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24.01.1992 - 

Gericht muß Nutzungsrechte von Dienstleistern klären

EDS Corp. reibt sich an SW-Politik von CA

MÜNCHEN (CW) - Outsourcing-Dienstleister EDS Corp. hat in den Vereinigten Staaten eine gerichtliche Klage gegen Computer Associates Inc. (CA) eingereicht, die zu einem Musterprozeß über Nutzungsrechte an Software führen könnte.

In der 29seitigen Klageschrift wirft EDS Computer Associates vor, in mehreren Punkten Verträge nicht zu erfüllen, sich in die Geschäftsbeziehungen von EDS einzumischen und die herausragende Stellung am US-Markt für Mainframe-Systemsoftware zu mißbrauchen.

CA habe gegen Copyright-Bestimmungen verstoßen, Wartungs- und Lieferverträge nicht erfüllt, unberechtigte Gebühren erhoben sowie Software-Upgrades blockiert, wodurch Probleme zwischen EDS und den Kunden heraufbeschworen worden seien.

Keine der beiden Parteien äußerte sich öffentlich über Details des Rechtsstreits. In einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Yankee Group, Boston, heißt es allerdings, die von EDS geforderte Entschädigung belaufe sich auf etwa 50 Millionen Dollar, rund fünf Prozent der Einnahmen von Computer Associates im letzten Geschäftsjahr.

Die in neun Punkten begründete Klageschrift betreffe noch keineswegs alle zwischen EDS und CA bestehenden Meinungsunterschiede; weitere Gerichtsverfahren könnten angestrengt werden.

Im Gegenzug wird Computer Associates EDS wegen eines Schadens von "Hunderten Millionen Dollar durch Lizenzverletzungen" verklagen. Die massive Gegenklage läßt vermuten, daß Computer Associates an einem empfindlichen Punkt getroffen worden ist.

Hauptsächlich im Bereich proprietärer IBM-Großsysteme tätig, müßte CA mit Einbußen rechnen, wenn ihr der Trend zum Outsourcing weitere Kunden entzieht und Dienstleistungsunternehmen ihre CA-Lizenzen weitgehend uneingeschränkt geschäftlich nutzen könnten.

Die Yankee Group weist darauf hin, daß auch andere Unternehmen Meinungsverschiedenheiten mit CA über die Reichweite ihrer Lizenzrechte hätten. EDS führe eine exemplarische Klage, die "nur die Spitze eines Eisbergs" ungeklärter Probleme erkennen lasse. Die anstehenden Gerichtsverfahren könnten sich über Monate oder Jahre hinziehen, dürften aber kaum die

Handlungsfähigkeit einer der Parteien beeinträchtigen.

"Wir haben absolut keine andere Wahl, als CA vor Gericht zu bringen", sagte Roger Still, ein EDS-Sprecher. In einer Presseerklärung heißt es: "Unserer Ansicht nach versucht CA, bestehende Verträge und Vertragsbedingungen zu umgehen, welche sie erfüllen müssen. CA hat es beispielsweise versäumt und sich geweigert, Software und Wartung an EDS zu liefern, wie es nach Vertragsinhalten notwendig gewesen wäre, CA hat Gebühren erhoben, die in Lizenzabkommen nicht vorgesehen sind. EDS beginne einen Rechtsstreit nicht leichtfertig, heißt es in der Presse-Erklärung weiter, "aber wir sahen kein anderes Mittel, eine Situation zu bereinigen, die nicht nur für EDS und unsere Kundenunterstützung schädlich ist, sondern auch für andere Unternehmen" die gleichfalls CA-Produkte nutzen."

Die EDS Corp. sieht sich in besonderem Maße von der starken Position von CA betroffen, da sie als Outsourcing-Dienstleister nicht auf andere Anbieter ausweichen könne, sondern unvermeidlich deren Produkte nutzen müsse.

Computer Associates hat postwendend reagiert und ihrerseits ein Verfahren mit Millionen-Forderungen gegen EDS angekündigt.

In einer Stellungnahme heißt es: Die EDS-Vorwürfe sind völlig unberechtigt und stellen einen Versuch dar, eine andauernde und vorsätzliche Vorgehensweise zu verbergen, bei der EDS die Rechte von CA und anderen Software-Unternehmen schmälert."

Die Computer Associates Inc. werde sich nicht nur zu verteidigen wissen, sondern ihrerseits "Hunderte Millionen Dollar" von EDS fordern und "bei Gericht Schutz vor fortgesetzten Verletzungen ihrer Rechte durch EDS suchen".

Damit hat eine seit geraumer Zeit andauernde Auseinandersetzung zwischen EDS und CA ihren Höhepunkt erreicht. Seit Mitte 1990 gibt es Streit, ob CA bei Outsourcing-Dienstleistungen erhöhte Lizenzgebühren erheben darf. Im Frühjahr vergangenen Jahres gab es Ärger über die Höhe von

Lizenzgebühren anläßlich eines Upgrades des IBM-Betriebssystems VSE auf die damals eingeführte VSE/ ESA-Version 1.1. In einem Versuch, die vielfältigen Streitigkeiten mit dem Softwaregiganten gütlich beizulegen, hatte EDS 4,7 Millionen Dollar überwiesen, aber nach eigenen Angaben keine

Änderung des CA-Geschäftsgebarens feststellen können.