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07.09.2001 - 

Die Bildungswelt befindet sich im Umbruch

E-Learning: Die Aufholjagd beginnt

E-Learning, das Zukunftsfeld im Bildungssektor, steckt in Europa noch in den Kinderschuhen. Allerdings etablierten sich seit vergangenem Jahr erfolgversprechende EU-Projekte, deren Ziel es ist, jedem Bürger eine digitale Grundkompetenz zu vermitteln. Von Dirk Schneckenberg*

"Lernen, lernen und nochmals lernen", heißt ein deutsches Sprichwort als Ratschlag für den persönlichen Erfolg. Schon Winston Churchill betonte mit seinem Statement "Ich persönlich bin jederzeit bereit, zu lernen" die Notwendigkeit des ständigen Wissenserwerbs. Politiker aller Parteien beschwören in ihren Reden über die so genannte Wissensgesellschaft die Formel des lebenslangen Lernens. Doug Donzelli, der Chief Executive Officer von Pensare, einem der größten E-Learning Provider der USA, sagt eine radikale Technologisierung der menschlichen Lernerfahrung voraus: "E-Learning wird den Bildungsbereich derart revolutionieren wie das Flugzeug das Transportwesen."

Die USA sind VorreiterIn den USA hat das E-Learning, die multimediale Aufbereitung und Distribution von Wissensinhalten auf Basis der Informations- und Kommunikationstechnologien, unwiderruflich seinen Siegeszug angetreten. Die technologische Entwicklung in Europa hinkt Nordamerika zeitlich hinterher - eine Tatsache, welche die amerikanische Fachpresse dazu veranlasst, Europa als einen "Zauderer in Bezug auf IT und E-Learning" zu bezeichnen.

Aber der müde hinterherhinkende Europäer muss sich angesichts des amerikanischen Technologievorspungs keine allzu großen Sorgen machen, denn die Alte Welt ist aufgewacht. Allen politischen Institutionen voran etabliert sich die Europäische Kommission als Vorreiter bei der Einführung von E-Learning in den europäischen Markt. Im vergangenen Jahr hat die Kommission eine Reihe von Projekten zur Förderung des Technology-Based Trainings initiiert und mit finanziellen Hilfen ausgestattet. Ziel der ambitionierten EU-Projekte ist es, jedem Bürger der Gemeinschaft eine digitale Grundkompetenz zu vermitteln. Die Europäische Union hat sich viel vorgenommen, um einen Paradigmenwechsel der öffentlichen Bildungspolitik zu errreichen. Die europäischen Unternehmen müssen in Bezug auf die Informationstechnologie nicht überzeugt werden - die Personalleiter durchforsten den Stellenmarkt Woche für Woche nach IT-Spezialisten. Die Knappheit an Fachkräften wirkt sich wachstumshemmend auf die Organisations- und Produktionsprozesse der Unternehmen aus. Um den Defiziten der öffentlichen Bildungseinrichtungen entgegenzuwirken, etablieren immer mehr Unternehmen ihre firmeneigenen Aus- und Weiterbildungsprogramme. Die Angestellten werden in Corporate Universities für die sich stetig ändernden Anforderungen der Märkte geschult. Die Distribution des Wissens in internationalen Unternehmen erfolgt vor allem via Internet. Das benötigte IT-Wissen kann dank neuester Netztechnologie zentral in unternehmenseigene Intranetze eingespeist und global von den Mitarbeitern abgerufen werden. Aus der Perspektive des E-Learnings betrachtet, beginnt in Europa eine neue Entwicklungsphase der Informationsgesellschaft.

Die internationale E-Learning-Gemeinschaft spricht ihre eigene Sprache. Angesichts der wachsenden Zahl anglo-amerikanischer Fachtermini und Kürzel schlagen interessierte Begleiter der Diskussionen über CBT (Computer based Training) und WBT (Web based Training) am besten die jeweilige Auflösung in einem Glossar nach. Empfehlenswert ist beispielsweise das online abrufbare E-Learning-Glossary der American Society for Training & Development (http://www.astd.org). Es lohnt sich für alle Beteiligten des öffentlichen und privaten Bildungssektors, beim Thema E-Learning auf dem Laufenden zu bleiben. Noch steckt der europäische Markt für E-Learning in den Kinderschuhen. Doch das auf IT und E-Business spezialisierte Marktforschungsunternehmen IDC rechnet in den nächsten drei Jahren mit einem erheblichen Marktwachstum in Europa: "Das Marktpotenzial der Europäischen E-Learning-Branche wird bis 2004 auf vier Milliarden Dollar wachsen." Das entspricht einem geschätzten aktuellen Volumen von 500 Millionen Dollar und einer jährlichen Wachstumsrate von 100 Prozent.

