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12.04.1996 - 

Electronic Data Interchange/

EDI gibt die Rolle des reinen Vehikels fuer Geschaeftsdaten auf

Der TK-Markt befindet sich seit drei Jahren in einem grundlegenden Wandel. Waehrend Ende der 80er Jahre neue Kommunikationsverfahren wie EDI aber auch E-Fax, E-Mail etc. nur zoegerlich in den IT-Abteilungen der Geschaeftskunden thematisiert wurden, hat sich die Szenerie Mitte der 90er Jahre grundlegend geaendert. EDI wurde von einer Schrittmacher- zur Schluesseltechnologie. Im Bereich der Standardisierung hat es durch die ISO-Norm Edifact Fortschritte gegeben. Zudem hielten Modeworte wie Multimedia und Internet Einzug in den alltaeglichen Sprachgebrauch.

Alle Augen richten sich gespannt auf das Jahr 1998, wenn durch die EU-weite Liberalisierung des TK-Marktes ein neues Zeitalter in der Telekommunikation eingelaeutet wird. Zu dem Monopolisten Deutsche Telekom AG haben sich in den letzten 18 Monaten private Anbieter gesellt, die aufgrund ihrer Voraussetzungen bezueglich Technik, Investitionsvermoegen und Marktzugang zu ernsten Herausforderern der Telekom werden. Aus nationaler Sicht sind dies Mannesmann Eurokom, Thyssen Telecom, RWE Telliance, Vebacom und Viag Interkom mit ihren jeweiligen strategischen internationalen Partnern (unter anderem AT&T, Bell South, British Telecom, Cable & Wireless).

Auguren sagen der TK-Branche fuer das Jahr 2005 einen hoeheren Anteil am Bruttosozialprodukt voraus als der Automobilindustrie. Zu beachten ist hierbei, in welch kurzer Zeit diese Entwicklung eintritt. Waehrend sich die Automobilindustrie ueber einen Zeitraum von fast 100 Jahren auf ihren heutigen Standard entwickelte, scheint die TK-Branche innerhalb von rund 25 Jahren gleichzuziehen.

Zunehmender Wettbewerb verbessert das AngebotH4>/H4>

Aus dieser Dynamik resultiert damit die Erkenntnis, dass die Anforderung "time to market" im TK-Markt noch viel erfolgsrelevanter ist als in anderen Branchen. Aus Sicht des Anwenders eine erfreuliche Tendenz, nimmt doch aufgrund des verschaerften Wettbewerbs die Produktvielfalt bei entsprechendem Preis-Leistungs-Verhaeltnis zu.

Wo findet sich nun EDI in diesem Szenario wieder? EDI bezeichnet den Austausch strukturierter Daten zwischen zwei DV-Anwendungen. In den einzelnen Branchen haben sich ueber die Jahre Inselloesungen manifestiert, die zumeist nur national oder in einer Branche Gueltigkeit haben und damit in ihrer Effizienz eingeschraenkt sind. Mit der Definition von Edifact gibt es seit einigen Jahren eine branchenuebergreifende und internationale Norm. Die OSI- Kommunikationsverfahren FTAM, X.400, X.435 und X.500 naehern sich ihrer kritischen Masse.

Das Marktforschungsunternehmen Ovum prognostiziert in einer Studie vom November 1995 dem EDI-Markt in Deutschland bis zur Jahrtausendwende ein jaehrliches Wachstum von 28 Prozent. Gleichzeitig gehen die Analysten davon aus, dass Deutschland im Jahr 2000 den drittgroessten EDI-Anwendungsmarkt in Europa darstellt. Im Anbietermarkt rechnet Ovum mit einer Konzentrationswelle. Allein in Deutschland gibt es zur Zeit ueber 60 EDI-Dienstleister und -Softwarehaeuser. Allerdings handelt es sich hierbei primaer um kleine und mittelstaendische Unternehmen, die vorhandene Marktnischen besetzt haben. Von diesen Anbietern weisen nur wenige einen jaehrlichen Umsatz in zweistelliger Millionenhoehe aus.

