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04.05.1990 - 

Telekommunikation soll den Abbau der Handelshemmnisse forcieren

EDI: Binnenmarkt Æ93 fordert Koordination der EG-Kommission

Herbert Thomas ist Mitglied und deutscher Vertreter im Edifact-Board-Sekretariat des Tedis-Programmes der EG-Kommission DGXIII/D/5.

Zeitbombe Binnenmarkt

Sind wir doch einmal ehrlich: Wenn von Beamten die Rede ist, kommen uns zunächst Assoziationen wie Büroschlaf oder Phlegma in den Sinn. Natürlich sind diese Vorurteile so umstritten wie derzeit die Währungsunion.

Sicher scheint jedoch, daß den Brüsseler Eurokraten zum Müßiggang kaum Zeit bleibt. Es ist die Zeitbombe Binnenmarkt, die unaufhaltsam tickt und fieberhafte Aktivitäten erfordert.

"Klotzen und nicht kleckern" heißt die Devise angesichts der Handelshemmnisse, die nach wie vor den Alltag zwischen den EG-Partnern bestimmen. Tritt Europa nämlich im Jahr 1993 nicht als geschlossene Wirtschaftsmacht auf, fällt der Schwarze Peter als erstes den Beamten in Brüssel zu, die für die Vorbereitung wesentlich verantwortlich zeichnen.

Frühzeitig, schon Anfang der 80er Jahre, haben sich die Planungsstäbe in der belgischen Metropole den Kopf darüber zerbrochen, wie die Crux der nationalen Eigenbrötlerei beseitigt werden könne. Ergebnis: Schnellstmöglich mußten Programme zur Harmonisierung der jeweiligen Rechtsvorschriften erarbeitet werden, und damit alles noch schneller geht, kam man überein, die Telekommunikation als Katalysator zwischenzuschalten.

Electronic Data Interchange heißt die Zauberformel, dank der Europa in drei Jahren am Weltmarkt mit vereinten Kräften die Muskeln spielen lassen will. Von der EG-Kommission initiierte Projekte wie "Tedis", "Caddia" oder "Insis" haben zum Ziel, Industrie und Administration durch Studien und Projekte auf den gemeinsamen Markt vorzubereiten.

Der gute Wille ist also vorhanden. Jetzt gilt es, in den verbleibenden "1000 Tagen" noch einmal kräftig in die Hände zu spucken, damit die Kosten der Projekte nicht für die KatzÆ sind. Durch die Vereinheitlichung der Normen und EDI können laut Schätzung insgesamt etwa 140 Milliarden Mark eingespart werden. Das ist durchaus kein Pappenstiel.

Der europäische Binnenmarkt rückt immer näher. Soll er die angestrebte wirtschaftliche Einheit Europas bringen, müssen noch viele Hemmnisse zwischen den EG-Partnern ausgeräumt werden. Dies gilt insbesondere für den Bereich des Electronic Data Interchange (EDI). Die Telecom-Aktivitäten der Eurokraten in Brüssel und der europäischen Industrie bei der Koordination der Handelsmodalitäten beleuchtet die EDI-Serie von Herbert Thomas. Teil 1 beschäftigt sich mit Programmen der EG-Kommission.

Die europäische Gemeinschaft hat erkannt, daß der Abbau der Handelshemmnisse eine sehr wichtige Voraussetzung zur Realisierung des gemeinsamen Binnenmarktes sein wird. Untersuchungen haben gezeigt, von welcher strategischen Bedeutung ein rascher und koordinierter Ausbau der Telekommunikation und des elektronischen Datenaustausches für die Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen den Partnern der europäischen Gemeinschaft ist. Folgende Beispiele der heute noch bestehenden Beschränkungen sollen dies verdeutlichen:

- Die Verteilung von Gütern in Europa ist ein komplizierter Prozeß. Verzögerungen bei der Zollabfertigung führen im Durchschnitt zu zusätzlichen Kosten von rund 700 Mark pro Ladung, hervorgerufen insbesondere durch Formalitäten und Zollvorschriften.

- In Spanien muß eine Firma 60 Prozent mehr als der Durchschnitt für ein Akkreditiv über 50 000 ECU (ein ECU entspricht rund 2,05 Mark) zahlen, während die Kosten dafür in Deutschland um zehn Prozent unter dem Durchschnitt liegen.

