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15.09.2000 - 

Content-Management/Container für Kundenprojekte

E-Commerce maßgeschneidert mit einem Web-Content-Management-System

Komplexe Auftritte im Internet erfordern einen erheblichen Aufwand an Programmierarbeit und sind äußerst kostenintensiv. Deshalb entschied sich der E-Business-Dienstleister Ince Technology in Frankfurt für ein Web-Content-Management-System, das die Verwaltung der Kundenprojekte vereinfachen und die Personalkosten senken soll. Marc Schürmann* beschreibt Einsatz und Nutzen.

Ince Technology plant und realisiert Internet-Projekte von der Netzwerkplanung über das Hosting bis hin zu Zahlungsabwicklung und Prozessintegration. Als Dienstleister für den Mutterkonzern PSB AG entwickelten die Frankfurter deren Konzernnetz. Dazu gehören die Internet-Anbindung und alle Web-Komponenten der Gruppe mit fast 20 Tochtergesellschaften an mehr als 50 Standorten. Die Möglichkeit, Hintergrundinformationen über Hunderttausende von Artikeln, aktuelle Informationen über Lagerbestände und Lieferzeiten sowie Bestellungen von Großkunden an verteilten Standorten abzurufen, sind typische Funktionen, welche die Kunden des Systemintegrators von einem zu implementierenden Online-Auftritt erwarten. Um diese Anforderungen zu erfüllen, wählte Ince ein Web-Content-Management-System, das wegen seiner auf Java basierenden Skriptsprache unabhängig von Datenbanksystemen, Web-Servern oder Betriebssystemen eingesetzt werden kann.

"Unsere Kunden aus Handel und Industrie haben hohe Ansprüche und unterschiedliche Geschäftsprozesse, die wir mit klassischen Shop- oder Dokumenten-Management-Systemen oft nicht abbilden können", erläutert Geschäftsführer Markus Böhm den Bedarf seiner Zielgruppe. "Web-Präsenzen und Internet-Handelsplattformen leben in besonderer Weise von ihrer Aktualität." Besondere Anforderungen würden deshalb auch an die Skalierbarkeit der Lösung gestellt. Die unternehmensspezifischen und damit sehr individuellen Inhalte der Auftraggeber ändern sich ständig, neben Daten handelt es sich um Dokumente und Bilder.

Deshalb setzte das 1999 gegründete Unternehmen von Anfang an auf Skript-basierende und Datenbank-gestützte Lösungen. Allerdings waren die im Markt erhältlichen Programme - Shop-Systeme oder individuelle Online-Datenbanken - bislang Einzellösungen. Als solche waren sie nicht in der Lage, die gesamte Struktur eines umfangreichen Web-Auftritts zu verwalten. Darüber hinaus banden bisherige Verfahrensweisen sehr viel Personal, das man an anderer Stelle sinnvoller einsetzen wollte.

Geschlossenheit versus FlexibilitätSo sah sich Böhm Ende vergangenen Jahres gezwungen, nach einer Lösung zu suchen, die einerseits die aus Programmierung und Skripting gewohnte Flexibilität gewährleistet, andererseits die Geschlossenheit eines Content-Management-Systems bietet. Zwar waren zu diesem Zeitpunkt bereits einige Systeme auf dem Markt, allerdings handelte es sich dabei um "sehr spezialisierte und auch sehr teure Lösungen. Die Systeme brachten nicht die von uns verlangte Offenheit mit", blickt der Marketing-Chef zurück.

Fündig wurden die Frankfurter schließlich im März dieses Jahres im benachbarten Langen bei der Bouncy Bytes Software GmbH. Durch den Einsatz nicht proprietärer Technologien wie Java oder XML ist es offen und integrationsfähig. Web-Server wie Apache oder Microsoft IIS können dank Java Server Extensions angebunden werden. Mit dieser erweiterbaren Software lassen sich die Anforderungen nun systematischer und schneller erfüllen.

Innerhalb der PSB-Gruppe sollen jetzt ehrgeizige Projekte umgesetzt werden. Für die Tochtergesellschaft PSB GmbH, die als Systemhaus IT-Ausstattungen an Großkunden aus Staat und Industrie liefert, bildet der Content-Manager künftig ein personalisiertes Service-Center für Bestellungen und Support ab. Dort sollen dann die Kunden aus Tausenden von Komponenten ihre Ausstattung wählen, sofort die rabattierten Preise einsehen und die Waren an eine beliebige Anzahl von Orten ausliefern lassen können. Großabnehmer, bei denen untergeordnete Einheiten ihre Ausstattung ordern, erwägen die Einführung eines analogen Systems, wodurch der Bestellprozess vollständig in das Web verlagert würde.

Entwicklung zentral organisiertBis es so weit ist, werden noch einige Monate vergehen, denn das System muss noch weiterentwickelt werden. Das geschieht an mehreren Orten, die Technik lässt nämlich gemeinsame Arbeiten zu. Know-how und Arbeitszeit der Entwickler werden wesentlich effektiver eingesetzt, wenn einerseits einzelne Projektlösungen in ein gemeinsames System einfließen können, andererseits der dafür entwickelte Sourcecode über dieses System hinausweist. Zudem wird die Verwaltung der Projekte erheblich erleichtert.

