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20.01.1978 - 

Verkehrsabhängige Gebühr begünstigt Point-to-Point-Verbindungen:

EDS-Neuerung bringt Terminal-Konzept der Banken ins Wanken

BONN (hö) - Ab 1. 4. 1978 bietet die Deutsche Bundespost ihre EDS-Dienste an. Die neue Netzform favorisiert von der Funktion her - im Gegensatz zu festen Leitungsverbindungen (HfD) - Point-to-Point-Verbindungen. Eine wichtige Anwenderforderung der Kreditwirtschaft war es aber gerade, von intelligenten Terminals mit Punkt-zu-Punkt-Eigenschaften auf ein Bankenterminal zu kommen das über einen intelligenten Konzentrator weniger intelligente Schalterplätze miteinander verbindet. Nach Meinung von Hans Erich Rebscher, Direktor des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes e. V., Bonn, bestehe deshalb zwar noch kein Anlaß, eingeleitete Planungen zu revidieren, er empfiehlt jedoch in der Zeitschrift "geldinstitute" 6/77, die Entwicklung bei Banken-Terminals künftig mit großer Aufmerksamkeit zu beobachten. Hier ein Auszug:

Bisher verwendeten die Anwender der Datenfernverarbeitung, von geringen Ausnahmen abgesehen, eine feste Leitungsverbindung (HfD) für ihren Datentransport im Netz der Deutschen Bundespost. Diese Leitung war ihnen zu ihrer ausschließlichen Benutzung überlassen.

Anders bei Wählleitungen. Ihr Merkmal ist es, daß sie niemandem fest zugeteilt sind, solange sie nicht durch einen Wählvorgang temporär zwischen zwei Endpunkten geschaltet werden.

Gravierendster Unterschied: EDS bringt lastabhängige Gebühren. Da gibt es zunächst die "Datexverbindungsgebühr", die der Teilnehmer für den aktiven Gebrauch der geschalteten Leitungsverbindungen entrichten muß. Dann gibt es einen "Zuschlag", der den fixen Sockelbetrag umfassen soll, der für das Zustandekommen einer Leitungsverbindung erhoben wird.

Die Datenverbindungsgebühren sind abhängig von der Leitungsgeschwindigkeit, der Entfernung und außerdem noch von der Tageszeit. Daneben finden sich in der Verordnung auch die bekannten Fixkosten wie Grundgebühren und Zuschläge für besondere Einrichtungen.

Neu in der Systematik ist der Zuschlag, für Datexverbindungsgebühr, eben jener Sockelbetrag für jede zustande gekommene Datenverbindung. Somit wird er über seine Rolle als Kostenelement auch zu einem Hilfsmittel der Steuerung des Datenverkehrs.

Ein Benutzer, der heute vor der Analyse des für ihn geeignetsten Leitungsweges steht, muß sich nunmehr eingehend auch mit seinen zu übertragenden Satzlängen beschäftigen. Schließlich machen sie die Summe seiner monatlich zu zahlenden Datexverbindungsgebühren aus. Darüber hinaus hat er sich aber auch damit zu befassen, wie häufig er einen Verbindungsaufbau betreiben muß oder will, um zwischen den Teilnehmern Datenverkehr zu betreiben. Von der Anzahl dieser aufzubauenden Verbindungen hängt die Summe ab, die von den jedesmal entstehenden Sockelbeträgen gebildet wird.

Der Zuschlag zur Datexverbindungsgebühr wird aber auch zum Steuerelement in der Hand der Deutschen Bundespost. Im Zusammenhang mit Wählsystemen ist das Problem des besetzten Amtes oder Teilnehmers nicht hinwegzudenken (dieses Problem kennt die feste Leitungsverbindung nicht). Beim Aufbau von Wählsystemen befinden sich daher die Planer in dem Dilemma zwischen der Anzahl der Besetztfälle, die sie bereit sind, dem Benutzer zuzumuten, und dem wirtschaftlichen Aufwand, den sie treiben können, um die Zahl der Besetztfälle möglichst gering zu halten. Diese Überlegungen und Planungen werden außerdem erheblich erschwert, solange ungewiß bleibt, wie viele Teilnehmer zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Dauer den Wählvorgang einleiten werden.

