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26.06.1987 - 

Neue Wege in der unternehmensübergreifenden Kommunikation:

Edifact soll den elektronischen Geschäftsverkehr vereinfachen

Datenverarbeitung und elektronische Kommunikation haben die Geschäftswelt verändert, allerdings bezog sich diese Veränderung hauptsächlich auf die innerbetriebliche Organisation und auf die Erstellung von Geschäftspapieren in der Kommunikation mit externen Partnern. Zwar gab und gibt es Datenaustausch zwischen einzelnen Unternehmen oder sogar zwischen mehreren Unternehmen innerhalb einer Branche. Dieser "Fleckerlteppich der Insellösungen" soll durch eine allgemeine, international standardisierte und anwendbare Lösung abgelöst werden. Das Stichwort hierzu heißt "Edifact".

"Edifact" = Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport, steht für elektronischen Datenaustausch für den Geschäftsverkehr in Industrie, Handel und Verwaltung. "Edifact" definiert die Regeln für den elektronischen Geschäftsverkehr und bietet eine genormte Lösung für international aufgebaute Nachrichten/Geschäftsvorfälle (zum Beispiel Rechnung, Bestellung, Lieferschein).

"Edifact" ersetzt den Ausdruck von Papierdokumenten, die interne Postbearbeitung dieser Papierdokumente beim Absender, die Briefbeförderung mit der Post, die interne Postbearbeitung beim Empfänger und das erneute Erfassen der Daten für die Weiterverarbeitung beim Empfänger.

Nachfolgendes Schaubild zeigt vereinfacht die Geschäftsverkehrsabwicklung heute und den zukünftigen elektronischen Geschäftsverkehr.

Um elektronischen Geschäftsverkehr durchführen zu können, bedarf es einiger Voraussetzungen. Diese Voraussetzungen können als die Vier-Säulen-Theorie des elektronischen Datenaustauschs im Geschäftsverkehr bezeichnet werden. Diese sind:

- die Syntax als international genormte Grammatik beim Datenaustausch

- die Datenelemente und -Segmente als Datenfelderinhalte und Positionen in den Geschäftsvorfällen (siehe dazu Handbuch der Handelsdatenelemente, DIN/ISO 7372)

- die international genormten Nachrichten als branchenübergreifende, international strukturierte Geschäftsvorfälle, die die Basis für den Datenaustausch bilden

- die Tele-Kommunikations-Netze und -Dienste für den Datentransport, als die Transportmittel der Geschäftsvorfälle in der Kommunikation (siehe dazu auch ISO/ OSI-7-Schichten-Modell),

Ergänzend ist hier hervorzuheben: "Edifact" ist Hard- und Software-neutral und fördert international den Abbau von Handelshemmnissen durch seine weltweite Akzeptanz.

"Edifact" ist das Ergebnis jahrelanger internationaler Bemühungen, den Geschäftsverkehr firmenübergreifend durch den Einsatz vorhandener Mittel (Computer, Software, Transportdienste) zu vereinfachen und die bestehenden Handelshemmnisse abzubauen. In den USA und Europa hat man vor etwa zehn Jahren mit Datenaustauschsystemen angefangen. Die Nordamerikaner haben ihr zur Zeit angewendetes Datenaustauschsystem genormt. Es ist unter "ANSI-X12" bekannt. In Großbritannien hat man in verschiedenen Branchen Datenaustausch nach den Regeln des GTDI (Guidelines for Trade Data Interchange) installiert. In Deutschland gibt es verschiedene Datenaustauschsysteme wie beispielsweise das VDA-System in der Automobilindustrie oder das Sedas-System im Handel. Allen gemeinsam ist, daß diese Systeme "Insellösungen" sind.

