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25.05.2001 - 

Angesichts EAI und XML

EDI hat noch lange nicht ausgedient

Die Diskussion um den unternehmensübergreifenden Datenaustausch ist derzeit reichlich konfus. Dem Klassiker Electronic Data Interchange (EDI) wird von mancher Stelle eine Verdrängung zugunsten von Techniken für Enterprise Application Integration (EAI) und XML vorausgesagt - tatsächlich ergänzen sich aber diese Verfahren. Von Björn Georg*

Aktuelle Themen wie Supply-Chain-Management (SCM), E-Procurement, Online-Marktplätze oder Vendor Managed Inventory (VMI) lassen das scheinbar antiquierte Konzept von EDI in den Hintergrund treten oder suggerieren, dass EDI durch diese neuen E-Business-Strategien hinfällig wird. Auch das Schlagwort Enterprise Application Integration (EAI) wird derzeit als Nachfolger für EDI und als E-Business-Enabler gefeiert. Es zeigt sich jedoch, dass moderne Management-Strategien nur durch eine Synthese von EDI- und EAI-Konzepten realisierbar sind.

Hinter EDI verbirgt sich der unternehmensübergreifende Austausch von strukturierten Geschäftsdokumenten zwischen Rechneranwendungen unter Nutzung von Datenformat-Standards und Kommunikationswegen. Dabei ist das Ziel der integrierte und damit interventionslose Datenaustausch zwischen betriebswirtschaftlichen Anwendungen mehrerer Unternehmen. Zentraler Bestandteil ist die Konvertierung von standard- in anwendungsspezifische Formate und umgekehrt.

Die Zielsetzung von EDI unterscheidet sich von der des EAI-Konzepts nur geringfügig. Auch EAI sorgt für den integrierten Datenaustausch zwischen betriebswirtschaftlichen Anwendungen. Die Konvertierung der Daten erfolgt jedoch zwischen verschiedenen anwendungsspezifischen Formaten, die im Unternehmen eingesetzt werden. Der elektronische Datenaustausch verläuft also nur innerhalb der Unternehmensgrenze und meist ohne Verwendung von Datenformat-Standards.

Die Unterschiede zwischen EDI und EAI können somit anhand von zwei Faktoren - verwendetes Datenformat und Kommunikationsrichtung - festgemacht werden. EDI ist also per Definition für den zwischenbetrieblichen und EAI für den innerbetrieblichen Datenaustausch zwischen betriebswirtschaftlichen Anwendungen gedacht. EDI nutzt dazu Standard-Datenformate wie Edifact, VDA, Swift, XML oder Odette, während beim EAI-Konzept die Daten meist im proprietären Format der Anwendungen bleiben.

Dazu ein Beispiel: Ein Kunde bestellt auf dem Online-Marktplatz des Unternehmens zehn PCs. Die Marktplatz-Lösung, etwa von Commerce One, löst dabei folgende Prozesse aus: Die Bestellung des Kunden wird im xCBL-Datenformat vom EAI-System in das Datenformat der ERP-Applikation (SAP R/3, Sage KHK oder Oracle Applications) umgesetzt. Ferner können die Bestelldaten via EAI in das Format eines Data Warehouse und einer CRM-Software umgewandelt werden. Dabei unterscheiden sich die Konvertierungsvorgänge sowohl auf syntaktischer als auch auf semantischer Ebene.

Da die PCs auftragsbezogen gefertigt werden und die zur Produktion notwendigen Teile wie Soundkarten nicht vorrätig sind, wird durch die eingesetzte ERP-Lösung eine weitere Bestellung generiert. Das EDI-System transferiert diese in ein Standardformat und verschickt sie an das Partnerunternehmen. Kauft der Lieferant die bestellten PCs jedoch selbst nur hinzu, so kann direkt aus dem Online-Marktplatz ein Auftrag generiert, durch das EDI-System konvertiert und an das Partnerunternehmen übermittelt werden.

