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11.09.1981 - 

Perfekt auswärts

EDV-Englisch zum Mitreden Computervokabeln kurzweilig verpackt und text-intern präsentiert 8. Kapitel, 1. TeilThe expert (how to handle)

In diesem Kapitel geht es wieder um den Menschen, genauer gesagt, um den Spezialisten in EDV-Sachen: wie man ihn erkennt, benennt, irritiert - und wie man nach ihm inseriert, wenn er weggelaufen ist. Die Stellung des Fachmanns im magischen Dreieck Lieferant-Benutzer-Programmierer zeigt sich auf tragikomische Weise in der bezugsreichen Story vom Rumpelstilzchen, wo die getretene Psyche des Experten Befreiung sucht, aber nichts als Ärger findet.

Da gute Nothelfer aus der Computerbranche erfahrungsgemäß den Mimosen sehr nahestehen, ist es wichtig, zu wissen, was den Orga-Meister verdrießt, damit man ihn nicht versehentlich vergrault. Denn das wäre fatal, weil man EDV-Probleme ja nicht loswird, sobald der zuständige Oberbediener das Handtuch geworfen hat. Die Sorgen bleiben, und mit ihnen die Erkenntnis, daß die computerisierte Gesellschaft einem irreversiblen Entwicklungsgesetz folgt, das in der Klausschen Endzeitformel (KEZ) lapidar niedergelegt ist.

Wenn man den Spezialisten braucht (aber nicht hat), muß man ihn aufspüren. Die Stellenanzeigen in den internationalen EDV-Periodika sprechen dabei eine deutliche Sprache - zumeist englisch. Sie sind eine fachlinguistische Fundgrube für jeden, der immer perfekter auswärts verstehen, schreiben und (mit-)reden möchte.

Weil die junge Dame, die er legitim erpreßte, plötzlich seinen Namen kannte (und nannte), zerrupfte sich der kleine Mann vor Wut und Frust in zwei nicht lebensfähige Teile. Sowohl das Motiv als auch die Methode der Selbstentleibung spotten jeglicher Beschreibung - oberflächlich betrachtet.

Hintergründig gedeutet, erweist sich die Mär vom Rumpelstilzchen indes als die anschaulichste Schlüssel-Story des modernen EDV-Marketing, Sektion Vertrieb und Verwender. Zwar gab es vor über 150 Jahren, als die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm die Geschichte erstmals publizierten, noch keine elektronische Organisation, gleichwohl ließen sich bereits sozialpsychologisch relevante Kausalkomplexe darstellen, die zeitgemäß interpretiert, paßgenau und konturenscharf die heutigen zwischenmenschlichen Beziehungen in der Computerwelt abdecken. Jeder karrierebewußte EDVler sollte, sobald er sein Lernziel in BASIC, COBOL und ADA erreicht hat, Rumpelstilzchens Schicksal verinnerlichen, damit er die beziehungsreichen Grundmuster im Umfeld des Rechners besser erkennen und einschätzen kann.

Now let's go back to the dramatic description of vendor/user relations as symbolically presented in the fairy tale. The decoding method is very simple indeed:

Es war einmal ein Müller (EDV-Hersteller), der hatte eine schöne Tochter (Maschine, Hardware), die er dem König (also dem Kunden) anpries. Leistungsanspruch: Die Tochter kann Stroh zu Gold spinnen, im Klartext: Das System ist geeignet, diffuse Daten in aussagekräftige Informationen umzuwandeln. König Kunde mißtraut der Goldmacherei, fordert Beweis, anderenfalls Tochter tot (das heißt, wird die Lösung nicht gezeigt, erfolgt kein Auftrag). Beim Probelauf (benchmark) kommt der Software-Meister durch die Hintertür und rettet das Geschäft.

Kunde kauft Computer (". . . und der König hielt Hochzeit mit ihr"). Software-Stilzchen verlangt gerechten Lohn ("das Kind der Müllerstochter"), wird geprellt, läßt sich auf eine heftige Diskussion über Titel und Termini ein, stirbt durch Betriebsunfall. Die Überlebenden sind aus dem Schneider, denn die Programme laufen und die Königin braucht ihren Sprößling (die Wertschöpfung) nicht an das Service-Unternehmen auszuliefern.

So far, so good. Bis dahin entspricht der Vorgang den normalen Wunschvorstellungen eines mittelbegabten Organisators. Aber: Der Ausschaltungsmodus des auf Vertragsbasis arbeitenden Programmierers (contract programmer) verstößt so maßlos gegen die Erfahrung und gegen den gesunden Branchenverstand, daß selbst eingeschworene Märchen-Fans an der Glaubwürdigkeit der Brüder Grimm zweifeln müssen. Angeblich sei der Nothelfer in Software-Sachen in schäumende Wut geraten, als man ihn mit seiner korrekten Dienstbezeichnung konfrontierte - wo doch jedermann weiß, wie unwirsch Experten reagieren, wenn man sie falsch oder unvollständig benamst, und wie freundlich sie aufblicken, sobald einer ihren genauen Titel gesprächsweise erwähnt.

