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10.07.1981 - 

perfekt auswärts

EDV-Englisch zum Mitreden

Computervokabeln kurzweilig verpackt und text-intern präsentiert

5. Kapitel, 1. Teil

Das Basis-Englisch der Profis

Die Sonderstellung des Englischen im Wissensgebiet der EDV beruht auf der Tatsache, daß die Fachsprache gleichzeitig ein quasi-technischer Bestandteil des Computersystems ist, weil sie die Schalt-Wörter fürs Programmierschema liefert. Computer-Profis (im engeren Sinne des Begriffs) haben alle einmal mit Codiervokabeln hantiert und bauen später meist auf diesem Wortschatz auf. Für den, der mitreden will, kann deshalb ein Hauch von "Spoken Cobol" nie schaden.

Über dem Programmier-Englisch erhebt sich das Esperanto der Organisatoren. Schon die Basis des Berufsstandes - die ganz besonders! - befleißigt sich der hochgestochenen (sophisticated) Ausdrucksweise. Problemanalysen folgen beispielsweise einem ganz bestimmten Sprachritual, woraus umgekehrt geschlossen werden darf: Bei konsequenter Anwendung etablierter Formeln wird jede Analyse zum Problem.

Der schichtenspezifische Redefluß - Soziolekt genannt - enthält Abkürzungen und Akronyme, von denen man sich die 20 bis 30 wichtigsten relativ rasch einprägen kann, wenn man Fachanzeigen durchliest und sich die Kryptogramme von einem ansprechbaren Bit-Meister ausdeuten läßt.

Rudimentär parlieren

Was glauben Sie, wieviel Englisch-Vokabeln nötig sind, um im Kreis der Bit- und Byte-Bruderschaft mitparlieren zu können, und sei es auch nur ganz rudimentär? - 2000? - 1000? - 500? - 200?

Wenn Sie ganz unten anfangen, sind Sie sogar mit 60 Wörtern schon dabei. Ganz unten heißt hier: Sie haben Ihr Schul-Englisch nie benutzt und größtenteils vergessen, ausgenommen Bezeichnungen wie "Manager", "Computer" und "okay", aber die zählen nicht, die sind neudeutsch und können dem Englischen nur etymologisch zugeordnet werden, so wie "Fenster" oder "Kappes" dem Lateinischen .

Nehmen wir also an, es gäbe auf der Welt einen Menschen, der kein Wort Englisch verstünde, weil er in Trapezunt am türkischen Schwarzmeer als das siebte uneheliche Kind einer usbekischen Traumtänzerin zur Welt kam und in seinen formativen Lebensjahren lediglich eine anatolische Baumschule besuchte (er wollte Gärtner werden). Nun sieht sich selbiger Zeitgenosse plötzlich mit einem kleinen Rechner konfrontiert, mit dem er die Verwaltungsarbeit erledigen soll. Ein solcher Mensch braucht rund 60 Wörter, wenn er den Computer aufgabengerecht schalten will. (Man kann für die Programmierung das Wort "schalten" ruhig einmal verwenden, denn die in elektrische Zustände umgesetzten "Befehle" sind nichts anderes als vorübergehend wirksame Schaltimpulse im Arbeitsbauch der Maschine. )

Unser Halbalphabet aus Trapezunt läßt sich von einem freundlichen EDV-Trainer das minimale Basis-Englisch beibringen, den symbolischen Allzweck-Befehlscode für Anfänger - oder "Beginner´s All-purpose Symbolic Instruction Code", woraus "Basic" entsteht, wenn man die Anfangslettern der Definitionswörter aneinanderreiht. Die Bildung sinnfälliger Akronyme (so nennt man diese Kürzel) ist ein beliebter Sport unter den Linguisten der Branche.

60 Vokabeln "Basic" machen keinen Türken zum Amerikaner; doch sie verhelfen einem Primelzüchter immerhin zur elementaren Programmierung, sie stellen das absolute Minimum an Sprachkenntnissen im EDV-Bereich dar.

"Basic" ist nur eine - die einfachste - der landläufigen Computersprachen, die sich "problemorientiert" nennen, weil sie mit Blickrichtung aus die Aufgabenstellungen entwickelt wurden und nicht speziell für eine Maschinenart. Anfang der 60er Jahre wurde "Basic" in den USA für Schüler geschaffen, die mathematisch-naturwissenschaftliche Probleme zu lösen

"Cobol" oder "Fortran" umfassen ein größeres Vokabular als "Basic" doch ungefähr 200 Ausdrücke dürften auch da die oberste Grenze sein, und hierin sind die Mehrzahl-Formen sogar mitgezählt. Aus all dem folgt: Englisch ist nicht nur die originäre Fachsprache der elektronischen Datenverarbeitung, es ist die Grundlage jeder Programmiertechnik und so unausweichlich mit dem Computer verbunden wie das Ei mit dem Omelett. Theoretisch wäre es denkbar, auch jede andere Sprache zum formalen Ausgangsort der angewandten Informatik zu machen; in der Praxis jedoch spielen derlei Überlegungen kaum eine Rolle, wenngleich hin und wieder nationalistisch motivierte Versuche unternommen wurden. Aber "Basic, Cobol, Fortran, PL/1, RPG" etc. sind nun einmal vorhanden und erprobt. Wer will das Rad neu erfinden, wenn das darum geht, mit dem Computer Rationalisierungseffekt zu erzielen.

