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Ein einziger Weltstandard für den elektronischen Datenaustausch:


23.09.1988 - 

Edifact hat "point of no return" erreicht

Heiko Mehnen ist Geschäftsführer der Gesellschaft für Logistik und Informationssysteme mbH, München, und persönliches Mitglied im "Edifact"-Board.

Vor wenigen Monaten wurde die neue ISO-Norm 9735 "Edifact" (Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport) für den automatisierten Datenaustausch verabschiedet. Endlich existiert ein weltweit einheitliches Verfahren für die Automatisierung der Handelsvorgänge. Keine gedruckten Papierberge mehr und keine Zeitverschwendung durch unnötige Computereingaben. Die Computer können direkt miteinander kommunizieren und Handelsnachrichten untereinander austauschen.

Das Beste ist: Alle machen mit, die USA mit Kanada, Westeuropa, der Ostblock, der asiatische Raum und Australien, von München bis Helsinki, von New York bis Singapur, von Moskau bis Hongkong. Alle Gebiete der Wirtschaft sind dabei, "Edifact" in ihrem Bereich einzuführen. Es gibt Projekte in der Chemie, der Elektrotechnik, im Transportwesen, im Bau, bei den Banken und beim Zoll, bei der Post sowie beim Lebensmittelhandel; sogar das Militär macht mit.

Komprimierte Form soll Zeit und Kosten sparen

Verantwortlich für die koordinierte Einführung in den Welthandel sind derzeit drei Sekretariate, eines für die USA und Kanada, eines für den Ostblock und eines für die EG- und EFTA-Staaten. Ein weiteres soll in Japan für den ostasiatischen Raum eingerichtet werden. Damit schließt sich der weltumspannende Kreis. Das Sekretariat für die EG- und EFTA-Staaten wurde bei der EG-Kommission in Brüssel eingerichtet. Die EG-Kommission hat dafür ein Projekt mit der Bezeichnung "Tedis" ins Leben gerufen und für die Anlaufphase umgerechnet rund zehn Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Koordinierende Funktionen übernimmt dabei ein sogenanntes "Edifact"-Board mit einem Steering Committee und einer Reihe von Arbeitsgruppen (siehe Abbildung).

Die "Edifact"-Norm legt in einer definierten Syntax die Struktur fest, in der die Handelsnachrichten in Dateien für den automatisierten Datenaustausch abgelegt werden. Die Struktur ist dabei so ausgelegt, daß eine Informationsübermittlung in komprimierter Form ermöglicht wird und somit Zeit und Kosten bei der Übermittlung gespart werden. Außer diesen genannten Vorteilen liegt der Hauptnutzen jedoch im Standard selbst und der Gewißheit der weltweiten Verbreitung. Die verschiedenen Anwender brauchen nur aus ihrem System in das Standardformat zu konvertieren und vom Standardformat zurück in ihr System.

Konverter für Großrechner und PCs

In fast allen Anwendungsfällen entspricht das interne Verfahren mit seiner Syntax oder eine Branchenlösung im Bereich des Automatisierten Datenaustausches nicht der "Edifact"-Syntax.

Um sie der Standardsyntax anzupassen, kann man das eigene Verfahren direkt anpassen oder sich sogenannter Standardkonverter bedienen. Die Anpassung beziehungsweise die Umwandlung des eigenen Systems oder einer Branchenlösung verursacht in den meisten Fällen einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand, ebenso die völlige Neuentwicklung eines eigenen Systems in ein syntaxkonformes Verfahren. Des weiteren ist ein solcher Aufwand nach einer einmaligen Anpassung oder Umwandlung nicht beendet, da später weitere Arbeiten durch die Integration zusätzlich verabschiedeter Nachrichten sowie durch Wartungsaufwand bei Änderung von Nachrichten anfallen.

Kostengünstige Abhilfe und eine recht effektive Lösung des Problems bietet der Einsatz von Konvertern, deren Aufgabe es ist, die hausinternen oder branchenspezifischen Strukturen in das normgerechte "Edifact"-Format zu konvertieren. Konverter, Softwareprogramme, die zwischen hausinternem Verfahren und Übertragungsprotokoll eingefügt werden, sind für die "Edifact"-Realisierung in verschiedenen Qualitäten am Markt erhältlich. Sie werden sowohl für die Großrechneranwendung als auch in PC-Versionen angeboten.

Am Markt angebotene Konverter müssen folgende Grundvoraussetzungen erfüllen:

- Sie müssen eine 100prozentige Syntaxkonformität aufweisen

- Sie müssen eine flexible Anpassung an neu verabschiedete Nachrichten ermöglichen

- Sie müssen eine leichte Wartung gewährleisten

- Hausinterne Verfahren oder Branchenanwendungen müssen leicht anpaßbar sein

- Sie müssen ohne Probleme in den hausinternen Prozeß einzubinden sein.

Des weiteren gibt es eine Reihe von Funktionen und Hilfen, die zwar nicht unbedingte Voraussetzung sind, die jedoch die Anwendung des Konverters, die Anpassung und die Eingabe von neuen Nachrichten wesentlich erleichtern.