"Es ist uns inzwischen möglich, unsere gesamte Entwicklungsarbeit im Internet-Bereich zentral zu organisieren", berichtet Böhm über die Technik bei Ince. "Das konnten wir vorher zwar auch, heute schaffen wir das aber mit wesentlich weniger Aufwand. Wie viel Zeit eingespart wird, hängt dabei natürlich vom Projekt ab." Im Fall von PSB rechnet er mit Kosteneinsparungen von mehreren Hunderttausend Mark, die vor allem auf die Flexibilität des Synformation.com zurückzuführen seien: Ohne WCMS musste jede Einzelseite eines Internet-Auftritts verändert werden. Im Fall der PSB AG bedeutete das jedes Mal Kosten in Höhe von 30000 bis 50000 Mark. Mit dem Content-Manager können nun permanent sowohl Layout-Vorlagen als auch Inhalte angepasst werden. Werkzeuge wie Shop- oder Web-Entwicklungssysteme werden überflüssig.

Bei größeren Web-Präsenzen zeigt sich das Problem, dass in einer umfangreichen Hierarchie beispielsweise aus Firmen- und Produktinfos und News Pflege und Ausbau eines Web-Auftritts nicht mehr nur durch die sukzessive Änderung einzelner Seiten bewältigt werden können. Bei PSB fahren dank des Content-Managers Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing und Technik selbständig Updates, ohne HTML erzeugen zu müssen. Das Corporate-Identity-konforme Layout bleibt dabei erhalten. Jede neu entwickelte Funktion steht über das WCMS sofort für alle Bereiche des Web in der Datenbank zur Verfügung. Weder spezifische Eingabemasken noch Schnittstellen zum Re-Import von Web-Eingaben sind ein Problem. Das WCMS ist damit Kontext-neutral. Ob Eingabemaske oder Datenbankimport - alles ist bereits im System angelegt. Es müssen lediglich die entsprechenden Parameter eingegeben werden. Für Ince hat das den Vorteil, dass eine Schnittstelle etwa zu einem Finanz- oder einem Warenwirtschaftssystem nur einmal angelegt werden muss und dann auf alle anderen Sites übertragen werden kann. Natürlich profitieren auch die Kunden direkt von der Technologie.

Über diese Funktionen hinaus ist Synformation.com ausreichend breit konzipiert, um ein Kundenbestellsystem oder ein Intranet unter einem Dach zu verwalten.

Im Kern zielt der Einsatz des WCMS beim Frankfurter Systemintegrator darauf ab, verschiedene projektbezogene Teillösungen auf einer Plattform zu vereinigen. Dadurch fließen so unterschiedliche Szenarien wie Business-to-Business-Bestellsysteme, eine Franchise- oder eine Datenbank-gestützte Informationsplattform in einen Funktionsbaukasten ein.

"Allerdings", betont Böhm, "muss mit einem WCMS immer auch Aufwand für Anpassung und Schulung einkalkuliert werden." So hätten die Ince-Entwickler vor dem Projektstart Schulungen durchlaufen, um das Werkzeug später optimal einsetzen zu können. "Es gibt Systeme, bei denen diese Zusatzkosten sehr hoch ausfallen", gibt er zu bedenken. "WCM-Systeme setzen einfach voraus, dass der Kunde seinen Web-Auftritt als echtes Geschäftsmodell mit tiefen Hierarchien und Features begreift, die dann eine entsprechende Dynamik erfordern. Wenn ich als Anbieter mit zwei statischen Web-Seiten auskomme, benötige ich kein WCMS."

Hier sieht der Internet-Dienstleister wichtige Ansatzpunkte für sein Unternehmen: "Einige unserer Kunden, die das WCMS einsetzen wollen, verfügen nicht über das notwendige Programmier-Know-how." Entwickler, die damit arbeiten, sollten über umfassende Kenntnisse in Internet-Architektur und Java-Entwicklung verfügen. Außerdem seien Erfahrungen mit Datenbank-gestützten Systemen notwendige Voraussetzung. Wer beabsichtigt, ein WCMS einzusetzen, sollte vorher prüfen, ob das Investitionsbudget und der zu erwartende Return on Investment stimmen.

Neben der PSB GmbH und anderen Firmen der PSB-Gruppe sind es vor allem IT- und Internet-Dienstleister wie Web-Agenturen und Unternehmensberatungen, für die das gewählte System interessant sein dürfte. Ince Technology nutzt Synformation.com wie einen Container, in dem Anforderungen und Erfahrungen aus der Projektarbeit zu Elementen einer Programmsammlung zusammenfließen. "Durch die Verwendung von Java und XML und die JDBC-Schnittstelle bleiben wir aber immer offen für neue Entwicklungsstandards", versichert der Marketing-Experte. Zudem sei es für den Full-Service-Anbieter wichtig, dass das WCMS die Verwaltung mehrerer Domains erlaubt. Für die PSB-Gruppe mit ihren 20 Töchtern reicht damit ein einziges System, was die Nutzung gemeinsamer Ressourcen enorm erleichtert. "Das WCMS wäre auch in der Lage", so Böhm, "die Web-Präsenzen mehrerer Hosting- und Housing-Kunden der Ince Technology zu managen. Die Idee, das Web-System als Application-Service-Modul auszugliedern, scheint jedenfalls durchaus viel versprechend zu sein." Wie bei der Entscheidung für die Nutzung eines WCMS müssten dazu aber Kosten und Nutzen abgewogen werden und im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

*Marc O. Schürmann ist Marketing-Leiter der Ince Technology GmbH in Frankfurt/Main.