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10.04.1981 - 

perfekt auswärts

EDV-Englisch zum Mitreden/Computervokabeln kurzweilig verpackt und text-intern präsentiert3. Kapitel, 2. Teil Szenario: Hardware, Software, Rübezahl

10.04.1981

Es war einmal ein König, der hatte zwei Söhne. Eines Tages sprach er zu ihnen: "Ich will mein Reich auf EDV umstellen, und ihr müßt mir dabei helfen. Ihr habt Informatik studiert, doch sollt ihr alsbald in der Fremde noch viel dazulernen. Du, mein Ältester, bist der große Prinz und wirst fortan die Hardware fordern. Drum mache dich auf, segle übers weite Meer, schau dir gut an, was die Menschen dort produzieren. Lerne ihre Sprache und kehre zu mir zurück." Frohgemut zog der große Prinz von dannen.

Da sprach der König zum jüngsten Sohn: "Du, kleiner Prinz, mögest dich um die Software kümmern, um die Partitur der Prozessoren, die man braucht, um Datenmaschinen zweckvoll zu betreiben.

Aber der zweite Sohn seufzte tief, als hätte man ihm eine Ananasplantage in Alaska angeboten. Da sagte der König zu ihm:

"Ich weiß, du verstehst von der Software so wenig wie ein Teddybär von der Transaktionsverarbeitung; dein Denken in abstrakten Kategorien ist unterentwickelt wie die Keimfähigkeit einer gußeisernen Kastanie. Indes Das Vaterland bedarf deiner Mitarbeit bei der Definition neuer Projekte, einschließlich Network-Design und Datenbank-Management. Begib dich von hinnen und vertiefe dich in die befehlsgewaltigen Häkelmuster. Perfektioniere auch du dein Englisch, damit du die Programmdokumentation kapierst. Bedenke: Eine zukunftsweisende Software-ldee soll als Bezugspunkt dienen, der uns im Dschungel der Systemofferten die Orientierung erleichtert."

So reise der kleine Prinz weit nach Westen. Sein Herz war schwer, als er durch unbekannte Wälder wanderte. "Ach", wehklagte er, "wäre ich doch ein Hardware-Jüngling wie mein Bruder! Ich spielte jetzt in Phoenix mit kühlen Rechnern und heißen Platten, mit konkreten Dingen zum Anfassen jedenfalls. Statt dessen irre ich durchs Dickicht elektronischer Dienstvorschriften, Software geheißen, wovor mir graust, weil ich nie richtig begreife worum es geht. Ach, wenn mir´s doch jemand erklärte!"

Bedripst, aber wacker schritt der kleine Prinz fürbaß, denn er sah am Bach ein antikes Männlein sitzen, das mit Wasserkraft ein binäres Zählwerk klappern ließ.

"Hola! Guter Mann!" rief der Prinz, "wer seid Ihr und was rechnet Ihr da?"

"I´m Charlie Babbage", sprach der Greis mißgelaunt, "I´m inventing a real-time system."

"So sagt mir doch was Euch als Software dient! Ist es der Bach, der den Prozessor treibt?"

"Young man", knurrte Babbage gereizt, "what you call software, is a pretty old concept, made operational, I think, by Ada Lovelace - or was it Herman Hollerith? Anyway, software, as I remember, consists of perforated cards fed into a machine to serve as a program for input data. Is that clear my boy?"

"Mir scheint die Begriffsdeutung hochgradig nebulös", quengelte der kleine Prinz. "Ist die Software nun Lochkarte, Loch oder Programm? Oder vielleicht programmtechnischer Richtungsweiser, Computer-Kurs-buch und codierte Laufwerk-Litanei? Könnt Ihr mir den Hardware-Enthärter erkenntnistheoretisch interpretieren?"

"Ihr seid mir ein rechter Einfaltspinsel", maulte (sinngemäß übersetzt) der Alte, während er unwirsch einen Wasserfloh aus dem mechanischen Schieberegister entfernte "Bleibt mir vom Leibe mit solchen Sprüchen Oder fragt den Rübezahl hinter den sieben Bergen am Colorado River. Dorthin ist er ausgewandert, als in seiner kalten Heimat die Äcker zum VEB Rote Rübe kollektiviert wurden. Jetzt lebt er alternativ oder von Subventionen. But he sure has got the time to hold a seminar on software philosophy. "

Also lief der kleine Prinz hinter die Berge, wo er den Rübezahl fand, der gerade mit einem traktormontierten Terminal die Hackfruchternte kalkulierte.

"Beim Zuse!" rief der Berggeist, als der Prinz ihn um Auskunft bat. "Nun hat die Software die Hardware ausgepunktet, wenn sich schon künftige Staatsmänner mit ihr befassen, anstatt eine neue Umweltschutzpartei zu gründen. Sei´s drum. Die Software, junger Freund, sollt Ihr allegorisch erfühlen, bevor Ihr sie im Bauche des Prozessors sucht. Software - das ist das Bewußtsein der Bytes, das Gewissen des Rechners, das sind die aufgefädelten Machbarkeiten, eine Art Datendiät, die wir Fachidioten formalästhetisch goutieren. Die Software beginnt jenseits von Null und Nano - im Reich der Ordnung, wo die Magnetkommandos herrschen. Wie sagte doch schon der Heilige Cobol von Cointreau? ,Hilfe und Heil erheischt man von hurtiger Hardware; doch erst die sichere Software gewährt, was jene verspricht´.

