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04.08.2000 - 

Network-Services/US-Anbieter drängen auf den deutschen Markt

E-Mail-Outsourcer locken mit Sicherheit und Funktionalität

In den USA gibt es bereits zahlreiche Unternehmen, die ihren E-Mail-Betrieb an Dienstleister abgeben. Hierzulande richtet sich das Angebot der E-Mail-Outsourcer zunächst an Internet-Service-Provider (ISPs) und Carrier. Gemeinsam sollen sie den Markt vom Endanwender bis zum Großkonzern erschließen. Annette Reuß* nennt wichtige Anbieter und nimmt deren Offerten unter die Lupe.

E-Mail-Lösungen im Unternehmen wandeln sich. Zu Beginn des Online-Zeitalters waren Mailboxen komplett in der Hand von Providern wie Compuserve und AOL, die meistens proprietäre Systeme unterhielten. Als jedoch immer mehr Anwender einer Firma E-Mail-Zugriff bekamen und die Lösungen Internet-basierend wurden, begannen die Unternehmen mit dem Aufbau eigener Systeme für den Versand elektronischer Briefe. Vor allem größere Firmen installierten dedizierte E-Mail-Server, die entweder im Unternehmen vor Ort oder beim Online-Provider standen.

Dann wurde es wichtiger, den E-Mail-Dienst mit weiteren Groupware-Features zu verknüpfen, was beim kompletten Auslagern des gesamten E-Mail-Dienstes nicht mehr gewährleistet werden konnte. Heute hat ein Unternehmen üblicherweise einen Kommunikations-Server mit Groupware-Lösungen wie Microsoft Exchange, Lotus Notes oder Novell Groupwise in Betrieb.

Inzwischen kommt das Outsourcen von E-Mail-Diensten aber wieder in Mode. Zwar sind auf der Seite der Unternehmenskunden hierzulande noch keine größeren Veränderungen im Anwenderverhalten zu verzeichnen, doch die Hersteller formieren sich. In den USA gibt es mit Mail.com, Critical Path, USA.net und Commtouch vier Unternehmen, die sich hauptsächlich auf das Hosting von E-Mail-Diensten spezialisiert haben. Sie verfügen über eine dicke Finanzdecke: Vor einem Jahr konnten sich Mail.com und Commtouch durch Börsengänge ausreichend liquide Mittel verschaffen.

Critical Path ist seit gut einem Jahr börsennotiert und durch die Übernahme von Isocor im Oktober letzten Jahres auch in Deutschland präsent. "Unsere Strategie lautet nun, zunächst den ISP-Markt zu erschließen und dann den Unternehmensbereich anzugehen", erklärt Helene Ebach, Pressesprecherin von Critical Path.

Durch den Preiskampf im ISP-Umfeld sei der Bedarf der Anbieter hier besonders groß. Die ISPs suchen Mehrwertdienste, durch die sie sich von ihren Wettbewerbern unterscheiden können und die gleichzeitig zusätzlichen Umsatz bescheren. Firmen wie Sprint, GTE und U.S. West haben bereits den Betrieb ihrer Mail-Dienste ausgelagert. In Deutschland bemüht sich Cable & Wireless ECRC gerade, eine umfangreiche Lösung aufzubauen. Geplant ist, zunächst etwa 100000 Mailboxen einzurichten. Das Outsourcing-Angebot soll sich dann vor allem an kleine und mittlere Unternehmen richten.

Daneben ist der britisch-deutsche Anbieter nicht nur Kunde, sondern auch strategischer Partner von Critical Path in Deutschland. Über Einwahlknoten von Cable & Wireless ECRC laufen die Verbindungen von den Endkunden zum zentralen Daten-Center in München, das die Messaging-Server unter Hochverfügbarkeitsbedingungen beherbergt. Von dort aus will der Hersteller alle Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz versorgen. Sie können zwischen Insource-, Midsource- und Outsourcing-Diensten wählen.

