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09.03.2005

E-Government: Deutsches Mittelmaß

Die sprichwörtliche Gründlichkeit behindert eine schnelle Umsetzung von Online-Vorhaben.

Bund, Länder und Kommunen in Deutschland haben ihr Angebot an elektronischen und Web-basierenden Diensten für Bürger und Unternehmen im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Im internationalen Vergleich mit den EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island und der Schweiz belegen die hiesigen Ämter einer aktuellen Untersuchungen von Capgemini zufolge jedoch nur einen Platz im Mittelfeld (Rang 18 von 28).

Auch die anderen haben sich verbessert

Die Studie "Online Availability of Public Services: How is Europe Progressing?" hat der IT-Dienstleister bereits zum fünften Mal im Auftrag der EU-Kommission betrieben. Sie bescheinigt allen Ländern deutliche Fortschritte auf dem Weg zum E-Government. "Deutschland hat sich überdurchschnittlich verbessert", sagt Tom Gensicke, Leiter des Public-Services-Bereichs bei Capgemini Deutschland. Aber: "Leider reicht es wieder nur für einen Platz im Mittelfeld, weil sich auch die anderen Länder verbessert haben." Die Online-Durchdringung der hoheitlichen Dienste in Deutschland beziffert Capgemini auf 66 Prozent. Deutlich bessere Werte erzielen Schweden (89 Prozent), Österreich (87 Prozent) sowie Großbritannien (84 Prozent).

Capgemini betrachtet in seiner Analyse die Verfügbarkeit von Diensten etwa für das Melde- und Steuerwesen. Die Spanne der Angebote reicht von einfachen Informationsdiensten (Download von Broschüren) bis hin zur vollständigen Abwicklung von Transaktionen via Internet. Mitterweile sind 47 Prozent aller untersuchten Dienste vollständig Web-fähig, so das Ergebnis der Untersuchung; im vergangenen Jahr waren es nur 40 Prozent. Spitzenwerte erreichen hier Schweden und Österreich, die 74 beziehungsweise 72 Prozent der Dienste vollständig via Internet zugänglich machen.

Die föderale Struktur ist ein Hemmschuh

Besonders schlecht schneidet Deutschland jedoch Im Vergleich mit den großen Ländern Europas ab. Dass Großbritan- nien, Frankreich, Italien und Spanien in ihren E-Government-Bemühungen weiter sind als die deutschen Ämter, wertet Gensicke als Standortnachteil. Auf Augenhöhe mit diesen Ländern befinden sich die heimischen Behörden nur dann, wenn ausschließlich die für die Pri- vatwirtschaft bereit gestellten Dienste betrachtet werden. In diesem Bereich bescheinigt Capgemini den deutschen Ämtern eine Online-Durchdringung von 83 Prozent, den französischen von 84 Prozent und den britischen von 82 Prozent.

"Deutschland tut sich aufgrund der föderalen Verwaltung schwer mit dieser Entwicklung", erläutert Gensicke, "Länder wie Frankreich müssen beispielsweise nur ein Finanzverwaltungssystem einführen, bei uns müssen es 16 sein." Durch die föderale Struktur gebe es viele Abstimmungsrunden, in denen weniger über Inhalte und mehr über die Finanzierung diskutiert werde.

Vom Start weg das Maximalziel im Auge

Zudem näherten sich die deutschen Ämter dem Online-Zeitalter viel gründlicher als die öffentliche Hand anderer Länder, so Gensicke weiter: "Hier konzentriert man sich schon beim Start auf rechtsverbindliche und medienbruchfreie Transaktionen mit einer qualifizierten Signatur", führt der Capgemini-Manager aus, "andere Länder sind hier etwas moderater."