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07.03.2003 - 

Enterprise Application Integration/Es muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden

EAI - die unterschätzte Killerapplikation

Wer sich heute mit der Anwendungs- und Prozessintegration beschäftigt, kommt am Thema Enterprise Application Integration (EAI) nicht mehr vorbei. Allerdings besteht auch vier Jahre nach der Prägung dieses Konzepts bei vielen Unternehmen ein erheblicher Klärungsbedarf über seine Vorzüge. Von Richard Nußdorfer*

Von der IT-Öffentlichkeit relativ unbemerkt sind EAI-Lösungen auf dem Vormarsch. Dieses Wachstum zeigt sich weniger in Milliardenumsätzen, sondern vielmehr im Durchdringungsgrad bei den Kunden und Herstellern. So haben heute etwa 60 bis 70 Prozent aller Großunternehmen in Deutschland mindestens ein EAI-Produkt im Einsatz. Anbieter wie IBM, Microsoft, SAP, Software AG, Fujitsu-Siemens Computers sowie diverse auf EAI spezialisierte Softwarehersteller wetteifern um die Gunst des Kunden. Letztere sind vor allem im Banken- und Versicherungsumfeld, aber auch in Industrieunternehmen zu Hause. Zudem setzen einzelne Mittelständler heute schon auf EAI und liefern auch die besten Wirtschaftlichkeitsberechnungen, wenngleich die mit EAI verbundenen Kostenvorteile von der überwiegenden Anzahl der Mittelstandsfirmen heute noch nicht erkannt werden.

Technisch werden EAI-Produkte bis heute oft noch mit Middleware alter Prägung wie MQ Series oder Cics gleichgesetzt, obwohl sie oft gar keine Komponenten für Messaging oder Workflow-Systeme enthalten. Tatsächlich bieten sie zum einen eine umfangreiche "intelligente" Infrastrukturplattform einschließlich Konnektoren, über die sich eine Integration mit anderen Systemen erzielen lässt. Zum anderen lässt sich mit EAI-Lösungen das Wissen über die betriebswirtschaftlichen Abläufe der Geschäftsprozesse grafisch darstellen und aus diesem Modell lauffähiger Code (meist Java) erzeugen. Geschäftsobjekte können zudem aus vorhandenen Definitionen wie zum Beispiel Datenbanken oder aus dem SAP-Repository generiert werden, ebenso wie sich Geschäftsregeln (Business Rules) und Mapping-Regeln hinterlegen lassen.

EAI-Produkte sind demnach auch eine Art Entwicklungsumgebung, da Anwender die erwähnten Funktionen nicht mehr selbst programmieren müssen. Dank mitgelieferter Softwaregeneratoren und umfassender Tool-Funktionen lässt sich so Integrationssoftware zur Unterstützung der Geschäftsprozesse schneller und effizienter erzeugen als mit herkömmlichen Programmierumgebungen. EAI ist aufgrund dieser technischen Aspekte künftig vor allem in Abteilungen zur Anwendungsentwicklung angesiedelt. Das Motto heißt hier: "Standard-Geschäftsprozesse werden mit EAI erstellt und ergänzen die Standard-ERP-Lösungen um die Integrationsfunktionalität."

Schichtenmodell zur ERP-Integration

Diese Abgrenzung von EAI-Tools zu Unternehmenssoftware für Enterprise Resource Planing (ERP) ist in der Praxis offenbar nicht immer verständlich. Anwender sollten sich daher vor Augen halten, dass mit einem EAI-Werkzeug nur Integrationslogik, aber keine Geschäftslogik erstellt wird. Zudem gilt es, folgendes Schichtenmodell von Anwendungen zu respektieren: das Oberflächendesign (HTML, Client-Server), die Oberflächenlogik (Navigation, Click-Logik), die Integrationslogik (EAI, Geschäftsprozesse), die Businesslogik (ERP, Mainframe-Anwendungen), die Datenlogik (SQL-Statements) sowie der Datenbankservice (Datenmodell). Sauber angewendet, sorgt dieses Schichtenmodell dafür, dass sich vorhandene ERP-Lösungen mit einer Integrationsdrehscheibe verbinden lassen, die entweder die Oberflächenlogik ansteuert, andere Business-Logiken integriert oder firmenübergreifende Geschäftsprozesse abbildet. Neue Anwendungen lassen sich so dank EAI in die Unternehmenslandschaft einbinden beziehungsweise bestehende Lösungen in ihr weiterverwenden. Dies sorgt für Investitionssicherheit.