- Für den Bau eines Flugzeugs werden 20 Tonnen Papier in Form von Formularen und Dokumenten benötigt.

Dies sind nur drei Beispiele für die derzeitigen Beschränkungen in der EG. Grenzkontrollen, unterschiedliche Rechtsvorschriften in den Mitgliedsstaaten sowie verschiedene technische Normen und Standards sind weitere Hindernisse für einen gemeinsamen Binnenmarkt.

Die Reduzierung und Vermeidung von Handelshemmnissen und Formalitäten ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Programme der EG-Kommission. Im Mittelpunkt mehrerer Projekte steht eine Verbesserung der europäischen Datenkommunikation und der zugrundeliegenden Netze. Viele Programme und Aktionen wurden bis heute schon von der EG durchgeführt, insbesondere in puncto Harmonisierung von Vorschriften und Entwicklung von Normen, um eine gemeinsame Infrastruktur zu schaffen. Schätzungen haben ergeben, daß durch die Vereinheitlichung der Normen bis zu 70 Milliarden ECU gespart werden können.

Mit der Einführung des europäischen Binnenmarktes Anfang 1993 sollen dann europaweite Normen für die Datenkommunikation und für den elektronischen Datenaustausch im kommerziellen Bereich eine entscheidende Bedeutung für die rasche Ausweitung des Handels zwischen den Mitgliedsstaaten erlangen.

So existieren zahlreiche Programme und Projekte der EG-Kommission für die Datenkommunikation zwischen den Benutzern, die eine Verbesserung der Handelsabwicklung erbracht haben und zukünftig noch erbringen sollen. Hier Beispiele für EG-Initiativen:

1. 1982 wurde ein interinstitutionelles Informationssystem mit integrierten Dienstleistungen, abgekürzt "Insis" gestartet. Insis soll in den 90er Jahren zum Einsatz kommen. Es ist ein Entwicklungsprogramm mit dem Ziel, neue IT-Anwendungen und neue Kommunikationsdienste für den Informationsaustausch zwischen den Institutionen der Gemeinschaft und den Verwaltungen der Mitgliedstaaten zu finden.

Insis zielt auf bestimmte Schwerpunkte

In der derzeitigen Phase besteht Insis aus Modellvorhaben, die auf bestimmte Schwerpunkte ausgerichtet sind. Sie liegen in der elektronischen Übermittlung schriftlicher Mitteilungen, Kommunikation zwischen verschiedenen Datenbanken, Telefon- und Videokonferenz-Systemen sowie der horizontalen Integration von Dienststellen.

2. Das "Caddia"-Programm (Zusammenarbeit bei der Automatisierung von Daten und Dokumentationen für die Ein- und Ausfuhr) hat unter anderem zu einem CD-Projekt (Koordiniertes Entwicklungsprojekt) geführt, mit dessen Hilfe die rechnergestützte Zollabfertigung sowohl bei Geschäften innerhalb der Gemeinschaft als auch mit Drittländern genormt wurde, das heißt, die Verbindung dieser Systeme mit anderen aus den Bereichen Administration und Handelsabwicklung wurde hergestellt. Neben dem Zoll sind auch noch die Gebiete Landwirtschaft und Statistik in dem Programm abgedeckt. Caddia stellt eine Anwendung der Prinzipien von Insis dar.

3. Um die praktischen Schwierigkeiten bei der Einführung des elektronischen Datenaustausches nach UN-Richtlinien (UN/TDID) zu untersuchen, wurde das Projekt Mercator in den Jahren 1983/1984 initiiert. Dieses Projekt hat gezeigt, in welchen Bereichen noch viele Entwicklungsaktivitäten und weitere Unterstützungsprogramme durchgeführt werden müssen, um die Inkompatibilität der Kommunikationsnetze und der Software abzubauen.

4. Mit der Einführung des SAD-Documents (Single Administration Documents - Einheitspapier) im vergangenen Jahr hat die EG einen wichtigen Schritt zum Abbau der Handelshemmnisse getan (geschätzte Ersparnis pro Produkt 3,5 Prozent). Aber dieses vereinheitlichte Dokument stellt nur einen Teil der Strategie der europäischen Kommission zur Vereinfachung der Handelsabwicklung dar.