Insource-Lösungen sind reine Produktangebote des Herstellers, die der Kunde selbst betreibt. In diesem Bereich ist Critical Path eine Konkurrenz zu den klassischen Messaging-Anbietern Lotus, Microsoft und Novell. Im Gegensatz zum Insource-Bereich muss sich der Kunde bei reinen Outsourcing-Lösungen um nichts kümmern. Das Personal im Data-Center erledigt den kompletten Service, und Cable & Wireless ECRC stellt die Leitungen zur Verfügung. So ist etwa der Evita-Dienst der Deutschen Post AG ein reiner Critical-Path-Service. Bei Midsource-Diensten ist nur ein Teil des Messaging-Pakets ausgelagert. Debitel lässt beispielsweise den gesamten SMS-Verkehr über Critical Path laufen, den Rest verantwortet das Unternehmen selbst.

Drei Gründe sollen potenzielle Kunden dazu bewegen, E-Mail- und Messaging-Lösungen an Dienstleister auszulagern: mehr Funktionalität, niedrigere Kosten und ein geringerer Administrationsaufwand. Der Unterhalt eines Domino- oder Exchange-Mail-Systems kostet nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Meta Group pro Anwender etwa 250 Euro jährlich. Das gleiche Angebot gibt es über einen Dienstleister für etwa 180 Euro. Rund 30 Cent beträgt der monatliche Basispreis für die Nutzung einer Mailbox mit etwa 5 Megabyte Speicherkapazität für Firmenkunden.

Zusätzliche Angebote wie Verschlüsselung oder kabelloser Zugriff schlagen darüber hinaus mit 50 Cent bis 1 Euro zu Buche. Das Marktforschungsunternehmen Meta Group empfiehlt zunächst Firmen mit limitierten Anforderungen, auf das Angebot von E-Mail-Outsourcern einzugehen. So eignet der Einsatz sich beispielsweise für Mitarbeiter im Produktionsumfeld oder bei Außendienstlern, die hohe Mobilitätsansprüche haben.

Doch wollen die Anbieter mittel- bis langfristig auch Unternehmenskunden gewinnen, die hohe Anforderungen an die E-Mail- und Messaging-Lösung stellen. Je exklusiver der Service, desto höher ist auch der Preis. Zu den Premium-Diensten, die schon heute angeboten werden, zählen Unified Messaging, standardisierte Directories und Extra-Speicherplatz für Mailboxen. Zukünftig sollen auch die garantierte Übermittlung, das Management von Mailing-Listen und eine dauerhafte Archivierung und Zeiterfassung sämtlicher E-Mails angeboten werden.

Unternehmen, die die Services in Anspruch nehmen, haben den Vorteil, dass sie sich nicht selbst mit der Technik befassen müssen und flexibel sind. Gerade Unified-Messaging-Lösungen erfordern sehr viel Know-how, das in der Praxis bislang wenig IT-Experten aufweisen. Hier sind sowohl tiefe Kenntnisse der Daten- als auch der Sprachübertragung gefragt, damit Anwender von jedem Ort aus Zugriff auf Sprach- und Datennachrichten haben.

Sicherheit zählt zu den wichtigsten DienstleistungenAls kompliziert und arbeitsaufwändig erweist sich für Netzwerkadministratoren auch das Thema Security. Hacker- und Virenangriffe lassen sich durch E-Mail-Outsourcing einfacher abwehren, da Sicherheitslösungen zu den Kernkompetenzen der Anbieter zählen. Das Security-Angebot umfasst beispielsweise SSL-Verschlüsselung (Secure Sockets Layer) , digitale Zertifikate und Virenscanner. Darüber hinaus können Unternehmen auch Filtermechanismen einbauen, die die Zustellung der Nachrichten von unerwünschten Absendern und Werbesendungen verhindern.