Neben technischen Vorzügen verspricht eine EAI-Architektur gegenüber bisheriger Anwendungsintegration somit auch finanzielle Vorteile. Diese zeigen sich in billigerer Entwicklung für Integrationskomponenten im IT-Bereich sowie sinkenden Geschäftsprozesskosten in den Fachbereichen, da sich durch Automatisierung - auch über Firmengrenzen hinweg - die Kosten pro Geschäftsprozess um bis zu 70 Prozent senken lassen.

Allerdings bringt EAI auch nicht zu unterschätzende Investitionskosten mit sich. Diese sind zu Projektbeginn relativ hoch, wobei auf die Lizenzen im Vergleich zu den Projektkosten der geringere Anteil entfällt. Entscheidend für eine Kostenbetrachtung sind aber der Return on Investment sowie die Amortisationszeit. Erste Praxisbeispiele belegen, dass eine Integration von Geschäftsprozessen sich schnell amortisiert - ein Tatsache, die heute in der EAI-Diskussion noch oft übersehen wird.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kommt EAI-Lösungen zudem eine strategische Rolle zu, da alle Geschäftsprozesse eines Unternehmens oder eines -bereichs über diese "Geschäftsprozess-Drehscheibe" abgewickelt werden und das verantwortliche Tool das gesamte Wissen über Abläufe, Regeln, Daten und Mappings in seinem Repository gespeichert hat. Ebenso wäre in Integrationsprojekten technisch eigentlich ein zentraler EAI-Server erforderlich, der mit allen Features für Skalierbarkeit, Load Balancing und Failover sowie Security ausgestattet ist. Wer diese zentrale Drehscheibe als Hardwarebox aber nicht haben möchte, kann bei der Produktauswahl auch auf eine dezentrale EAI-Technologie setzen.

Der EAI-Einsatz verlangt allerdings ein Umdenken von den Anwendern. Statt wie bisher üblich auf eine Systemlandschaft zu setzen, die von Punkt zu Punkt-Verbindungen und unzähligen individuellen Schnittstellen (Spaghetti-Integration) geprägt ist, besteht eine optimale Architektur aus vorhandenen Softwarekomponenten, die mittels Konnektoren mit der zentralen EAI-Drehscheibe verbunden sind. Erst wenn sich dieses neue Denken durchsetzt, entstehen Integrationsstrukturen, die tatsächlich sinkende Kosten in der IT und im Fachbereich ermöglichen.

Aufklärung tut Not

Trotz der skizzierten Vorteile von EAI hat sich das Konzept bis heute nicht durchgesetzt. Immerhin ist aber in vielen größeren Unternehmen mittlerweile das Potenzial erkannt worden, ebenso wie es mittlerweile eine Vielzahl von internationalen und nationalen Anbietern und Dienstleistern gibt, die sich dem Thema verschrieben haben. EAI wird aber erst dann mehr als ein Hype sein, wenn Unternehmen mehr Informationen über den erzielten RoI und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen aus aktuellen Projekten einsehen können, Anwender die EAI-Konzepte konsequent umsetzen und vor allem der Mittelstand besser über die Vorteile und auch Gefahren von EAI informiert worden ist. Es sollte nicht passieren, dass aus Mangel an Informationen die Unternehmenslenker dereinst die IT-Manager fragen: "Warum haben wir das nicht schon lange gemacht?" (as)

*Richard Nußdorfer ist Geschäftsführer der CSA Consulting GmbH in München.

Abb: Kostenberechnung in EAI

Das Großhandelsunternehmen Schulte aus Essen konnte dank einer Host-Integrationslösung seine Geschäftsprozesse optimieren und die Kosten senken. Quelle: nach WRQ Software