Breite Nutzung der Telekommunikation

Das eigentliche Ziel ist die breite Nutzung der Telekommunikation, speziell des elektronische Datenaustausches, das heißt, die elektronische, papierlose Kommunikation zwischen Geschäftspartnern (Hersteller, Kunden, Transportunternehmen, Zollbehörden, Banken und Versicherungen).

5. Nach verschiedenen Studien und Initiativen wurde ein neues Programm von der EG-Kommission aufgelegt mit dem Ziel, die EDI-Anwendungen innerhalb der Gemeinschaft in koordinierter Form zu verbessern und auszudehnen. Der Ministerrat billigte es am 5. Oktober 1987. Es war auf zwei Jahre befristet und startete am 1. Januar 1988 unter dem Namen Tedis (Trade Electronic Data Interchange System - Transfer Elektronischer Daten nach internationalen Standards) als Fortführung des Caddia-Programmes.

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften führt im Rahmen der Generaldirektion Telekommunikation, Informationsindustrie und Innovation das Programm Tedis durch, um die Entwicklungen der Datenkommunikation in Wirtschaft und Verwaltung zu stimulieren. Eine besondere Bedeutung wird diesen Aktivitäten vor allem im Hinblick auf die Schaffung des europäischen Binnenmarktes beigemessen, der ohne entsprechende Kommunikations-Infrastrukturen nicht denkbar ist.

Das Tedis Programm verfolgt vier Hauptziele:

- Vermeidung einer raschen Vermehrung geschlossener EDI-Systeme und der damit verbundenen Inkompatibilität,

- Förderung der Entwicklung und des Einsatzes von EDI-Systemen für kommerzielle Zwecke nach den Bedürfnissen der Benutzer, insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU),

- verstärkte Aufklärung der europäischen Telekommunikations- und Informationsindustrie über solche Benutzerbedürfnisse sowie

- Unterstützung bei der Anwendung gemeinsamer Normen, zum Beispiel Edifact im Rahmen der Kommunikation offener Systeme (OSI).

Tedis konzentriert sich auf Koordinierung

Neben der Unterstützung von branchenspezifischen internationalen EDI-Initiativen konzentriert sich das Tedis-Programm auf sogenannte horizontale Aktivitäten, die im wesentlichen folgende Koordinierungs- und Aufklärungsmaßnahmen umfassen:

- Koordination: Branchenorientierte internationale EDI-Initiativen werden von der EG-Kommission ermutigt und gefördert. Durch entsprechende Koordinierungsaktivitäten kann ein intersektorieller Informationsaustausch sichergestellt sowie die Identifikation allgemeiner, übergreifender Probleme ermöglicht werden.

- Standardisierung: Die EG-Kommission stellt das Sekretariat des Edifact-Boards für Westeuropa und treibt vor allem durch gezielte Förderung die Entwicklung von EDI-Nachrichten nach dem Edifact-Standard voran.

- Telekommunikation: Die Sammlung von Benutzeranforderungen hinsichtlich der Telecom-Voraussetzungen für EDI sowie die Herstellung einer Verbindung zu den politischen Aktivitäten der EG-Kommission bei der Neuregulierung der Telecom-Märkte stellt eine Kernaufgabe in diesem Bereich dar.

- Rechtliche Aspekte: Zentrale Frage hierbei ist, ob und gegebenenfalls wie bestehendes Recht geändert werden muß, damit Konsequenzen von EDI wie der Fortfall von Papierdokumenten und eigenhändigen Unterschriften im rechtlichen Sinne nicht zum Nachteil werden.

- Sicherheitsaspekte: Neben der Betrachtung allgemeiner Sicherheitsanforderungen in offenen EDI-Systemen konzentrieren sich die Aktivitäten einmal auf Anforderungen wie Echtheit, Vollständigkeit und Nichtbestreitbarkeit einer elektronisch übermittelten Nachricht. Daneben ist die Entwicklung gemeinsamer, praxisorientierter Sicherheitsverfahren auf der Grundlage internationaler Normen von Bedeutung.

- Öffentlichkeitsarbeit: Aktivitäten in diesem Bereich zielen auf die stärkere Aufklärung potentieller Benutzer durch allgemeine Informationen in einfacher, verständlicher Art. Weiterhin müssen europäische Gerätehersteller, Softwarelieferanten und Beratungsunternehmen über die Marktchancen durch die Entwicklung von EDI-Systemen unterrichtet werden sowie über die bisherigen Fortschritte auf diesem Gebiet.