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26.06.1992 - 

Vergrößerter Marktanteil und satte Rendite als Zielvorgaben

EDS/GFI fordern Cap Gemini in Frankreich zum Kampf heraus

PARIS - Die letztjährige erfolgreiche Übernahme der britischen SD-Scicon durch EDS, einer der größten Software- und Service-Anbieter weltweit, brachte jetzt auch Bewegang in den französischen Markt. Dort nämlich fährten die Texaner kürzlich die frühere Scicon-Tochter GFI mit ihren eigenen kommerziellen Interessen zusammen und gelten nun als Herausforderer des Marktführers Cap Gemini-Sogeti (CCS).

Die Zielvorgabe der EDS-Mutter General Motors an Jacques Tordjman den Präsidenten der fusionierten Enkelfirma, ist unmißverständlich: möglichst rasch zur Nummer eins aufrücken. Denn Frankreich gehöre bisher zu den wenigen Ländermärkten, in denen EDS im Rahmen seiner weltweiten Ambitionen noch keine "ausreichende Entwicklung" erzielt habe. In Zahlen ausgedrückt bedeutet die Vorgabe: 15 bis 20 Prozent jährliches Wachstum auf einem Markt, der letzthin nur etwa acht Prozent zulegte.

Tordjman läßt sich durch diese Zielsorgabe nicht beunruhigen. Heute belege die fusionierte Firma zwar erst Platz fünf im französischen Softwaremarkt, "aber in spätestens zwei Jahren werden wir zu den drei größten gehören und dann zum Sprung an die Spitze ansetzen". Immerhin verfügt die neue Unternehmensgruppe bereits über eine recht solide Absprungbasis. Im Vorjahr nahm EDS in Frankreich mit 800 Mitarbeitern etwa 500 Millionen Franc (knapp 150 Millionen Mark) ein, GFI kam europaweit mit 2300 Beschäftigten auf 1,2 Milliarden Franc Umsatz.

Satte Rentabilitat zur Auflage gemacht

Werden die übrigen EDS-Aktivitäten in Europa hinzugezählt, liegt die fusionierte Firma auf dem Alten Kontinent mit 7,2 Milliarden Franc zwar immer noch um Längen hinter den rund zehn Milliarden Franc von Serge Kampfs CCS-Konzern, aber am Willen des neuaufgetauchten Rivalen, diesen Abstand schleunigst zu verringern, besteht kein Zweifel.

Gleichzeitig haben die Texaner der Scion-Tochter GFI, die 1990/91 durch den Erwerb von sieben anderen Unternehmen im In- und Ausland ein rapides externes Wachstum vorlegte, eine satte Rentabilität zur Auflage gemacht: zwölf Prozent vor Steuern bis 1997. Derzeit liegt die Quote nach der Einkaufsorgie zwar erst bei 3,5 Prozent, verbesserte sich gegenüber den 1990 und 1991 erzielten ein beziehungsweise zwei Prozent jedoch bereits deutlich. In absoluten Zahlen kletterte der Nettogewinn 1990/91 von 18,7 auf 25.5 Millionen Franc.

Daß EDS mit GFI eine Perle zufiel, beweist allein schon die rasche Ausweitung der technischen Kompetenz des französischen Unternehmens. Nachdem es ursprünglich nur in Bull- und IBM-Umgebungen zu Hause war, nistete sich das Pariser Softwarehaus später auch auf DEC-, HP-, Unisvs- und Tandemplattformen ein. Überall dort wollen die Texaner künftig ihre Fertigkeiten im Facilities Management und Outsourcing demonstrieren - auch wenn solche Dienstleistungsangebote der europäischen Kundschaft immer noch "ein wenig fremd sind", wie EDS-Marketing-Direktor Barry Sullivan einräumt. Die möglichst vollständige Kontrolle über den DV-Bereich eines Unternehmens gelte nämlich nach wie vor als zentrales Element der Firmenstrategie. Aber wirtschaftliche Realitäten wie steigender Kostendruck und Zwang zu höherer Produktivität angesichts rezessionsgedrückter Firmenmargen würden wohl schon bald für einen Wandel sorgen.

EDS, mit etwas mehr als sieben Milliarden Dollar Umsatz im Vorjahr, erwartet deshalb, schon Ende des Jahrzehnts mehr als die Hälfte davon außerhalb der USA zu erwirtschaften und sich damit auch sichtbarer als bisher von der großen Mutter in Detroit abzunabeln. Die Fusion in Frankreich, so meint denn auch Tordjman, werde ein Gutteil zu dieser Entwicklung beitragen. EDS habe in GFI "einen Partner mit ebenbürtiger Vision und Strategie" gefunden, um das Konzept globaler Systemhaus-Aktivitäten auch auf dem Alten Kontinent rasch zu verwirklichen.