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01.09.2000 - 

Leasing, C/S-Computing und Outsourcing

Eckes löst den Mainframe ab und spart Geld

NIEDER-OLM (kk) - Das Jahr 2000 wird in die Historie der IT-Abteilung der Eckes AG als das Jahr der grundlegenden Veränderungen eingehen. Neben der Ablösung des Mainframes erfolgt auch die Ausgliederung des DV-Betriebs in eine eigene Gesellschaft.

Auf einige Kennzahlen seiner Abteilung ist Harald Fehsenfeld, Leiter Informationswesen der Eckes AG, zu Recht stolz. So liegen beispielsweise die Ausgaben für einen der rund 420 PC-Arbeitsplätze in Nieder-Olm bei Mainz inklusive LAN- und Support-Kosten, aber ohne Anwendungen, bei rund 400 Mark im Monat. TCO-Betrachtungen, etwa von der Gartner Group, weisen einen Normalwert bis 900 Mark aus. Sehr effizient arbeitet allem Anschein nach auch der hauseigene Helpdesk und Support, wo ein Mitarbeiter fast 200 Anwender betreut. Damit liegt Eckes am oberen Ende dessen, was in der Industrie als gängig angesehen wird. Ähnliches ergibt sich beim Verhältnis IT-Mitarbeiter zu Angestellten des Hauses, das bei Eckes eins zu 16 beträgt. Laut Gartner Group betreut bei komplexen Umgebungen ein IT-Mitarbeiter zwischen zehn und 20 Anwender.

Möglich geworden sind diese guten Ergebnisse durch ein Bündel von Maßnahmen. Um die Kosten für PC-Arbeitsplätze gering zu halten, setzt Fehsenfeld beispielsweise durchgängig auf weitgehende Standardisierung, optimierte Laufzeiten und Leasing der gesamten Hardware, also auch der Server und Arbeitsstationen. Dieses Prinzip versucht der IT-Chef auch auf die Eckes-Gesellschaften in mehreren europäischen Ländern zu übertragen: "Wir streben eine einheitliche Umgebung an - mit Microsoft als Lieferant für das Betriebssystem und die Bürokommunikations-Software, SAP R/3 und TCP/IP als Netzprotokoll."

Vorteilhaft auf die Kosten soll sich schon in diesem Jahr die neue IT-Architektur auswirken, die am Hauptsitz des Getränkeherstellers in Nieder-Olm derzeit errichtet wird: Ablösung des Mainframes und Umstellung auf Client-Server-Computing. Kurz vor dem Abschluss steht der Umstieg von SAP R/2 auf R/3. Seit etwa zweieinhalb Jahren arbeitet die IT-Abteilung an diesem zweistufigen Projekt, an dem die Mehrzahl der 24 Entwickler beteiligt ist. "Am ersten Oktober schalten wir den Mainframe ab", freut sich Fehsenfeld schon heute.

Dann sollen "Primergy N70"-Rechnerknoten von Fujitsu-Siemens die wassergekühlte BS/2000-Anlage ersetzen. Sie sind unter "Microsoft Cluster Services" (MSCS) ausfallsicher installiert und zuständig für File-Sharing, Print-, Web- und Exchange-Server. Die Zwei- und Vierwege-Maschinen sind per Fibre Channel mit einem ebenfalls doppelt ausgelegten "Symmetrix"-Speicher von EMC verbunden. Aus Sicherheitsgründen wird das zweite Speichersilo, auf das die Produktivdaten per "Symmetrix Remote Data Facility" (SRDF) dupliziert werden, demnächst in ein anderes Gebäude wandern.

Die Entscheidung, beim Lieferanten der neuen Systeme wieder auf Siemens beziehungsweise jetzt Fujitsu-Siemens zu setzen, liegt vor allem an den Service- und Support-Qualitäten des deutschen Herstellers. Dazu Fehsenfeld: "Vielleicht hätten wir irgendwo anders noch billiger einkaufen können. Aber was passiert, wenn man einmal Hilfe benötigt?" Trotz einiger Umstrukturierungen, die in der Vergangenheit beim Lieferanten durch die Veränderung der Organisation oder der Mehrheitsverhältnisse eingetreten seien, arbeite man mit Siemens seit nunmehr 25 Jahren gut zusammen. Nicht zuletzt die Mitgliedschaft in der Save, der Anwendervereinigung der Siemens-Kunden, war für die positive Geschäftsbeziehung verantwortlich.

Zwei weitere "Primergy 870"-Server als Kernstücke der neuen R/3-Umgebung, die ebenfalls als ausfallsichere Knoten unter MSCS arbeiten, sind auch per Fibre Channel mit dem EMC-Speichersilo verbunden. Zusätzlich hängen im Netz noch "Primergy 670"- und "760"-Server, auf denen die Anwenderprogramme über eine Citrix-Server-Farm zur Verfügung gestellt werden. Auch ein Testsystem für neue Software wurde installiert.

