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08.11.1996 - 

Messaging Systeme/Mit Fenstertechnik zu mehr Komfort

E-Mail-Funktionalität am Host zeitgemäß gestalten

Die primäre Aufgabe von Mail-Systemen, wie sie fast jedem vom PC her bekannt sind, ist der Austausch von Nachrichten und Dokumenten. Im PC-Netz arbeitete ursprünglich jeder Anwender an seinem persönlichen Rechner mit lokalem Datenbestand. Zur Weitergabe und zum Austausch solcher lokal gespeicherten Dokumente nutzten und nutzen daher viele Anwender die elektronische Post.

Im Mainframe-Bereich dagegen standen schon immer allen an einen Rechner angeschlossenen Usern prinzipiell alle zentral auf diesem Host gespeicherten Daten zur Verfügung. Ob Anwender auf diese Daten zugreifen dürfen, wird über die persönliche Zugangsberechtigung jedes einzelnen festgelegt. Der gleichzeitige Zugriff auf gleiche Informationen wird außerdem durch systemspezifische Mechanismen gesteuert. Dies bedeutet: Um auf die vom Kollegen bearbeiteten Daten zuzugreifen, ist kein Weiterleiten von Dokumenten oder Dateien erforderlich. Der Kollege benötigt nur den Dateinamen und -pfad sowie in speziellen Fällen das Zugangspaßwort.

Wenn Daten auf einem entfernten Rechner betroffen sind, hat der Mainframe-Anwender, wie der PC-Nutzer im LAN, die Wahl zwischen Bearbeitung der Daten an jenem Rechner (falls zulässig) und dem Transfer der Daten auf den eigenen Rechner (oder umgekehrt). Letzteres wird dann in der Regel mit den systemeigenen File-Transfer-Programmen durchgeführt. Die Funktion "Dokumentenweitergabe", eine der wichtigsten Aufgaben von PC-Mailing-Lösungen, wird am Host also weniger benötigt.

Auch im modernen PC-LAN, wo wichtige Daten zentral auf einem Server liegen und wo jeder Anwender prinzipiell auf jeden PC zugreifen kann, hat sich diese Aufgabenstellung grundlegend geändert. Anwendungen wie Groupwise von Novell tragen dem durch die integrierte Dokumentenverwaltung Rechnung.

Bleibt die Funktion "Nachrichten auf elektronischem Weg austauschen", die oft als "Messaging" bezeichnet wird. Dieses Messaging, das heißt das Senden und Empfangen von Nachrichten, ist in allen Mainframe-Systemen mehr oder minder komfortabel gelöst. Den Anwendern an AS/400- oder VAX-Hosts stehen zum Beispiel standardmäßig Mail-Programme zur Verfügung, die im großen und ganzen die gleiche Funktionalität aufweisen wie die der PC-Umgebungen.

Plattformübergreifende Anwendungen, wie zum Beispiel SAP, enthalten darüber hinaus eigene Messaging-Funktionen.

Zu den weniger komfortabel ausgestatteten Betriebssystemen, was Messaging und Mailing angeht, gehört die BS2000-Plattform von SNI. Nach Aussage eines SNI-Mitarbeiters wurde ein BS2000-internes Mail-System Mitte der 80er Jahre eingestellt. Von offizieller Seite hieß es, daß man derzeit keine Mail-Systeme auf den Mainframes anbiete.

Was also macht ein 9750-Terminal-Nutzer, der mit seinen Kollegen und dem Rest der Welt in Kontakt treten will? Da es keine systeminternen Mail-Anwendungen gibt, muß er sich entweder selbst (programmierend) helfen oder auf Mail-Systeme von Drittanbietern zurückgreifen. Die im folgenden beschriebenen Möglichkeiten des Nachrichtenaustauschs gelten übrigens prinzipiell, wenn auch im Detail unterschiedlich, für fast alle Mainframe-Systeme.

Die ersten in Großrechnern etablierten Messaging-Funktionen waren für den Systemverwalter beziehungsweise Operator gedacht. Das Kommunikationssystem wurde dafür konzipiert, die angeschlossenen Benutzer rechtzeitig zu informieren, wenn der Rechner abgeschaltet wird. Solche "Broadcasts" werden in BS2000-Umgebungen von der Systemebene aus per Operator-Kommando gleichzeitig an alle angemeldeten Benutzer geschickt.