Wesentliche Vorteile durch offene Kommunikation

Da man davon ausgehen kann, daß der firmenübergreifende Geschäftsverkehr ein Abwicklungsschwerpunkt in der Telekommunikation der 90er Jahre werden wird, sind auf diesen Gebieten zur Vermeidung eines "Fleckerlteppichs" beim Datenaustausch Aktivitäten und Koordinierungen zu einem einheitlichen internationalen Datenaustauschsystem-Standard notwendig. Die bisherigen Ergebnisse dieser Aktivitäten mündeten in dem genannten "Edifact" System. Basierend auf die Anwendungsmöglichkeiten der offenen Kommunikation können die Vorteile, die sich daraus ergeben, noch verstärkt werden. Diese sind:

- Reduzierung des Verwaltungsaufwandes, unter anderem des Papierhandlings,

- Wegfall der wiederholten Datenerfassung und der damit verbundenen Fehlerquellen,

- Erhöhung der Datensicherheit,

- gleiches Datenaustauschverfahren für alle Kommunikationspartner,

- schnelle, effektivere Informationsflüsse, Zeitersparnis,

- herstellerneutrale Datenübermittlung gemäß OSI,

- Verringerung von Durchlaufzeiten und Beständen (Just-in-time).

Untersuchungen über die Kosten von Papiererstellung und Papierhandling haben ergeben, daß je nach Branche 7 bis 15 Prozent des Warenwertes aller Güter dafür aufgewendet werden.

Untersuchungen über die Kosten für die Abwicklung von Rechnungen in der europäischen Automobilindustrie haben gezeigt, daß für die Rechnungspapiererstellung und Versendung (Papierhandling) 19 Mark aufgewendet werden. Setzt man nur 25 Prozent dieser Papierhandlingkosten als Ersparnis durch die Anwendung des elektronischen Geschäftsverkehrs an, so ergibt sich eine Ersparnis pro Rechnung von 4,75 Mark. Dieses Beispiel ist ähnlich auch auf andere Geschäftsvorfälle zu übertragen.

Beim Vergleich von Portokosten zu Übertragungskosten eines Geschäftsvorfalls ergeben sich Zahlen von 80 Pfennig Porto zu 3 Pfennig Übertragung.

Die oben genannten Zahlenbeispiele sprechen sicherlich für sich und erfordern Aktivitäten auf dem Gebiet des elektronischen Geschäftsverkehrs.

Die von der europäisch-amerikanischen Expertengruppe für Datenaustausch (UN/JEDI) entwickelten Syntax-Regeln für die Verschlüsselung von Datenaustausch-Nachrichten im Geschäftsverkehr sind von der UN-Wirtschaftskommission für Europa, Arbeitsgruppe für internationale Handelsvereinfachungen (UN/ECE/WP 4), einstimmig verabschiedet worden. Ende Februar 1987 sind die Regeln der ISO zur Normung im Schnellverfahren (Fast Track-Procedure) übergeben worden. Die ISO hat den "Edifact"-Syntax-Regeln die ISO/DIS 9735 vergeben. Mit einer ISO-Norm wird bis zum ersten Quartal 1988 gerechnet. Ebenfalls wurde von der UN/JEDI-Gruppe die erste international abgestimmte Datenstruktur für Rechnungen (Nachrichten/Geschäftsvorfall) für den elektronischen Datenaustausch entwickelt (UNSM Nr. 1). Weitere Nachrichten (UNSMs) wie Bestellung, Liefermeldung, Auftragsbestätigung, Zahlungsavis werden im Laufe dieses Jahres folgen.

Parallel zu der ISO-Normung werden von der europäischen Normenorganisation CEN im Laufe dieses Jahres die Syntax-Regeln und das Handbuch der Datenelemente (ISO 7372) als europäische Vornorm (ENV) veröffentlicht. Ebenso ist bei CEN beabsichtigt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die die UNSMs überprüfen und normen sollen. CEN wird zukünftig einen Vertreter in die UN/JEDI-Arbeitsgruppe entsenden. Der große Vorteil einer ENV ist der, daß nach Veröffentlichung die CEN-Mitgliedsländer die ENVs in nationale Normen überführen müssen. Die ENVs liegen in etwa drei bis sechs Monaten vor, die ISO-Normen erst in zirka neun Monaten.