Ist die Umstellung auf Client-Server-Computing beendet, dann werden fast alle der 650 Arbeitsstationen an den fünf deutschen Standorten - PCs, Notebooks und Windows-Terminals - als Thin Clients unter der "Metaframe"-Oberfläche von Citrix arbeiten. Eingeschlossen in dieses Konzept ist auch die betriebswirtschaftliche Software R/3 der SAP AG. Obwohl sich Microsoft die Multiuser-Erweiterung für NT per Lizenz von Citrix gesichert hat, nutzt der Getränkehersteller weiterhin die Terminaldienste der Entwicklerfirma. "Da gibt es nichts Besseres, insbesondere was die Netzbelastung angeht", glaubt der IT-Chef.

Ob das auch in Zukunft so bleiben wird oder ob einmal der "Advanced Server" von Windows 2000 die Citrix-Lösung ablösen könnte, darüber muss sich Fehsenfeld den Kopf nicht mehr selbst zerbrechen. Im April dieses Jahres hat Eckes weite Teile seiner IT-Landschaft in eine eigene Gesellschaft, die Nexio Operational IT-Services GmbH, eingebracht. Nur seine Entwicklungsabteilung behält Fehsenfeld im Haus. "Es wurden hier sehr gute Programme entwickelt, die wir eventuell sogar vermarkten wollen", begründet der IT-Leiter diese Entscheidung. Insbesondere habe man Lücken bei R/3 gefüllt, um die Software für die Belange eines Getränkeherstellers tauglich zu machen.

So differenziert Eckes nicht nur wegen der unterschiedlichen (Branntwein-)Besteuerung bei den Produkten zwischen alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken. Zudem verändert sich das Unternehmen durch die auch im Lebensmittelhandel und in der Getränkeindustrie fortschreitende Konzentration permanent. In- und ausländische Übernahmen und Beteiligungen müssen auch in der DV abgebildet werden. Derzeit gehören zum Konzern zwölf Auslandsgesellschaften, für die, wenn möglich zentral, beispielsweise Rohstoffe eingekauft werden. "Supply-Chain-Management spielt auch bei uns eine große Rolle", erläutert Fesenfeld.

Am neuen Unternehmen Nexio sind neben Eckes der IT-Dienstleister Microtec aus Bingen, der Citycarrier Mainz-Kom sowie der Geschäftsführer von Nexio, Andrea Mandanici, beteiligt. Das Spinoff hat momentan hauptsächlich Eckes als Kunden, will aber das Geschäft mit dem Anbieten von Dienstleistung - Stichwort Application-Service-Providing (ASP) - ausbauen. Von den 20 Mitarbeitern bei Nexio stammen 18 aus der DV-Abteilung von Eckes und bringen entsprechendes Know-how mit.

Die Eckes AGSeit Generationen im Familienbesitz, gehört Eckes heute zu den großen unabhängigen Unternehmen der Getränkebranche mit Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in elf europäischen Ländern. Mit alkoholischen und alkoholfreien Getränken erwirtschaftete Eckes 1999 einen Gesamtumsatz von rund 2,4 Milliarden Mark. Rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes werden im Ausland realisiert. Eckes ist nach eigenen Angaben der größte Fruchtgetränkeanbieter in Europa (Marken: Hohes C, Granini, Fruchttiger, Yo, Réa, Sio, Clippo). In Deutschland, Österreich und Tschechien ist Eckes die Nummer eins, in Italien einer der führenden Anbieter von Markenspirituosen (Marken: Chantré, Mariacron, Echter Nordhäuser, Julia, Stock, Freixenet). Das Unternehmen, das von Herbert Verse geleitet wird, beschäftigte im vergangenen Jahr mehr als 2300 Mitarbeiter, die Hälfte von ihnen im Inland.

IT-Umgebung bei Eckes/NexioDerzeit ist bei Eckes noch ein BS/2000-Mainframe im Einsatz, der aber am 1. Oktober abgeschaltet wird. Dann hat das Unternehmen vollständig auf Client-Server-Computing umgestellt und den Umstieg von R/2 auf R/3 bewältigt. Die Aufgaben des Großrechners übernehmen zwei Primergy-N70-Server-Knoten von Fujitsu-Siemens. Die als ausfallsichere Knoten unter Microsoft Cluster Services installierten Systeme sind über Fibre Channel mit zwei Symmetrix-Speichern von EMC verbunden. Rund 20 PC-Server für Anwendungen und mehr als 30 für die Bürokommunikation stehen zur Verfügung. Sie versorgen etwa 650 vernetzte Arbeitsstationen in den Standorten mit Daten. Hinzu kommen zirka 80 Tele- und Außendienst-Arbeitsplätze. Die PCs, Notebooks und Windows-Terminals laufen als Thin Clients unter der Oberfläche Metaframe von Citrix. Derzeit sind etwa 2 TB an Daten zu speichern. Gedruckt wird auf 200 vernetzten Printern.

Abb: Die neue IT-Umgebung bei Eckes stützt sich auf die EMC-Speicher und die Primergy-Server, auf denen auch R/3 läuft. Quelle: Eckes