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25.05.1990 - 

TK soll den Abbau der Handelshemmnisse forcieren

EDI: Binnenmarkt '93 fordert Koordination der EG-Kommission

Der europäische Binnenmarkt rückt immer näher. Soll er die angestrebte wirtschaftliche Einheit Europas bringen, müssen noch viele Hemmnisse zwischen den EG-Partnern ausgeräumt werden. Dies gilt insbesondere für den Bereich des Electronic Data Interchange (EDI). Die Telecom-Activitäten der Eurokraten in: Brüssel und der europäischen Industrie bei der Koordination der Handelsmodalitäten beleuchtet diese EDI-Serie von Herbert Thomas*. Der letzte Teil beschäftigt sich mit Maßnahmen der EG-Kommission zur Steigerung der Poplarität von EDI.

Parallel zu der Koordinierung von Aktivitäten für EDI sieht das Tedis-Programm die Förderung des Bekanntheitsgrades von EDI und Edifact durch Öffentlichkeitsarbeit vor. Hierbei sollen die relevanten Kreise aus Wirtschaft, Verwaltung, Industrie und Handel in den Ländern der Gemeinschaft dazu ermuntert werden, sich für EDI/Edifact zu interessieren und die Vorteile und Wirtschaftlichkeit des elektronischen Geschäftsverkehrs erkennen. In Artikel 3 der Entscheidung des Ministerrates vom 5. Oktober 1987 sind zwei wesentliche Maßnahmen zur Sensibilisierung im Rahmen des Tedis-Programms festgeschrieben:

1. die Sensibilisierung für EDI bei potentiellen Nutzern und

2. Stimulierung der europäischen Hardware- und Softwareherstellern für die Möglichkeiten, die EDI auf breiter Basis bietet.

Paketlösungen sollen EDI zum Durchbruch verhelfen

Um diesen Zielen gerecht zu werden, hat das Tedis-Programm eine Vielzahl von Aktionen zur Information über EDI und Edifact initiiert.

Im September 1988 wurde zum Beispiel im Wege einer Ausschreibung eine Studie zur Feststellung des Bekanntheitsgrades von EDI und Edifact vergeben. Die Ergebnisse, liegen nun für die öffentliche Nutzung vor. Über 1000 Interviews wurden durchgeführt, die ein klares Bild darüber geben, wer EDI schon anwendet, welche Standards genutzt werden, welche Defizite im Vergleich zu Amerika vorhanden sind und welche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten existieren.

Weitere wichtige Erkenntnis. se erbrachte die Studie über noch zu schaffende Bedingungen in Sachen Telekommunikations-Infrastruktur, Tarifierung und Software. Ferner gab sie Aufschluß über Mängel in der Informationspolitik, Schulung und Transparenz. Ein Fazit der Studie ist, daß einfache, kostengünstige Paketlösungen, die auch mittleren und kleinen Unternehmen den Schritt zu EDI ermöglichen, der richtige Ansatzpunkt sind. Eine weitere Analyse ist zur Zeit in Bearbeitung und befaßt sich mit dem Thema Mehrwertdienste.

Im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit - wurden bis jetzt eine, Menge Informationsbroschüren und Artikel publiziert. Dazu gehören zum Beispiel Factsheets über Tedis, Rechtsaspekte, Edifact, Telekommunikation und Sicherheitsaspekte. Derzeit wird ein Video erarbeitet, das zeigt, wie die Edifact-Standard-Nachrichten strukturiert sind und im Unternehmen einführt werden können. Die Öffentlichkeitsarbeit für EDI soll noch verstärkt werden.

Workshops schaffen für User den EDI-Überblick

Außerdem fährt die EG auch Workshops zu den Themen Telekommunikation, Rechts- und Sicherheitsaspekte durch. Ziel des Meetings ist es, einen Überblick über die aktuelle Situation von EDI in Europa zu bekommen und auf -Basis dieser Erkenntnisse Anforderungen zu erarbeiten und Aktivitäten festzulegen. Die Ergebnisse das Workshops werden veröffentlicht.

Die EG-Kommission versucht EDI auch zu fordern, indem sie an Konferenzen und Ausstellungen aktiv teilnimmt und sie mit finanziellen Mitteln unterstützt. Ziel dieser Demonstrationen ist, zu zeigen, wie mit den OSI-Normen, X.400 oder FTAM, UNI Edifact-Standard-Nachrichten zwischen verschiedenen Rechnern und Programmen übertragen werden können.

