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03.03.2000 - 

Heißer Kampf um Gebühren bei Auktionsanbietern entbrannt

Ebay-Kunden laufen in Scharen zur Konkurrenz über

MÜNCHEN (wt) - Online-Auktionator Ebay Deutschland (Ebay.de) hat sich durch eine neue Gebührenstruktur den Unmut seiner Nutzer zugezogen. Der Anbieter verteidigt die Angebotsbeiträge als Maßnahme zur Qualitätssicherung, doch mehr und mehr Nutzer ziehen sich zurück.

Ebay, das Ende Juni 1999 das deutsche Online-Auktionshaus Alando kaufte und in Berlin residiert, versteht sich ausschließlich als Vermittler zwischen privaten Geschäftemachern. Das Unternehmen verdiente bislang nur an den Provisionen für erfolgreich abgewickelte Geschäfte seiner Kunden - und natürlich an Werbung. Am 5. Februar hat Ebay nun Gebühren für alle eingeführt, die ein Angebot auf der Auktionsplattform platzieren wollen. Die Firma kassiert also nicht mehr nur im Erfolgsfall bei den Kunden ab, sondern grundsätzlich.

Das Verhalten des Marktführers hat einen wahren Proteststurm in der Nutzergemeinde ausgelöst. Um ihrem Ärger Luft zu machen und auf Ebay Druck auszuüben, haben einige Anwender die "Auktions-Interessengemeinschaft" (www.auktions-ig.de) gegründet. Diese Organisation für Käufer und Verkäufer will Schwachstellen bei Online-Auktionen aufspüren, Kontakte zwischen den Mitgliedern herstellen, willkürlicher Preispolitik entgegenwirken und Tipps zum Umgang mit Auktionen bereitstellen. Vor allem plant die Interessengemeinschaft eine Bewertung der Auktionsplattformen durch die Vergabe von Punkten und die Einführung eines Gütesiegels. Dieses Siegel soll durch die Mehrheit der Mitglieder vergeben werden. Die Teilnahme ist kostenlos. Interessierte können sich auf der Homepage anmelden.

Die Transparenz der Auktions-IG-Website lässt allerdings stark zu wünschen übrig. Weder ist ein Impressum vorhanden, geschweige denn ein Verantwortlicher benannt, noch geben sich die angeblich knapp 100 Mitglieder zu erkennen. Die Datenbank der deutschen Domain-Registrierungsinstanz Denic verrät immerhin, dass ein Georg-Wilhelm Seefried aus Neuhof/Zenn Inhaber der IG-Site ist. Als Inhaber eines Computervertriebs reagiert er aber erstaunlicherweise weder telefonisch noch per E-Mail auf Anfragen.

Auch sein Durchhaltevermögen scheint nicht sehr ausgeprägt zu sein. Eine gesonderte Website, die als Sprachrohr unzufriedener Ebay-Kunden dienen sollte (www. eprotest.here.de), hat nach nur zwei Wochen ihre Pforten wieder geschlossen. Lakonischer Kommentar: "Bedingt durch das energische Festhalten an der seit dem 5. Februar 2000 gültigen Gebührenordnung wird festgestellt, dass das primäre Protest-Ziel, nämlich die Rücknahme der Angebotsgebühr, nicht erreicht worden ist. Eine Fortsetzung des Protests wird aufgrund der Begleitumstände als sinnlos eingeschätzt." Ein Schelm, wer Böses bei so rascher Aufgabe denkt.

Es lässt sich allerdings nicht leugnen, dass die Anzahl der Auktionen bei Ebay.de seit Einführung der Angebotsgebühr deutlich abgenommen hat (siehe Grafik). Das belastet Ebay-Sprecher Joachim Guentert aber keineswegs. Die Gebühren seien eine Qualitätssicherungsmaßnahme: "Wir wollten die Zahl der Schrottangebote, wo Waren zu nicht marktfähigen, etwa völlig überhöhten Preisen angeboten wurden, reduzieren und die Website wieder übersichtlicher machen." Ebay habe auch nicht aus dem Zwang heraus gehandelt, neue Geldquellen zu erschließen, so Guentert gegenüber der COMPUTERWOCHE: "Dann hätten wir sehr viel leichter die Provisionen für getätigte Käufe erhöhen können. So mussten wir neue Abrechnungsstrukturen einziehen." Schaut man sich die Höhe der neuen Angebotsgebühren an, so ist die Aufregung der Nutzer ohnehin nur schwer nachvollziehbar. Sie reichen je nach Startpreis von 25 Pfennig bis zu einer Mark. Doch die Web-Anwender sind verwöhnt: wieso zahlen, wenn man etwas anderswo umsonst haben kann.

So verwundert es nicht, dass die Ebay-Protestler die kostenlose Auktionsplattform E-Hammer (www.ehammer.de) zum neuen Liebling erkoren haben. Die Konkurrenz des weltweiten Marktführers reibt sich die Hände. Offerto vermeldete per Pressemitteilung nicht ohne Häme einen "Run" auf das eigene Auktionshaus nach Einführung der Ebay-Gebühr. Sprecherin Christine Meindl beteuert im Gespräch mit der CW, Offerto werde auch in Zukunft weder Angebotsgebühren noch Verkaufsprovisionen von Privatnutzern nehmen.

Abb.: Seit Einführung der Angebotsgebühr am 5. Februar ist die Zahl der Auktionen bei Ebay drastisch gesunken. Erboste Nutzer haben das Logo des Anbieters für ihre "Epay"-Initiative verballhornt. Quelle: Auktions-IG.de