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23.11.1990 - 

Arbeitsgruppe legt CCITT zwei Spezifikationen vor

EDI-Übertragung läuft auf den Standard X.400 hinaus

Dipl.-Ing. Peter Delfs ist als Mitarbeiter des Fernmeldetechnischen Zentralamts in Darmstadt für Value Added Services zuständig.

Die Bedeutung des Electronic Data Interchange (EDI) ist heute kaum mehr umstritten. Die Diskussion hat sich vielmehr auf die Standardisierung und die Frage nach geeigneten Übermittlungsmethoden verlagert. Der Beitrag von Peter Delfs* greift dieses Thema auf. Er beleuchtet das Zusammenspiel von EDI und dem Message-Handling-Standard X.400. Anlaß sind zwei neue MHS-Standards, die kurz vor der Verabschiedung im CCITT stehen.

Mit der wachsenden Bedeutung von EDI hat auch die Frage nach geeigneten Übertragungsmethoden an Wichtigkeit gewonnen. Der Versand von Disketten oder die Nutzung bilateral vereinbarter, nicht genormter Übertragungsverfahren war nicht länger akzeptabel. Das Übertragungsmittel sollte sowohl die aus dem EDI-Bereich gestellten Anforderungen erfüllen als auch auf eingeführten und verbreiteten Normen basieren. Der Austausch von EDI-Dokumenten zwischen Handelspartnern sollte vor allem sicher und zuverlässig sein und das Einschalten von neutralen Instanzen (Parteien) gestatten.

Eine Reihe von Studien untersuchten deshalb geeignete Übermittlungsverfahren. Ergebnis war, daß die X.400-Protokolle ein geeignetes, in vielen Bereichen sogar die optimalste Übermittlungsnorm darstellen. Neben X.400 muß auch FTAM (File Transfer Access Management) als weiteres Medium erwähnt werden. X.400 erfüllte in der Version von 1988 (Blaubuch) bereits wesentliche Anforderungen, obwohl dennoch einige wünschenswerte Features ausstanden, die in bestehenden X.400-Protokollen ebenfalls nicht möglich waren.

Deshalb begannen 1988 die Normierungsaktivitäten innerhalb des CCITT, um diese Lücke möglichst schnell zu schließen. Es bildete sich eine Gruppe innerhalb der Organisation, die sich aus X.400- sowie EDI-Spezialisten (Edifact, ANSI X12) zusammensetzte. In für einen Normungsprozeß erstaunlich kurzer Zeit entstanden zwei sich ergänzende Empfehlungsentwürfe, die im Juni 1990 fertiggestellt und dem CCITT zur Abstimmung vorgelegt wurden. Mit ihrer Annahme ist zu rechnen. Die Titel der beiden Empfehlungsentwürfe lauten:

- F.435: Message Handling: EDI Messaging Service und

- X.435: Message Handling Systems: EDI Messaging System.

Der Wunsch, X.400 als Übertragungsmedium zu benutzen, war jedoch bereits vorhanden. Man wollte und konnte nicht auf die Verbreitung der X.400-Standards (1988) einschließlich der nun fertiggestellten "ergänzenden" Empfehlungsentwürfe warten und begann, EDI-Dokumente auf der Basis der X.400-Normen (1984) zu übertragen. Leider entstanden dadurch in Europa und Nordamerika zwei unterschiedliche Interimslösungen. Während in Europa der sogenannten P2-Ansatz - das EDI-Dokument wird als Teil einer Interpersonal Message (IPM) übermittelt - gewählt (auch unterstützt durch diverse Bestrebungen der EG) wurde, bevorzugten die Nordamerikaner den PO-Ansatz. Das EDI-Dokument wird dabei nicht als eine IPM, sondern als eine nicht näher spezifizierte Mitteilung übertragen. Mittlerweile ist X.400 in der Version von 1984 ein häufig eingesetztes Über. mittlungsprotokoll geworden.

Für den mit X.400 vertrauten Leser werden die Erweiterungen keine Überraschung aufweisen, war es doch Ziel der Standardisierer, die für EDI erforderlichen Änderungen und Ergänzungen möglichst gering zu halten. Die wohl wichtigste Entscheidung: Für die Übermittlung von EDI-Dokumenten galt es, einen neuen Messagetyp, die EDI-Message (EDIM), zu definieren. Bisher kannte man nur Mitteilungen vom Typ interpersonal Messaging (IPM); das sind Nachrichten, die hauptsächlich für den Austausch zwischen Personen (Briefe, Kurzmitteilungen etc.) bestimmt sind.