Adressiert wird der Anwender über die ID der aktiven Task oder über die Stationsadresse des Terminals. Für die Kommunikation zwischen Operator und dem einzelnen User stehen weitere spezifische Kommandos zur Verfügung, so etwa Inform-Operator, das automatisch nur an die als Operator ausgewiesenen Stationen gesendet wird. Per Inform-Job kann der Operator dann auf Anfragen des Anwenders antworten, zum Beispiel ob und wann bestimmte Systemkomponenten oder Archivmaterialien zur Verfügung stehen.

Die so ausgetauschten Nachrichten werden auf den Arbeitsbereich des Terminals ausgegeben und zerstören den aktuellen Bildschirminhalt, den der Anwender gegebenenfalls per Tastendruck wiederherstellen muß (das gilt übrigens auch für den Empfang von Nachrichten unter anderen Mainframe-Systemen). Wegen dieses lästigen Nebeneffekts wurden im BS2000 die Messaging-Funktionen auf Kommandoebene erst vor kurzem und zunächst nur privilegierten Anwendern zugänglich gemacht. Da der Empfänger der Nachrichten über seine Stationsadresse identifiziert wird, spielt es übrigens keine Rolle, ob er vor einem Terminal sitzt oder per Emulation auf einem PC mit dem Host verbunden ist.

Ein Nachteil dieses Messagings auf Systemebene ist, daß Nachrichten nur die Anwender erreichen, die aktuell im System angemeldet sind. Als Folge stellt sich demnach die Aufgabe, Nachrichten zu sammeln und dem Benutzer beim Login oder auf Anfrage zu übermitteln.

Für alle Mainframe-Systeme gibt es mittlerweile Mail-Anwendungen, die sowohl die systeminterne Kommunikation zwischen Terminals als auch die Kommunikation mit externen Mail-Anwendungen und Telematik-Diensten unterstützen. Solche Host-basierten Mail-Programme bieten, wie bereits erwähnt, in etwa die gleiche Funktionalität wie die bekannten PC-Mail-Systeme: das Senden, Empfangen, Ändern und Weiterleiten von Nachrichten an einen oder mehrere Adressaten, das Einbinden vorhandener Texte und Weiterleiten von Dateien.

Ein grundlegender Unterschied zeigt sich naturgemäß in der Bedienung: Anders als am PC kann der Benutzer nicht zur Maus greifen und Mails per Doppelklick öffnen oder Funktionen über Buttons auslösen. Der Benutzer am Terminal muß die gewünschte Funktion durch die Eingabe von Menü-Kennbuchstaben oder Kurzbefehlen auslösen.

Da am Terminal keine Fenstertechnik zur Verfügung steht, muß der Benutzer in der Regel seine aktuelle Arbeitsumgebung verlassen, um das Mail-Programm aufzurufen. Das heißt zum Beispiel für einen BS2000-User, daß er die aktuelle Anwendung beenden, sich beim Mail-Programm anmelden muß. Dann kann er die Nachrichten einsehen und nach Bedarf verschicken. Schließlich muß er das Mail-Programm beenden, sich eventuell erneut bei der vorhergehenden Anwendung anmelden und die alte Arbeitsumgebung wieder herstellen. Verständlich also, daß die Benutzer eher selten auf die Idee kommen, in ihrem Briefkasten nach E-Mails zu sehen.

Einen Ausweg bieten hier sogenannte Session-Manager, die auch am Terminal eine Quasi-Fenstertechnik ermöglichen. Der Session-Manager - etwa ECTS-SW der österreichischen Firma Software Trading - wird als eigene Anwendung gestartet, bei der sich jeder Benutzer einmalig anmeldet. Aus dem Menü des Session-Managers wählt er anschließend die Programme, mit denen er arbeiten will. Dabei spielen die Reihenfolge und die Zahl der Anmeldungen keine Rolle, per Kurzbefehl im Session-Manager kann er sich jederzeit bei weiteren Anwendungen anmelden oder von einer Applikation in eine andere wechseln. Da der Session-Manager auch Paßwörter und Zugangsberechtigungen verwaltet, entfallen für den Benutzer nach dem erstmaligen Login alle weiteren lästigen Anmeldeprozeduren.

Der Benutzer kann, sobald er in der Meldungszeile darüber informiert wird, daß eine Nachricht eingegangen ist, zur Mail-Anwendung wechseln, die Nachricht einsehen, beantworten und zurückgehen, ohne daß die aktuelle Arbeitsumgebung beeinflußt wird - fast wie am PC.

