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18.04.1980 - 

Firmenchef Bössinger ließ sich einschließen:

EDV-Tresor bestand "Feuerprobe"

Von CW-Mitarbeiter Ulf Bauernfeind

LANGENBEUTINGEN - Auf recht spektakuläre Art und Weise demonstrierte Herbert Bössinger, schwäbischer Tresorbauer aus Langenbeutingen bei Heilbronn, die Feuersicherheit seiner EDV-Panzerschränke. Er ließ sich auf einer Wiese neben dem Werk in eines seiner Produkte einschließen und dann den es umgebenden "Scheiterhaufen" anzünden. Nach fast einstündigem "Fegefeuer" verließ er frisch, munter und "kein bißchen angesengt" sein freiwillig gewähltes Verlies. Der Bössinger-"EDV-Wertpanzer" hatte Im wahrsten Sinne des Wortes seine Feuerprobe bestanden.

Das Ganze war eine recht publikumswirksame Aktion. Fernsehkameras surrten und die Auslöser der Reporter-Fotoapparate klickten um die Wette. Derweil behielt der 42jährige Schöpfer "schwäbischer Wertarbeit" kühlen Kopf, während die Flammen gen Himmel prasselten. Im Inneren des Tresors waren elektronische Temperaturfühler angebracht, deren Meßwerte auf einem Monitor abgelesen werden konnten. So um die 17 Grad Celsius hatte es vor Beginn des Experiments im Panzerschrank. Diese Temperatur blieb konstant, auch als um das Testobjekt herum wahre Höllentemperaturen herrschten. Ein "Asbestmann" steckte ein "Thermometer" in das Flammeninferno und sofort zeigte der Monitor so um die 1100 Grad Celsius an. Zur Kontrolle wurde gleich wieder auf "Innentemperatur" umgeschaltet und siehe, sie war an der Decke nach wie vor 17,4 Grad. Herbert Bössinger war sich seiner Sache sehr sicher, wie leicht aus dem Tonfall seiner Stimme herauszulesen war. Er hatte Sprechverbindung zu "seinem" Publikum und begrüßte aus dem "Hades" in bestem "Cockney-Englisch" auch den Repräsentanten der US-Firma Wright Line Company, die ab sofort den internationalen Vertrieb der "fireproofen" Bössinger-Exponate übernimmt.

Sauerstoffgerät "an Bord"

Wie der schwäbische Tresorbauer versicherte, sei der Scheiterhaufen-Tresor" nicht speziell für die Feuerprobe präpariert worden. Er stamme vielmehr aus der "ganz normalen" Serienproduktion. In einem unterschied er sich allerdings von der "Masse". Er hatte (durch den Erdboden) Frischluftzufuhr. Vorsichtshalber nahm Bössinger aber ein Sauerstoffgerät mit "an Bord" sowie einen Blumenstrauß "vom Geburtstag meiner Frau". Vom Wettergott war der Feuerzauber um die Mittagszeit des 26. März nicht gerade begünstigt. Offenbar wollte Petrus den Testkatalog erweitern. Schließlich sollen die Tresore auch "wasserdicht" sein, das heißt, vor Feuchtigkeit schützen. "Wie das Gesetz es befahl", waren -auch die Feuerwehr und das Rote Kreuz mit Feuerwehr- beziehungsweise Krankenwagen zur Stelle und "erwartungsgemäß", so Gerhard Pfeiffer, "Außensprecher" und PR-Mann, arbeitslos.

