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11.02.1994

Effiziente Clearing-Software muss Anwender ueberzeugen EDI: Service-Provider werden zur Kommunikationsdrehscheibe

Grundlage fuer die Entstehung von Mehrwertdiensten bilden die in den letzten Jahren rasch aufeinander folgenden technologischen Innovationen in den Bereichen Telekommunikation (TK) und Datenverarbeitung. Aus der Konvergenz dieser Bereiche, der Verschmelzung von TK und Informationstechnologie, entstand der noch junge Markt der Telematik mit einer neuen Form von Dienstleistungen, den Mehrwertdiensten oder Value Added Services (VAS). Thomas Schmoll* und Thorsten Georg* greifen aus dem Spektrum der VAS den Electronic Data Interchange (EDI) heraus und skizzieren die Funktion der Anbieter im EDI-Verfahren hinsichtlich Logistik und Clearing.

Eine begriffliche Abgrenzung dessen, was Mehrwertdienste sind und leisten, stellt sich aufgrund der Vielfalt der am Markt angebotenen Services als ein schier unmoegliches Unterfangen dar. Pauschal gesagt, handelt es sich um Dienstleistungen auf der Basis von Fernmeldediensten, die ueber das reine Uebertragen von Informationen hinausgehen.

Transport der Daten ohne einen Medienbruch

Mit dem Einsatz von Computern in Netzwerken koennen nunmehr Informationen benutzerspezifisch aufbereitet und weiterverarbeitet beziehungsweise konsumiert werden, wobei die zu uebermittelnde Information als Text, Daten, Bild, Sprache oder aus einer beliebigen Kombination dieser Elemente (Multimedia) bestehen kann. Auf das Mehrwertdiensteangebot in den Bereichen Text-, Bild- und Sprachuebertragung soll im folgenden nicht naeher eingegangen werden. Vielmehr gilt das Interesse einem speziellen Mehrwertdienst aus dem Bereich der Datenservices: dem elektronischen Austausch von Geschaeftsdokumenten unter Nutzung standardisierter Datenformate, dem Electronic Data Interchange.

EDI ist eine Form der Kommunikation, bei der kommerzielle und technische Daten sowie allgemeine Geschaeftsdokumente wie Texte, Abbildungen und Grafiken nach standardisierten Formaten strukturiert und zwischen Computern beziehungsweise Applikationen verschiedener Unternehmen ausgetauscht werden. Dies geschieht unter Anwendung offener elektronischer Kommunikationsverfahren mit der Moeglichkeit der bruchlosen Weiterverarbeitung. Das Verfahren geht ueber die reine Computer-Computer-Kommunikation insofern hinaus, als es den Austausch von Daten zwischen Applikationen realisiert. Geschaeftsdokumente (Bestellungen, Rechnungen etc.) werden ohne Medienbruch der Applikation des Empfaengers zum Zwecke der Weiterverarbeitung uebergeben. Sowohl die bei den Kommunikationspartnern eingesetzten Softwareloesungen als auch die Hardwareplattformen koennen dabei von unterschiedlichen Herstellern stammen.

Im Gegensatz zur elektronischen Post (E-Mail) erfordert EDI die Strukturierung der zu uebertragenden Daten. Die Definition der Struktur kann dabei grundsaetzlich in Form bilateraler Vereinbarungen erfolgen, diese Vorgehensweise gestaltet sich jedoch mit zunehmender Anzahl von Kommunikationspartnern als sehr aufwendig.

EDI als Verfahren zur Produktivitaetssteigerung erfordert zwangslaeufig ein ueberregionales, oftmals internationales Netzwerk. Der Aufbau von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen Sender und Empfaenger gestaltet sich allerdings mit zunehmender Anzahl von Kommunikationsbeziehungen wegen der Notwendigkeit einer permanenten Verfuegbarkeit der kommunizierenden Endgeraete problematisch.

