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24.07.1981

EDV-Ausbildung im Großrechenzentrum der Datev in Nürnberg:Eigenes Lernzentrum sichert Marktposition

Jeder weiß, daß der Personalmarkt für EDV-Fachkräfte nicht überquillt. Neue Mitarbeiter mit einer umfassenden EDV-Grundausbildung und den so sehr geschätzten praktischen Erfahrungen, nach Möglichkeit auch noch auf Anlagen, die denen im eigenen Haus vergleichbar sind, zu beschaffen, ist eine Aufgabe, die sicherlich schon manchen Personalfachleuten zu grauen Haaren verholfen hat.

Mit dem "Ausstoß" von Fach- und anderen Hochschulen zum Beispiel an Informatikern läßt sich dieses Loch bundesweit weder qualitativ noch quantitativ stopfen. Michael Jackson hat die Problematik bei der Einstellung von Hochschulabsolventen sinngemäß einmal folgendermaßen beschrieben: Die Lehrstuhlinhaber an den Hochschulen beschäftigen sich erfahrungsgemäß weniger mit so profanen Dingen wie Anwendungsprogrammierung in Assembler oder Cobol, sondern entwickeln und konstruieren zum Beispiel neue Compiler. Die Studenten lernen also, was Compiler sind, was sie tun und wie man sie entwickeln kann. Nach erfolgreichem Abschluß ihres Studiums kommen sie dann in eine Firma und wollen ihr fundiertes Wissen zum höheren Nutzen ihres ersten Arbeitgebers einsetzen: Sie möchten Compiler bauen.

Fatalerweise haben aber die meisten Firmen Compiler, mit denen sie entweder sehr zufrieden sind oder an deren Veränderung sie nur sehr erfahrene "alte Hasen" arbeiten lassen wollen. Der Frust ist programmiert und wird häufig mit der pauschalen Feststellung kommentiert: Die Hochschulen bilden nicht für die Praxis in Wirtschaft und Verwaltung aus Soweit die Analyse.

Die Unternehmen haben bei dieser Ausgangssituation sehr häufig gar keine andere Wahl, als die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter selbst in die Hand zu nehmen.

Alle Hersteller, große Software-Häuser und Anwender haben für diesen Zweck eigene Schulungsabteilungen oder ganze Ausbildungszentren geschaffen. Im Hause der Datev ist darfür speziell die Abteilung Personalförderung zuständig.

Die Aus- und Fortbildungsgänge im Bereich der EDV bei der genossenschaftlichen Datenverarbeitungsorganisation sind nicht direkt vergleichbar mit den Angeboten von Schulen, wie zum Beispiel dem DV-Bildungszentrum in München oder den Bildungseinrichtungen großer Hersteller.

Schulen bieten Kurse für Teilnehmer an, die aus verschiedenen Firmen kommen oder nach der Ausbildung in unterschiedliche Firmen gehen wollen. Die Firmen aber arbeiten mit sehr individuellen Problemstellungen und den dafür am besten geeigneten Hardware-Konfigurationen und Software-Paketen. Die EDV-Hersteller bieten Kurse an, die ihren Kunden den Einsatz der gekauften Hard- und Software erst ermöglichen und binden dadurch auch den Kunden längerfristig an das eigene Haus.

Die Hardware-Konfiguration der Datev und ihre Problemstellungen sind demgegenüber sehr speziell (IBM, Siemens/Fujitsu) und erfordern bei allen Neuentwicklungen von Programmen und Hardware-Erweiterungen eine Konzentration der Schulung auf diese individuellen Bedürfnisse. Dabei kann selbstverständlich auf Referenten oder Kurse von Schulen und Herstellern zurückgegriffen werden.

Ziel: erforderliche Kenntnisse

Die Zielsetzung für Ausbildungsgänge leitet sich aus dem angestrebten "Endverhalten" der zu schulenden Mitarbeiter ab. Endverhalten bedeutet das konkrete und überprüfbare Wissen und Können am Ende einer Schulungsmaßnahme. Das Endverhalten wird in Stellenbeschreibungen und/oder spezifischen Projektaufträgen im Detail erläutert und beinhaltet neben anderem auch die für die Arbeit erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Drei Gruppen

Nach dem Merkmal der Eingangsvoraussetzung können grob drei Zielgruppen unterschieden werden.

Berufsanfänger und Umschüler

Die Datev zum Beispiel schließt jährlich mit 12 bis 15 Abiturienten und Schülern mit Mittlerer Reife Ausbildungsverträge zum Datenverarbeitungskaufmann ab.

In einer Zeit von drei Jahren erwerben die Auszubildenden alle erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten, um anschließend in der Systementwicklung qualifiziert mitarbeiten zu können. Dabei achtet man darauf, daß der letzte praktische Ausbildungsabschnitt bereits in der Fachabteilung absolviert wird, die den Auszubildenden nach dem erfolgreichen Abschluß seiner Prüfungen übernimmt. So wird die Einarbeitungszeit auf ein Minimum gesenkt.