Angefangen hatte alles 1964 "auf der grünen Wiese" in dem kleinen Ort Langenbeutingen am Rande der Hohenloher Ebene. Auf geschichtsträchtigem Boden, schließlich "schlichen" schon die alten Römer in der Gegend umher, begann vor rund 16 Jahren Herbert Bössinger mit dem Bau von Tresoren. Inzwischen sind im Werk um die 50 Mitarbeiter beschäftigt und weitere 30 im Außendienst. Im letzten Jahr wurden rund 1800 "Wertpanzer", so nennt Bössinger seine Produkte, über den eigenen Außendienst verkauft, bei einem Exportanteil von 25 Prozent. Von der vertrieblichen Zusammenarbeit mit der Wright Line Company verspricht sich der Firmenchef eine wesentliche Ausweitung des Auslandsgeschäfts und damit eine Sicherung der vorhandenen und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze. Die Gemeinde weiß den Wert eines Industriebetriebes in ländlicher Umgebung zu schätzen. In Langenbeutingen gibt es eine Bössingerstraße . . .

Eines der Spitzenprodukte der Tresorbauwerke Herbert Bössinger ist der ihn in der "EDV-Wertpanzer". Es gibt ihn in drei Größen. Für Feuerexperimente empfiehlt sich der größte mit 1110 Kilogramm Gewicht. In einem solchen nahm auch Herbert Bössinger Platz. Das Braunschweiger Institut für Baustoffkunde und Stahlbetonbau hat den Bössingerschen "EDV-Wertpanzer" einer kritischen Prüfung unterzogen. Der Feuerwiderstand wurde getestet, außerdem das Verhalten bei Sturz und Feuerstoß. Die Braunschweiger Prüfer testierten: "Selbst in extremen Situationen garantieren diese Schränke einen hundertprozentigen Schutz vor Flammen, Hitze und heißen Brandgasen." Und Herbert Bössinger verkündete aus dem "Bratofen": "Auch ein Sturz durch mehrere Stockwerke kann einem solchen Tresor nichts anhaben." Die Braunschweiger Prüfer belohnten die schwäbische Qualitätsarbeit mit dem RAL-Gütesiegel, einer Auszeichnung, die bisher in Europa nur fünf Fabrikaten zuteil wurde. Und PR-Mann Pfeiffer lobt: "Die ausgewogene Konstruktion des "EDV-Wertpanzers" mit verschiedenen, im Temperaturverhalten exakt aufeinander abgestimmten Materialien erreicht die gleiche Isolierwirkung wie eine zehn Meter starke Ziegelmauer. Mit schwäbischer Gründlichkeit habe man auch das Einbruch-Problem gelöst. Ein integriertes, elektronisches Frühwarn-System mache Bössinger-Tresore auch für den geübten Einbrecher unüberwindlich. Falscher Alarm sei ausgeschlossen. Der Verband der Sachversicherer habe das System geprüft, anerkannt und zugelassen." Die Warnanlage reagiert übrigens auch auf Hitze, wie man sich am 26. März in Langenbeutingen überzeugen

konnte . . .

In Braunschweig wurde der Bössingersche Tresor für die Aufbewahrung von Datenträgern auch der "Prüfung einer Stahlschrankkonstruktion zur Aufbewahrung von Datenträgern nach dem VDMA-Einheitsblatt 24991 vom Mai 1975" unterzogen. Dabei wurde getestet, ob die "EDV-Wertpanzer" ausreichend Schutz gegen Feuer, Wärme und Feuchtigkeitseinwirkung bieten. Das Datenmaterial mußte nach der Prüfung uneingeschränkt reproduzierbar sein. Der Langenbeutinger Tresor bestand die Prüfung "mit überzeugenden Ergebnissen".

Die Innenausstattung der "EDV-Wertpanzer" kann der Größe und Sortierung der Datenträger angepaßt werden. Die fraglichen Einrichtungen wie Fachböden, Magnetbandaufhängungen, Teleskopauszüge für Magnetplattenstapel, Vertikalablagen lassen sich in der Höhe im 12,5 mm-Raster verstellen und beliebig untereinander kombinieren. Das Fassungsvermögen kann durch Tragleisten an den Innentüren vergrößert werden.

Wäre der Datenschutz nur ein physikalisches Problem, mit dem Bössingerschen "EDV-Wertpanzer" wäre es gelöst . . .