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09.04.1993 - 

Geis-CEO Runtagh zur Unternehmenspolitik

"EDI und Messaging sind unser strategisches Ziel"

CW: Wie positioniert sich Geis im Umfeld der Service-Provider?

Runtagh: Wenn ich unsere Wettbewerber betrachte, dann wuerde ich Geis neben den weltweiten Playern wie British Telecom, AT&T, EDS und IBM ansiedeln. IBM versehe ich allerdings mit einem Fragezeichen, da mit der neuen Fuehrungsriege auch eine strategische Richtungsaenderung kommen wird. Inwieweit Big Blue dann die Rolle eines Service-Providers uebernimmt, ist heute noch nicht abschaetzbar.

CW: Worin unterscheidet sich das Angebot von Geis im Vergleich zu BT und AT&T?

Runtagh: AT&T und BT sind mehr Commodity-orientiert, etwa in Richtung von Messaging und EDI. Falls heute ein Unternehmen E-Mail einfuehrt, so bieten sowohl BT und AT&T als auch Geis akzeptable Loesungen. Ein Unterschied zwischen diesen Companies ist schwer feststellbar.

Der Schwerpunkt von Geis liegt, im Gegensatz zu AT&T sowie BT, im Bereich von Message-basierten Loesungen. Sucht ein Konzern beispielsweise ein Haendlersystem, ueber das Distributoren und Entwickler kommunizieren, so sind wir die richtigen Ansprechpartner, da im Mittelpunkt unseres Interesses die Software steht.

CW: Facility Management gehoert demnach nicht zu Ihren Dienstleistungen?

Runtagh: Nein, da wir in diesem Markt zuwenig Kunden haetten. Deshalb haben wir vor mehreren Jahren die Entscheidung getroffen, im Rahmen unserer Dienstleistungen kein Facility Management anzubieten. Wer auf diesem Markt erfolgreich bestehen will, braucht die Groesse und den Kundenstamm von EDS. Damit kann Geis aber nicht aufwarten.

CW: Sie bieten also kein Facility Management an, aber Outsourcing. Wie definieren Sie Outsourcing?

Runtagh: Facility Management ist die Entscheidung eines Unternehmens, kein eigenes DV-Zentrum zu unterhalten. So verkaufen diese Companies das Zentrum als Ganzes, mit Leuten, Equipment, Systemen etc., einfach allem. Unter Outsourcing verstehe ich den Beschluss eines Unternehmens, kuenftig Schluesseltechnologien einzukaufen, anstatt diese selbst zu entwickeln. Outsourcing ist also ein weites Feld.

Im Zusammenhang mit der IT bedeutet Outsourcing fuer mich, dass beispielsweise ein Unternehmen, das den Einsatz von EDI plant, keine eigenen EDI-Applikationen entwickelt, sondern sich an Experten wie Geis wendet und dort diese Dienstleistung kauft. Das ist eine Form von Outsourcing.

CW: Sie haben IBM bereits angesprochen. In der Vergangenheit waren IBM und Geis quasi Synonyme fuer Netzdienstleistungen. Heute dagegen spricht alle Welt von BT und anderen Carriern.

Runtagh: Diese Einschaetzung teile ich nicht. Auf dem Weltmarkt ist Geis einer der Service-Provider mit den hoechsten Wachstumsraten in Europa, China, Japan sowie den USA. Wir vergroessern unser Geschaeft schneller als BT und die meisten anderen Anbieter.

CW: Koennen Sie konkrete Zahlen fuer die einzelnen Produkte nennen?

Runtagh: Unser EDI-Geschaeft steigerten wir im letzten Jahr um 39 Prozent, beim Messaging verbuchte Geis ein Plus von 35 Prozent.

Der Marktdurchschnitt fuer diese beiden Segmente war etliche Prozentpunkte niedriger. Im EDI-Markt sind wir die Nummer eins, und im Messaging-Bereich liegen wir auf dem zweiten Platz.

CW: Wie hoch ist Ihr prozentualer Marktanteil?

Runtagh: Ich habe leider noch keine Zahlen fuer 1992. Im Messaging ist Geis weltweit die Nummer zwei hinter AT&T.

CW: Wenn Sie den genauen Marktanteil von Geis noch nicht wissen, dann nennen Sie mir doch die Umsatzzahlen Ihres Unternehmens.

