Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

EDI-Einsatz auf eigene Faust begrenzt die Standardvorteile


02.08.1991 - 

Edifact: Interessengruppen tragen zu Branchenlösung bei

*Nancy Krieger ist Mitarbeiterin der Cap Gemini AG im schweizerischen Basel .

Die Edifact Syntax, 1987 von der ISO als Norm 9735 verabschiedet, ist eine der am häufigsten genutzten OSI-Normen. Sie wurde zur Vereinfachung des Austausches von Handelsdaten konzipiert und dient als einheitliche "Grammatik" für die Entwicklung von Nachrichten und Subsets in den unterschiedlichen Branchen. Nancy Krieger* beschreibt die Entwicklung des OSI-Standards und geht an den Beispielen Auftrags- und Rechnungsbeleg auf Edifact ein.

Die UN/Edifact-Normen - Edifact ist ein eingetragenes Warenzeichen der Vereinten Nationen - umfassen einen Satz von Regeln, Richtlinien, Verzeichnissen und Codelisten für den elektronischen Datenaustausch zwischen unabhängigen DV-Systemen im Verwaltungs-, Handels- und Transportsektor, die von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UN/ECE) zugelassen, redigiert und herausgegeben werden. Die Arbeit der UN/ECE gleicht der der ISO, beide Körperschaften stimmen inhaltlich in großem Maße überein.

EDI (Electronic Data Interchange) ist eine Benutzeranwendung oberhalb der siebten OSI-Schicht. Obwohl EDI vom zur Nachrichtenübertragung verwendeten Transportmedium unabhängig ist, gilt der ISO/ CCITT X.400-Standard in vielen Fällen als optimale Lösung, da er wesentliche Dienstleistungen umfaßt, die heute von Mehrwertnetzen oder Datendiensten zur Verfügung gestellt werden.

PEDI-Protokoll deckt EDI-Anforderungen ab

In Form der Empfehlungen F.435 und X.435 wurde ein speziell auf EDI zugeschnittenes X.400-Protokoll entwickelt. Dieses auch unter dem Namen PEDI bekannte Protokoll deckt die für EDI spezifischen Übertragungs-, Quittungs- und Sicherheitsanforderungen ab.

Als Ergebnis der Arbeit vieler Interessengruppen in den verschiedensten Ländern ist UN/Edifact sehr groß und komplex. Allein die Nachrichten eines Bereichs, wie zum Beispiel Handel, sind umfangreich. Dabei wird allerdings das Pferd praktisch von hinten aufgezäumt, indem die einzelnen Interessengruppen stückweise die Informationen beitragen, die zur Implementierung ihrer geschäftsbereichsspezifischen Funktionen benötigt werden.

Ein funktionierendes EDI-System muß in der Lage sein, automatisch jede empfangene Nachricht zu bearbeiten. Andererseits bedeutet es für ein Unternehmen unnötige Ausgaben, Software zu erstellen oder einzukaufen, die auch branchenfremde Funktionen unterstützt. Wenn Firmen die Einsatzmöglichkeiten des Standards auf eigene Faust beschränken, verlieren sie jede Garantie, mit ihren potentiellen Handelspartnern auch kommunizieren zu können, und damit auch die eigentlichen Vorteile des Standards. Solche Gedankengänge führen dazu, daß Unternehmen, die in derselben Branche tätig sind, bei der Festlegung, welche Funktionen aus dem UN/Edifact-Standard für sie nötig sind, zusammenarbeiten und so Untermengen kreieren.

Zum Nachrichtendesign gehören auch die mindestens ebenso wichtigen Richtlinien, Implementierungsbeispiele und Codelisten. Sobald eine Untermenge definiert wurde, kann der Anwender sicher sein, jede Nachricht jedes Handelspartners verarbeiten zu können, der mit der gleichen Untermenge operiert. Ziel ist dabei die Entwicklung gemeinsamer Normen, die allen Anwendern dienlich sind.

Statuszuweisungen für UN/Edifact-Nachrichten

Eine neu entwickelte Nachricht bietet zunächst keine Gewähr dafür, daß sie alle gedachten Verwendungsmöglichkeiten auch abdecken kann. Sobald die Nachricht für die praktische Anwendung implementiert ist, ergeben sich kleine Änderungen, Segmente und Codes kommen hinzu, bis sie als mehr oder weniger stabil gilt. UN/Edifact-Nachrichten erhalten deshalb einen Status zugewiesen. Eine Nachricht beginnt als Rohfassung mit Status 0, die nur zur Information veröffentlicht wird.

Sobald die Arbeitsgruppe für internationale Handelsverfahren (WP.4) die Nachricht für den Versuchseinsatz freigibt, erhält sie den Status 1. Schließlich wird daraus eine förmliche Empfehlung mit dem Status 2. Dies bedeutet nicht, daß sich eine Nachricht, die einmal den Status 2 erreicht hat, nicht mehr ändern kann, sondern eher, daß sie stabil ist und Änderungen daher weniger wahrscheinlich sind. UN/Edifact-Auftrags- und Rechnungsbeleg besitzen den Status 2, die Auftragsänderungsanforderung und die Auftragsbestätigung (beide vom Auftragsbeleg abgeleitet) sind dagegen noch nicht über den Status 0 herausgekommen.

