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28.01.1994

Eckart Modrow Zur Didaktik des Informatik-Unterrichts Duemmler Verlag, Bonn, zwei Baende, zusammen 400 Seiten, je Band 36 Mark.

Nach Ansicht von Eckart Modrow haben Autodidakten das Schulfach Informatik aufgebaut; er meint, auch in Zukunft wuerden Informatiklehrer Autodidakten sein.

Im Alter von 16 bis 19 Jahren bilden sich bleibende Wertvorstellungen, Einstellungen und Vorlieben. Spaeter, als Berufsanfaenger, geraet man damit leicht in Normkonflikte. Wenn sich abweichende Normen haeufen, sollten Praktiker ihre Wuensche darlegen und Kompromisse suchen.

Modrow beobachtet seine Schueler gut - er muss Tagebuch gefuehrt haben. Er kennt den Stand der Technik, durchmustert ihn, nimmt zu allen Themen Stellung, bewertet sie nach dem Grundsatz, dass Schulen Allgemeinwissen, nicht Spezialwissen vermitteln sollen. Er gibt Ratschlaege fuer die Einstimmung in Einzelthemen und begruendet sie. Den Abschnitt "Gesellschaftliche Auswirkungen der DV" sollte jeder lesen, bevor er ueber dieses Thema mitreden will. Hinter der selbstaendigen Arbeit des Schuelers tritt das Unterrichten ganz zurueck. Vorratswissen ist bei Modrow verpoent. Er wuenscht sich kreative, aktive, nicht aber rezeptive Schueler.

Softwarehaeuser sind zur Stellungnahme aufgefordert, weil Modrows Wertungen allen Forderungen in ihren Stellenangeboten der letzten zehn Jahre widersprechen. Der Autor will dem Schueler nur bieten, was beim Berufseintritt nicht ueberholt ist. Eine solche Prognose duerfte jedoch unmoeglich sein.

Man fragt sich, ob Modrow nicht gar auf die Programmiersprache verzichten wuerde, wenn ihm Columbus-Fortran (entstanden vor 1978) oder Gleichwertiges zur Verfuegung stuende. Wenn Programmierer 70 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Fehlerbeseitigung zubringen, dann sollte der Schueler nicht alle Erfahrungen selbst machen muessen, dann darf der Lehrer im Sinne foerdernder Redundanz warnen.

Wenn die Kosten fuer den Test eines Programms 45 Prozent der Entwicklungskosten betragen, dann sollte der Schueler Tests planen lernen. Testen ist eine kreative Taetigkeit. Die Schule ermahnt ihn ja auch sonst zu Rechenproben, zum Rueckuebersetzen. Logik ist nicht nur die Lehre vom Schliessen, sie umfasst auch die Regeln der Begriffsbildung. Fehler, die auf solche Verstoesse zurueckgehen, sind besonders schwer zu orten. Werden Gegenstaende nicht unterrichtet, sondern erst eingefuehrt, wenn sie waehrend eines Projektes unumgaenglich werden, dann wird sich das Wissen der Schueler von Gruppe zu Gruppe stark unterscheiden.

Programmiersprachen sind Sprachen mit so eingeschraenktem Umfang, dass es viel Phantasie, ja Virtuositaet erfordert, sich in ihnen auszudruecken. Man muss dem Schueler also ihre ueberraschenden Moeglichkeiten vorfuehren, wenn er in seiner Ausdrucksfaehigkeit nicht arg beschraenkt bleiben will. Es mag 25 Typen von Unterprogrammen geben, man muss sich dieser Vielfalt nur bewusst sein. Geringer Programmumfang ist kein Grund, Themen wie Modulbindung und -kopplung auszugrenzen.

Programme soll der Schueler aufbauen, indem er Bestehendes erweitert, also nicht top-down. Das verleitet zum Basteln, doch Bastler sind dem Architekten grosser Systeme verhasst: Entwickler experimentieren leider nicht. Fuer Erweiterungen muss das Vorhandene gut dokumentiert sein, aussagekraeftige Namen koennen die Begriffsbildung nicht ersetzen, sie sagen zum Beispiel noch nichts ueber den Begriffsumfang aus.

Programmiersprachen und Betriebssysteme wird man in heuristischer Lehrform unterrichten. Bedienerwissen ist also kein Schrottwissen, wenn man sich spaeter in einem fremden Betriebssystem rascher zurechtfindet, weil man die sachdienlichen Fragen stellen kann.

Klimavergleiche zwischen benachbarten Orten (Stadt, Dorf) oder zwischen Schwaebischer Alb und Schwarzwald bieten Beispiele fuer Datenbanken und Verbunde und motivieren den Schueler durch die Moeglichkeit, eigene Entdeckungen zu machen. Der Teilnehmer am Wettbewerb "Jugend forscht" aus anderen Faechern wird in Informatikkursen sein Projekt foerdern wollen - eine Chance fuer seinen Lehrer.

Modrow moechte nicht in Standardsoftware schulen; deren Wesen, Bedeutung und Auswirkungen sollten Schueler aber an einem vorgetragenen Beispiel kennenlernen.