wie Axit, Cargoclix und anderen Lösungsanbietern in das Projekt integriert werden. Teifel spricht in diesem Zusammenhang vom Dekranet als einer "ASP-Aggregator-Plattform".

Uwe Küll