In der Form, in der sie heute versandt werden, sind Auftrags- und Rechnungsbelege zum Lesen gedacht. Die Art, in der die Informationen in Kopf, Postenteil und Summenteil gegliedert und die Art, in der Aufträge auf einem Rechnungsbeleg zusammengruppiert sind, liefern Beispiele dafür, wie ein gedrucktes Dokument traditionelle Methoden der Informationsbearbeitung widerspiegelt. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine Beschränkung für zukünftige Methoden der Informationsverarbeitung.

Informationen, die von Computer zu Computer weitergegeben werden, müssen nicht entsprechend den Bedürfnissen eines menschlichen Lesers gruppiert werden Bei der Konzeption von EDI-Systemen und der Entscheidung für die jeweils passende Untermenge der Norm sollte man auf jeden Fall zukünftige Verbesserungen der gegenwärtigen Anwendungen mit in Betracht ziehen, wie zum Beispiel bei Eancom.

Die EAN (International Article Numbering Association) ist eine koordinierende Körperschaft für 46 EAN-Numerierungsorganisationen, die 53 Länder in allen Kontinenten und einen Mitgliederstand von über 130 000 Firmen repräsentieren. Hauptziel der EAN ist die Förderung und Koordinierung des EAN-Numerierungssystems für Produkte und Standorte.

Zusätzlich zu ihrer Arbeit auf dem Gebiet des Nachrichten-Designs werfen viele EAN-Organisationen einen genaueren Blick auf die juristischen Aspekte des EDI. Dabei wurden Anforderungen festgelegt, die Netzwerklieferanten erfüllen müssen, um verantwortungsvolle EDI-Dienstleistungen anbieten zu können, sowie Pilotprojekte und Workshops unterstützt.

Implementierung von EDI in Edifice und Cefic

Abgesehen von Auftrags- und Rechnungsbeleg, die beide den Status 2 besitzen, sind noch Nachrichtenformate für Informationen über beteiligte Parteien, Preis- und Verkaufskataloge, Auftragsbestätigungen und Anforderungen zur Auftragsänderung mit Status 0 verfügbar. Nachrichtenformate für Rücksendungsinformationen, Versandinformationen, Lieferpläne, Inventurberichte und die Sammlung von Verkaufsdaten befinden sich zur Zeit in Entwicklung.

Edifice ist das europäische EDI-Forum für Unternehmen der Computer- und Elektronikbranche. Die Implementierung von EDI wird durch die Arbeit zweier Gruppen, eine für die Nachrichtenentwicklung und eine für Kommunikation und Technik. erleichtert. Die Gruppe hat Nachrichtenrichtlinien für Auftrag, Auftragsbestätigung und Auftragsänderung gebilligt und arbeitet gerade an Nachrichten für die Lieferung Liefervorhersage, Preise, Verkaufskatalog, Rechnung, Anforderung von Kostenvoranschlägen sowie dem Kostenvoranschlag selbst.

Unter UN/Edifact gibt es obligatorische und optionale Segmente. Edifice teilt die als optional klassifizierten Segmente zusätzlich in empfohlene, auf ausdrückliche Vereinbarung hin benutzte und nicht verwendete Segmente auf. Die Elektronikindustrie war eine der ersten Branchen, die sich an die Implementierung von EDI machte. Viele Firmen benutzten EDI regelmäßig. Treibende Kraft ist hierbei der Wunsch nach besserem Dienst am Kunden.

Cefic, der europäische Verband der chemischen Industrie, ist im Bereich der Entwicklung von Richtlinien für Handel, Transport, Verwaltung sowie das und Finanzwesen aktiv. Innerhalb der Handelsgruppe wurden Richtlinien für Auftrags- und Rechnungsnachrichten veröffentlicht. Um den Anwendern eine bessere Orientierung bei der Auswahl und Anwendung der Segmente zu geben, wurde der optionale Status in den Cefic-Richtlinien ebenfalls erweitert, und zwar um die Kategorien "empfohlen", "von einem anderen Segment abhängig", "unter Cefic nicht benutzt", "optional" und "unter Cefic erforderlich". Auftragsbeleg und Rechnungsbeleg werden derzeit zur Abwicklung von Geschäften innerhalb der Gruppe verwendet.

Grundlage für diesen Artikel und die begleitende Tabelle war Version 90 Ausgabe 1 von UN/Edifact für den Auftrags- und Rechnungsbeleg. Aufgrund der ständigen Überarbeitung ist mittlerweile die Version 91.1 verfügbar. Die Version 90.1 des Leitfadens wurde ausgewählt, weil die derzeit erhältlichen Ausgaben der Untermengen darauf basieren. Einzige Ausnahme ist der Edifice-Auftragsbeleg, der von Version 88.1 abgeleitet wurde. Zwischen den Versionen 88.1 und 90.1 bestehen kaum gravierende Unterschiede. Der einzige für die Analyse relevante Unterschied (bezüglich Steuerinformationen) wurde an entsprechender Stelle vermerkt.

Als Schlußfolgerung kann folgendes festgestellt werden: Alle in der Auswertungstabelle aufgeführten Beschränkungen können auf die eine oder andere Weise überwunden werden. Wenn zum Beispiel die gewünschten Informationen über den Steuerstatus oder mehrere Auslieferungsorte nicht in einer Postenzeile zusammenzufassen sind, können Postenzeilen wiederholt oder eine neue Nachricht erstellt werden.