Gemeinsame PlattformAufgrund der unterschiedlichen Kommunikationsrichtung erfolgt der Datenaustausch innerbetrieblich über API-Schnittstellen und zwischenbetrieblich über die Protokolle SMTP, X.400, FTP oder OFTP. Über welche Netze die Daten zwischenbetrieblich transferiert werden, ist dabei unerheblich. Es handelt sich auch hier um EDI, egal ob die Kommunikation per SMTP beziehungsweise FTP über das Internet oder in geschlossenen Netzen (X.400, OFTP) erfolgt. Dabei sprechen die geringen Transferkosten für das Internet, das hohe Sicherheitsniveau aber für einen Austausch über geschlossene Netze oder Value Added Networks (VANs). So kann im Gegensatz zu geschlossenen Netzwerken oder VANs beim Datenversand via Internet weder eine Zustellbestätigung noch eine rasche Übertragung der Daten garantiert werden.

Die im vorangegangenen Beispiel aufgezeigten konzeptionellen Gemeinsamkeiten der EDI- und EAI-Systeme führen konsequenterweise zu einer Verschmelzung und fordern den Einsatz einer Datenintegrations- und Kommunikationsplattform. Diese Plattform wird sowohl für den internen als auch externen Datenaustausch eingesetzt. Sie integriert alle notwendigen Module:

- Kommunikations-Connectoren (Protokolle oder APIs),

- Syntax-Checker zur Überprüfung von standard- und anwendungsspezifischen Datenformaten,

- Any-to-Any-Konverter zur Umsetzung in das Zieldatenformat,

- Message-Routing zur Steuerung der Datenaustauschprozesse,

- Management-Tools zur Administration und Überwachung des Systems,

- Logging und Archivierung für die Transaktions- und Rechtssicherheit sowie

- Workflow-Manager zur Definition von Sender-, Empfänger-, Kommunikationskanal- und Datenformat-Relationen.

Die Koexistenz von EDI und EAI wird besonders beim Thema Supply-Chain-Management deutlich. SCM bedeutet, dass alle Glieder einer Wertschöpfungskette vom Hersteller über Händler bis zum Endkunden als homogene Kette gesehen werden. Die einzelnen Glieder sollen sich auf ihre Kernkompetenzen beschränken. Ziel ist eine schnellere Rückkopplung und Reaktion aufgrund veränderter Kundenbedürfnisse.

Eine schnelle Rückkopplung und Reaktion setzt sowohl einen integrierten Datenaustausch zwischen den Partnerunternehmen und deren betriebswirtschaftlichen Applikationen als auch die Abstimmung der relevanten Anwendungen im eigenen Unternehmen voraus. Diese Anforderungen können nur durch EDI und EAI, also einer zentralen Datenintegrations- und Datenkommunikationsplattform, erfüllt werden. Die gleichen Voraussetzungen müssen bei der Verfolgung von E-Business-Strategien wie Efficient Consumer Response, Collaboration for Planning Forecasting and Replenishment (CPFR) oder beim Aufbau von Online-Marktplätzen erfüllt werden.

Im Zusammenhang mit EDI und EAI taucht häufig auch der Begriff Extensible Markup Language (XML) auf. Aussagen wie "XML wird EDI ablösen" oder "EAI nur durch XML realisierbar" führen dabei allerdings in die Irre. Mit XML hat das W3C eine Auszeichnungssprache geschaffen, die es erlaubt, anhand von Schemata Daten zu strukturieren, so dass eine Edifact-vergleichbare Weiterverarbeitung möglich ist. Durch die Extended Stylesheet Language (XSL) wird die grafische Aufbereitung der Daten im Web oder anderen Medien unterstützt. Das Ziel ist die Schaffung eines Standards für viele Anwendungsbereiche wie Web-EDI, Dokumenten- und Content-Management, Helpdesk-Systeme, Online-Marktplätze oder EDI und EAI.

Bei XML handelt es sich jedoch nur um einen neuen Datenformat-Standard beziehungsweise einen neuen Datencontainer, der in Konkurrenz zu klassischen Standardformaten wie Edifact oder VDA steht. XML ist also ein zusätzliches Werkzeug, um EDI zu realisieren: Es ergänzt EDI und steht nicht in Konkurrenz dazu.

