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Chancen auf dem kritischen Arbeitsmarkt:

EDV als Schlüssel für Wirtschaftsstudenten

21.09.1984

FRANKFURT/MAIN - Ende September zählten 7072 Wirtschaftswissenschaftler mit abgeschlossener Hochschulausbildung als arbeitslos. Jeder dritte von ihnen war ein Berufsanfänger. Die Wettbewerbsbedingungen und der Ausleseprozeß auf dem Arbeitsmarkt verschärften sich in den letzten Jahren besonders für einige Sparten dieser Berufsklasse. Inwieweit der reibungslose Einstieg und ein erfolgreicher Berufsverlauf für Absolventen dieser Fachrichtung als gesichert gelten können und welches Gewicht DV-Wissen hat, untersucht eine Studie der Arbeitsmarktinformationsstelle (AIS), Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt am Main über diesen Teilarbeitsmarkt.

Die Fachrichtung des Wirtschaftswissenschaftlers spielt nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Arbeitsmarktchancen, stellen die AIS-Autoren fest. Dabei hätten vergleichsweise gute Arbeitsmarktchancen Diplom-Kaufleute und graduierte Betriebswirte oder Diplom-Betriebswirte.

Dies gilt auch für den Diplom-Wirtschaftsingenieur und den graduierten Wirtschaftsingenieur, der gerade in mittleren und größeren Industrieunternehmen und bei Unternehmensberatungen auf besondere Aufmerksamkeit trifft. Volkswirte und volkswirtschaftlich ausgerichtete Diplom-Ökonomen haben im Vergleich hierzu Wettbewerbsnachteile und gegenwärtig erhebliche Startschwierigkeiten, wenn sie sich außerhalb ihrer klassischen Tätigkeitsfelder bewerben, wozu sie durch die aktuelle unbefriedigende Arbeitsmarktlage in diesen Bereichen häufig gezwungen sind.

Die Studie weist jedoch darauf hin, daß bei nicht wenigen Einsatzgebieten, etwa im Vertrieb, die Fachrichtung von geringerer Bedeutung und persönlichkeitsbezogene Merkmale des Bewerbers wesentlicher sind. Gefordert sind Eigenschaften wie Organisationstalent, Durchsetzungsvermögen, Kreativität und Belastbarkeit. Auch tritt im längerfristigen Berufsverlauf die einmal gewählte Fachrichtung immer stärker in den Hintergrund.

Für Diplom-Kaufleute und Diplom-Betriebswirte sind die Industrie, Handel, Banken, Versicherungen und der sonstige Dienstleistungsbereich, insbesondere Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften und Beratungsunternehmen, die aufnahmefähigsten Wirtschaftsbereiche. Bei den Diplom-Kaufleuten finden sich die funktionalen Schwerpunkte in den Bereichen Finanz- und Rechnungswesen, etwa Controlling, in der internen und externen Revision, im Bereich EDV/Organisation, Unternehmensplanung, Marketing und in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung. Die Arbeitsfelder der Diplom- Betriebswirte liegen dagegen mehr in den absatznahen Einsatzbereichen und im innerbetrieblichen Rechnungswesen, einschließlich Buchhaltung.

