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01.02.2002 - 

Virtuelle Hochschule Schwerin kämpft mit finanziellen Problemen

E-Uni öffnet 2003 ihre Pforten

Kürzere und flexibel einteilbare Studienzeiten sind die Vorteile des E-Learning. An prominenter Unterstützung für die Virtuelle Hochschule in Schwerin mangelt es nicht. Bis Lernwillige an der privaten Hochschule mit dem E-Learning loslegen können, müssen aber noch einige rechtliche Fragen geklärt werden. Von Holger Eriksdotter*

Zur Gründungsvorbereitung der ersten virtuellen Universität in Deutschland kamen rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in Schwerin zusammen. "Es ging uns darum, alle Interessengruppen zusammenzubringen und auszuloten, ob die kritische Masse an Unterstützung vorhanden ist", erklärt Alfons Rissberger, Ideengeber der virtuellen Universität Schwerin. Zwar konnten bei weitem nicht alle Fragen geklärt werden. Es herrschte aber Einvernehmen, das Projekt in Angriff zu nehmen.

Unterricht am heimischen PCEine Projektgruppe mit wissenschaftlichem Beirat soll in den nächsten Wochen gegründet werden und Verhandlungen mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aufnehmen. "Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der Studienbetrieb schon in 18 Monaten beginnen", so Rissbergers optimistische Einschätzung. Der Leiter des Datenverarbeitungszentrums Mecklenburg-Vorpommern und Direktor der Initiative D21 ist Ideengeber und überzeugter Verfechter der virtuellen Hochschule.

Die private Hochschule soll sich vor allem an Führungskräfte im Bereich E-Business und IT-Management richten. Der Unterrichtsstoff soll über das Internet am heimischen PC gelernt werden. Lediglich für Lernmodule zur sozialen und kommunikativen Kompetenz wie Führungs- und Konfliktverhalten müssen die Lernenden etwa vier Wochen pro Semester nach Schwerin reisen.

Abschlüsse noch nicht geklärtGeplant ist ein Aufbaustudium mit Master-Abschluss, für das die Studierenden 10000 Euro pro Semester zahlen sollen. Noch nicht geklärt ist, ob die Virtuelle Universität als reine Eliteschmiede mit dem Angebot des postgraduierten Master-Studiums ihren Betrieb aufnimmt oder ob sie auch Grundstudiengänge anbietet oder als Business-School mit einem elementaren Kursangebot auch für die Unternehmen der Region ihre virtuellen Tore öffnet.

Noch stehen dem Modell einer reinen Online-Hochschule gesetzliche Bestimmungen entgegen. Zwar gibt es in Deutschland schon eine Reihe virtueller Studiengänge. Diese sind aber immer an konventionellen Universitäten angesiedelt, die die Auflagen des Hochschulrahmengesetzes in puncto Professorenstamm und Forschungstätigkeit erfüllen. Für die virtuelle Universität wäre aber die Anwesenheit von Professoren ebenso wie die Forschung am Hochschulort eher zweitrangig.

Zudem schreibt das Hochschulrahmengesetz Mindeststudienzeiten vor, die nach Einschätzung der Initiatoren mit Online-Unterricht deutlich unterschritten werden können. Ein Anreiz für ein virtuelles Studium seien eben auch die kürzeren, zudem flexibler einteilbaren Studienzeiten. Das Bildungsministerium des Landes hat Unterstützung beim Genehmigungsverfahren signalisiert.

Die Initiative kann auf prominente Unterstützung rechnen. Rissberger erwartet, dass sich die öffentliche Hand mit bis zu 50 Prozent an den Anfangsinvestitionen beteiligt, die in einer Größenordnung von 50 Millionen Mark lägen. Der laufende Betrieb allerdings werde sich selbst tragen und ausschließlich aus Erlösen finanziert werden.

Über Kooperation und Finanzierung wollen die Initiatoren mit allen denkbaren Gesprächspartnern reden. Neben Unternehmen der Region wird auch mit möglichen Sponsoren und Venture-Kapitalgebern verhandelt. Der aus München angereiste Frank Reining von der Logistics Capital Group beurteilte das Projekt als grundsätzlich aussichtsreich und kann sich auch vorstellen, als Investor mitzuwirken.

Auch von der wissenschaftlichen Seite haben sich die Initiatoren einer breiten Unterstützung versichert und Experten für virtuelles Lernen geladen. So beurteilte Sigram Schindler, Professor an der TU-Berlin, die Chancen der Hochschule ebenso positiv wie Professor Reinhold Jäger von der Universität Koblenz-Landau. Er wies darauf hin, dass sich der zunehmende Ausbildungsbedarf an traditionellen Anwesenheitshochschulen kaum finanzieren lasse und deshalb der Bedarf an effizienten virtuellen Lernformen steigen werde.

Einig waren sich die Professoren darin, dass dem virtuellen universitären Lernen auf der technischen und methodisch-didaktischen Ebene heute keine grundsätzlichen Probleme mehr entgegenstehen. Unter vielen Gesichtspunkten zeigte sich E-Learning Anwesenheitsseminaren sogar überlegen.

Investitionsgelder fehlenMit der Gründung der Hochschule soll gleichzeitig ein Experten- und Wissensnetzwerk etabliert und kontinuierlich ausgebaut werden. Von den Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Landes, Technologiezentren, regionalen Unternehmen, Landesregierung und öffentlicher Verwaltung über Bundesleitprojekte und Großforschungsprojekte der Bundesministerien bis zu europäischen Initiativen, Hochschulen, Management- und Business-Schools sowie internationalen Programmen soll sich die Zusammenarbeit erstrecken.

Mit der Schweriner Hochschule entstünde eine Einrichtung mit internationalem Modellcharakter, die sich auf vielfältige Weise auch für Politik und Wirtschaft der Landeshauptstadt auszahlen werde, so das Kalkül der Initiatoren. Wie es weitergeht, bleibt indes abzuwarten. "Wir haben die kritische Masse an Unterstützungsfaktoren, aber noch kein Geld", umreißt Rissberger den gegenwärtigen Stand. "Aber ich bin ganz sicher, dass wir es zusammenbekommen." (ho)

*Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.

Abb: Geplante Studienschwerpunkte

Die virtuelle Uni Schwerin will angehende Führungskräfte nicht nur in Sachen E-Buisness, sondern auch in punkto soziale Kompetenz ausbilden. Quelle: Rissberger