Wandel zur WissensgesellschaftDie entscheidende Antriebskraft für das Wachstum netzbasierter Wissensvermittlung liegt im Wandel der Industriegesellschaften. Die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien hat in der Wirtschaft eine Nachfrage an Fachkräften erzeugt, die durch die teilweise starren Lehrangebote der staatlichen Hochschulen nicht ausreichend und vor allem nicht schnell genug gedeckt werden kann. Als Konsequenz macht seit einigen Jahren im IT-Umfeld das Schlagwort der "Skills Gap" die Runde - der Begriff verkörpert den Mangel an IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt. So schätzen Gartner Group und IDC, dass bis 2003 in den USA und in Europa 20 Prozent der freien IT-Stellen unbesetzt bleiben.

Gerade die Vermittlung von IT-Kenntnissen bietet sich als Thema für die Provider von E-Learning an. Die Entwicklung in den USA zeigt, dass Inhalte der Informationstechnologie zirka 50 Prozent der gesamten Nachfrage von Unternehmen an technologiegestützter Wissensvermittlung ausmachen. E-Learning-Analyst Clark Aldrich von der Gartner Group erklärt diese Dominanz mit der hohen Technikkompetenz der Zielgruppe: "Gerade für IT-Experten bietet sich E-Learning an. Es passt genau zu ihrer Arbeitsweise: IT-Professionals sind es gewohnt, am Bildschirm zu arbeiten."

Neben der dynamischen Informationstechnologie liefern weitere Marktentwicklungen Inhalte für E-Learning. So ruft die Globalisierung der Wirtschaft immer größere Firmenzusammenschlüsse auf internationaler Ebene hervor, stetig kürzere Produktlebenszyklen verengen den zeitlichen Rahmen unternehmensinterner Produktschulungen und die steigende Transparenz der Märkte eröffnet den Verbrauchern eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten. Diese Veränderungen sind eine große Herausforderung für Unternehmen. Als Konsequenz finden sich zunehmend Themenbereiche wie die Schulung von Soft Skills, die Darstellung von Produkteigenschaften und die Vermittlung von unternehmensweiter Corporate Identity in der Angebotspalette der E-Learning-Provider wieder.

Neue Schulungswege für MitarbeiterEine Folge des Tanzes der Unternehmen um das goldene Kalb Wissen könnte die Verschmelzung von Training und Knowledge-Management in einem intranetweit erreichbaren Wissenspool sein. Die netzbasierte Vermittlung und Aufbereitung von Fachwissen stellt dem individuellen Lernbedarf der Mitarbeiter die passenden Lösungsansätze zur Verfügung - das klingt wie der Wunschtraum eines jeden Personalentwicklers. Eine technologische Wissensvermittlung kann allerdings nur dann erfolgreich sein, wenn sie soziale Komponenten in den Lernprozess der Mitarbeiter miteinbezieht. Selbst hartgesottene Progammierer lernen letztlich lieber im direkten Gespräch mit Trainern und Kollegen als in der elektronischen Wüste eines noch so gelungenen Java-Kurses. Eine ausgewogene Kombination von online abrufbaren Wissensinhalten und vertiefenden Präsenzseminaren dürfte der Schlüssel für einen erfolgreichen Lernprozess sein.

Aus den technologischen Innovationen des Trainingsmarktes Nordamerikas lassen sich zukunftsweisende Schlüsse für die europäische Bildungslandschaft ziehen. Tom Barron, Consulting Editor der Learning Circuit, schätzt den zeitlichen Vorsprung der USA gegenüber der EU bei der Implementierung E-Learning-relevanter Netztechnologien auf ein Jahr. Hauptträger dieser Entwicklung ist die Wirtschaft - die Unternehmen erhoffen sich von den elektronischen Lernmedien sowohl Kosteneinsparungen im Schulungsbudget als auch weitaus effektivere und besser ausgebildete Mitarbeiter.

*Dirk Schneckenberg ist Content Designer bei der imc-University, Saarbrücken.