Runtagh: Auch hier muss ich passen, General Electric veroeffentlicht die Umsatzzahlen der einzelnen Geschaeftsbereiche grundsaetzlich nicht. Aber eine Zahl in der Groessenordnung von 600 Millionen Dollar ist sicherlich gut geschaetzt.

CW: Sprechen Sie vom weltweiten Umsatz?

Runtagh: Ja, aber darin sind unsere Trade-ventures nicht enthalten. Mit 600 Millionen Dollar ist unser Umsatz sicherlich zu niedrig berechnet, wenn wir den Ertrag unserer Minderheitsbeteiligungen mit einrechnen. Das waren 1992 etwa 200 Millionen Dollar. 600 Millionen Dollar sind also eine sehr konservative Zahl, da sie die unkonsolidierten Umsaetze nicht beinhaltet.

CW: Wenn Sie in die Zukunft blicken und Entwicklungen wie SDH, ATM und FR am Horizont sehen, welche der neuen Technologien wird Geis kuenftig einsetzen?

Runtagh: Geis hat bereits den Einsatz von Frame Relay angekuendigt. Fuer uns als Service-Provider ist aber die geplante High-speed- Performance unserer Schluesseldienste noch wichtiger.

CW: Worauf basiert dieses High-speed-Angebot?

Runtagh: Geis verwendet hierzu Frame Relay, da es bei ATM immer noch gewisse Unsicherheiten gibt. Ich denke hierbei vor allem an die kontroversen Standpunkte der IT-Industrie in bezug auf einen ATM-Standard. Da das Netzwerk fuer uns die lebensnotwendige Plattform ist, auf der Geis seine Value Added Services anbietet, verwenden wir immer die adaequate, ausgereifte Technik.

CW: Wann, glauben Sie, ist ein weltweites ATM-Netz realisierbar?

Runtagh: Das kann ich schlecht einschaetzen. Fuer Geis als Dienstleister ist es auch wichtiger, dass unsere Frame-Relay- basierten High-speed-Dienste noch in diesem Jahr einsatzbereit sind.

CW: Welche Geschwindigkeiten werden Sie damit realisieren?

Runtagh: Diese Frage stellt sich fuer Geis so nicht. Im Gegensatz zu den Carriern verkaufen wir keine Uebertragungskapazitaeten zum Transfer riesiger Datenpakete von Punkt A nach Punkt B. Fuer unsere Company ist es entscheidend, wie schnell der Dokumentenaustausch ueber EDI funktioniert und wie sicher unser Messaging ist.

CW: Wird Geis auf Frame-Relay-Basis in Zukunft neue Dienste anbieten?

Runtagh: Ja, eine der wichtigsten Neuerungen bei Geis wird sicherlich das "Integrated Messaging", eine Verknuepfung von EDI und Messaging. Aus Gespraechen mit unseren Kunden weiss ich, dass diese nach dem elektronischen Dokumentenaustausch gerne im gleichen System bleiben und anschliessend eine elektronische Diskussion beginnen. Den entsprechenden Dienst bietet Geis im naechsten Jahr an.

CW: Analysten glauben, dass die Service-Provider in Zukunft nur dann ueberleben, wenn sie am Markt mit Partnern zusammenarbeiten. Haben Sie diesbezuegliche Kooperationsplaene?

Runtagh: Dieser Meinung stimme ich vollstaendig zu. Ja, auch Geis hat solche Plaene. Wir arbeiten bereits mit amerikanischen Consulting-Firmen zusammen und kooperieren im Bereich der Netztechnologie sehr eng mit AT&T. Das Unternehmen investiert Milliarden in die Forschung und gibt uns die Moeglichkeit, daran zu partizipieren. Darueber hinaus haben wir Partnerschaften mit Softwarehaeusern, die fuer Geis kundenspezifische Tools schreiben. Ich denke, wir werden diese Zusammenarbeit in Zukunft weiter intensivieren.

CW: Gibt es fuer Sie einige Wunschpartner?

Runtagh: Ja, aber diese Namen darf ich noch nicht nennen. Aber ich verspreche, dass es sehr potente Partner sind, die Geis die Moeglichkeit bieten, das Wachstum im Electronic Commerce weiter zu beschleunigen und uns dabei helfen, unsere Stellung als Marktfuehrer zu behaupten.

CW: Werden Sie ein eigenes Netz aufbauen?