Hierzu gehören beispielsweise:

- Eine bildschirmunterstützte Entwicklungs- und Eingabemöglichkeit von "Edifact"-Nachrichten

- Eine bildschirmunterstützte Eingabe- und Anpassungsmöglichkeit der hausinternen Strukturen

- Eine spezifische Qualifiervergabe bei Segmenten und Datenelementen

- Die Angabe fester Werte beziehungsweise fester Parameter bei Datenelementen in Segmenten

- Eine Codeumwandlung hausintern verwendeten Codes in derartige, die bei "Edifact" zu verwenden sind

- Die automatische Bildung von Kontrollsummen

- Eine automatische Bildung und Bedienung von Servicesegmenten, insbesondere der Segmente UNS, UNT, UNE und UNZ.

Sicher werden im Laufe der Einführung und Anwendung von "Edifact"-Konvertern noch weitere Funktionen und Hilfen hinzugefügt. Weiterhin wird es Programme geben, mit denen man direkt aus einem Handelsvorgang wie Bestellung, Lieferschein, Abrechnung etc. von der Bildschirmeingabe aus eine "Edifact"-Datei generieren kann. Eine solche Anwendung ist für diejenigen Betriebe interessant, die kein oder noch kein hausinternes System haben, sich jedoch der "Edifact"-Entwicklung anschließen wollen. Solche Programme arbeiten mit fest definierten Nachrichten, die ein Subset der wichtigsten Segmente einer international vereinbarten Nachricht beinhalten.

Solche Nachrichten orientieren sich aufgrund der Darstellung am Bildschirm und dem häufig zusätzlich geforderten Belegausdruck am Dateninhalt der im Handel sonst üblichen Dokumente. Die Hauptaufgabe von Konvertern liegt darin, eine Konvertierung von einer Nicht-"Edifact"-Struktur in die "Edifact"-Struktur sowie in die umgekehrte Richtung durchzuführen.

Wie in der Aufzählung der Grundvoraussetzungen gesagt, muß ein solcher Konverter eine flexible Anwendung ermöglichen, was bedeutet, daß er an die verschiedensten Nachrichten anpaßbar sein und auch die Nachrichtenänderung sowie die Neueinführung einer Nachricht leicht durchführbar sein muß.

Gelöst wird die Forderung der Flexibilität dadurch, daß einem neutralen Konverterprogramm vor der jeweiligen Konvertierung exakt mitgeteilt wird, was es dabei zu tun hat, wie die hausinterne Struktur aussieht und in welche "Edifact"-Nachricht beziehungsweise Nachrichten zu konvertieren sind.

Die Datei oder Tabelle enthält die Information der Zuordnung der hausinternen Struktur an die geforderte Nachrichtenstruktur in der "Edifact"-Syntax. Sie muß je nach Bedarf die Forderungen einer "Edifact"-Nachricht bis in jede Einzelheit mit Loops, Verschachtelungen, "Qualifiern" und Parametern realisieren.

Für den Aufbau einer solchen Datei oder Tabelle gibt es zwei Möglichkeiten:

* Man erstellt sie mit einem Texteditor nach Vorgabe manuell oder

* man läßt sie automatisiert durch ein Softwarewerkzeug nach bildschirmunterstützter Eingabe der geforderten Strukturen erstellen.

Durch die beiden oben genannten Kriterien unterscheiden sich die am Markt angebotenen Konverter qualitativ. Während die Eingabe der Tabelle mit einem Texteditor einer Programmierung gleichkommt, wird der Anwender im zweiten Fall geführt, das heißt, es werden die notwendigen Eingaben von einem Programm erfragt. Zusätzlich werden dabei in einigen Fällen Fehlerkontrollen beziehungsweise Plausibilitätsprüfungen durchgeführt, die eine leichte Fehlerkorrektur ermöglichen. Solche Fehlerkontrollen und Plausibilitätsprüfungen sind ebenfalls ein Bewertungskriterium bei den Konvertern. Je genauer die Plausibilitätsprüfungen und je exakter die Fehlermeldungen, um so komfortabler das Programm.

Aus Gründen der Performance des Konverters ist es empfehlenswert, wenn die Fehlerkontrolle frühzeitig, das heißt bei der Erstellung der Tabelle, erfolgt, damit im Wirkbetrieb der Prozeß durch interne Prüfungen nicht unnötig verzögert wird. Eine solche Forderung kann jedoch nur mit einem Programmwerkzeug mit bildschirmunterstützter Eingabe realisiert werden. Tabellen, die in den Konverter vor der Konvertierung zu laden sind, enthalten im wesentlichen zwei Grundinformationen:

1. wie die Struktur der hausinternen Dateien aufgebaut ist und

2. wie die Struktur der Nachricht aussieht, die auf der "Edifact"-Seite verwendet wird.

Da nun die Struktur gemäß Punkt 2 auf einem Standard basiert, kann man diesen Teil der Tabellendefinition den Anwendern zur Verfügung stellen, zum Beispiel auch als "Edifact"-Nachricht. Erhält der Anwender so eine Nachricht, und kann das jeweilige Tabellenprogramm diese verarbeiten, dann hat der einzelne Anwender nur noch die Aufgabe, die Anpassung an die hausinterne Struktur durchzuführen.