Entschuldigt, mein Prinz, wenn ich ins Schwärmen gerate, allein das Gebiet, in das Euch der Wille des Königs beordert, ist fürwahr die Seele der EDV.

Merkt Euch deshalb: Erst die Compiler und Anwendungspakete, Protokolle und Prozeduren erheben den Computer zur Apotheose der Organisation. Ohne Software ist die Maschine ein zweckfreier Technoquatsch ein Kompaß ohne Nadel, ein Cello ohne Saiten, eine Frau ohne Pille.

Nehmt denn Platten, Disketten und Kassetten, kleiner Prinz. Implementiert die Rechner Eures Landes mit Operating Systems und Applikationen, so wie Ihr´s braucht. Kehrt heim und seid gescheit, denn Euch ist nunmehr ein Licht aufgegangen. Gut Fortran allerwege!"

Herzlich dankte der kleine Prinz dem Rübezahl für die nutzvolle Einsicht- und wanderte heim. Da sah er kurz vor dem väterlichen Schloß den älteren Bruder in einer Schmiede sitzen und den Megabus eines Minirechners ölen.

"Hullo, fat-head!" quiekte der kleine Prinz, der natürlich nach vier Wochen Colorado perfekt auswärts schwadronieren konnte (wenn er wollte), "fummele du nur weiter an deiner Hardware. Ich besitze jetzt das Software-Know-how und kenne mich aus. Ohne meine ladbaren Anwender- , Online- und Sonstwas-Programme ist dein Computer bloß ein verkabelter Sperrmüll, dein Bildschirm gerade ausreichend, um das Wort zum Sonntag in Schwarzweiß zu empfangen."

"Gib nicht so an!" erwiderte der Hardware-Prinz und schob einen 512-K-Chip hinter die Terminalsteuerung seiner handkoffergroßen Zentraleinheit. "Schmeiß du lieber die steinzeitlichen Ferritnudeln weg! Ladbare Software! Daß ich nicht kich´re! Von Solid-State-Programmierung hast du wohl nie was gehört? Schau her", der große Prinz legte sich ein winziges Konfetti auf den Daumennagel: "Dies Rabattmärkchen ist eine dialogfähige Lagerbewirtschaftung. Und hier", ein weiterer Chip blitzte auf, "hier sind alle denkbaren Auftragsabrechnungen versammelt, mit Fakturierung und Mehrwertsteuer-Inflation bis 1990. Das hier ist ein universelles Betriebssystem, ebenfalls auf einem 128-K-Floh. Es braucht natürlich nicht so viel K-Byte, aber man erzeugt die Speicher-Chips rationellerweise nur in einer einzigen Standardkapazität; es wäre teurer, es billiger zu machen. Fest verdrahtet im Gehäuse steht die Norm auf Chips gebrannt. Willst du immer noch unseren alten Vater mit deinen nostalgischen Einfüllprogrammen langweilen?"

Da traten dem kleinen Prinzen die Tränen in die Augen: "Du maßloser Maschinenschlosser!" schrie er, "meine Monitoren möchtest du mir vermiesen! Everybody knows that software is more important today than new integrated circuits, bubble memories, or Josephson superconductors. Du aber bosselst Einzweck-Minis für wasserlassende Spielzeug-Elefanten! Welch ein verschrobener Umstand, für jedes Programm einen anderen Chip einzusetzen - womöglich ihn vorher noch mit dem Lötkolben paßgenau zu parametrieren!"

Rechner unter der Diktatur des Antiquariats

"Ach, hör auf !" lachte der große Prinz verächtlich. "Erkennst du denn nicht die fortschrittshemmende Gefahr der mopsgedackelten Weichware? Nicht wenige Rechner leiden unter der Diktatur des Antiquariats, denn nicht alle Hersteller realisieren höhere Systemverfügbarkeit durch sorgfältige Software-Maintenance mit Remote Access per Telefonleitung. Also liegt ein gehöriges Stück Zukunft bei der Festkörper-Programmierung, woraus folgt, daß die Software-Häuser in ,Chip Shops´ umfirmieren müssen. - Wenn du übrigens glaubst, lieber Bruder, man würde die einzelnen Compiler- und Programm-Chips jeweils separat einsetzen, bist du schiefgewickelt. Alle Hochleistungsmerkmale sind in den kommenden Computern von Anfang an vorhanden; sie bleiben bei den Einstiegsmodellen nur vorerst stillgelegt. Später werden sie nach Bedarf freigegeben- aufgeweckt im Dornröschen-Verfahren. Und für Spezialanpassungen läßt sich die Hardsoftware über die Dateneingabe-Konsole parametrieren."

Doch der kleine Prinz wollte dem großen nicht zustimmen. Er zitierte seitenweise den Diebold-Report und lobte lauthals die weidlich verbesserten Programm-Generatoren.

So stritten die beiden Brüder miteinander und fanden kein Ende. Derweil wartete der alte König in seinem Schloß auf Söhne, Software und Systeme. Und wenn er nicht gestorben ist, wartet er heute noch.

(Fortsetzung folgt)