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28.06.1991 - 

EG will kleineren Unternehmen Electronic Data Interchange nahebringen

"EDI wird im Binnenmarkt auch eine wichtige Rolle spielen"

Geht es nach den Plänen der EG soll Electronic Data Interchange (EDI) eine wichtige Rolle bei der Einführung des Binnenmarktes spielen. Dafür hat die Gemeinschaft schon 1988 das Projekt Tedis (Trade Electronic Data Interchange) ins Leben gerufen. Über die Ziele der EG und die Probleme von EDI sprach CW-Redakteurin Hiltrud Puf mit Emile Peeters, Abteilungsleiter bei der Direktion Telekommunikationspolitik EDI bei der EG.

CW: Wie international ist EDI?

Peeters: Ich kann nur für Europa sprechen. Hier herrschen vor allem Branchenlösungen vor, so zum Beispiel Odette für den Automobilsektor und Cefic für die chemische Industrie. Die Unternehmen dieser Sektoren kommunizieren vor allem innerhalb ihrer Branche. Zudem gibt es noch nationale Standards.

CW: Aber die Vielzahl von nationalen und Branchenstandards ist doch für die Einführung eines internationalen Standards sehr hinderlich.

Peeters: Es ist aber doch jetzt schon klar: Wenn ein Unternehmen länderübergreifend kommunizieren will, muß es auch den internationalen Standard benutzen. EDI wird im Binnenmarkt auch eine wichtige Rolle spielen .

CW: So einfach ist das doch nicht. Nehmen wir das Beispiel Odette zwar ein internationaler Standard aber eben nur für die Automobilbranche.

Peeters: Das hat auch historische Gründe. Aber es gibt auch eine Absichtserklärung der Branche, daß eine Migration zu Edifact möglich sein wird. Und ich gehe auch davon aus, daß die verschiedenen Industriezweige in das Edifact-Lager wechseln werden, wenn der Standard ausgereift ist.

CW: Edifact ist ja bis jetzt noch Zukunftsmusik. Wie stark ist EDI in Europa verbreitet?

Peeters: Bis jetzt setzen fast nur größere Unternehmen und ihre Handelspartner EDI ein.

CW: Warum?

Peeters: Sie haben das Personal und das nötige Geld, um sich ganz gezielt ihre eigene Lösung zu entwickeln. Die EG versucht jedoch, mit ihren Projekten die Denkweise der kleinen Unternehmen zu ändern und sie von den Vorteilen von EDI zu überzeugen.

Wichtig ist vor allem, ihnen zu zeigen, daß die Lösung flexibel sein muß. Sonst werden sie bald Gefangene ihres eigenen Systems.

CW: In welchen europäischen Ländern wird EDI verstärkt eingesetzt?

Peeters: Vorreiter ist Großbritannien mit 2000 bis 3000 Anwendern, danach folgen Frankreich, die Niederlande, Deutschland und Dänemark mit insgesamt 1000 Usern. In den anderen Ländern wie Italien oder Portugal kommt EDI fast gar nicht zum Einsatz. Aber die Zeit ist reif für EDI.

CW: Das wurde auch schon vor etlichen Jahren prognostiziert, aber der elektronische Datenaustausch entwickelte sich dennoch äußerst langsam.

Peeters: Das hat damit zu tun, daß er eine neue Form des Managements voraussetzt, und die kann nicht von heute auf morgen eingeführt werden. Es ist auch nicht damit getan, das eigene Unternehmen umzuorganisieren. Man sollte sich ja auch mit den Handelspartnern arrangieren.

Zudem müssen viele Randgebiete wie rechtliche Aspekte und Sicherheitsgesichtspunkte geklärt werden.

CW: Das ist doch auch eine Aufgabe, die sich die EG mit ihren EDI-Projekten gesetzt hat.

Peeters: Ja, aber in Tedis I beschäftigten wir uns zunächst damit, die Probleme aufzuzeigen. In Tedis II sollen Lösungen entwickelt werden, und die betreffen die Bereiche Normung von EDI-Nachrichten, Erfordernisse bei der Telekommunikation, rechtliche Aspekte und Sicherheit der Nachrichten. Zudem wird die EG auch Gesichtspunkte wie EDI und Management sowie soziale und finanzielle Aspekte untersuchen.

CW: Wann soll Tedis II beginnen, und mit welchen finanziellen Mitteln ist es ausgestattet?

Peeters: Der Startschuß ist voraussichtlich am 1. Juli 1991. Für das Projekt sind 31,55 Millionen ECU vorgesehen.

CW: Welchen Standpunkt nimmt die EG gegenüber Edifact ein?

Peeters: In Tedis I hatten wir ein Projekt, das sich mit diesem Thema befaßte. Die Kommission unterstützt europäische Standards und wird auch auf internationale Standards Rücksicht nehmen.

CW: Was heißt das konkret?

Peeters: Wir werden uns aktiv am Edifact-Board für Westeuropa beteiligen.

CW: Gibt es genügend EDI- beziehungsweise Edifact-Software?

Peeters: Wir waren überrascht festzustellen, daß in Europa über 70 Produkte erhältlich sind.

Wie es in puncto Qualität aussieht, das muß erst noch getestet werden.

Es gibt zwar viele Softwarehersteller, die sich zu Edifact bekennen, aber ob ihre Produkte diesem Anspruch gerecht werden, ist eine andere Frage. Auch das soll in Tedis II untersucht werden.

CW: Wann wird Edifact in Europa zum Einsatz kommen?

Peeters: Das hängt ganz stark von der Anzahl der Nachrichtentypen ab, die fertiggestellt sind. Im September rücken in Genf 17 Messages in den Status 2 auf, nächstes Jahr werden es um die 50 sein.

Sobald 80 Prozent der Nachrichten mit Edifact verschickt werden können, wird sich der Standard durchsetzen. Wir rechnen damit, daß dies bei rund 100 Nachrichtentypen der Fall sein dürfte.