Bedenkt man, dass die Produktlebenszyklen immer kuerzer werden sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen sich veraendern, so muss die Frage gestellt werden, welche Anbieter in den kommenden Jahren noch die vom Anwendermarkt geforderten Software-Investments taetigen koennen. Hinzu kommt, dass die kleinen Anbieter haeufig nicht ueber die noetigen Vertriebskanaele verfuegen, um rasch genug auf eine starke Nachfrage reagieren zu koennen.

Aus den genannten Gruenden ist es nur noch wenigen grossen Anbietern moeglich, ihren Kunden zeitgemaesse, flexible Loesungen anzubieten. Selbst die Telekom steigt nach jahrelangem Zoegern nun in das EDI- Software- beziehungsweise in das EDI-Clearing-Geschaeft ein, wie auf dem EDI-Kongress 1995 in Bremen bekannt wurde. Kleine Anbieter werden sich in Nischen tummeln beziehungsweise regionale Bedeutung haben oder von den Key-Playern aufgekauft werden.

Aus internationaler Sicht kommt noch hinzu, dass auslaendische EDI- Softwarefirmen primaer aus den USA auf den deutschen Markt draengen (zum Beispiel Harbinger, Premenos oder Sterling). Allein heute finden rund 75 Prozent aller Software-Entwicklungen auf dem US- Markt statt, waehrend in Europa nur etwa 15 Prozent der Softwareloesungen generiert werden.

Aus Sicht der europaeischen Kunden gibt es jedoch noch starke Defizite im Servicebereich beziehungsweise bei der Anpassung von US-Softwarekomponenten an die Eigenheiten des deutschen Markts. Fuer grosse multinationale Konzerne mag dies keine Rolle spielen, da sie ueber eigene IT-Abteilungen verfuegen, fuer den Mittelstand ist es aber nach wie vor noch ein K.o.-Kriterium.

Im Vergleich zu frueher wird das Thema EDI zwischenzeitlich bei der Einfuehrung in Unternehmen nicht mehr nur von der technischen Warte, sondern auch aus organisatorischer Sicht betrachtet. Trotzdem beschaeftigen sich die Verantwortlichen immer noch ueberwiegend mit technischen Aspekten, um von den anwenderinternen Gestaltungserfordernissen abzulenken.

Die Einfuehrung von EDI gliedert sich in drei unterschiedlich zu gewichtende Themenkreise: Organisation, EDI-Funktionen und Umweltaspekte. Waehrend im Rahmen der Organisation zu klaeren ist, wie sich aufbau- und ablauforganisatorische Prozesse veraendern beziehungsweise die Schnittstelle zwischen Bedienungspersonal und der technischen Infrastruktur zu definieren ist, geht es bei den EDI-Funktionen ausschliesslich um technische Aspekte. Dazu zaehlen Fragen der Telekommunikation (X.400, OFTP, Geis, IBM, File- Transfer, TCP/IP, LU 6.2, IDOC, CPI-C), Sicherung- und Archi- vierung, Protokollierung, Uebersetzung (Edifact, Sedas, GAEB, VDA, ANSI X.12), Message-Handling, Anwendungs-Schnittstellen (SAP R/2 und R/3) und anderes.

Der Umweltbereich wird im Projektverlauf oft stiefmuetterlich behandelt, weil die realisierenden Mitarbeiter, haeufig die DV- Abteilung, hier zuwenig Know-how haben. Nichtsdestotrotz darf dieser Bereich nicht unterschaetzt werden. Behandelt werden in erster Linie rechtliche Fragestellungen. Dies ist darauf zurueckzufuehren, dass der Gesetzgeber vor rund 20 Jahren die TK- Anforderungen und ihre juristischen Indikationen nur unzureichend beruecksichtigt hat. Dadurch sind Gesetzesluecken entstanden, die sukzessive durch die dafuer zustaendigen Institutionen geschlossen werden. Erste Pilotprojekte unter anderem mit der Bundesnotarkammer beziehungsweise dem oeffentlichen Sektor sind bereits im Gange. In der Uebergangszeit muessen die Anwender in ihrem eigenen Interesse partnerschaftliche Spielregeln definieren (zum Beispiel mit Hilfe des EDI-Vertrages der Arbeitsgemeinschaft fuer wirtschaftliche Verwaltung e.V.).