Hinzu kommt, daß die englische Sprache aufgrund ihrer vergleichsweise "primitiven" Syntax hervorragend geeignet ist, Software grammatisch zu strukturieren. Three different kinds of programs are involved in the actual task of computer programming. First, there is the written program or "source program", in which the calculations are specified. (The programmer uses "Cobol", for example.) Secondly, there is the "object program", in which the same calculations are put into a set of instructions that can be executed whenever the System, gets the green light to do so. Thirdly, we have a "translation program" in betten. This program converts the binary digits of the source program into a different sequence of "bits" that represents the object program. The translation program is called the "compiler". And everything is based on English instruction words.

Cowboy-Slang mit Bedeutung

Wenn Sie sich die "Befehlswörter" einmal anschauen, werden Sie feststellen, daß Sie die meisten davon auf Anhieb kennen, ein geringer Teil mag Ihnen fremd sein - und ein dritter Teil kommt Ihnen zwar bekannt vor, Sie können sich aber nicht gut vorstellen, das die Anweisungen in einem bestimmten Zusammenhang bedeuten. Vokabeln wie "Next, Move, Run, If . . . Then" sind Urlaute, die jeder eingefleischte Nicht-Sprachler kennt, wenn er nur einmal im Autoradio die Hitparade mitgehört hat. Schwieriger wird es bei "Restore" (zurücksetzen), "Append" (anhängen), "Delete" (löschen) - diese Ausdrücke muß man innerhalb der Programmgrammatik studieren, um zu erfahren, wozu sie dienen. Gleiches gilt für solche herrlichen Einfachheiten wie "Old", "Close" oder "Kill" (neu laden, Datei abschließen, Datei löschen). Völlig zwecklos, das Dictionnaire-Deutsch nachzuschlagen, denn in einem Computerprogramm gewinnt selbst der einsilbige Cowboy-Slang eine tiefere (aber auf jedenfall andere) Bedeutung.

Frage: Soll ein aufstrebender Bürobewohner in den "instruction code" der Programmierung eindringen, wenn er sein Englisch aufbessern und perfekt auswärts mitreden will?

Antwort: Er soll. Und zwar gleich aus zwei Gründen. Erstens wegen der allgemeinen Berufsbildung, denn ein paar Worte "Basic" braucht künftig fast jeder, und sei es nur, um der Dame am Terminal einen verbalen Potenzbeweis (in Sachen Systemverständnis) zu liefern. Zweitens, weil die "lnfokraten" - also die elitär vorgeformten Experten der modernen Organisation - in ihrem Englisch-Gebrauch, das eine Art Fach-Chinesisch ist, auf dem Fundus des angelsächsischen Befehlsvorrats aufbauen. Wer mit diesen Leuten reden will (oder muß), sollte wissen, wo seine Gesprächspartner sprachlich wurzeln: in ihrem ersten Programmier-Kurs nämlich, dort, wo sie gelernt haben, daß man dem Rechner ein "Accept" vorzucodieren braucht, damit er Daten aus der Hand frißt.

System schafft 40 Möpse

Es empfiehlt sich also dringend, ein Einführungsbuch in eine Programmiersprache (egal welche) wenigstens zweimal durchzublättern und sich die wichtigsten Wirkungsweisen der lapidaren Befehlsmuster einzuprägen Wenn Sie dabei zusätzlich etwas über Speicherplatzbelegung oder Operationsgeschwindigkeiten erfahren - so much the better! Stellen Sie sich vor Ihr Orga-Chef jubelt in sein Telefon: "Mit dem Array-Prozessor schafft das System 6 jetzt 40 Möpse!" Sie hören das Im Vorbeigehen und möchten gern wissen, was los ist. Im Lexikon lesen Sie bei "array": "a well-ordered series of persons or things." Unter "Mops" finden Sie: "Eine zu den Doggen zahlende Hunderasse mit gedrungenem Körper und stumpfer Schnauze". Nun reimen Sie sich das bitte zusammen!

Haben Sie aber im Lauf Ihrer Karriere etwas über Programmierung mitgekriegt, dann ist Ihnen das Wort "Array", das aus der ziemlich toten "Algol"-Sprache stammt, vielleicht einmal als "Matrix" begegnet. Der Array-Prozessor bewältigt also Matrizen, mathematische Großraumrechnungen sozusagen. Daß dabei alles wahnsinnig schnell geht, kommt in der Bezeichnung "40 Möpse" zum Ausdruck, gemeint ist 40 "Mops" gleich 40 million operations per second.

Die deutsche Pluralbildung "Möpse" darf natürlich nicht wahr sein; sie ist es auch nicht. EDV-Spezialisten gefallen sich bisweilen in solcherlei Verballhornung. Das ist ihre Art von Humor.

... und das sind die englischen Schlüsselwörter im Text:

1. All-purpose - Allzweck; instruction - Befehl; involve - einbeziehen, verwickeln; source programm - Quellenprogramm; objekt programm - Objektprogramm; execute - ausführen; translation - Programmübersetzung; binary - binär.

2. Coding - Codierung; consultant - Berater; commit to - vorsehen für; goal - Ziel; effort - Anstrengung; reveal - enthüllen, bekanntgeben; available - verfügbar; unusuable - nicht zu gebrauchen; steer - leiten, steuern; performance - Leistung; assign to - zuordnen; update - fortschreiben; requirement - Anforderung; interface (Verb) - eine gemeinsame Schnittstelle haben; compatible - kompatibel, verträglich; substitute - Ersatz, mission statement - Zieldefinition einer Arbeitsgruppe; task force - Projekt-Team.

3. Incompatible - nicht kompatibel, unverträglich; personal computer - kleiner Rechner für den persönlichen Gebrauch, Haus- oder Hobby-Rechner.