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23.12.1988 - 

Europäer profitieren bei der Nachrichten-Entwicklung von Amerikas EDI-Vorsprung:

Edifact: Theorie und Praxis sind zwei Paar Stiefel

HERRENBERG (CW) - "Das Baby Edifact wächst." So kommentierte Hinrich Schlieper, Obmann der EG für Edifact, auf der 3. DlN-Tagung in Herrenberg den Entwicklungsstand des ISO-Standards zum Austausch von Handelsdaten. Tatsächlich bestachen die Teilnehmer durch Sachkompetenz: in Sachen Anwendungen wird aber noch Zeit vergehen, ehe Edifact richtig laufen lernt.

Ein positives Fazit über das Niveau der Tagung zog Hans-Jürgen Rosenberg, Referent des Normenausschusses Bürowesen im Deutschen Institut für Normung (DIN). Als Vertreter des Kongreßveranstalters DIN lobte er insbesondere das Edifact-Wissen der 240 Teilnehmer. Rosenberg: "Die Teilnehmer haben sich mit Edifact beschäftigt." Das Interesse an der Tagung sei außerdem so groß gewesen, daß rund 40 Anmeldungen nicht berücksichtigt werden konnten.

Weil sich das Publikum beim Kongreß im Bildungszentrum der IBM mit den Edifact-Grundlagen schon überwiegend vertraut zeigte, will der Veranstalter jetzt die Weichen in Richtung Anwendung stellen. "Die 4.DIN-Tagung soll eine Anwendungstagung werden, wobei wir aber auf Grundlagen noch nicht ganz verzichten können", sagte Rosenberg.

Den Schwerpunkt auf die Applikation zu legen, tut not, soll Edifact in

nächster Zukunft entscheidend vorangetrieben werden. Wenn auch die

Erfahrungsberichterstatter die Werbetrommel rührten, konnten sie vorhandene Probleme nicht leugnen. Zu groß klafft derzeit noch die Lücke zwischen der "heilen Welt der Theorie" und der Praxis.

Auch das Forum spiegelte diese Situation wider. Die Sachkompetenz der Teilnehmer beweist, daß sich die Unternehmen zwar mit Edifact auseinandersetzen, den Schritt zur Einführung aber noch scheuen. Dazu Herbert Thomas, Leiter EDI bei der Lion GmbH in Köln: "Die Entscheidungsprozesse dauern in den Unternehmen noch an, nach dem Motto: Mal schauen, was die anderen machen."

Ähnlicher Ansicht ist Hartmut Hermes, EDI-Manager bei der Siemens AG: "Es wird sehr viel über Edifact geredet, aber die Nutzung wird in der Öffentlichkeit noch sehr unterschiedlich gesehen."

Zur Beseitigung der Hemmschwelle bei den Unternehmen hätten in Zukunft auch die Normierungsgremien ihren Teil beizutragen, räumte Hermes selbstkritisch ein: "Wir müssen aus der Normung heraus die Nachrichten noch deutlicher beschreiben, damit die Unklarheiten beim Anwender wegfallen", sagte der EDI-Experte.

Zum Abbau der Skepsis bei den Interessenten könnten, so Rosenberg und Schlieper, auch Seminare beitragen. Deshalb wird DIN ab Januar 1989 Kurse mit dem Ziel anbieten, den Teilnehmern die Umsetzung der Inhouse-Probleme in Edifact zu demonstrieren. Dazu Rosenberg: "Das werden drei verschiedene Seminare mit unterschiedlichen Benutzerprofilen sein."

Auch könnte - nach Meinung von Herbert Thomas - der potentielle Anwender durch mehr Komfort aus der Reserve gelockt werden. Sein Vorschlag: "Der Weg muß zu ganzheitlichen Paketen hingehen, die alle Edifact-Komponenten realisieren und eine einheitliche Schnittstelle bieten." Laut Thomas seien die Konverter derzeit in puncto Komfort und Benutzeroberfläche noch nicht voll ausgereift.

An der Konvertierungssoftware führt für den Anwender kein Weg vorbei. Illusion sei es deshalb, so Jürgen Gebker, EDI System Manager bei Hewlett Packard, Inhouse-Daten gleich im Edifact-Format bereitzustellen. Gebker: "Die Edifact-Datenstrukturen sind nur zum Transport gedacht. Die Messages müssen konvertiert werden, weil Edifact ein flexibles Satzformat und flexible Feldlängen hat, womit man auf Rechnern üblicherweise nicht arbeiten kann."

Mit hohen Programmiersprachen können zwar, so Hartmut Hermes, Edifact-Nachrichten direkt als Eingabebereich definiert werden; in der Regel jedoch werde ein Syntaxkonverter davorgesetzt, weil die meisten Anwendungen von einem festen Datenformat ausgingen und in einfachen Sprachen geschrieben seien. Hermes weiter: "Es wird nie eine einheitliche Message geben, sondern immer nur Auszüge aus der Nachricht, die von der Anwendung des Absenders abhängen."

Insgesamt brachte Hermes den Übertragungsmodus auf den einfachen Nenner: "Jeder sendet das, was er hat, und nimmt, was er braucht." Voraussetzung: Die Muß-Datenelemente aus den Subsets müssen ausgegeben und empfangen werden.

Vor der Illusion, Edifact könnte ohne irgendwelche Absprachen eingesetzt werden - wie häufig angenommen wird -, warnte jedoch Gebker: "Es müssen immer Absprachen getroffen werden, auch wenn man Edifact-Daten schickt, weil definiert sein muß, welche Felder benutzt werden."

Gebker riet deshalb in seinem Vortrag, bei der Implementation von EDI einen Dokumentationsplan zu erstellen, der die Verantwortlichkeit, das Netzwerk und Transport-Protokoll sowie Zeitpläne regelt. Außerdem sollte bei der ersten Anwendung ein Partner mit Edifact-Erfahrung ausgewählt und ein realistischer Zeitplan aufgestellt werden.

Spätestens in fünf Jahren sollten die Zweifel an Edifact eigentlich kein Thema mehr sein. Denn bis dahin würden die Europäer, so Hinrich Schlieper, den Message-Vorsprung der Amerikaner eingeholt haben.