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Wiegedatenverarbeitung und Rechnungswesen integriert:


01.04.1983 - 

EDV-Verbund bei kommunalem Heizkraftwerk

Die Gemeinnützige Müllbeseitigungsanlage Bremerhaven GmbH hat ihre Wiegedatenverarbeitung mit dem zentralen Verwaltungscomputer zusammengeführt. Als "Wiegecomputer" ist ein System Kienzle 9066 im Einsatz; das Rechnungswesen des Kommunalbetriebes arbeitet mit einer 9066/60.

Den Müll liefern kommunale und private Kunden an. 1982 kam es im ganzen zu rund 60 000 Wiegevorgängen. Die starke Zunahme der Müllmengen und die wachsenden Aufgaben in der Energieverwertung haben den Anstoß zur Entwicklung eines Informationssystems gegeben, das rundum die Kundenbetreuung und die Verwaltung unterstützt. Hinzu kam das Ziel, die Betriebsabrechnung auszubauen. Und ab Frühjahr 1983 übernimmt das Unternehmen in Personalunion die Verwaltung der dann betriebsbereiten Zentralkläranlage Bremerhaven GmbH.

Um kurzfristig ein einsatzfähiges System zu verwirklichen, suchte man Fertigsoftware. Hauptsächlich weil die Messerknecht-Datensysteme, Bremen, auch eine überzeugende Lösung für die Wiegedatenverarbeitung anbot, fiel die Entscheidung für Kienzle. Seit Anfang letzten Jahres wird ein Verbundsystem mit drei Komponenten eingesetzt:

Im Wiegegebäude steht ein System 9066 Modell 10 zunächst mit zwei Fahrzeug-Großwaagen in Verbindung. Der Computer dient zur Kundenbedienung sowie zur Sofort-Fakturierung und Übernahme der Daten in das System der Verwaltung. Seine Zentraleinheit verfügt über eine Hauptspeicherkapazität von 192 KB. Zur Konfiguration gehören ein Fest/Wechselplattenlaufwerk (10 Megabytes), ein Nadeldrucker (240 Zeichen/S.) und ein Bildschirm mit Tastatur.

Die Anlage ist zur Übertragung der Abrechnungsdaten und zur Vorsorge gegen Systemunterbrechungen mit einem System 9066 Modell 60 im Verwaltungsgebäude verbunden, das rund 100 Meter entfernt liegt. Bildschirmarbeitsplatz und Nadeldrucker lassen sich auf diese Anlage umschalten.

Das zweite System ist einem viel breiteren Aufgabenspektrum gewidmet: Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung, Fakturierung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Betriebsabrechnung, Lagerbuchhaltung, Bestellabwicklung und Statistik.

Der Computer verfügt über eine Zentraleinheit mit der Hauptspeicherkapazität von 384 KB. Zentral angeschlossen sind zwei Wechselplattenlaufwerke (Gesamtkapazität 88 Megabytes), ein Zeilendrucker 18 000 Zeilen/Std.) und ein Master-Bildschirm zur Systemsteuerung. Dezentral im selben Gebäude stehen mit dieser Anlage vier weitere Bildschirme in Verbindung. Drei von ihnen unterstützen das Rechnungswesen, das Bestell- und Lagerwesen sowie die Betriebsabrechnung, der vierte Platz dient fallweise Sonderaufgaben.

Individuelle Software zum Waagen-Betrieb

In der Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie in der Betriebsabrechnung werden Standard-Programmpakete von Kienzle eingesetzt. Für die Fakturierung und Auftragsverwaltung, Lagerbuchhaltung, Bestellwesen und Statistik hat Messerknecht individuelle Programme entwickelt. Das gleiche gilt nicht zuletzt für die Software zum Waagen-Betrieb in Verbindung mit dem System 9066/10 und 9066/60.

Im Verbundsystem fällt den Dateien der beiden Computer eine Schlüsselrolle zu. Ganz besonders gilt das für die Datenbestände des Systems 9066/10. Es gibt drei Stammdateien: Kundenstamm, Fahrzeugstamm (Daten von Dauerkunden-Fahrzeugen) und Tabellenstamm (Preise, tarifabhängige Müllsorten und so weiter). Hinzu kommen Bewegungsdateien für den direkten oder sequentiellen Zugriff.

