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26.11.1999 - 

Fusionen/Schon Daimler-Benz projektierte das Messaging-System "Well-Kom"

E-Mail: Daimler-Chrysler überarbeitet die Altsysteme

Mit einer weltweiten Kommunikationsplattform will Daimler- Chrysler die 180000 Konzernmitarbeiter an seinen insgesamt 400 Standorten virtuell zusammenschweißen. Das Projekt "Well-Kom" skizziert Johannes Kelch*.

Die effiziente Kommunikation über Regionen, Zeitzonen, Bereichs- und Unternehmensgrenzen hinweg hat für Daimler-Chrysler mit seinen immerhin rund 400 Standorten eine gravierende strategische Bedeutung, ebenfalls der schnelle Zugriff auf die Ressource Unternehmens-Informationen.

Bereits vor dem Merger, im Frühjahr 1998, setzte Daimler-Benz das Projekt Well-Kom "zur Standardisierung der Messaging-Services auf hohem Funktionsniveau und Servicelevel" auf. Vorher hatte man die Produkte der IBM/Lotus- und Microsoft-Familien sowie das Host-basierende Memo-System eingesetzt und über Gateways verknüpft. Auf der Chrysler-Seite war vor der Hochzeit mit Daimler-Benz eine Standardisierung auf Basis von IBM/Lotus erfolgt. Pünklich zum Start des neuen Konzerns im November 1998 wurden durchgängige Messaging-Services, einschließlich "Calendaring", auf Basis der Altsysteme realisiert.

Doch geht jetzt die Vereinheitlichung und Beschleunigung der Mail-Systeme weiter. Das Projekt Well-Kom wurde als "new company project" auf eine unternehmensweite Messaging- und Groupware-Plattform ausgerichtet. Seit wenigen Monaten läuft der Rollout. Das Kürzel Well-Kom steht heute für "Weiterentwicklung der elektronischen Kommunikationsmedien im Konzern".

Insgesamt rund 100 Millionen Euro läßt Daimler-Chrysler für das interne Wellness-Programm springen. Das Geld bleibt im eigenen Haus, denn mit dem Betrieb des Systems wurde das Debis Systemhaus Telecommunications Services (TCS) für die Dauer von drei Jahren beauftragt.

Für Volker Huber, Mitglied der Geschäftsleitung von TCS, ist Well-Kom "unheimlich preiswert pro User". Interviews mit den Top-100-Unternehmen und Preisvergleiche von Beratern hätten ergeben, daß man um "bis zu 50 Prozent unter den Kosten bei anderen Unternehmen" liegt.

Die Kosten für Well-Kom verteilen sich nach Hubers Angaben auf den Betrieb der Server und Applikationen einerseits und die Bereitstellung des Netzes andererseits. Das meiste im Bereich Server und Applikationen wird für das Personal ausgegeben. Mitarbeiter vom User Helpdesk unterstützen die Anwender vor Ort, ein Second-Level-Support hilft bei schwierigen Fragen weiter.

Inzwischen sind rund 10000 Mitarbeiter, darunter auch die Beschäftigten im Werk Bremen, mit dem Messaging-System ausgestattet. Der vollständige Rollout dürfte allerdings erst im Sommer 2000 abgewickelt sein. Server-Farmen in Europa, Asien, Nord- und Südamerika sichern den Betrieb rund um die Uhr. Die Replikation auf alle Server-Farmen macht den Zugriff auf Anwendungen weltweit möglich.

Kern der neuen Kommunikationsinfrastruktur bei Daimler-Chrysler ist ein globales Konzernadreßbuch. Neue Mitarbeiter erhalten eine unverwechselbare Kennung im zentralen Corporate Directory. Über Nacht wird automatisch eine Mailbox generiert. Der Mitarbeiter kann sodann selbst Telefon- und Zimmernummer eintragen.

Doch wird inzwischen nicht mehr nur das Adreßbuch als zentrales Feature angeboten. Denn erst zusätzliche, komplexere Anwendungen gestatten eine Rationalisierung der Geschäftsprozesse: Ein Beispiel dafür ist der Workflow im Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge. Er begleitet auf der Basis von Lotus Notes Domino die Abwicklung von Anträgen. Durch die Workflow-Steuerung lassen sich Konstruktionsänderungen, Umrüstaufträge oder Sonderwünsche der Kunden mit allen beteiligten Organisationseinheiten in kontrollierterer Form als bisher durchziehen.

Das System umfaßt den gesamten Konstruktionsbereich von der Antragstellung bis zur Produktionsfreigabe. Ein Antrag kann Anlagen, also Zeichnungsausschnitte, Skizzen, Fotos oder Berichte in Form von Scan- oder PC-Files, enthalten. Über Lotus Notes werden die Dokumente an die betroffenen Standorte verteilt. Insofern bewährt sich Well-Kom auch als Management-Instrument in der standortübergreifenden Zusammenarbeit.

Neben Lotus Notes Domino akzeptiert das System als zweites Messaging-Produkt Microsoft Exchange. Jedes Geschäftsfeld entscheidet sich für eines der beiden Produkte. Während der Automotive-Bereich Lotus Notes ausgewählt hat, schwören andere Organisationseinheiten - so etwa die Debis - auf Exchange. Die Zwei-Produkt-Strategie sichert frühere Investitionen. Die Entscheidung für ein Messaging-Produkt pro Geschäftsfeld bildet dagegen die Basis für komplexe aufgabenbezogene Anwendungen in jeder Organisationseinheit.

Mit Well-Kom wird im ersten Schritt noch nicht alles verwirklicht, was technisch möglich wäre. Noch während der Realisierung wird die nächste Systemgeneration entwickelt. So soll am Ende das Business-TV, welches zur Zeit konzernweit über Video ausgestrahlt wird, über jeden PC empfangbar sein.

ANGEKLICKT

Leistungsfähige und ausbaubare E-Mailsysteme spielen beim Zusammenführen unterschiedlicher Unternehmen eine gar nicht zu überschätzende Rolle. Daimler-Chrysler stützte sich nach der Fusion auf ein bereits bei Daimler-Benz angedachtes Konzept. Ein fortgeschrittenes "Well-Kom" auf der zweifachen Basis von Lotus Notes Domino und Exchange soll bis zum Sommer 2000 sein Rollout abgeschlossen haben.

*Johannes Kelch ist freier Autor in München.