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19.09.1986

EDV-Wissen: Vierte Kulturtechnik

Heinrich Franke Präsident der Bundesanstalt für Arbeit

Datenverarbeitung, Kommunikationstechnik und Informatik sind aktuelle Schlagworte. Damit verbunden sind positive und negative Assoziationen. Die einen sorgen sich um Arbeitsplatzabbau und Dequalifizierung; andere hoffen auf einen wachsenden Markt mit besseren Arbeitsbedingungen reduzierter Arbeitszeit und mehr qualifizierten Plätzen auch für Jungakademiker. Ich meine, daß die Chancen die Risiken deutlich überwiegen.

Der Weg zur Arbeitslandschaft 2000 ist nicht mehr so lang. Tag für Tag entscheiden wir schon heute darüber, wie die Arbeitsplätze dann aussehen werden. Projektionen zeigen, daß die Entwicklung in Richtung intensiver Nutzung der Informationstechnik in allen Bereichen und auf allen Ebenen geht. Die Vorstellung, mit EDV beschäftigten sich nur Informatiker und Mathematiker, ist genauso von gestern wie die Meinung, die Durchsetzung neuer Technik stehe erst noch bevor.

EDV muß zum Grundlagenfach werden; EDV-Wissen entwickelt sich - neben Lesen, Schreiben und Rechnen - zur vierten Kulturtechnik in Arbeitswelt und Freizeit. EDV ist nicht nur allein eine Sache der Programmierer, Software-Spezialisten, Systemanalytiker, DV-Organisatoren etc. Praxisbezogenes, anwendungsorientiertes Wissen über Datenverarbeitung wird an einem ständig wachsenden Anteil der Arbeitsplätze gefordert: in der Fertigung, im Büro, im Labor, in der Konstruktion, aber auch in der Studierstube. Keine Disziplin bleibt davon unberührt. Leistungsfähige Informationssysteme - Datenbanken - wird es bald für alle Fachgebiete geben.

Das Schriftgut wird sich - wiederum in ganzer Breite der Anwendungsmöglichkeiten mit Hilfe preiswert angebotener Personal Computer wesentlich einfacher und schneller erledigen lassen. Immer mehr Schreibende werden selbst mit dem DV-Gerät umgehen. Gute Sekretärinnen werden dadurch nicht überflüssig; aber einfache, belastende Arbeiten ganztägiger und ausschließlicher Bildschirmarbeit entfallen; qualifizierte Plätze -auch für junge Hochschulabsolventen - entstehen.

In diese Richtung weist die jüngste Projektion zum Arbeitskräftebedarf 2000, die jetzt im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeit von der Prognos AG, Basel, erarbeitet worden ist. Ein wachsender Kräftebedarf entsteht danach dort, wo neue Technik in großem Umfang genutzt wird. Argumente dafür sind neben anderen eine Zunahme des Forschungs- und Entwicklungsaufwands, wachsender Informationsbedarf bei steigender Komplexität der Arbeitsaufgaben sowie eine stärkere Trennung zwischen Produktionsstätten, Vermarktung und Verwaltung, woraus auch ein Mehrbedarf an Koordination und Organisation erwächst.

Dies alles sind zugleich Argumente für einen stark wachsenden Bedarf an Hochschulabsolventen, die für Forschungs- und Entwicklungs-, Organisations-, Planungs-, Steuerungs- und Führungsaufgaben gebraucht werden. Das sind Aufgaben, für die heute schon weitgehend Hochschulabsolventen eingesetzt sind. Vom Zusatzbedarf an Akademikern - Prognos beziffert ihn von 1982 bis 2000 auf 1,6 Millionen-entfallen gut zwei Fünftel auf die genannten Aufgaben.

Nun wird angesichts hoher Arbeitslosigkeit in den Kultur-, Sprach- und Gesellschaftswissenschaften darüber diskutiert, wie alternative Einsatzfelder erschlossen werden können. Ein Schlüssel dazu kann die intensivere Befassung mit EDV sein. Um nicht mißverstanden zu werden: Ich meine keinesfalls, daß sich damit alle Arbeitsmarktprobleme der Absolventen dieser Fächer lösen. Aber wer sich außerhalb des angestammten Berufsfeldes bewirbt, wird bessere Chancen haben, wenn er die Grundlagen der Datenverarbeitung kennt.

In den Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften gehört es bereits heute zum Standard, daß Absolventen- neben soliden Fremdsprachenkenntnissen - mit der EDV umgehen können. Wichtig ist vor allem anwendungsorientiertes Wissen in einzelnen Funktionsbereichen. Bei der Breite der Nutzung der EDV geht es weniger darum, neue Informationssysteme und Programme zu konzipieren als vielmehr um ihre Handhabung in den einzelnen Funktionsbereichen. Der Akademiker sollte wissen, wie gängige Probleme seines Fachs mit Hilfe der Datenverarbeitung zu lösen sind. Dazu gehört auch, daß Betriebe und Behörden angehenden Akademikern mehr Chancen bieten, sich vor Ort eingehend zu informieren und ihr praktisches Können im Umgang mit dem Computer zu erproben.

Gepflogenheiten der Vergangenheit, wonach für Zuarbeiten eine meist weibliche Hilfskraft bereitstand, werden mit künftigen Strukturen der Arbeitslandschaft immer weniger vereinbar sein. Zur Verbesserung der Berufschancen für Frauen kann dies auch nicht mehr erwünscht sein. Das sollte in Schule, Studium und darin integrierter Praxis geübt und erlernt werden.

Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, daß die Zahl der Arbeitsplätze, an denen hin und wieder EDV verwendet wird - zum Beispiel über ein Terminal -, besonders rasch wächst. Insgesamt verwendeten 1983 mehr als 20 Prozent der Erwerbstätigen die EDV (Terminals, Computer, DV-gesteuerte Bürogeräte etc.). Bei den Männern waren es vor allem Hochschulabsolventen und bei den Frauen jene mit qualifizierter Ausbildung in Betrieben und an Fachschulen, die täglich mit der EDV umgehen. Sie schätzen ihre Leistungsfähigkeit, Einsatzfreude, Verantwortung und ihre Chancen, beruflich voranzukommen, positiver ein als die Nichtanwender.

Der Arbeitsmarkt von morgen wird von der DV-Anwendung über alle Tätigkeiten und Funktionen hinweg geprägt sein. Es ist eine Erfordernis der Zeit, sich darauf einzustellen. Die Fähigkeit zu anwendungsbezogener Handhabung der EDV ist besonders gefragt. Dies setzt Grundkenntnisse und Praxiskontakte aus dem Studium voraus. Je rascher sich jemand in unterschiedliche Anwendungsfelder der EDV hineinzufinden und je besser er dort solides Fachwissen einzubringen vermag, um so eher wird er bei der Bewerbung um attraktive Plätze die Nase vorne haben.