Runtagh: Wir haben wahrscheinlich bereits eines der weltweit groessten SNA-Netze, und unsere Muttergesellschaft GE wird demnaechst ein Multiprotokoll-Netz einrichten. Auf meiner Prioritaetenliste steht der Netzausbau in Europa an oberster Stelle, da sich einige Geschaeftsbereiche von GE, einschliesslich Geis, in Europa rasant entwickeln und so einen stetig wachsenden Kapazitaetsbedarf aufweisen.

CW: Werden Sie das europaeische Netz konventionell ausbauen oder ein Satellitennetz einrichten?

Runtagh: Im Moment ist der terrestrische Ausbau geplant.

CW: Wenn wir gerade ueber Europa sprechen, haben Sie bereits Auswirkungen der Deregulierung des EG-TK-Marktes beobachtet?

Runtagh: Ja, natuerlich. Seit dem Beginn der Liberalisierungs- und Einigungsbestrebungen in Europa bemerke ich staendig Veraenderungen. So haben die PTTs mit der Abschaffung ihres Monopolmarktes erstmals die Bedeutung des Wirtschaftens in einem freien Wettbewerbsmarkt erfahren und das Wort Kunde komplett neu definiert.

Fuer Geis oeffnet diese Liberalisierung und der EG-Binnenmarkt ein weites Geschaeftsfeld, da immer mehr Unternehmen europaweit taetig werden. Damit steigt die Nachfrage an elektronischen Kommunikationsmoeglichkeiten.

CW: Haben Sie Probleme mit den TK-Vorschriften in Europa?

Runtagh: Teilweise gibt es noch Hindernisse, aber sie werden geringer. Bisher war Fairness und freier Wettbewerb ein Problem fuer uns. Hier hat sich bereits einiges geaendert, auch wenn noch etliches an Zusatzarbeit zu tun ist. Ich vertraue darauf, dass dies eher frueher als spaeter geschieht, denn die Tage des Protektionismus sollten hinter uns liegen, wenn wir es ernst meinen mit einem freien EG-Markt.

CW: Wie schaetzen Sie die Situation in Deutschland ein? Werden Sie im Zuge der Liberalisierung auch Sprachdienste anbieten?

Runtagh: Zum jetzigen Zeitpunkt ist meine Antwort nein. Die strategische Planung von Geis sieht vor, dass wir uns in den naechsten drei Jahren weiterhin auf den Markt des Electronic Commerce konzentrieren. Allerdings kann ich mir schwer vorstellen, dass Video, Imaging, Daten und Sprache kuenftig nicht in einer gemeinsamen Loesung verknuepft sind. Falls Geis jedoch auf diesem Gebiet taetig wird, dann sehe ich uns als Partner anderer Netzbetreiber. Geis plant nicht, eigene Glasfaserkabel zu verlegen und dann eine Sprachvermittlung aufzubauen.

CW: Wenn Sie schon Leitungen fuer EDI anmieten, warum uebermitteln Sie ueber die gleichen Leitungen nicht auch Sprachverkehr?

Runtagh: Ich betone noch einmal, unser Schwerpunkt liegt zur Zeit im Bereich EDI und Messaging. Dies ist und bleibt unser strategisches Ziel fuer die naechsten drei Jahre.

CW: Mit anderen Worten: In drei Jahren bieten Sie also auch Sprachvermittlung an?

Runtagh: Geis hat zwar momentan keine konkreten Plaene. Im Geschaeft mit High-Tech muessen Sie aber immer offen fuer Neues sein. Was heute noch nicht vorstellbar ist, ist morgen bereits alltaeglich.

CW: Sie sprechen immer wieder von weltweiten Kunden. An welche Zielgruppe wendet sich Geis mit seinen Dienstleistungen?

Runtagh: Fuer Geis sind die grossen, weltweit operierenden Unternehmen als Kunden interessant. Wir wuenschen uns Kunden, die wirklich erkannt haben, dass die IT ein strategisches Werkzeug ist, das mehr bietet als die elektronische Kommunikation zwischen John und Mary. Geis will diese Companies bei der Verbesserung ihrer Distributionskanaele sowie bei der Verkuerzung ihrer Entwicklungszeiten mit geeigneten Kommunikationsleistungen unterstuetzen.

CW: Also wollen Sie nur grosse Konzerne als Kunden?

Runtagh: Ja, oder anders ausgedrueckt: Konzerne, die aggressive Produktstrategien in Indonesien, Europa oder den USA verfolgen, sind unsere Wunschkunden. Also Unternehmen, die Informationen und nicht nur Daten zu ihren weltweiten Mitarbeitern transferieren.