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21.08.1981 - 

perfekt auswärts

EDV-Englisch zum Mitreden Computervokabeln kurzweilig verpackt und text-intern präsentiert7. Kapitel, 1. Teil Themen, Thesen und Tendenzen

21.08.1981

Eine starke Belastung für Berufskollegen-Partys (Typ: EDV on the rocks) sind Leute, die am Stereo-System den Abschaltknopf finden und sogar betätigen. Die sausende Stille wird dann sofort mit Fachsimpeleien der Experten aufgefüllt, worauf sich die mitgebrachten Frauen alsbald in die Küche zurückziehen, wo sie ihre Erfahrungen über die Schulleistungen der Sprößlinge austauschen.

Unter den zurückbleibenden Gesprächspartnern vegetieren aber stets einige blutige Laien, die nicht viel mitreden können, wenn es darum geht, die Vorteile des Systems 6 beim

Netzknoten-Einsatz lückenlos herzubeten. Für diese Außenseiter mögen die nachfolgenden Ausweichmanöver von Nutzen sein, denn zur künstlichen Intelligenz, zum Jobkiller und zum Problem der Gewerkschaften mit der computerrationalisierten Werktätigkeit kann jeder etwas beitragen notfalls ein paar polemische Mollys (Terrordeutsch für "Molotowcocktails") zwecks Entzündung diskursiver Flächenbrände. Die Themen präsentieren sich unakademisch, hautnah, irritierend und bildzeitungseinfach - vorausgesetzt, man bleibt auf dem Teppich der allgemeinverständlichen Provokation oder hüpft nur in die anerkannten Fettnäpfchen.

Wer's intellektueller liebt, gerät schnell in kognitive Schwierigkeiten: Es mangelt nämlich an befriedigenden Patentlösungen...

Computer-lntelligenz

Die Frage nach der Computer-lntelligenz ist ein ergiebiges Schauerthema für jede anspruchsvolle Dinner-Party oder für eine Gesprächsrunde im 3. Programm: Man kann viel darüber reden, ohne etwas Konkretes dazu zu sagen, zumal auf diesem Gebiet fast jeder ein Laie ist. Die wenigen Experten, die einen aufklären könnten, liegen untereinander permanent im Clinch. An intelligent machine - what does that mean?

Was immer gemeint sein mag, die Möglichkeit, sein Englisch zu polieren, bietet sich in hohem Maße, sobald jemand das Reizwort fallen läßt, denn das angelsächsische Idiom herrscht in den Texten der modernen Intelligenz-Psychologie genauso vor wie in der weltweiten EDV-Prosa. Wenn beides zusammentrifft, "Computer" und "Intelligenz", dann parlieren bildungsbewußte Gruppen vorzugsweise nur noch auswärts. Übersetzungen für die Fachtermini sind manchmal nicht möglich und meist nicht einmal nötig (zum Beispiel die Wörter: test, behaviour, sensor, I. Q., evolution, understanding, interpretation und -zig andere mehr).

Wer als EDV-Fachler auf sich hält, der sollte bei den Debatten um die "artificial intelligence" immer dafür sein, weil alle datentechnisch Unbedarften, von denen man sich unterscheiden will, aufgrund mangelnden Basiswissens dagegen sind, das heißt, wer nicht profund in die "advanced studies" über begabte Maschinen eingedrungen ist, wer nicht mitgekriegt hat, daß "highly sophisticated systems" Beziehungen und Sinnzusammenhänge erfassen, herstellen und deuten können, und zwar mit recht passablen Resultaten, dem geht die Vorstellung über ein außermenschliches Denkvermögen ab. Computer intelligence, the challenge of the century, introduces important comparative factors into the discussion about brain functions, vorausgesetzt natürlich, man ist bereit, sich objektiv mit den Vergleichskriterien zu befassen, beispielsweise mit der Geradlinigkeit, die jedem Menschen zur Zierde gereicht, beim EDV-System indes als idiotische Einbahn-Logik denunziert wird. Solche Anwürfe gegen das - immer noch - teure Stück schmettert man treffsicher per Bumerang ab - mit entsprechenden Hinweisen auf die Impotenz der linearen Denkungsart, wie sie von computerfernen biologischen Gehirnen praktiziert wird. Sturheit im Denken war und bleibt ein spezifisch menschliches Privileg. Doch was würde man zu einem "Elektronengehirn" sagen, das angesichts des absurden Brüsseler EG-Theaters konstatiert, die Lösung der Agrarpreis-Probleme läge in einer Vermehrung der Strafsenate für Wirtschaftsverbrechen, Kategorie Subventionsschwindel? Man würde - oder sollte - einen solchen Rechner samt seines Software drei Tage nach der Installation für schrottreif erklären - oder ihn zum Beamten befördern und weiterdenken lassen.

Kühn um die Ecke denken

Ähnlich liegt der Fall bei der Verkehrsmisere: zu viele Autos, zu lange Staus - also: mehr Straßen müssen her! Dabei zeigt die bisherige Erfahrung, daß das Asphaltieren ganzer Mittelgebirge und Park-"Groschen" in Höhe von drei Mark die Situation nicht ändern. Allein die Verminderung der Fahrnotwendigkeiten durch eine radikale Ausdehnung der Kommunikations- und DV-Netze schafft Abhilfe. Wer in seiner Wohnung in gleicher Weise arbeiten kann wie im Geschäft, weil ihm Datenbanken, Nachrichten, Konferenz-Möglichkeiten am Home-Computer zur Verfügung stehen (Fernkopierer, Bürofernschreiber und Mikrofilm eingeschlossen), wird künftig keine Kreuzung mehr blockieren. Doch wer darf schon so kühn "um die Ecke denken"?.