Für den Firmenkunden vereinfacht sich nicht nur das Thema Security, sondern auch der gesamte Administrationsaufwand. Da die E-Mail-Lösungen mit hochwertigen Directory-Produkten verbunden sind, ist es beispielsweise unkompliziert, neue Anwender hinzuzufügen oder andere aus dem System zu löschen. Zudem bemühen sich die Anbieter, dem Kunden Möglichkeiten zur besseren Analyse des E-Mail-Verkehrs zur Verfügung zu stellen. So lässt sich messen, welche Anwender wie häufig E-Mails verschicken. Die entsprechenden Kosten können dann der jeweiligen Abteilung angerechnet werden.

Aufgrund der dicken Finanzpolster der E-Mail-Dienstleister geht die Meta Group von einer schnellen Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle aus. Die Marktexperten erwarten, dass dies neben der technischen Inhouse-Entwicklung über Akquisitionen erfolgen wird. So geschah die Übernahme von Isocor durch Critical Path auch wegen der komplementären Produktpalette im Directory- und Messaging-Bereich, die den Aufbau einer End-to-End-Messaging-Lösung ermöglicht. Sie beinhaltete beispielsweise einen Internet Messaging Server, der mehrere Millionen Anwender zulässt.

Die Meta Group geht davon aus, dass die Übernahmen der E-Mail-Outsourcer zunächst darauf abzielen, möglichst umfassende Messaging-Produkte zu kreieren. Sie sollen vor allem Unified Messaging, drahtlosen Zugang und Community-Services gestatten. Die zusätzlichen Features erschließen weitere Umsatzquellen, zu denen Hosting-Gebühren, Einnahmen aus Werbeplätzen und das Vermieten weiterer Applikationen zählen. Anschließend wird die Akquisitionswelle auch E-Mail-Service-Firmen wie Responsys, Message-Media und Digitalimpact erfassen.

Auch hierzulande gibt es Startups, die sich auf E-Mail-Marketing spezialisieren. Dazu zählt die Münchner Firma Agnitas, die ein Dienstleistungspaket zur Realisierung und Abwicklung von E-Mail-Marketing-Kampagnen liefert. Das Angebot reicht von der Konzeption und dem Versand von E-Mailings über den Entwurf und Aufbau von datenbankgestützten Interessenten- und Kundenprofilen bis zum Reporting.

Außerdem glauben die Analysten der Meta Group, dass Lieferanten und Broker von E-Mail-Adressen, Content-Provider und Breitband-gestützte Network-Vendors wie CMGI, Doubleclick und 24/7 die Akquisitionslust der E-Mail-Dienstleister steigern könnten. Unabhängig davon, wie schnell die Übernahmewelle kommen wird, ist damit zu rechnen, dass sich der Netzdienst E-Mail-Outsourcing auch in Deutschland relativ zügig durchsetzt. Der Markt ist attraktiv, da die Zahl der potenziellen Unternehmenskunden sehr hoch ist und alle Firmentypen - von klein über mittelständisch bis zum Großkonzern - vorhanden sind.

*Annette Reuß ist Business Research Analyst beim Venture-Capital-Unternehmen 3i-Technologieholding in München.

Der Markt für E-Mail-OutsourcingNach Angaben der Investment-Bank Robertson Stephens soll der Umsatz im Markt für Application-Service-Providing (ASP) und Web-Host-Services in diesem Jahr auf 7,5 Milliarden Dollar weltweit anwachsen. Messaging-Dienste zählen neben Speicher-, Enterprise-Resource-Planning- und E-Commerce-Anwendungen zu den aussichtsreichsten Outsourcing-Kandidaten, da sie, intern betrieben, einen hohen Kosten- und Administrationsaufwand für die Unternehmen darstellen. Auf der anderen Seite winken den ASPs in diesen Bereichen auch die höchsten Margen, so dass die Konstellation ein schnelles Marktwachstum zulässt. Darüber hinaus ist auch die wachsende Zahl der E-Mailboxen viel versprechend: Gegenwärtig gibt es weltweit rund 250 Millionen, die auf 550 Milionen im Jahr 2002 anwachsen sollen.

Abb: Die Infrastruktur unterhält der E-Mail-Outsourcer, die Kontrolle über die Accounts obliegt dem Kunden. Quelle: Critical Path