Ähnliche, jedoch umfassendere Aktivitäten wie bei CEN werden vom DIN-Normenausschuß Bürowesen NBÜ 11 unternommen.

In den nächsten sechs Monaten sind folgende Aktivitäten geplant:

- Übernahme der "Edifact"-Syntax-Regeln und Veröffentlichung als DIN-Entwurf.

- Für das Handbuch der Handelsdatenelemente (HdH) besteht schon eine DIN-Norm - DIN/ISO 7372. Übernahme der neuen Qualifier und neuen Datenelemente aus der UNSM Nr. 1-Rechnung ins HdH.

- Laufende Übernahme der UNSMs und Veröffentlichung als DIN-Entwurf.

Einheitliche, internationale Regeln für den firmenübergreifenden Geschäftsverkehr erfordern Aktivitäten und Koordinierung von staatlichen Organisationen und Normungsgremien.

Neben den schon erwähnten Normungsinstitutionen DIN, CEN, ISO werden die EDI-Aktivitäten von der UN/ECE/WP 4 in den letzten Jahren vorangetrieben. In der UN/ECE/WP 4 sind vertreten:

- die Vereinfachungsorganisationen der EG-Staaten (sogenannte PROs, zum Beispiel DEUPRO für Deutschland), der EFTA-Staaten, der Ostblock-Staaten

- Nordamerika {USA und Kanada)

- zirka 25 verschiedene internationale Organisationen, und andere Staaten als Beobachter, wie beispielsweise IATA, EEC, ISO, Gatt.

Die UN/ECE/WP 4 hat 1985 das Mandat für die Weiterentwicklung des elektronischen Geschäftsverkehrs einer Arbeitsgruppe übergeben, an der Vertreter von 13 verschiedenen Nationen beteiligt waren. Diese Arbeitsgruppe ist bekannt geworden unter dem Namen UN/ JEDI-Working Group und hat die internationalen Syntax-Regeln für den Handelsdatenaustausch normungsreif entwickelt.

In den letzten Monaten sind weitere Mitglieder zu der UN/JEDI-Gruppe gestoßen. Diese sind Vertreter von europäischen oder internationalen Benutzergruppen wie

- "Cefic" für die europäische Chemie-Industrie,

- "Edifice" für die internationale Elektronik-Industrie,

- "Eurotransfer" für die europäische Transportindustrie,

- "Odette" für die europäische Automobilindustrie.

Die nordamerikanischen Benutzer gruppen-Interessen werden von dem amerikanischen Normeninstitut ANSI koordiniert und vertreten. ANSI ist mit einer größeren Arbeitsgruppe in UN/JEDI tätig.

Die deutschen Interessen in UN/JEDI werden von DIN-Mitgliedern über Deupro wahrgenommen. Die EG-Kommission als ein weiteres Mitglied in UN/JEDI will zukünftig die EDI-Aktivitäten in Europa unterstützen und koordinieren, dazu hat sie ein Projekt "Tedis" definiert.

Weitere Informationen und Unterlagen über firmenübergreifenden Geschäftsverkehr können bei folgenden Institutionen angefordert werden:

ZVEI, 6000 Frankfurt 70, Postfach 70 12 61

DIN, Geschäftsstelle des NBÜ 11, 1000 Berlin 30, Postfach 1107

DEUPRO, Im BMWI, 5300 Bonn 1, Postfach 14 02 60 Referat VA3/EA5

Herbert E. Thomas ist EDI-Manager in der Telecommunications Group der SEL AG, Stuttgart und in dieser Funktion auch als SEL-Vertreter im ZVEI und im DIN aktiv. Darüber hinaus ist er für das Bundeswirtschaftsministerium (DEUPRO) einer der beiden Experten für EDI in der UN-Wirtschaftskommission für Europa und der europäisch-amerikanischen EDI-Arbeitsgruppe "UN/JEDI". Als Repräsentant der SEL vertritt er die Unternehmensinteressen bei "Edifice", der internationalen EDI-Anwendergruppe der Elektronikindustrie.