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25.09.1981 - 

perfekt auswärts

EDV-Englisch zum Mitreden

Computervokabeln kurzweilig verpackt und text-intern präsentiert von Heinzgünther Klaus

8. Kapitel, 2. Teil

Wie ärgert man EDV-Experten?

Wenn man einen arrivierten Netzwerk-Koordinator für einen Batch-Programmierer hält (oder so tut, als täte man), streift man die Grenze der persönlichen Beleidigung. Es empfiehlt sich, derlei massive K.-o.-Schläge zu unterlassen und subtilere Folter anzuwenden, denn die Kollegen an den Konsolen sind auch Menschen und haben Anspruch auf mildes Veräppeln. Schließlich wühlen sie wie die Weltmeister, um den Fachabteilungen täglich lange Listen zu liefern - und zum Dank werden sie geärgert.

Woher kommt der unwiderstehliche Drang vieler Leute, dem Computer und seinen Hohenpriestern etwas am Zeug zu flicken?

Dafür gibt es eine Menge Gründe; und sollte die "Bafög" künftig weiterhin die Ausbildung von Psychologen ermöglichen, so werden gewiß zahlreiche Dissertationen die pathologische Abneigung gegen Computerperfektion behandeln (Schemaphobie), denn hier liegt die Hauptursache für das bisweilen gestörte Verhältnis Mensch/Maschine: in dem vom System erhobenen Anspruch aufs Total-Rationale.

Ein bißchen Opposition gegen die EDV gilt darum unter den verbliebenen Intellektuellen unserer nachindustriellen Gesellschaft als herkömmlicher Freizeitsport: Jogging für die organisationsbedrängte Seele. Bei aller Liebe zum frohgestimmten Sadismus sollte indes über einen Punkt völlige Klarheit herrschen: Keine Politik der kleinen Stiche vermag an der fortschreitenden Schematisierung des privaten und öffentlichen Lebens irgend etwas zu ändern (in the long run), wenngleich auf kurze Strecken Schein-Siege aufstrahlen. Der Weg zum Computer ist alternativlos, weil durch die sogenannte Klaussche Endzeitformel (KEF) vorgezeichnet. Diese Jahrtausend-Erkenntnis - auch "perpetuum stabile" genannt - lautet wie folgt:

Während die Informatik immer höhere Daseinsformen produziert, entwickelt sie progressiv den Menschentypus, der das System trägt und fördert, weil er in ihm allein seine existentielle Harmonie erlebt.

In der Übergangsphase darf der EDV-Mann gelinde gereizt werden, das tut seinem Kreislauf gut. Hier ein paar vielversprechende Aggressionsauslöser:

1. Minis in die Fachabteilungen

If management decides to bring in strange-type minis (or micros) and puts them in every user department, dp people in the computer center get nervous, because they might lose their professional marketability. Only big machines and complex systems carry prestige. Any dp career will suffer in an environment where everybody uses small computers of obscure manufacture.

2. Konzerneigene Programmiersprache

Some very large companies tend to develop their own dp language derivative. Such specialised programming languages can normally not be used outside the organisation: Very frustrating to career-conscious experts.

3. Textverarbeitung

Wer ist verantwortlich für die Hardware und Software des neuen Textverarbeitungssystems? The administrative people who where in charge of word processing want to retain that responsibility. But the dp staff members fight for their territory. They hate to see computers business (word processing definitely has to do with computers) grow up outside their jurisdiction. Similar problems arise with the introduction of "computer output on microfilm" (COM) and "computer aided design" (CAD).

4. Software-Häuser, Service-Unternehmen

Wenn die Arbeitsüberlastung in der eigenen DV-Organisation zu groß wird, behilft man sich mit dem Ankauf extrerner Leistung. Manche Firma heuert vorübergehend Fremdprogrammierer an (contract programmers), die viel besser bezahlt werden als die festangestellten Spezialisten. The regular dp staffers know that and become disgruntled (werden sauer).

Wie reagieren Experten, wenn sie merken, daß man sie schikaniert? Ganz einfach: Sie werden ihrem Ruf gerecht, der besagt, sie seien durchweg arrogant (high-handed) und achteten den Rest der Welt gering, weil dort eh nur Banausen umlaufen wie Falschgeld. Kein Fachmann hat es daher nötig, auf Provokationen des Laienstandes zu antworten. Trotzdem fällt jeder auf ein gut plaziertes Reizwort herein. Zumal bei starkem persönlichen Engagement geht diese Rechnung auf.

Besonders ergiebig (in bezug auf die Blutdrucksteigerung) ist das Wissensgebiet der normierten, strukturierten oder sonstwie standardisierten Programmierung, denn hier sind sich die Spezialisten selbst nicht einig darüber, was wann und wo besser, eleganter und optimaler ist. (Der Komparativ "optimaler", eine wahrhaft kriminelle sprachliche Perversion, wurde hier zur Abschreckung demonstriert - bitte nicht angewöhnen!)

