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23.07.1993 - 

Datentransfer über ISDN oder die Telebox 400

EDI wird in der Baustoffbranche zu einem funktionellen Werkzeug

Im Bereich des Heimwerker- und Baustoffwesens etabliert sich der elektronische Geschäftsdatenaustausch (EDI) zusehends. Die Einigung über das Austauschformat Edifact führte zu einer Welle von Piloteinsätzen, die mittlerweile grösstenteils schon in den Echtbetrieb übergegangen sind. Markus Deutsch und Thorsten Georg* nehmen die EDI-Implementierung bei der Firma PCI in Augsburg näher unter die Lupe.

Eines der ersten Unternehmen, das in der Baustoff- und Heimwerkerbranche EDI-Anwendungen vorangetrieben hat, ist die Firma PCI in Augsburg. Sie stand in der Testphase vor dem Problem, zwei Fraktionen mit unterschiedlichen Vorstellungen über das Austauschformat sowie die Kommunikationsmethode unterstützen zu müssen.

Für die Vertreter des Baustoffhandels, die stark mit dezentralisiertem Bestellwesen, aber zentralem Rechnungswesen arbeiten, war das Interesse am Rechnungsdatenaustausch vorrangig. Die Edifact-Nachricht "Invoic" im Subset EDIBDB des Bundesverbandes Deutscher Baustoffhändler sollte hier als erste realisiert werden. Bevorzugt wurde im Bereich der Kommunikation, zum Beispiel von der Interpares, Karlsruhe, ein Datenaustausch Punkt-zu-Punkt über ISDN unter Verwendung eines transparenten File-Transfers auf Basis der Applicom.

Auf der anderen Seite wollten die Hornbach-Märkte, die ein zentrales Bestellwesen unterstützen, mit dem Bestelldatenaustausch unter der Nachricht "Orders" im Subset Eancom der Centrale für Coorganisation (CCG), Köln, beginnen. Dies sollte technisch über die Telebox 400 abgewickelt werden.

Nach eingehender Prüfung weiterer Kunden, so der Interbaustoff, Bad Nauheim, und der Hagebau in Soltau, beschloss man, mit dem Rechnungsdatenaustausch zu beginnen. Glücklicherweise liesen sich die beiden Subsets Eancom und EDIBDB nahezu problemlos unterstützen. Da die Telebox 400 auch einen Zugang im ISDN-Netz erlaubt, konnte man beim Anschluss beiden Kommunikationsanforderungen gerecht werden. Eingesetzt wurde das Gesamtsystem Elke der Firma Seeburger, Bretten, das sowohl die Kommunikation als auch die Konvertierung automatisch abwickelt.

Der Aufbau der internen Schnittstelle sowie die Definitionen in Edifact folgten in einem weiteren Schritt. Allerdings konnte erst mit einem Testdatenaustausch begonnen werden, als die internen Applikationen an die Bedürfnisse von Edifact angepasst waren. Dies stellte beim Erzeugen der Rechnungsdaten weniger ein Problem dar als bei der Übernahme der Bestelldaten.

Nach einer zwei- bis dreimonatigen Testphase zuerst mit Disketten und dann im Punkt-zu-Punkt-Betrieb im ISDN konnte ab Mai 1993 in den Echtbetrieb übergegangen werden. Ausgetauscht wird zusätzlich noch ein Rechnungsdatenprotokoll, das die Gesamtsummen der Nachricht enthält. Auch mit den Händlervereinigungen Hagebau und Interbaustoff steht man nach Testphasen mehr oder weniger vor dem Echteinsatz.

Auch mit der Firma Hornbach, Landau, wurde inzwischen mit dem Test für den Bestelldatenaustausch via Edifact begonnen. Voraus ging ein intensiver Stammdatenabgleich, mit dem die Basis einer automatischen Bestellung mit EAN-codierten Artikelnummern geschaffen wurde. Dieser Stammdatenabgleich wurde ebenfalls mittels Edifact durchgeführt.

Als Nachricht wird "Pricat" auf der Basis von Edifact-UN90-1 verwendet, wie von der CCG im Subset Eancom empfohlen.

Die Einführung des elektronischen Rechnungs- und Zahlungsverkehrs ermöglicht den beteiligten Firmen eine schnellere Rechnungsübermittlung und -regulierung sowie eine Erleichterung der Organisation, Reduzierung des Aufwandes und last, not least Kostensenkungen. Auch Fehlerrisiken, wie sie bei manueller Datenerfassung gegeben sind, entfallen.

Da diese Punkte bei der PCI frühzeitig erkannt wurden, ist man inzwischen in der Lage, die Vorteile ausgiebig zu nutzen. In Zukunft sollen möglichst weitere Geschäftspartner an diesem Austausch beteiligt werden. Daneben ist geplant, noch mehr Geschäftsvorfälle auf elektronischem Wege abzuwickeln.

In der gesamten Branche beteiligen sich inzwischen rund 20 Firmen an sechs Pilotprojekten, die, wie eingangs erwähnt, schon weit über den Charakter einer Testphase hinausgewachsen sind und so mittlerweile zum Tagesgeschäft gehören. So ist EDI auf dem besten Wege, den Ruf eines Spielzeugs gegen den eines Werkzeugs einzutauschen.

*Markus Deutsch ist Berater bei der Seeburger Unternehmensberatung in Bretten. Thorsten Georg ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Philipps-Universität Marburg.