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16.09.1977

EDV - Chefs ins Abseits?

Es begann Ende 74. Nach der Ankündigung neuer Rechner der unteren Mittelklasse (Siemens 7720, Honeywell - Bull 60/62 und Univac 90/30) ergänzte die IBM - Konkurrenz ihre bisherigen Absatzwege um eine alternative Vertriebs - Strategie. Mit dem Ziel, Systeme 3/10 und 3/15 sowie 370/115 und 370/125 "abzulösen" (was trotz erheblicher Preisvorteile an der IBM - Treue deutscher EDV - Chefs und ihrer Mitarbeiter zu scheitern drohte), begann die Gruppe der zweitgrößten zunehmend direkter die Unternehmensleitung anzusprechen, um Kostenüberlegungen zugänglichere Kontrolleure der DV - Fachabteilung von den Preisvorteilen ihrer Systeme zu überzeugen. Marketing - Zielgruppe: Topmanagement, möglichst unter Umgehung der DV - Abteilung in den ersten Phasen. Manch EDV - Chef sah sich als Folge beträchtlich in die Enge gedrängt, wenn er erstmals seine Hardware - Entscheidung vor einer plötzlich von außen informierten Unternehmensleitung zu rechtfertigen hatte.

MDT - und Prozeßrechner - Hersteller haben schon seit langem Abschlüsse erzielt, die vielfach unter de - facto - Umgehung des EDV - Chefs zu Rechenkapazität in Fachabteilungen und Fabriken führte. Vor der Gefahr solcher "lnsellösungen" ist gewarnt worden. Andererseits waren diese Entscheidungen sehr oft unumgänglich, angesichts des Unvermögens vieler, auf Jahre mit Projekten eingedeckter EDV - Abteilungen, den Anwendern vor allem schnelle und auch preisgünstige Lösungen zu bieten. Mit dem Werbeslogan "verteilte Intelligenz" wurde den Nicht - Fachleuten Mut zum Alleingang gemacht.

Auch die Anbieter von Timesharing - Service und Stapelfernverarbeitung akquirieren direkt bei den Anwendern der Fachabteilungen unter Umgehung, ja vielfach mit Verhöhnung der hauseigenen DV. Nicht - energische EDV - Leiter sehen sich zunehmend ins Abseits gedrängt.

Software - Alleingänge

Es kommt jetzt noch schlimmer. Verschiedene Software - Häuser und Unternehmensberatungen wählen für den Vertrieb ihrer Anwendungs - Programme für die Fachbereiche neuerdings die "Erstansprache über die Fachabteilung - auch hierbei möglichst lange unter Umgehung der DV - Leitung. Dabei werden EDV - spezifische Probleme als nebensächlich hintangestellt, die Software - Vertreter reden mit dem Fachabteilungsleiter in der Fachsprache, in der diese ihre Probleme des Vertriebswesens, des Personalwesens, des Finanz - und Rechnungswesens kennen und diskutieren wollen. Dabei wird unterstellt, daß EDV - Leiter gegenüber Standard - Lösungen ohnehin skeptisch seien, daß der EDV - Abteilung die branchenspezifischen Fachkenntnisse bekanntlich fehlten, daß Lösungen der EDV -Abteilung die Probleme vor und nach der Maschine zu übersehen pflegen. Da besuchen dann Fachabteilungs - Mittarbeiter Kollegen anderer Firmen, um sich dort überzeugen zu lassen, wie etwa die Automation von Lager, Einkauf und Materialwesen der EDV zu laufen habe. Dabei werden "Kosten und Termine verbindlich genannt", bei "vollverantwortlicher Realisierung durch unsere Fachspezialisten". Das muß den Abteilungs - Fürsten ja wie Honig schmecken.

Die richtigen weichen Stellen

Diese "Konkurrenz" ist seitens der EDV - Chefs vor allem dort ernst zu nehmen, wo die Verrechnung der Systementwicklungskosten projektbezogen mit den Fachabteilungen erfolgt - und das wiederum sollte Ziel sein, wo effizientes Management der EDV angestrebt wird.

Die Gefahr, daß mit Hinblick auf die langfristige Zielsetzung integrierter Datenverarbeitung wichtige Hardware - und Software - lnvestitionsentscheidungen unter Umgehung (meist bei nur formaler Befragung) der EDV - Abteilung gefällt werden, besteht und wächst. Ihr muß dadurch entgegengetreten werden, daß die Stellung des EDV - Leiters aufgewertet wird von der eines "Verwalters des Computers und seiner Mannen" zu der eines "Director of Information Services", wie in den USA immer mehr DP - Vicepresidents bezeichnet werden. Letztendlich gehört der DV - Chef in die Untemehmensleitung, Weichen werden ständig gestellt, die dorthin führen oder eben nicht.