Strukturierte Programmierer liegen permanent in einem scholastischen Methodenstreit - es gibt Sektierer, Rechtgläubige, Linksdenker, Dogmatiker und Reformierte; doch leider hat der Nicht-Fachmann kaum Gelegenheit, die bestehenden Stellungskriege aufzuheizen: Die komplizierte Materie entzieht sich dem eifrigsten Dilettantismus.

Wie spottet der Mond, wenn ihn die Ignoranten anbellen: "Es genügt nicht, keinen Computer zu haben, man muß auch unfähig sein, ein System zu begreifen."

Kopfjägersprache

Kluge Benutzer vermeiden es, die Computer-Experten über Gebühr zu drangsalieren, denn die Leute vom RZ reagieren erfahrungsgemäß empfindlich, wenn es um ihre Berufsehre geht. Sie sind imstande, aus Unmut über mangelnde Rücksichtnahme und/oder Anerkennung die Stellung zu kündigen, wenngleich der typische EDV-Spezialist gar nicht zum "job hopping" neigt und im Karriereverhalten eher als unbeweglich gelten darf. Will der Computermensch dennoch seinen Arbeitsplatz wechseln, spielt der kalkulierte Gehaltssprung zwar eine wichtige, jedoch nicht die entscheidende Rolle. Die Entfaltung der Fähigkeiten unter höherwertig beurteilten Bedingungen (edp environment) ist meist ausschlaggebend. Pionierarbeit interessiert den Überläufer, Gewicht und Image eines bestimmten Projektes vermitteln ihm das Gefühl der Selbstbestätigung. In jedem Vollblut-Programmierer schlummert ein kleiner Michelangelo, der auf seinen päpstlichen Auftraggeber wartet, auf daß die Sixtinische Kapelle fachmännisch konfiguriert und vollendet werde.

Zur Zeit der Renaissance wußte man noch, wo der jeweilige Kunsthandwerker zu finden war; man brauchte nicht erst per Stellenanzeige im "Osservatore Romano" nach ihm fahnden. Beim heutigen "head hunting" nach den weitverstreuten Meistern von OS, DOS und GCOS bedient man sich in der Regel des Stellenmarktes einer flächendeckenden Fachzeitschrift, um den richtigen Mann (oder die beste Frau) für den vakanten Job zu finden. Zuweilen empfiehlt sich der Zugriff aufs internationale Forum der Talente; many experts all over the world read the big edp trade magazines published in the USA and in Great Britain. An advertisement offering a job is sure to reach the person - or persons - looking for a new professional challenge. The universal use of the English language in edp business helps programmers and systems analysts to work in a foreign country.

Ein Blick in englischsprachige Anzeigen macht deutlich, worauf es den Arbeitgebern und Interessenten ankommt, was sie für informativ halten und wie sie ihr Anliegen testlich verbrämen. Was sofort auffällt: Der EDV-Spezialist hat offenbar einen "richtigen" Beruf, das heißt, er braucht nicht zu überlegen, wenn er einen Hotelzettel ausfüllt. Die Bezeichnung "Programmierer" paßt in jede wohlgeordnete Vorstellungswelt und somit in jedes Formular - genau wie "Ingenieur", "Lehrer", "Maurer" oder "Zahnarzt". Hier ist nichts erklärungsbedürftig wie bei den Wischi-Waschi-Umschreibungen "Manager", "Produzent", "Direktor", "Leitender Angestellter", "Sachbearbeiter" et cetera. Entsprechend direkt werden die Suchmeldungen formuliert: "Chief Programmer, international assignment, to plan and organise an edp network in Kaka-Laka (Africa). Candidates will be fully conversant, in HANSI-COBOL and will have extensive knowledge of CICS, PICS and NIX. Additional expertise in database management will be expected."

Wer das liest, weiß gleich, wo's langgeht und was der Chef von ihm will.

Der dreifache Umweg

Was er bietet, steht ebenfalls ohne Umschweife - und möglichst auffällig gestaltet - in der Annonce:

- ¹ 15-17,800 p. a.,

- free accommodation + 2.0 litre car,

- married or single,

- generous overseas benefits,

- free medical care.

In englischen, amerikanischen, kanadischen und australischen Anzeigen scheut sich niemand, vom Geld zu reden. Keiner kommt auf die Idee, dies sei eine delikate Angelegenheit, über der ein verbales Stuhlgang-Tabu schwebt. In Deutschland hingegen läßt der Arbeitgeber nur selten seinen Gehaltsrahmen in einer Stellenanzeige abbilden, denn erstens ist dies unfein, zweitens merken die eigenen Leute, wie unterbezahlt sie sind, drittens möchte man sich nicht festlegen.