Aus den vorläufigen Ergebnissen des hessischen Märchenforschungsinstituts geht dann auch einwandfrei hervor, daß Rumpelstilzchen infolge der vielen vergeblichen Identifizierungsversuche einen Schock erlitt, der zu dem fatalen Fehltritt führte . Den Grimm-Brothers war wohl ihr schwarzer Humor durchgegangen, als sie den Fall in die umgekehrte Richtung verkorksten.

Sei's drum. Die Moral aus der Sage von der Stroh-zu-Gold-Verarbeitung ist zwingend, sie unterstreicht die Wichtigkeit der Berufskategorien im Spezialistenbereich. There is, for example, a sharp division between programmers using application languages (like COBOL), versus system programmers or even systems analysts. The "systems people" think of themselves as being on a higher level. Their titles sound better, and they expect to get the more interesting work.

Now, Rumpelstilzchen surely was a systems analyst, perhaps even a project leader. He was able to define the requirements of the customer, communicate with the user from all backgrounds, utilise the existing hardware with skill gained in a formal environment. Obviously, he possessed indepth knowledge of the operating system along with its associated application software.

Der zwergwüchsige Byte-Beißer

Können Sie sich vorstellen, wie dem zwergwüchsigen Byte-Beißer zumute war, als ihn die Müllerstochter nach nächtelanger erfolgreicher Produktion immer noch naiv befragte, ob er Hinz oder Kunz hieße und hier im RZ als Datenerfasser angestellt sei? Kein Mensch, auch kein Rumpelstilzchen, würde sich unter solchen Umständen für den Auftraggeber ein Bein ausreißen.

Wer mit EDV-Leuten zu tun hat, muß sich deren Rangstufen einprägen, um die Experten bei Laune zu halten; Prämienversprechungen genügen nicht. Dabei ist es nicht notwendig, die englischen Termini einzudeutschen. Es reicht, wenn man die Originalversion beherrscht und die feinen Unterschiede kennt.

Faustregel: Je mehr Einzelwörter ein Dienstgrad enthält, desto höher das Prestige des Trägers.

Beispiel: "Programmer" (schwach), "Senior Programmer" (schon besser), "Software Systems Engineer" (klingt gut), "Data Base Control Specialist" (hervorragend), "Communication System Coordination Manager" (absolute Spitze, obwohl nur vier Wörter - der "Manager"-Titel zählt doppelt, ein "Director" dreifach).

Die Bemühung, perfekt auswärts zu reden, ist nirgendwo lohnender als im Wortfeld der Berufs- und Funktionsbezeichnungen. Wer einen "central processor" mit einem "process computer" verwechselt, dem wird allemal wohlwollend verziehen. Unentschuldbar jedoch bleibt die Titelkonfusion, wenn einer beispielsweise den "Operations Control Director" zum "Direct Control Operator" degradiert. Die Unkenntnis des EDV-Englisch gerät zur Verbalinjurie; das Opfer fühlt sich auf den Arm genommen - he feels someone is pulling his leg !

Womit wir wieder beim Thema wären. Geschrieben steht: "Da stieß das Männlein mit dem rechten Fuß vor Zorn tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es das linke Bein mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei."

But don't worry. It really was an accident. A so-called "freak accident" - some very strange and extraordinary coincidence of adverse circumstances.

Der Verband der Sicherheitsbeauftragten bundesdeutscher Lohnrechenzentren hat posthum festgestellt, was damals wirklich passierte: Rumpelstilzchen brach mit einem Fuß in den Doppelboden des Maschinenraums ein. Der Versuch, sich durch einen kräftigen Ruck am anderen Bein wieder zu befreien, führte zu einem akuten Leistenbruch, der tödlich verlief.

Wer also Personalverantwortung trägt und das plötzliche Hinscheiden eines Mitarbeiters nicht zum dubiosen Selbstmord umdichten kann (weil die Berufsgenossenschaft keine Märchen akzeptiert), der besorge sich umgehend: DIN 33412, Entwurf, "Ergonometrische Gestaltung von Büro-Arbeitsplätzen; Begriffe, Flächenmerkmale, Sicherheitstechnische Anforderungen".

The tragedy of Systems Analyst Rumpelstilzchen leaves us unsatisfied. There are still more questions than there are answers in this story, as well as a few tentative conclusions that might help computer users and edp vendors. The main lesson is that a lot can go wrong with seemingly sound arrangements when good relations suddenly blow up because someone does not care about the correct titles of the people involved.

So better learn the language - or make sure the floor cannot be crushed by stamping one's feet.