In einem Projekt kann davon ausgegangen werden, dass die Organisation 40 Prozent, EDI-Funktionen 20 Prozent sowie die Umwelt 40 Prozent der benoetigten Zeit verschlingen. In der Praxis gilt jedoch tendenziell oft die Formel 10:80:10. Dies liegt daran, dass es fuer den Endanwender oft leichter ist, sich mit unternehmensexternen Aspekten zu beschaeftigen, die wiederum einfacher zu beeinflussen sind als interne Prozesse in Unternehmen. Genau hier liegt das Dilemma von EDI-Projekten. EDI ist ein rein anwendungsrelevantes Thema, das haeufig eben nur durch die technische Brille gesehen wird, dadurch aber auch nur ein Teilausschnitt betrachtet werden kann.

Seit gut 20 Jahren werden nun schon EDI-Projekte mit zum Teil recht unterschiedlichem Erfolg realisiert. Mit der Idee des EDI- Outsourcing sollen die Risiken verringert werden. Die Einfuehrung von EDI im Unternehmen ist mit vom Anwender zu erbringendem Aufwand verbunden und nicht, wie oft laienhaft vorausgesetzt wird, mit der vergleichsweise leichten Installation von PC- Standardprodukten zu verwechseln. Es sind zwar mehr oder weniger schluesselfertige Loesungen am Markt erhaeltlich, trotzdem koennen zumindest Teilaufgaben des Projekts nur durch den Endanwender geloest werden. Fuer mittelstaendische beziehungsweise kleine Unternehmen liegen hier die Einstiegsbarrieren.

Vor diesem Hintergrund wird seit drei Jahren auch in Deutschland das Thema Kommunikations-Outsourcing propagiert. Der Begriff EDI- Clearing-Center hat sich etabliert, nur verstehen die Anbieter darunter teilweise sehr unterschiedliche Leistungsspektren.

Die Idee ist, dass ein Anwender sein Kommunikationsaufkommen an einen externen Dienstleister auslagert, der alle gewuenschten Funktionen wie Konvertierung, Archivierung, Verschluesselung, Multi-Protokoll-Routing und Costumer Care fuer seinen Kunden abdeckt. Die gewuenschte Leistungstiefe ist vom Anwender gemeinsam mit dem Dienstleister zu definieren.

Die Idee des Outsourcings hat fuer den Anwender zweifelsohne ihren Reiz. Oft stellt sich jedoch das Problem, bei fehlendem Know-how den richtigen Dienstleister herauszufinden. Billig und sicher soll er sein, Sicherheit ist jedoch schwer zu quantifizieren. Als Orientierungshilfe bleibt deshalb haeufig nur der Preis. Einige EDI-Softwarehaeuser sind auf den Outsourcing-Zug aufgesprungen und bieten ihrer Klientel EDI-Leistungen an, die allerdings bezueglich ihrer technischen Umsetzung haeufig nur als semiprofessionelle Loesung bezeichnet werden koennen. Der Grund hierfuer ist, dass viele Dienstleister die Auffassung vertreten, EDI-Projekt- und Outsourcing-Geschaeft funktionierte aehnlich. Fakt ist jedoch, dass es sich um zwei ganz unterschiedliche Arten von Business mit verschiedenen Praemissen handelt.

Anwenderanforderungen sind sehr kostspieligH4>/H4>

Seitens des Anwenders werden komplexe Anforderungen an EDI- Clearing-Center gestellt. Genannt seien hier Schlagworte wie Kommunikations-, Archivierungs- und Sicherheits-Server unter Beruecksichtigung verschiedender Datenbank-Schnittstellen, Control Unit, Error-Handling, Systemmeldungen, Funktionen fuer Statistik- und Administration, Billing und Accounting, flexible Systemzugaenge, variable Kommunikations-Gateways, Entgeltfunktionen, Systemsicherheit, Skalierbarkeit, Performance, Betriebskonzept sowie Bereitstellung von Costumer-Care-Leistungen.