Umschüler, die einen Einstieg in die EDV suchen, werden bei geeigneten Voraussetzungen in sechs Monaten zu Programmierassistenten ausgebildet.

Neue Mitarbeiter mit EDV-Erfahrung Neue Mitarbeiter, die in anderen Firmen EDV-Erfahrungen gesammelt haben, werden in ihrer Einarbeitungszeit mit den Möglichkeiten (und Grenzen) der Hardware-Konfiguration, der Standard-Software und der firmeneigenen Methodik in der Software-Entwicklung vertraut gemacht.

"Alte" Mitarbeiter

Die Halbwertzeit des EDV-Wissens soll bei zirka dreieinhalb Jahren liegen, sagt man. In diesem Zeitraum müssen demnach die betroffenen Mitarbeiter ihr erworbenes Wissen um die Hälfte erweitern, wenn sie (und ihr Arbeitgeber) konkurrenzfähig bleiben und mit den Innovationen und Weiterentwicklungen Schritt halten wollen.

Dazu gehören sowohl die allgemeinen Kenntnisse über EDV, über den Hard- und Softwaremarkt, die Organisation und beispielsweise auch Betriebswirtschaftslehre, als auch die firmenspezifischen Besonderheiten, zum Beispiel der starke Ausbau von Dialoganwendungen .

Spezialisiert auf Funktionen

Die Aufgabenstellung eines Großrechenzentrums erfordert Arbeitsteilung und Spezialisierung der Mitarbeiter auf bestimmte Funktionen. Solche Funktionen sind zum Beispiel

- Anwendungsprogrammierer

- Systemanalytiker,

- Systemprogrammierer,

- Mitarbeiter im Job-Design,

- Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung

- Consol-Operatoren,

- Mitarbeiter im Druckbetrieb und andere.

Die Ausbildungsgänge für diese Funktionsgruppen unterscheiden sich nach der individuellen Zielsetzung und der jeweiligen Aufgabenstellung.

Will man die verschiedenen Zielgruppen in den unterschiedlichsten Ausbildungsgängen auf ihre speziellen Aufgabengebiete vorbereiten, ist der Einsatz aller bekannten und bewährten Lehrmethoden und -mittel Voraussetzung.

Ein großer Teil der EDV-Aus und Weiterbildung bei Datev wird in internen Seminaren in Form von Klassenunterricht durchgeführt. Der direkte Kontakt zum Lernen in der Gruppe ist für die meisten Mitarbeiter eine vertraute und gewohnte Situation.

Vorteile interner Seminare sind:

- homogene-Teilnehmergruppen aus einem Unternehmen,

- Konzentration der Lerninhalte auf konkrete, betriebliche Erfordernisse

- kein Arbeitszeitverlust durch An- und Abreise,

- keine Kosten für Reise und Hotel

- günstiges Verhältnis der Seminarkosten pro Teilnehmer.

Je nach Möglichkeit und Bedarf werden eigene Mitarbeiter oder externe Spezialisten als Lehrer eingesetzt.

Mitarbeiter aus dem eigenen Haus werden für die Tätigkeit als Referent in eigenen Seminaren vorbereitet. Sie kommen aus allen entsprechenden Fachabteilungen und sind daher bestens informiert, welches Wissen die Teilnehmer bei der praktischen Arbeit tatsächlich benötigen.

Für einzelne Mitarbeiter oder sehr kleine Gruppen, für die eine Gruppenveranstaltung zu aufwendig wird, wurde ein Lernlabor eingerichtet. Hier können Mitarbeiter losgelöst vom Arbeitsplatz und den vielen Ablenkungen durch Telefon, Kollegen etc.

- sich eine komplette EDV-Ausbildung mittels Video-Lehrprogrammen erarbeiten,

- programmierte Unterweisungen der Fachliteratur studieren,

- computerunterstützten Unterricht an TSO-Bildschirmen absolvieren

- Fremdsprachen mit Sprachlaborgeräten erlernen.

Bei allen Maßnahmen im Lernlabor stehen Mitarbeiter der Abteilung Personalförderung als Lernberater zur Verfügung.

Externe Seminare werden bevorzugt, wenn einzelne Mitarbeiter völlig neue Dinge lernen müssen, für die keine größere Zielgruppe zusammenkommt, oder für die keine alternativen Lernmaterialien vorliegen.

Schulungsumfang bei der Datev

Im Jahre 1980 sind bei zirka 1300 Mitarbeitern insgesamt alleine 120 interne Seminare von 1500 Teilnehmern besucht worden. Hinzu kamen 286 Teilnehmer an externen Veranstaltungen und 235 Mitarbeiter, die das betriebliche Angebot an Fortbildungsmaßnahmen in der Freizeit genutzt haben. Insgesamt wurden somit 2021 Teilnehmer gezählt. Im laufenden Geschäftsjahr 1981 werden ähnliche Zahlen erwartet.