Aufgabe des neu definierten Mitteilungstyps EDIM ist, EDI-Dokumente inklusive möglicher begleitender Dokumente mit ihren besonderen Anforderungen zu übermitteln. Anders als bei Mitteilungen vom Typ IPM ist der "Benutzer" in der Regel ein Anwendungsprozeß, in dem das EDI-Dokument weiter verarbeitet wird.

Das MHS-Modell (siehe Abbildung 1) mußte folgerichtig um ein EDI Messaging System erweitert werden. Die Abbildung zeigt die wesentlichen Komponenten des MHS, die EDI-spezifischen neuen Komponenten sind schraffiert dargestellt. Das Message Transfer System (MTS) blieb unverändert, es mußte lediglich um Kenntnisse über den neuen Mitteilungstyp erweitert werden. Das entspricht dem Grundsatz, daß das MIS beliebige Message-Typen übertragen können muß. Der EDI User Agent (EDI-UA) und der EDI Message Store (EDI-MS) entsprechen im Prinzip den IPM-Komponenten IPMS-UA und IPMS-MS, sie sind allerdings für EDIM konzipiert.

Die Physical Delivery Access Unit (PDAU), also der Übergang zur "Gelben Post", wird als einzige der möglichen AUs von den neuen Empfehlungen behandelt. Der Benutzer des EDI Messaging Systems (EDI Messaging User, EDIM User) ist, wie schon erwähnt, in der Regel ein Anwendungsprozeß. EDI-UA und EDI-MS agieren lediglich als funktionale logische Komponenten. So ist zum Beispiel der MS im Grundsatz unabhängig von dem Typ der Mitteilung. Ein MS wird deshalb in der Regel beide Mitteilungstypen (IPM und EDIM) unterstützen.

Wenn nun der Envelope eine EDI Message beinhaltet, ergibt sich die Struktur von Bild 2. Der EDI Body Part enthält das eigentliche u n v e r ä n d e r t e EDI-Dokument, zum Beispiel ein Edifact Interchange. Weitere Body Parts können begleitende Informationen wie Zeichnungen, Listen und Texte beinhalten. Wenn der Primary Body, Part ein EDIM Body Part ist, handelt es sich uni eine "weitergeleitete EDIM". Die Heading Felder beinhalten Informationen, die entweder direkt aus dem EDI-Dokument gewonnen wurden oder zusätzliche Informationen über Bearbeitungsanweisungen, Sicherheitsaspekte etc. bereitstellen. Das EDI Messaging System stellt eine Vielzahl von neuen EDI-spezifischen Funktionen bereit - auch, Funktionen, die von einem sogenannten Clearing House benötigt werden.

Hierunter wird eine dritte, neutrale Instanz (Partei) verstanden, die in die Kommunikation der beiden EDI-Geschäftspartner eingeschaltet ist, um besondere Leistungen zu erbringen. Das kann zum Beispiel das Konvertieren der EDI-Syntax oder die Notwendigkeit einer neutralen Instanz sein, die sämtliche EDI-Transaktionen zwischen den Geschäftspartnern zum Zwecke der Revision festhält. Dazu gehören Mittel, um die Übernahme der Verantwortung festzulegen, diese den Beteiligten anzuzeigen, das Weiterleiten von EDIMs zu ermöglichtem, EDIMs kontrolliert und nachvollziehbar zu modifizieren etc.

Fazit: Mit den Empfehlungen X.435/F.435 wurde das MHS (X.400) um spezifische Funktionen zur Übermittlung von EDI-Dokumenten erweitert. Die Frage ist nun, wann die Empfehlungen greifen und wann mit dem Erscheinen von Produkten gerechnet werden kann. Üblicherweise vergehen zwei bis drei Jahre zwischen dem Vorliegen stabiler Empfehlungsentwürfe oder Standards und dem Angebot erster marktreifer Produkte am Markt. Auch wenn der Ruf nach diesen EDI-Empfehlungen besonders laut war, ist nicht mit wesentlich kürzeren Entwicklungszeiten für die Produkte zu rechnen.

EDI über X.400 in den Versionen von 1984 und demnächst auch von 1988 hat bereits eine starke Verbreitung gefunden, die Dringlichkeit milderten die Interimslösungen etwas. Gleichwohl bieten die Empfehlungen eine Reihe von wichtigen zusätzlichen Funktionalitäten, so daß von einer entsprechenden, Berücksichtigung bei der Entwicklung von Produkten auszugehen ist.

Insbesondere der internationale Austausch von EDI über X.400 verlangt geradezu nach einer standardisierten Lösung. Interimslösungen wie der P2- und PO-Ansatz werden dann zunehmend durch den Pedi-Ansatz ersetzt.