Allein der Aufbau von professionellen EDI-Clearing-Centern ist mit einem Aufwand von mehreren Mannjahren zu kalkulieren und benoetigt Investitionen in zweistelliger Millionenhoehe fuer Hardware, Software, raeumliche und technische Infrastruktur sowie Know-how- Aufbau. Allerdings verspricht das EDI-Clearing-Geschaeft starke Wachstumschancen, weshalb davon auszugehen ist, dass die Zahl der Anbieter in den naechsten Jahren zum Nutzen des Anwenders steigen wird .

Wohin entwickelt sich nun der Trend bei EDI, und ist die EDI- Technologie auch in den kommenden Jahren noch separat zu betrachten? Schon der Bangemann-Report "Europa und die globale Informationsgesellschaft" definiert das Ziel, eine Informationsgesellschaft fuer das 21. Jahrhundert aufzubauen. Hierzu sind unter anderem auch entsprechende Netzwerke notwendig.

ATM ist die Basis besserer DiensteH4>/H4>

Ein erster Schritt in diese Richtung war das schmalbandige ISDN. Die anschliessende Multimedia-Welle hat Schlagworte wie digitale Kompression beziehungsweise Breitbandigkeit nach sich gezogen. Als zukuenftiger Standard zur universalen Bewaeltigung multimedialer Anforderungen bildet sich die Breitbandtechnologie ATM heraus. ATM gilt als Basis fuer die Realisierung breitbandiger Mehrwertdienste. Vor diesem Hintergrund ergeben sich ganz neue Moeglichkeiten, aber auch Integrationsanforderungen fuer EDI.

Beispielhaft genannt sei hier "Infocity NRW". Infocity ist das zur Zeit groesste Multimedia-Projekt in Deutschland, das in Nordrhein- Westfalen realisiert wird. Ziel ist neben der Versorgung von Geschaeftskunden auch die Anbindung von Privathaushalten mit Angebotsmoeglichkeiten wie Video on demand ueber Bewegtbild-Archiv bis hin zu Tele-Shopping und Tele-Banking. Infocity liegt ein 220 Kilometer langer Glasfaserkabel-Backbone zugrunde, der die Staedte Duesseldorf, Wuppertal, Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg und Koeln/Bonn verbindet.

In diesem Zusammenhang wird EDI mehr und mehr zum integralen Bestandteil uebergreifender Kommunikationskonzepte und darf nicht mehr losgeloest betrachtet werden. So werden beispielsweise in der Konsumgueterindustrie nicht nur Artikelstammdaten zwischen Industrie und Handel uebertragen, sondern auch Videoclips zu einzelnen Produkten in sogenannten Points of Presentation angeboten. EDI stellt zukuenftig eine Kommunikationsfunktion in einer multimedialen Welt dar.

Bis dahin werden zwar noch einige Jahre vergehen, Fakt ist aber, dass der heutige Kunde eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen im Einsatz hat, die mit Schnittstellen zu Kommunikations- Mehrwertdiensten zu versorgen sind. Diese Loesungen (EDI, E-Mail, Archiv) koennen vom Kunden sowohl intern als auch extern (Outsourcing) betrieben werden.

Kurz & buendig

Marktforscher sagen fuer Deutschland ein kontinuierliches Wachstum von EDI-Anwendungen voraus. Durch eine staerkere organisatorische Sichtweise sowie die Reise in die vielzitierte Infogesellschaft tritt jedoch ein Paradigmenwandel ein. Die Folge: Outsourcing ist bei EDI kein Tabuthema mehr, und im Rahmen von Projekten wie Infocity dient EDI nicht mehr nur dem reinen Austausch von Geschaeftsdaten, sondern auch als Kommunikationsvehikel in einer multimedialen Welt.

*Michael Mueller-Berg ist Geschaeftsfuehrer der Lion Edinet Gesellschaft fuer Kommunikation mbH in Koeln.