Oder, um bei der Büroautomation zu bleiben, die landläufige Konzeption der Textverarbeitung: lineare Mentalität verführt häufig dazu, vorhandene administrative Redundanz und Scheinfunktionalität einfach in ein elektronisches Schema umzusetzen, anstatt vor dem Einsatz des "word processing" zu prüfen, inwieweit überflüssige Korrespondenz und traditionelles Berichtswesen zum Wohle des Geschäftszweckes ganz oder teilweise abgeschafft werden können. Wer die heutige Sekretärinnen- und Schreibkraft-Arbeit unverändert auf ein EDV-System überträgt, beweist eine mechanistische Geisteshaltung, die sich von der einfallslosen Geradeaus-Logik früher Software-Versuche nicht wesentlich unterscheidet. Keinem Verkehrsplaner würde es einfallen, beim Bau einer neuen Eisenbahnstrecke die Schienen auf den existenten krummen Landstraßen zu verlegen; aber bei der Implementierung innovativer elektronischer Organisationsmittel im Großbereich der Verwaltung ist die Eins-zu-eins-Übernahme bestehender Strukturen keine Seltenheit.

Gewiß lassen sich tausend Beispiele zitieren, welche die Ebenbürtigkeit menschlicher "Ideenfindung" mit dem (vermuteten) Roboterstumpfsinn demonstrieren: ein wahrhaft trauriges Kapitel. Viel lustiger sind die Vorkommnisse, bei denen ein Humanpartner mit einer Maschine Informationen austauscht ("kommuniziert" auf norddeutsch), ohne zu wissen, daß er einen Elektro-Kameraden bedient. Kann ein Schachmeister auf Anhieb oder überhaupt - feststellen, daß die gegnerischen Züge, die er per Telefon, Fernschreiber oder Bildschirm-Terminal übermittelt bekommt, von einem intelligenten Programm stammen und nicht aus den grauen Zellen einer gut durchbluteten Gehirnmasse? Oder nehmen Sie das klassische Beispiel von dem Psychiater, der keiner ist, aber so tut, als ob. Das Programm heißt DOCTOR; es wurde von dem M.I.T.-Mann Joe Weizenbaum entwickelt. Der gutgläubige Patient bedient sich bei der Unterhaltung mit dem vermeintlichen Seelenarzt ("head shrinker" auf amerikanisch) einer Eingabe-Konsole. Folgender Dialog läuft über die Mattscheibe:

COMPUTER: How do you do. I am the doctor. Please sit down at the typewriter and tell me your problem.

PATIENT: I have lost my baggage.

COMPUTER: You say you have lost your baggage.

PATIENT: I feel lost without it.

COMPUTER: Do you often feel lost without it?

PATIENT: No.

COMPUTER: Why not?

PATIENT: Because I normally do not lose things.

COMPUTER: What other reasons might there be?

PATIENT: My mother trained me not to lose things.

COMPUTER: Tell me more about your family.

PATIENT: I have lost my baggage.

COMPUTER: Did your parents ever lose you?

Sixty percent of the patients in a Massachusetts hospital who ,talked' with DOCTOR insisted that they were conversing with a real person... Typical of their comments was this one ,No machine could possibly understand me that well.*

Ein nüchterner Beobachter wird sofort merken, daß der DOCTOR einen gelinden Schwachsinn verzapft, denn er pickt sich aus den Statements des Patienten einige Schlüsselwörter heraus und formuliert damit nach seinem gespeicherten Psycho-Programm ein paar harmlose und nichtssagende Fragen. Immerhin: Ein Zwiegespräch findet statt, wenn auch als kabarettistische Verfremdung der Psychoanalyse. Doch schließlich stehen wir erst im Vorstadium des Aufbaus künstlicher Intelligenzen, der Durchbruch kommt mit der Anwendung neuer Speichertechnologien und Verknüpfungsverfahren, die allerdings zu Beginn der 80er Jahre bis ins Detail bekannt waren.

*Dieser englische Text ist entnommen aus: David M. Rorvik, As Man Becomes Machine, Shere Books Limited, London 1979, S. 64.

...und das sind die englischen Schlüsselwörter im Text:

1. Artificial - künstlich; advanced - fortschrittlich, auf hoher Stufe; sophisticated - anspruchsvoll, komplex; challenge - Herausforderung; introduce - einführen; comparative - vergleichsweise; word processing - Textverarbeitung; converse with - Unterhaltung pflegen mit.

2. Counterproductive - gegenproduktiv; develop - entwickeln; cling to - festkleben an; rural electrification - Elektrifizierung der Landgemeinden; emergency relief program - Notstandsprogramm; global power - weltweite Macht; around the clock - rund um die Uhr; tremendous - ungeheuerlich; advantage - Vorteil; surplus - Mehrwert, Überschuß; leading role - Führungsrolle.

Buccaneer- Seeräuber; spare-time - Freizeit; mean - gemein; white collar employee - Angestellter (im Gegensatz zum Arbeiter); insist - darauf bestehen; collective bargaining - Verhandlungen zwischen Tarifpartnern; dim future - trübe Zukunft; unemployment - Arbeitslosigkeit; temporary period - Übergangsperiode; unskilled - ungelernt; competition - Wettbewerb; fierce - wild, rücksichtslos.