Ein Drittel aller Diplom-Volkswirte arbeitet in der Industrie, jedoch ist dieser Anteil deutlich geringer als der ihrer Kollegen aus den benachbarten Disziplinen. Auch bei Banken und Versicherungen sowie im privaten Dienstleistungsbereich stellen sie eine starke Konkurrenz für die Betriebswirte dar. Diplom-Volkswirte findet man in der Privatwirtschaft vor allem in den volkswirtschaftlichen Abteilungen von Großunternehmen und Banken. Hier haben sie aufgrund ihrer makro-ökonomisch ausgerichteten Ausbildung deutliche Startvorteile gegenüber anderen Wirtschaftswissenschaftlern. Mit Abstrichen gilt dies auch für den Bereich Marktforschung, Marketing und noch geringer in der Werbung. In den Bereichen Organisation und EDV und vor allem im betrieblichen Rechnungswesen sind sie unterpräsentiert, obwohl auch diese Bereiche den Volkswirten grundsätzlich offenstehen. Der Vertrieb ist im Vergleich das aufnahmefähigere Einsatzfeld, Volkswirte können durchaus mit den Diplom-Kaufleuten konkurrieren. Gerade hier spielen die ausbildungsspezifischen Unterschiede eine geringe Rolle gegenüber den persönlichen Eignungsmerkmalen. Im öffentlichen Dienst, bei Kammern und Verbänden, Parteien und Forschungsinstituten sowie in den Medien sind die Volkswirte gegenüber den Betriebswirten stärker vertreten.

Startvorteil EDV

Für Diplom-Wirtschaftsingenieure und graduierte Wirtschaftsingenieure ist die Industrie der bedeutendste Arbeitgeber. Nach einer Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg 1981, arbeiten beispielsweise 62 Prozent der Fachhochschulabsolventen der Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen im verarbeitenden Gewerbe, 20 Prozent im Dienstleistungsbereich.

Wirtschaftsingenieure werden ebenfalls sehr stark in absatznahen Bereichen und im Rechnungswesen eingesetzt. Aufgrund der häufig gegebenen hohen EDV-Anteile ihrer Ausbildung haben sie nicht selten Startvorteile gegenüber den Betriebswirten in dem Einsatzfeld EDV und Organisation. Aufgrund der im Studium angelegten engen Verzahnung von Technik und Wirtschaft wird auch verständlich, daß Produktionsplanung und Fertigungssteuerung zu einem weiteren wichtigen Einsatzfeld zahlen. Wirtschaftsingenieure werden darüber hinaus in Industriebetrieben als Assistenten der kaufmännischen oder technischen Leitung eingesetzt, und auch in den Bereichen Einkauf und Materialwirtschaft eröffnen sich interessante und entwicklungsfähige Einstiegspositionen für diese Absolventen. Auch in den Marketingabteilungen der Investitionsgüterindustrie haben sie bessere Chancen als Diplom-Betriebswirte.

Gute Positionen mit Zusatzqualifikation

Die AIS-Studie betont, daß dem Berufsanfänger vor allem vertiefte Kenntnisse des betrieblichen Rechnungswesens und verwandter Fächer sowie Kenntnisse der DV/Wirtschaftsinformatik relativ günstige Berufsaussichten eröffneten.

Bei der zunehmenden Informationsfülle und dem Vorteil, den die elektronische Datenverarbeitung zu deren Bewältigung bietet, ist, so die Autoren von AIS, mit einem weiteren Vordringen der Datenverarbeitung als Hilfsmittel der Unternehmensführung zu rechnen. Zusatzkenntnisse und Anwendungserfahrungen in diesem Bereich seien für Wirtschaftswissenschaftler in allen Funktionen hilfreich.

Stellenangebote gerade für Berufsanfänger kommen häufig aus diesen Funktionsbereichen.

Eine kaufmännische Lehre vor dem Studium und Praktika, insbesondere auch Auslandspraktika während des Studiums, verbessern nach Erfahrungen der Bundesanstalt für Arbeit die Aussichten auf eine adäquate Position.

Managementschulen

Eine interessante Alternative zur Promotion stellen sowohl amerikanische als auch europäische Managementschulen. Als Beispiel nennt die Arbeitsinformationsstelle aus Frankfurt "Insead" in Fontainebleau. Zielsetzung der Schule sei, international orientierten Managementnachwuchs auszubilden. Neben den vertieften Kenntnissen in Englisch und Französisch und einem interdisziplinär geschulten Denken liege der wesentliche Vorteil dieser Ausbildung darin, sich auf internationalem. "Parkett" zu bewegen und sich mit überregionalen Kontakten auseinanderzusetzen.