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17.12.2004

EDS hakt ein verkorkstes Jahr ab

17.12.2004
Der Großauftrag der US-Marine hat EDS Verluste in Milliardenhöhe beschert. Inzwischen hat der IT-Dienstleister das Projekt jedoch im Griff.

Für EDS war 2004 kein gutes Jahr. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte häuften sich die Negativschlagzeilen. Neben einem langsamen Umsatzwachstum musste der US-amerikanische IT-Dienstleister bereits zum zweiten Mal seine Quartalsbilanzen verschieben. Schuld daran waren vor allem die erneuten Abschreibungen auf das Projekt "Navy-Marines Corps Intranet" (NMCI) sowie Verluste durch Pleiten von Großkunden wie der Fluggesellschaft US Airways. Nicht gerade imagefördernd waren auch die Berichte über ein mögliches Scheitern des Großprojekts mit der britischen Behörde Child Support Agency (CSA) oder die Meldung, dass General Motors den Outsourcing-Vertrag mit EDS nicht verlängern will. Und dann wurde Anfang November auch noch bekannt, dass EDS Bonuszahlungen für Mitarbeiter nicht ordnungsgemäß verbucht hatte.

Hohe Verluste durch Navy-Projekt

Die größten finanziellen und Image-Verluste entstanden EDS jedoch durch das NMCI-Projekt für die vor allem in Branchenkreisen das Unternehmen selbst verantwortlich gemacht wird.

Nach Ansicht der Analysten von Kennedy Information Research waren aber weder EDS noch die Navy und ihre Elite-Einheit Marine Corps auf ein derart umfangreiches Vorhaben vorbereitet. Der 2000 geschlossene Vertrag, der die Erneuerung und den Betrieb von rund 360000 PC-Arbeitsplätzen vorsieht und dabei weltweit 300 Stützpunkte unter Einhaltung der größtmöglichen Sicherheitsstufe miteinander verknüpfen soll, ist mit einem Wert von 8,8 Milliarden Dollar das bislang größte einzelne IT-Services-Projekt, das in den USA im öffentlichen Dienst je vergeben wurde. Hinzu komme, dass die Zusammenarbeit mit Projektverantwortlichen aus den Reihen des Militärs noch schwieriger sei als mit anderen Behörden. EDS habe bei der Integration der rund 100000 bestehenden Anwendungen Probleme gehabt, sich gegenüber den Befehlshabern durchzusetzen. Nachteilig hätten sich zudem die strengen Vertragsbedingungen ausgewirkt, die anfangs für jede Implementierung 44 Service-Level-Agreements (SLAs) in 192 Kategorien vorsahen, wobei die Bezahlung unter anderem vom jeweiligen Implementierungsgrad abhängig war. Angesichts dieser Konditionen sei es kein Wunder, dass die Einnahmen von EDS hinter den Investitionskosten zurückgeblieben seien.

Mittlerweile hat EDS das Mammutprojekt jedoch nach Einschätzung der Analysten einigermaßen im Griff, unter anderem wegen der im Oktober geänderten Vertragsbedingungen: Statt 44 sind nur noch sieben SLAs vorgeschrieben; die Anzahl der Leistungskategorien wurde von 192 auf 27 reduziert. Damit erhält EDS nun 90 Prozent der Bezahlung, wenn die Implementierung zu 50 Prozent erfolgt ist und 90 Prozent der Leistungskategorien erfüllt sind. Den vollen Preis zahlt die US-Marine, wenn EDS die Vorgaben zu 90 Prozent beziehungsweise 100 Prozent eingehalten hat. Rückwirkend gültig haben diese Änderungen dem Serviceanbieter 200 Millionen Dollar zusätzlich eingebracht.

Grundsätzlich ist EDS nach Einschätzung von Karsten Leclerque von der Unternehmensberatung Pierre Audoin Consultants (PAC) gut aufgestellt. Angesichts ihrer Fokussierung auf globale Deals hätten die Texaner besonders stark unter der Finanzschwäche einiger Großkunden gelitten. Gleichzeitig seien sie in diesem Bereich aber auch besonders professionell. "Das Image von EDS ist momentan stärker beschädigt als das Unternehmen selbst." (sp)