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14.06.2007

Eclipse mischt den SOA-Markt auf

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Unter dem Dach der Eclipse Foundation könnte sich das quelloffene SOA-Framework der Deutschen Post zu einer ernsthaften Alternative zu kommerziellen Produkten entwickeln.

Technik

Support

Betriebssystem

Windows Server, Solaris, Linux (Red Hat, Suse, Debian, Ubuntu)

Application Server

Microsoft .NET, Oracle, Bea WebLogic, IBM WebSphere (in Entwicklung), Geronimo (in Entwicklung), Tomcat, JBoss, SAP NetWeaver (in Entwicklung), SUN GlassFish (in Entwicklung)

Connectivity

JBI, JCA, SCA (geplant), Soap

Transport

HTTP(s), JMS (MQ Series, Joram)

Sicherheit

XKMS, SAML

Management

JMX

Web-Services-Standards

WSDL, Soap, WS-Security, WS-I Basic Profile, WS-Addressing, UDDI

Als die Deutsche Post Ende März ankündigte, ihre selbst entwickelte SOA-Plattform unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen, war die Überraschung in der Branche groß. Immerhin hatte der Logistikkonzern mehr als fünf Jahre Arbeit in das System gesteckt. Wartung, Support, Schulungen und Implementierungsdienste übernehme der eigens gegründete und von der Post unabhängige Dienstleister Sopera, erklärten die Bonner. Im Mai übergaben sie den kompletten Sourcecode dem Projekt Eclipse, eine der größten Entwickler-Communities in der Open-Source-Szene. Dort firmiert die Plattform seither unter der Bezeichnung "SOA Runtime Framework". Sopera sicherte sich als Mitglied im Eclipse Board Einfluss auf die künftige Entwicklung. Doch was steckt wirklich hinter dem System? Eignet es sich als Alternative zu den mittlerweile zahlreichen kommerziellen Angeboten zum Aufbau einer Service-orientierten Architektur?

Hier lesen Sie

was hinter der SOA-Plattform der Deutschen Post steckt;

aus welchen Komponenten das System besteht;

welche Techniken und Standards das Open-Source-Framework unterstützt;

wie die Entwicklung unter dem Dach von Eclipse weitergeht.

Enterprise Service Bus

Genau genommen handelt es sich bei dem Framework um einen erweiterten Enterprise Service Bus (ESB), der grundlegende Messaging- und Integrationsfunktionen zur Verfügung stellt. Um eine vollständige SOA aufzusetzen, brauchen Unternehmen zusätzliche Komponenten von kommerziellen Drittanbietern oder der Open-Source-Community, die sich in Form von Plugins einklinken lassen. Unter dem Namen "Sopera Advanced Services Framework" (Sopera ASF) will der Bonner Dienstleister bis Ende des Jahres eine komplette Distribution anbieten, die standardmäßig bereits einige Plugins enthält. In einer Freeware Edition ist die Software bereits seit dem 29. März verfügbar.

Runtime Framework

Aus architektonischer Sicht besteht die Plattform aus zwei Blöcken: einem Runtime Framework für den laufenden Betrieb der SOA und einer Tool Suite für die Planungs- und Designphasen (siehe Grafik: SOA-Framework der Post). Das Herzstück des Runtime Frameworks bildet der Distributed Service Bus, ein Enterprise Service Bus im engeren Sinn. In der aktuellen Version unterstützt er die Kommunikation via HTTP oder HTTPS. Über die Standardschnittstelle Java Message Service (JMS) lassen sich Message-oriented Middleware -(MOM-)Systeme einbinden. Dazu gehören beispielsweise IBMs "MQ Series" oder das von Objectweb betreute Open-Source-System Joram.

UDDI-Registry

Als zentrale Verwaltungsinstanz nutzt das Framework eine Service-Registry nach dem Standard UDDI 3.0 Sie hält sämtliche für das Design und den Betrieb erforderlichen Metadaten vor, beispielsweise Schnittstellenbeschreibungen oder Policies. Sopera liefert standardmäßig Novells Registry "Nsure" mit. Über das Plugin-Konzept können Unternehmen beispielsweise auch das kombinierte Registry- und Repository-Produkt "CentraSite" der Software AG verwenden.