Ein weiterer Vorteil ist, daß das System bei der Anmeldung eine Verbindung zwischen Anwendung und Station beziehungsweise Terminal aufbaut. Diese Verbindung bleibt so lange bestehen, bis sich der Benutzer wieder abmeldet. Wird der Session-Manager beendet, baut er zwar automatisch die Leitungsverbindung zum Host ab, die Verbindungen zwischen Anwendungen und Benutzer bleiben jedoch offen. Beim nächsten Anmelden steht dem Benutzer seine Arbeitsumgebung so zur Verfügung, wie er sie durch Beenden des Session-Managers verlassen hat.

Die Bedienoberfläche des Mail-Programms selbst sollte so gestaltet sein, daß sie sich optimal in die gewohnte Arbeitsumgebung integriert. Für den Benutzer am Terminal heißt dies, daß er mit den gewohnten Techniken (Menüschlüssel, Kurzaufrufe) Felder ausfüllen und Funktionen auslösen kann. Die Empfänger dieser Nachrichten oder Mails werden aus zentral verwalteten Adreßbüchern ausgewählt beziehungsweise über dort hinterlegte Namen adressiert.

Immer stärker wird für Mainframe-Nutzer der Druck, mit der Umwelt, sprich PC- oder Unix-LANs, zu kommunizieren. Der erste und einfachste Weg ist sicherlich die Kommunikation mit dem Benutzer, der die Host-Anwendung per Emulation auf seinem PC nutzt. Ihm stehen zwei Welten offen, die er problemlos mit den jeweils spezifischen Mitteln erreichen kann. Ziel ist jedoch, diese Grenzen aufzuheben, so daß sowohl PC- als auch Terminalnutzern in gleicher Weise, mit gleichen Werkzeugen miteinander und mit beliebigen anderen kommunizieren können.

Möglich wird dies durch die Standardisierung der Schnittstellen zu den ansonsten "undurchdringlichen" Systemen. So ist es heute Stand der Technik, von beliebigen Mainframe-Systemen per Gateway Verbindung zu PC- oder Unix-LANs aufzubauen. Über ein solches Gateway kann auch der Anwender am Terminal Kontakt zu externen Mail-Systemen oder zu Telematikdiensten aufnehmen. Das Gateway-Programm übernimmt dabei den Austausch von Nachrichten in beide Richtungen.

Als Beispiel eines derartigen Nachrichtenaustauschs sei hier die Kommunikation zwischen Host- und MS-Mail genannt. Sowohl aus Sicht der Mail-Anwendung am Host als auch aus Sicht von MS-Mail ist der jeweilige Kommunikationspartner ein "externes Post-Office". Eine Nachricht von Terminalnutzer X an seinen PC-Kollegen Y wird also zunächst an das externe Post-Office MS-Mail geleitet. Dieses reicht die Nachricht weiter an Herrn Y.

Vom Host ein Fax mit Logo versenden

Sollte Herr (oder Frau) X Herrn Y per Fax informieren wollen, ist der Weg ähnlich: Vom Terminal beziehungsweise Host aus nimmt die Nachricht ihren Weg zum Standard-Fax-Server im PC-LAN von dort wird es weitergeleitet zum Faxgerät oder zum Faxmodem von Herrn Y. Um Faxe mit einem bestimmten Briefkopf oder etwa mit einem Logo zu versehen, werden entsprechende Befehle an die Mail-Anwendung abgesetzt.

Auch lästige Tipparbeit kann sich X am Terminal ersparen: Durch die Definition von Textbausteinen kann er Formulare erstellen, die er dann per Kurzbefehl aufruft und nur noch auszufüllen braucht. Will er Datei-Inhalte in seine Nachricht oder sein Fax integrieren, fügt er einen entsprechenden Befehl ein. Zum Ablaufzeitpunkt wird dann der Datei-Inhalt eingefügt. Auf diese Weise lassen sich auch Grafikdokumente, die auf einem Server im PC-LAN gespeichert sind, in Fax oder Mails einbinden.

Außer zu Mail- und Faxsystemen sind übrigens auch Verbindungen zu weiteren Telematikdiensten oder etwa zum Internet möglich. Auch der Nachrichtenaustausch zwischen Anwendern an BS2000-9750- und IBM-3270-Terminals läßt sich heute über Kommunikations-Gateways erreichen.

Angeklickt

Ausgehend von einfachen Funktionen, über die der Systemverwalter seine angeschlossenen User über Änderungen an der IT-Installation informieren konnte, haben sich auch in Mainframe-Umgebungen E-Mail-Systeme entwickelt. Die Funktionalität und der Komfort erreicht jedoch nicht die der PC-gestützten Lösungen. Zudem mangelt es noch an der Anbindung der Host-Mail-Produkte an LAN-basierte Kommunikationswege.

*Christa Hülk ist freie Journalistin in Markt Schwaben.