Für den Direktzugriff ist die Wiegesatzdatei konzipiert, in der die Eingangs-/Ausgangsgewichte, Datum, Uhrzeit und Rechnungsbeträge abgespeichert werden. In einer Einmalkunden-Datei, deren Aufbau mit demjenigen der Dauerkunden-Stammdatei identisch ist, werden automatisch die Fakturierdaten von Gelegenheitskunden abgespeichert. Nicht im direkten Zugriff liegen die Datenbestände der Wiegeprotokoll-Datei. Sie dient zur eichamtlichen Dokumentation der Wiegungen und ersetzt einen Protokolldrucker. Zur Abfrage von Kennziffern noch nicht abgefertigter Fahrzeuge steht die Auskunftsdatei zur Verfügung.

Zwei weitere Bewegungsdateien sind für den sequentiellen Zugriff organisiert. Eine von ihnen ist ein Abbild der Wiegesatzdatei, die andere eine dienen zur Datenübertragung in das System 9066/60 für die Abrechnung und Statistik.

Mit dieser Hardware und Software kann im Zusammenhang mit den Müllanlieferungen ein großer Teil der Abwicklungen automatisch erfolgen.

Dateien doppelt vorhanden

Die Dateien des Systems 9066/10 sind beim System 9066/60 noch einmal vorhanden. Daher lassen sich Bildschirm und Nadeldrucker im Wiegegebäude im Falle von Systemunterbrechungen auf das System 9066/60 umschalten und können weiterbenutzt werden. Die Stammdaten für beide Rechner werden in der Verwaltung aktualisiert. Alle Änderungen und Neuzugänge gehen dann dem System 9066/10 per Datenübertragung zur schritthaltenden Aktualisierung der mit ihm verwalteten Dateien zu.

Die vom Computer im Wiegegebäude aufgebauten sequentiellen Wiegesatz- und Einmalkunden-Dateien werden dem System 9066/60 täglich einmal übertragen. Das System übernimmt sie in einem Programmlauf in die eigenen Dateien und liefert täglich ein Rechnungsausgangsjournal.

Für den Barzahlungsverkehr führt das System in der Finanzbuchhaltung wöchentlich Sammelbuchungen aus. Der Zahlungsverkehr mit Dauer- und Überweisungskunden wird im allgemein üblichen Stil abgewickelt. Gegenüber Dauerkunden wird einmal monatlich fakturiert. Diese Kundengruppe erhält auch monatlich eine Auswertung für eigene Abstimmungsaufgaben, nämlich ein Protokoll sämtlicher Müllanlieferungen mit allen Wiege- und Abrechnungsdaten.

Für die eigene Geschäftsführung erstellt der Betrieb periodisch weitere Datenübersichten. In Statistiken kumuliert das System täglich, monatlich und jährlich die Müllanlieferungsmengen und -werte sowie die Fernwärme- und Stromverkaufsmengen und -werte. Zum Vergleich werden dabei auch die Vorjahresergebnisse ausgedruckt. All diese Informationen werden zur Planung herangezogen. Hinzu kommen zahlreiche Analysen im Rahmen der Finanzbuchhaltung, Materialwirtschaft und Kostenrechnung.

Mehrbelastung voll aufgefangen

Das Verbundsystem hat denn auch viele Informationen zugänglich gemacht, die sich ohne Systemintegration nicht gewinnen lassen. Der manuelle Arbeitsaufwand wäre viel zu groß. Ein ebenso wichtiger Effekt ist die hochgradige Entlastung der Verwaltung. Die Ursprungsdaten für viele übergreifende Auswertungen brauchen nur einmal eingetastet zu werden - auch in Gebieten außerhalb der Wiegedatenverarbeitung. Zum Beispiel in der Fakturierung: Früher wurden die Rechnungen mit Schreibmaschinen erstellt, heute im Programmlauf.

1981 wurden im Bestell- und Lagerwesen rund 1000 Artikel verwaltet heute sind es 2500. Diese Mehrbelastung wird mit dem System voll aufgefangen. Mit dem Vorgänger-System ließen sich nur Teile der Betriebsabrechnung durchführen. Weil nunmehr alle Möglichkeiten des Betriebsabrechnungsbogens genutzt werden können, ist die Kostensituation viel transparenter. Die Bedeutung dieses Vorteils wird noch größer, wenn im Frühjahr die Verwaltung für die Zentralkläranlage Bremerhaven GmbH mitübernommen wird.