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27.05.1977

EDV im Büro:Unbegründete Angst der Gewerkschaften?

Wer die Diskussion um den Datenschutz in den vergangenen Jahren verfolgt hat, der mußte den Eindruck gewinnen, der Computer sei die Nr. 1 unter den Feinden des Bürgers als Arbeitnehmer. Schenkt man den Prognosen mancher Kritiker Glauben, so ist die Machtballung durch EDV- Informationsmonopole nur eine neue Variante, vielleicht die gewaltigste und lautloseste, durch die "unser spätkapitalistisches Herrschaftssystem gekennzeichnet ist".

Was den Einsatz der EDV am Arbeitsplatz anbelangt, so konzidieren heute manche Gewerkschaftler, zu spät reagiert zu haben. Sie sehen sich allenfalls noch in der Lage, Auswüchsen entgegenzutreten. Schaut man zurück auf die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung, so ist offenkundig, daß es ein Verdienst der Gewerkschaften ist, reagiert zu haben, sobald der Arbeitnehmer in seiner Würde verletzt wurde. Dienen aber die Bemühungen, die sich nunmehr gegen den Einsatz der EDV am Arbeitsplatz schlechthin wenden, in ebenso begrüßenswerter Weise einem gleichen Anliegen?

Es ist einfacher, eine neue Technologie abzulehnen als ihr in kritischer Distanz gegenüberzutreten. Vorhandene Technologien sind bekannt und überschaubar. Zukünftige technologische Entwicklungen beinhalten Risiken, und es ist menschlich, dem Unbekannten mit größter Skepsis zu begegnen.

Der Computer am Arbeitsplatz muß nicht der Feind des Arbeitnehmers sein.

Gewerkschaften überschätzen manchmal die Möglichkeiten und Auswirkungen der EDV. Ihre Ängste verstärken sich zunehmend, seitdem die EDV auch und vor allem in die Büroetagen der Unternehmen einzieht. Gerade hier aber hat sich gezeigt, daß die EDV zur Befreiung des Arbeitnehmers beitragen kann. Sie befreit ihn nämlich von zahllosen monotonen, täglich wiederkehrenden formalisierten Verfahrensabläufen. Arbeitnehmer, deren Tätigkeit nicht auf der Entscheidungsebene angesiedelt ist, müssen täglich die gleichen Arbeiten verrichten, kennen keine Abwechslung in ihrer Alltagsarbeit. Sie vollbringen eine Arbeitsleistung, die wegen ihrer Einseitigkeit oft sogar krank macht.

Bei solchen Arbeiten ist der Ansatzpunkt der EDV gegeben. Die EDV läßt sich ohnehin nur dort einsetzen, wo Arbeitsgänge formalisierbar sind: Sie wird deshalb nur dort Platz greifen, wo die bereits vorhandenen Arbeitsabläufe formalisiert, stereotyp und von periodischer Monotonie gekennzeichnet sind. Dort verdrängt sie den Menschen- dort aber befreit sie ihn zugleich.

Gelingt es, die Nahtstelle zwischen der Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und dem Einsatz der EDV zu verschmelzen, so ergibt dies eine interessengerechte Lösung, die zudem den Zielen eines jahrhundertelangen gewerkschaftlichen Kampfes entspricht. Unter dieser Prämisse führt der Einsatz der EDV zu einer Befreiung des Arbeitnehmers, zu einer Wiedergewinnung menschlichen Selbstverständnisses, insgesamt gesehen also zu einer Erweiterung beruflicher Selbstzufriedenheit.

Mit dem Einsatz der EDV am Arbeitsplatz wird folglich in zahlreichen Fällen der Mensch, der bisher Automat sein mußte, ersetzt durch einen Automaten, der mit Fug und Recht als ein solcher bezeichnet wird.

Es soll nicht verkannt werden, daß Gewerkschaften wie Betriebsräte die Aufgabe haben, den Unternehmer beim Einsatz der EDV am Arbeitsplatz zu beraten, teilweise hier auch über gesetzliche Mitbestimmungsrechte verfügen. Jene aber, die vorgeben, dem einzelnen Arbeitgeber zu helfen, sollten sich darüber Klarheit verschaffen, daß die Automation im Betrieb durchaus in zahllosen Fällen einen menschengerechteren Arbeitsplatz garantiert als der Verzicht auf ihren Einsatz.

Zwar entspricht es der Zielsetzung der EDV, Rationalisierungseffekte herbeizuführen: Es werden jedoch auch beim Einsatz der EDV neue Arbeitsplätze geschaffen. Diese Aufgabenumschichtung hält letztlich auch das Arbeitsplatzunterangebot in überschaubaren Grenzen.

-Klaus Hümmerich ist Mitarbeiter der GMD (Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung) Bonn