Unter "wir bieten" steht bei uns folgendes zu lesen:

- Es erwartet Sie ein leistungsgerechtes Gehalt.

- Die Dotierung dieser Führungsposition ist hoch.

- Vielleicht wollen Sie mit uns über Details sprechen. Zuvor sollten Sie wissen, daß wir den Wert unseres neuen Mitarbeiters sehr wohl kennen.

- Wir bieten einen kreisensicheren Arbeitsplatz. Das Entgelt und die Sozialleistungen werden Sie voll befriedigen.

Dies ist die Sprache des dreifachen Umwegs. Ähnlich diskret wird hierzulande allenfalls das feucht imprägnierte Toilettenpapier angepriesen.

Indes: Kein Unterschied in der Stilauffassung beim Aufzählen der Anforderungen, die der "applicant" erfüllen soll. Da sind die deutschen Texte ebenso unpoetisch präzise (to the point) wie die auswärtigen. Auf englisch ist die Schreibart allerdings ausnehmend tatsachenbezogen: "The successful applicant will be aged 28-35 and have a systems and programming background preferably in the field of telecommunication. The appointee must have experience in systems design. He (or she) should be prepared to travel in Europe and America. We are looking for people with degree or other suitable qualifications in the areas of . . ." (folgt Liste der speziellen Erfordernisse).

In vielen Ländern besteht die Vorschrift, Stellenangebote bisexuell abzufassen - der Text muß sowohl auf einen männlichen als auch auf einen weiblichen Bewerber passen. Wer also, aus welchem Grund auch immer, unbedingt einen Mann zur Leitung seines Rechenzentrums sucht, muß die Offerte trickreich verschlüsseln, eventuell mit dem Hinweis: "applicant must be willing to use the men's room" (damit ist das "lavatory for men" gemeint). Auf diese Weise wird der kleine Unterschied hinreichend verdeutlicht.

Kein "head hunter" (so nennt man im internationalen Jargon die Ab- und Anwerber) versäumt die Gelegenheit, das Unternehmen, das eine Position vergeben will, herauszuputzen. Es ist stets "modern geführt, dynamisch, angesehen, mit erfolgreichen, praxisgerechten Erzeugnissen . . ."

Der dynamische Aspekt

Und da es mit dem Wachstum überall recht bescheiden bestellt ist, unterstreicht fast jeder den dynamischen Aspekt (verbale Realitätsbewältigung):

- due to our rapid expansion we have vacancies for . . .

- opportunities exist for high-calibre people to join one of the most successful and increasingly developing international organisations . . .

- the soandso group continues to experience a demand for stepped-up growth, and we, therefore, wish to recruit . . .

Dem EDV-Interessierten, dessen Ehrgeiz auf "perfekt auswärts" zielt, sei das Studium englischsprachiger Stellenangebote ans Herz gelegt. Drei gute Gründe sprechen für den Nutzwert solcher Lektüre. Erstens: Die Anzeigentexter geben sich enorme Mühe bei ihrer Wortwahl. Ferner versuchen sie, ein Maximum an Information auf einem Minimum von (teurem) Zeitungsspaltenraum unterzubringen. Das Vokabular ist entsprechend lehrreich. Zweitens: Im Gegensatz zu manchem redaktionellen Kommentar strotzt die Annoncen-Prosa (was die Leistungsanforderungen an den Bewerber betrifft) von ehrlichen, ungeschminkten "facts of life". Die Personalchefs sagen glasklar, was sie wollen und was nicht. Vergleichbar aufrichtig inserieren sonst nur noch heiratswillige Witwen über 40 ("Vermögen und Grundstück vorhanden") und vermietungsbereite Hausbesitzer ("keine Wohngemeinschaft, keine Hunde, keine Kinder"). EDV-Experten mit Hang zur illusionären Selbsteinschätzung sollten sich dreimal täglich in den globalen Stellenmarkt vertiefen. Drittens: Die Kopfjägersprache lernt man am besten während der Arbeitszeit, und zwar so, daß der Vorgesetzte die aufgeschlagene Seite mit den "jobs offered" auf dem Schreibtisch des bildungsbeflissenen Drei-Sterne-Programmierers nicht übersehen kann. Die zu erwartende Reaktion ist doppelt positiv: Entweder kriegt man eine ungefragte Gehaltserhöhung, weil der Chef bei seinem Untergebenen eine Absprungabsicht vermutet - oder aber der Boß erspäht unter den augelobten Positionen für sich die langgesuchte Traum-Stellung, die ihn zum Wechsel bewegt. Dann wird sein jetziger Job frei und man hat die Aussicht, den besser dotierten Platz selbst einzunehmen.

Merke: The career planner always has to know on which side his bread is buttered (interamerikanische Spruchweisheit).