Im Oktober 1988 schrieb die EG-Kommission im offiziellen Amtsblatt eine Aufforderung zur Teilnahme an Pilotprojekten aus. Die eingehenden Bewerbungen zeigten, daß in ganz Europa von allen Branchen ein großes Interesse an EDI besteht. Da die Zahl der Bewerbungen das Budget von Tedis gesprengt' ,hätte,' konnte nur ein Teil der, Projekte mit' finanziellen Mitteln versehen werden. Aus 63 Bewerbungen wurden zwölf ausgewählt, die mit einem Gesamt. betrag von 4,8 Millionen Mark unterstützt werden. Die Laufzeit der Pilotprojekte beträgt ein Jahr.

Prämisse der Ausschreibung war, Benutzergruppen in kleinen und mittleren Unternehmen zu schaffen sowie grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr zu realisieren. Das Hauptanliegen dieser Förderung besteht darin, Implementierungsprozesse in Gang zu setzen, die eine Beschreibung als Fallstudie erlauben. Auf deren Basis können dann Schwierigkeiten, aber auch eingeschlagene Lösungswege bei der Installation von EDI speziell bei kleinen und mittleren Unternehmen skizziert werden. Die zwölf Pilotprojekte sind EDI-Anwendungen aus neun verschiedenen Branchen, die im Durchschnitt Daten in drei Ländern austauschen. Die Erkenntnisse und Ergebnisse werden im zweiten Halbjahr 1990 vorliegen.

Zusammenfassung- Die EG-Kommission hat für den elektronischen Transfer von Gechäftsdaten ein Aktionsprogramm aufgestellt. Dieses Pro. ,ramm mit dem Namen Tedis hat zur Erreichung seiner Ziele folgende Vorgehensweisen eingeschlagen:

- Erfahrungen aus früheren der laufenden Projekten wer. en. genutzt, insbesondere im Hinblick, auf die Telekommunikations- und Normungspolitik.

- Es wird eng mit der Industrie und Verwaltung zusammengearbeitet, wobei die Kooperation im Rahmenspezifischer, branchenabhängiger Projekte durchgeführt wird. Dabei ollen Aspekte von allgemeinem Interesse sichergestellt und gefördert werden.

- Horizontalen und vertikale Aktionen, das heißt brauchen- und länderübergreifenden Initiativen sollen zur Vereinheitlichung der Interessen bei Normen, Gebühren, Vielsprachigkeit, Vertraulichkeit sowie Sicherheit führen.

Die Kommission ist überzeugt, daß EDI für die Errichtung des gemeinschaftlichen Binnenmarktes und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit heute wie auch in Zukunft n großer Bedeutung ist. Der Beitrag des Tedis-Programms zur Entwicklung des elektronischen Transfers von Geschäftsdaten besteht wesentlich in der Koordinierung und Aufklärungsarbeit.

Die Standardisierung im EDI-Bereich ist weit fortgeschritten. Die entwickelten Normen erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn sie auch angewendet werden. Die Nutzung von Normen soll nicht nur Selbstzweck sein, sondern es müssen sinnvolle Anwendungen und auch wirtschaftliche Interessen dahinter stehen. Die potentiellen Anwender der Normen aus Wirtschaft und Verwaltung werden nur dann in EDI investieren, wenn viele Teilnehmer europaweit und international mit dieser Technologie arbeiten. Dies wiederum wird Reaktionen bei den Anbietern auf dem Telekommunikations-Markt zeigen. Die Unternehmen und die Verwaltungen müssen hier Bedürfnisse wecken und aktiv werden.

Die "kritische Masse" von Teilnehmern kann nur erreicht und Überschritten werden, wenn die Kosten für die Anwendung von EDI so niedrig wie möglich gehalten und die Informationen über EDI und Edifact transparenter gemacht werden. EDI ist nicht in erster Linie die Realisierung eines technischen Systems, sondern eine strategische Unternehmenskomponente zur Verbesserung des Wettbewerbs.

Softwarelösungen, zum Beispiel als Paketlösungen für Datenstrukturen und Telekommunikation benutzerfreundlich und preiswert angeboten, wer. den dabei helfen, die Verbreitung von EDI schnell voranzutreiben. Einen weiteren Beitrag könnten niedrige TK-Kosten leisten.

*Herbert Thomas ist Mitglied und deutscher Vertreter im Edifact-Board-Sekretariat des Tedis-Programmes der EG-Kommission DGXIII/D/5.