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25.04.2006

Ebay verhandelt über Allianz gegen Google

Der Boom der Online-Werbung verändert die Wettbewerbslandschaft im Internet.

Ebay verhandelt sowohl mit Yahoo als auch mit Microsoft und will dabei herausfinden, ob sich einer von beiden als Partner für eine Allianz gegen Google eignet. Das berichtet das "Wall Street Journal". Ebay hatte über Jahre hinweg eng mit Google zusammengearbeitet. Der Auktionator wurde dann aber aufgeschreckt, als Google anfing, in seinen Gefilden zu wildern (zum Beispiel mit Kleinanzeigen in "Google Base").

Die zweigleisigen Verhandlungen mit Yahoo und Microsoft begannen im vergangenen Herbst, wie das Wirtschaftsblatt unter Berufung auf Insider berichtet. Sie könnten in eine Allianz münden, in deren Rahmen Ebay seine Werbung beim ausgewählten Partner verstärken und diesem auch Zugriff auf seine Kundendaten gewähren könnte. Auch eine engere technische Integration der jeweiligen Systeme wäre denkbar, um eine bessere Cross-Promotion zu ermöglichen.

Unklar ist noch, um wie viel Geld es dabei gehen könnte und ob möglicherweise über eine komplexere finanzielle Transaktion nachgedacht wurde, beispielsweise eine Überkreuzbeteiligung.

Google hat bereits reagiert und Ebay seinerseits eine engere Partnerschaft angeboten. Diesen Vorschlag nimmt die Auktionsplattform, die außerdem den Bezahldienst PayPal und den Internet-Telefoniedienst Skype betreibt, nun ebenfalls unter die Lupe - auch deswegen, weil die Ebay-Verantwortlichen Googles Suchtechnik noch immer als denen von Yahoo und Microsoft überlegen ansehen.

Mit oder gegen Google?

Ebay steckt also in der Zwickmühle, auf der einen Seite nach möglichen Partnern für eine Allianz gegen Google zu suchen, auf der anderen Seite aber auch eine engere Verbindung mit der Suchfirma einzugehen. In jedem Fall drehen sich die Verhandlungen letztlich um das heiße Thema Online-Werbung.

Ebay "weiß seit einiger Zeit, dass Google kurzfristig enorme Möglichkeiten eröffnet, längerfristig aber vielleicht seine größte Bedrohung darstellt", erklärte Jeff Lanctot, General Manager der Online-Werbefirma Avenue A/Razorfish. Der boomende Markt für Werbung auf Internet-Seiten verändert und verkompliziert die Marktlandschaft und das Verhältnis der vier Branchenriesen zueinander stark.

Ein künftiger Partner von Ebay würde vermutlich das Recht erhalten, die Werbung seiner Kunden auf den Millionen Auktionsseiten einzublenden. Google, Yahoo und Microsoft betreiben alle solche Systeme, bei denen sie sich den Umsatz jeweils mit den Werbetreibenden teilen. Ebay ist auf diesem Gebiet nicht aktiv, gibt dafür aber selbst viel Geld für Online-Werbung aus - das dann zu einem größeren Teil an einen möglichen Partner gehen könnte.

Kein Kommentar

Bislang ist völlig offen, ob die Gespräche zu irgendeinem Ergebnis führen werden. Es stehe auch noch kein Datum für eine Entscheidung fest, heißt es. Ebay habe Geschäftsbeziehungen zu allen drei Unternehmen, und das werde voraussichtlich auch so bleiben.

Ebay-Sprecher Chris Donlay wollte die Verhandlungen nicht kommentieren und bemühte sich gleichzeitig, die Rivalität mit Google herunterzuspielen: "So schnell wie sich das Internet verändert, ist es nicht verwunderlich, dass die Grenze zwischen Wettbewerb und Kooperation manchmal verschwimmt." Von Yahoo, Google und Microsoft gab es ebenfalls keine Stellungnahmen. (tc)