Ebenfalls in Form von Plugins bietet das Framework Funktionen für Business Process Management (BPM) und Business Activity Monitoring (BAM). Sopera greift dazu auf BPM-Systeme von Drittanbietern zurück, die unter anderem eine BPEL-Engine enthalten (BPEL = Business Process Execution Language). Damit lassen sich in BPEL beschriebene Geschäftsprozesse innerhalb des Frameworks ausführen. Anwender sollen künftig zwischen einer kommerziellen und einer quelloffenen BPM-Lösung wählen können, kündigte der Dienstleister an. Die Namen der Kooperationspartner standen zum Redaktionsschluss noch nicht fest.

Datenintegration

Auch das wichtige Thema Datenintegration löst Sopera über eine Anbindung von Third-Party-Produkten. In diesem Fall handelt es sich um das IBM-System "WebSphere DataStage", das der IT-Konzern als Teil seines Information Server vermarktet. Für das Identity Management hat die Post eine eigene Software entwickelt, die sich in unternehmensweite Lösungen anderer Anbieter integrieren lässt. Sopera ASF unterstützt unter anderem die Sicherheitsstandards Security Assertion Markup Language (SAML) und die XML Key Management Specification (XKMS).

Ähnliches gilt für den Bereich Monitoring und Management. Neben einer Eigenentwicklung der Bonner, die Serviceaktivitäten über den gesamten Lebenszyklus beobachtet, erlaubt das Framework die Nutzung von Plugins, die dem JMX-Standard (Java Management Extensions) entsprechen. Das quelloffene System-Management-Produkt Nagios ist standardmäßig angebunden; Unternehmen können darüber hinaus beispielsweise Hewlett-Packards "OpenView" oder IBMs "Tivoli"-Produkte einsetzen.

Tool Suite

Mit einer umfangreichen Toolsuite unterstützt Sopera vor allem die Planungs- und Designphasen beim Aufbau einer SOA. Editoren auf Basis der Eclipse Web Tools Platform (WTP) erleichtern das Definieren von Serviceschnittstellen und Service-Provider-Beschreibungen. Benutzer können dabei verschiedene Formate wie WSDL oder XML Schema im- und exportieren.

Für das Policy Design verwendet das Framework Dokumente gemäß dem Web-Services-Standard WS-Policy. Die Tool-Sammlung stellt dazu einen grafischen Editor zur Verfügung. Prozesse, die auf einer Process Engine gemäß dem BPEL-Standard ablaufen sollen, lassen sich mit den an das Runtime Framework angebunden BPM-Systemen und den darin enthaltenen Editoren von Oracle oder Intalio beschreiben. Auch für die Implementierung der Services und das Einrichten von Service-Providern und -Consumern liefert die Toolsammlung eine Reihe von Hilfsfunktionen. So lassen sich beispielsweise während der Designphase erstellte Metadaten über einen integrierten Wizard im Repository veröffentlichen.

Application Server

Als Ablaufplattform liegen klassische Web Application Server gemäß Java EE oder Java SE unter dem SOA-Framework (siehe Kasten: Unterstützte Techniken). Neben der Java-Welt, in der das System der Post entstanden ist, steht inzwischen auch eine Portierung auf Microsofts .NET-Plattform zur Verfügung. Sopera greift dazu auf die Windows Communication Foundation (WCF) von .NET 3.0 zurück. Noch in Arbeit befindet sich eine Portierung auf SAPs Integrations- und Ablaufplattform "Netweaver".

Ob sich das Framework auch außerhalb der Post durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Neben den kommerziellen Angeboten von Branchenschwergewichten wie IBM, Oracle oder der Software AG konkurriert Sopera ASF auch noch mit den quelloffenen Softwarestacks von Red Hat/JBoss und Apache, die ebenfalls große Entwicklergemeinden um sich scharen. Sopera-Geschäftsführer Ricco Deutscher jedenfalls gibt sich gelassen. Er erwarte auf lange Sicht eine Konsolidierung der Open-Source-Stacks, von der sein Unternehmen profitieren könne, erklärte er gegenüber der COMPUTERWOCHE: "Eclipse hat die besseren Governance-Strkuturen."