Edifact kontra XMLEine Abgrenzung zwischen Edifact und XML lässt sich wie folgt vornehmen. Edifact wurde entwickelt, um einen vollautomatischen Nachrichtenaustausch im Sinne von EDI zu gewährleisten. Die Bedeutung der Nachrichteninhalte ergibt sich aus der Reihenfolge der Felder innerhalb der Nachricht. Dieser Aufbau hat die Vorteile, dass Nachrichten zum einen absolut sprachneutral sind, da beschreibende Elemente wie bei XML nicht erforderlich sind, zum anderen wird das Übertragungsvolumen durch die Trennzeichen- und Satzzeichensyntax auf ein Minimum reduziert. Zwar stehen heute diverse breitbandige Übertragungsmedien zur Verfügung, die auch den Austausch großer Datenmengen erlauben. Die interne Verarbeitung stellt jedoch noch immer einen Engpass in der Umsetzung großer Datenvolumina dar: Denn gerade für die Umsetzung der zuvor erwähnten E-Business-Strategien ist eine zeitnahe Verarbeitung der Daten von großer Bedeutung.

Neben dem um das bis zum Faktor zehn ansteigende Übertragungsvolumen ist die fehlende Standardisierung von XML auf semantischer Ebene ein entscheidender Nachteil gegenüber dem Edifact-Standard. Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen:

Neben der offensichtlichen Differenz im Datenvolumen unterscheiden sich die Formate insofern, als sich die Bedeutung der Inhalte in Edifact aufgrund ihrer Position ergibt. Im Gegensatz dazu sind die so genannten XML-Tags (zum Beispiel <Bestellmenge>) nicht standardisiert. Wollen zwei Partner Daten im XML-Format austauschen, so müssen zuvor Bedeutung und Reihenfolge definiert werden. Diese bilateralen Absprachen machen den Austausch kompliziert und aufwändig. Zwar versuchen sich viele nationale und internationale Gremien an der semantischen Standardisierung, doch drohen aufgrund von Interessensdivergenzen unzählige inkompatible XML-Schemata-Subsets.

Die XML-Standardisierungsinitiative mit den größten Aussichten auf internationale Anerkennung ist ebXML (www.ebxml.org). Die beiden zentralen Gruppen innerhalb dieser Organisation sind UN/ Cefact (www.unece.org/cefact) und Oasis (www.oasis-open.org).

Auch für den interapplikativen Datenaustausch innerhalb eines Unternehmens hat XML als Standard nur eine bedingte Relevanz. Ziel von EAI ist der integrierte Datenaustausch zwischen zwei Applikationen wie Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung. Mit EAI-Lösungen sollte eine direkte Zuordnung der Daten vom Format des Warenwirtschaftssystems in das der Finanzbuchhaltung möglich sein.

Aufgrund der hier dargestellten Restriktionen bietet XML für den integrierten Datenaustausch keine Vorteile gegenüber klassischen oder anwendungsspezifischen Formaten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass XML keine Anwendung finden wird. Die voraussichtlichen XML-Schwerpunkte werden aber nicht bei EDI und EAI liegen, sondern vielmehr bei Anwendungen, die eine Visualisierung von Datenbeständen beinhalten.

*Björn Georg ist Consultant bei der Retarus GmbH in Höhenkirchen.

Der UnterschiedPositionsangaben einer Bestellung im Edifact-Format

LIN+1+4711-HE''

QTY+21+100+PCE''

Positionsangaben einer Bestellung im XML-Format

<Positionsangaben><Positionsnummer>1</Positionsnummer><Artikelnummer>4711_HE</Artikelnummer><Bestellmenge>100</Bestellmenge><Mengeneinheit>Stueck</Mengeneinheit></Positionsangaben>

Abb: Aufbau einer EDI-EAI-Plattform

Klare Rollen: EAI innerhalb des Unternehmens, EDI zwischen den Unternehmen. Quelle: Retarus