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07.12.1990 - 

SCS-Studie soll EDI-Structur hierzulande klären

EDI: Die DV-Manager müssen mehr Überzeugungsarbeit leisten

07.12.1990

BERLIN (pg) - Wenig Neues an der EDI-Front: Auf dem Fachkongreß EDI '90 Deutschland in Berlin zeigte sich, daß der elektronische Austausch von Handelsdaten zwar an Bedeutung gewinnt, die erwartete Anwendungslawine 1990 aber noch nicht in Gang gekommen ist.

Die Akzente im EDI-Geschehen werden nach wie vor von der Großindustrie gesetzt. Es waren nämlich fast ausschließlich Referenten der Konzernriesen, wie IBM, Siemens, Bayer, BMW etc., die bei der zweitägigen Veranstaltung in der "neuen" deutschen Hauptstadt Erfahrungsberichte ablegten. Dabei wurde deutlich, daß EID fast nur von großen Produzenten und ihren Zulieferern genutzt wird, Anwendungen über diese Grenzen hinaus bisher aber weitgehend ausgeblieben sind.

Kritik wurde in diesem Zusammenhang hinter vorgehaltener Hand an der im

Bundeswirtschaftsministerium angesiedelten Deupro, dem deutschen Ausschuß für die Vereinfachung internationaler Handelsverfahren, laut. Der Organisation - gemeinsam mit dem DIN Träger des Kongresses - wird vorgeworfen, bei der Verbreitung des Bekanntheitsgrades von EDI zu passiv zu sein. Im Gegensatz zu anderen , so die Vorhaltungen, würde die Deupro keine Institution für die Wirtschaft schaffen, die EDI bis in den Mittelstand hinein populärer macht, und fehle es darüber hinaus an Subventionen und Manpower aus Bonn, die zum Erfolg dieser Technik beitragen.

Geldmittel für Pilotprojekte werden zum Beispiel von der EG-Kommission im Rahmen von Tedis I, einem Projekt zur Förderung von EDI, angeboten. Dem Programm soll, so Emile Peeters, bei der Euro-Behörde für EDI verantwortlich, Tedis II folgen. Mit dem auf drei Jahre veranschlagten Vorhaben beabsichtigen die Brüsseler, die Realisation von EDI im Hinblick auf den Binnenmarkt zu forcieren. Für das 30-Millionen-ECU Projekt muß allerdings der Ministerrat noch grünes Licht geben. Mit einer Entscheidung wird im April oder Mai nächsten Jahres gerechnet.

Die Vorwürfe an die Deupro wies deren Vorsitzender Ernst-August Hörig auf Anfrage der COMPUTERWOCHE entschieden zurück. "lch halte es für bedenklich, wenn eine staatliche Institution durch Subventionen beeinflußend in Prozesse der freien Wirtschaft eingreift", erläuterte der Beamte des Wirtschaftsministeriums seine Bedenken. Ebenso erachtet Hörig die Einrichtung von Organisationen wie Edifrance, das politisch dem französischen Premiere untergeordnet ist, in der Bundesrepublik für wenig sinnvoll.

Zusätzliche staatliche oder halbstaatliche Institutionen würden, so Deupro-Vorsitzende, den EDl-Prozeß nicht wesentlich beschleunigen. In Bonn, das wurde auf dem Kongreß deutlich, wird auf die Eigendynamik der Industrie bei der Verbreitung von EDI gesetzt.

Dabei sind Quantität und Qualität von EDI-Anwendungen in der Bundesrepublik relativ wenig bekannt. Um Licht ins Dunkel zu bringen, hat das Wirtschaftsministerium bei der SCS Informationstechnik GmbH, Mühlheim, eine Studie in Auftrag gegeben, die im Februar 1991 abgeschlossen werden soll. In Berlin legte das Beratungsunternehmen eine erste Zwischenbilanz vor, sensationelle Resultate blieben jedoch aus.

" EDI ist keine neue Technologie"

Als Negativfaktoren für die Verbreitung von EDI (Edifact) führten die Mühlheimer vor allem die ungeklärte rechtliche Situation sowie den individuell schwer quantifizierbaren Nutzen ins Feld. Insgesamt, so das Fazit des Zwischenberichtes, wurden die positiven Merkmale deutlich überwiegen, und es könne kein Zweifel bestehen daß langfristig Edifact ein strategisches Mittel und Stand der Technik werde.

"EDI ist keine neue Technologie sondern nur eine neue Form des Datenaustausches" verdeutlichte Peeters in seinem Vortrag und wies darauf hin, daß die Einführung von EDI in erster Linie ein Problem der Organisation sei. Die gleiche Ansicht vertraten nahezu alle Referenten des Kongresses. "EDI ist mehr eine organisatorische, nicht so sehr eine technische Herausforderung", bestätigte auch Alfred Eßlinger, Geschäftsführer der IBM Deutschland GmbH, die Erfahrungen seines Konzerns bei der lmplementation des Verfahrens.

Blockiert wird die Integration des elektronischen Austausches von Handelsdaten nach Ansicht von Frank Miska, Geschäftsführer der Kienbaum Unternehmensberatung GmbH, primär durch Verständigungsprobleme zwischen Geschäftsleitung und den DV- Verantwortlichen. Die Praxis, so Miska, zeige immer wieder, daß zwischen den bei den Bereichen Kommunikationsschwierigkeiten bestünden und die DV-Manager deshalb Probleme hätten, die Unternehmensleitung von den ökonomischen Vorteilen des EDI zu überzeugen .

Trotz der Mankos herrschte im Plenum eindeutig die Meinung vor, EDI gehöre in Form von Edifact die Zukunft. Das von der ISO festgelegte Syntax und Datenelement-Directory werde mittelfristig zu einer Internationalisierung und Vereinheitlichung der EDI-Verfahren führen, wenn sich die Gremien nach und nach auf die Gestaltung der entsprechenden Nachrichtentypen einigen und diese in einer endgültigen Form vorIiegen.

Gegenwärtig haben den Status 2 nur die Nachrichtentypen Bestellung und Rechnung. Als Vornorm (Status 1) liegen zur Zeit aber mehr als 40 Messsages dem UN/Edifact zur Verabschiedung vor. Mit zunehmender Zahl international gültiger Nachrichten, so der Tenor der EDI-Honoratioren werde auch die Bereitschaft der Großindustrie steigen, von ihren EDl lnsellösungen auf Edifact umzustellen.