Das zeitliche und mengengemäße Verteilen von Verkehrsströmen erschließt sich nur ungenügend empirischen Untersuchungen. Es wird deshalb bei allen planerischen Bemühungen zum Auslegen des Wählsystems unter Umständen zu Besetztfällen kommen. Ein Mittel, um einen zu hohen Andrang von Wählvorgängen zu steuern, ist der durchaus mit einem Abschreckungseffekt versehene Zuschlag zur Datexverbindungsgebühr. (Für jede zustande gekommene Verbindung einmal als Sockelbetrag für diese Verbindung berechnet.) Damit soll eine sorglose Wählerei unterbunden und der Benutzer zu der Überlegung veranlaßt werden, wie lange er eine durch einen Wählvorgang aufgebaute Leitung stehen läßt, in dieser Zeit beispielsweise geblockte Daten überträgt und dann den Übertragungsvorgang beendet.

HfD oder Wahlleitung?

Für einen in der Auswahl der Leitungsverbindung befindlichen Benutzer gilt es zu klären, von welchem Datenvolumen an ein HfD günstiger ist, oder ab wann sich besser die Wählleitung eignet. Sollte die Gebührenstruktur so sein, daß die Masse der Anwendungen nach wie vor günstiger im HfD abzuwickeln sein wird, muß damit gerechnet werden, daß das EDS vom Markt nicht abgenommen wird.

Bei einem Unternehmen, das jedoch so gelagert ist wie die Deutsche Bundespost, bestehen Möglichkeiten, Fehlinvestitionen dennoch zu vermarkten. Deshalb haben sich alle Beteiligten intensiv bemüht eine Struktur zu finden, die das EDS wirtschaftlich interessant macht, um damit sicherzustellen, daß es seinen Markt findet. Bei diesen Bemühungen hat die Deutsche Bundespost den ihr oftmals nachgesagten Bürokratismus überwunden. Sie machte keine rein betriebswirtschaftliche Preisstruktur, sondern eher eine marktorientierte, also eine die Benutzung anreizende Preisstruktur, die durch steigende Teilnahme steigende Einnahmen und damit frühe Amortisation der eingesetzten Mittel bringt.

Die nachstehende Tabelle verdeutlicht welche Gebührenschnittpunkte bei einem Vergleich zwischen HfD und Datexverbindung entstehen. Sie zeigen - da sie aus den Diskussionen aus der Zeit vor der Verordnung stammen - auch gleichzeitig den einschneidenden Einfluß, den die Verbindungsgebühr (VG) auf das Preisniveau ausübt.

Bei diesen Vergleichen, die sich im vorliegenden Fall nur auf den Dialogverkehr erstrecken, ist davon ausgegangen worden, daß sie den heute üblichen Konzentrationstechniken gegenübergestellt werden müssen. So ist die Anzahl der Dialoge pro Tag nicht nur das Datenaufkommen in einer Punkt-zu-Punkt-Verbinbindung, sonder auch in einer Knotenverbindung über einen Konzentrator.

Das Ende der Remote-Terminals?

Bei den Diskussionen um die Gebührenstruktur für das EDS waren in starkem Maße auch Überlegungen der Hardware anzustellen. Das gilt vor allem für S die Datenstation. Es war von Beginn an das Bestreben aller Beteiligten, nun nicht eine im Sinne der Verbindungsoptimalisierung intelligente Datenstation auszulösen. Dennoch wurde allen. Beteiligten klar, daß die am Markt befindliche Hardware der Datenstationen nicht den Anforderungen eines Wählverkehrs entsprechen wird. Es wird sorgsam beobachtet werden müssen, welche Reaktionen nunmehr die Hersteller zeigen, dem zukunftsorientierten Leitungsangebot der Deutschen Bundespost ein ebensolches Hardwareangebot hinzuzufügen.

Eine mehr im Philosophischen negative Feststellung kann man da schon treffen: Die Kreditwirtschaft hat sich wegen der Leitungsökonomie in der Vergangenheit erheblich lange mit der Industrie gerangelt vom mehr oder minder intelligenten Terminal mit vorrangig Point-to-Point-Eigenschaften auf ein Terminal zu kommen, das über einen intelligenten Konzentrator weniger intelligenten Arbeitsplätze miteinander verbindet. Nunmehr wird die EDS-Entwicklung, die von der Funktion her eine Point-to-Point-Verbindung favorisiert, wieder den umgekehrten Weg einleiten.