Ferner wachsen administrativer Aufwand und die finanzielle Belastung ueberproportional. Andererseits zieht der Aufbau unternehmenseigener Systeme zur Verteilung der Information an die Partner ebenfalls hohe Entwicklungs- und Betriebskosten nach sich. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten hier die sogenannten EDI- Service-Provider, die quasi als Kommunikationsdrehscheiben die logistischen Funktionen innerhalb des EDI-Verfahrens uebernehmen.

Mit der am 1. Juli 1989 erfolgten Neustrukturierung des TK-Marktes war eine vollstaendige Liberalisierung der Datenkommunikation verbunden. Die Telekom verlor ihre bis dahin gesetzlich verbriefte Monopolstellung und musste sich erstmals in ihrer Geschichte dem privaten Wettbewerb stellen. Im Bereich EDI nutzten als erste international operierende Service-Provider wie GEIS und IBM ihre vor allem auf dem US-amerikanischen Markt gewonnenen langjaehrigen Erfahrungen und boten ihren Kunden Clearing-Funktionen an. Die Telekom zog wenig spaeter mit dem Telexbox.400-Service nach.

Wie bereits dargestellt, sind zur Uebertragung elektronischer Dokumente Datenuebertragungsdienste notwendig. Aufgrund der Entkopplung von Sende- und Empfangsvorgang (Store and retrieve) ist die Existenz eines Vermittlungsrechners erforderlich, der die elektronischen Informationen empfaengt, speichert und in den Mailboxen der Empfaenger zur Abholung bereitstellt. Dieser - einem aus der X.400-Architektur bekannten Message Transfer Agent (MTA) entsprechende - Vermittlungsknoten wird als Clearing Center bezeichnet. Die Vermittlungsfunktion und spezielle Add-on- Leistungen beinhalten den eigentlichen Datenuebertragungs-Mehrwert, weshalb die Anbieter dieser Services auch Value Added Networks (VANs) genannt werden.

Die Vorteile fuer den Anwender liegen auf der Hand: Zum einen reicht eine physikalische Verbindung aus, um mit den meisten oder allen Geschaeftspartnern Dokumente austauschen zu koennen. Zum anderen verkoerpert das VAN eine sogenannte Trusted Third Party und stellt auf diese Art eine nachweisbare und vertraglich geregelte EDI-Kommunikation sicher. Von der Leistungsfaehigkeit der Service- Provider wird entscheidend abhaengen, inwieweit die Unternehmen die EDI-Technologie akzeptieren werden.

Mit der staendig wachsenden Bedeutung des elektronischen Geschaeftsverkehrs haben die VANs ihr Angebot im EDI-Bereich erweitert, indem spezifische Funktionen zur Uebertragung und Verteilung von EDI-Nachrichten angeboten werden. Die wichtigsten Funktionen werden im folgenden stichpunktartig dargestellt, wobei verstaendlicherweise kein Anspruch auf Vollstaendigkeit erhoben wird:

- einfacher und kostenguenstiger Netzzugriff,

- hohe Verfuegbarkeit,

- Gateways zu anderen Netzen,

- Unterstuetzung der gaengigsten Protokolle (X.25, SNA, BSC, MSV, asynchron),

- Realisierung standardisierter sowie proprietaerer File-Transfers

- verschiedene Uebertragungsgeschwindigkeiten,

- Protokollkonvertierungen,

- Sicherheitseinrichtungen fuer die Verhinderung unbefugten Zugriffs,

- Anlegen und Verwaltung von Partnerprofilen zwecks Validierung der Kommunikationsbeziehungen,

- Validierung der auszutauschenden Dokumenttypen,

- Verschluesselung und Entschluesselung von Dokumenten,

- Ueberpruefung der Dokumente hinsichtlich Syntax und Vollstaendigkeit,

- chronologische (vorgangsbezogene) Dokumentation,

- Dokumentenarchivierung,

- selektives Dokumenten-Retrieval,

- Broadcast-Funktion sowie

- Anwenderschulung.

Im folgenden wird der Datenfluss nach dem Store-and-retrieve- Prinzip am Beispiel eines EDI-Sendevorganges dargestellt (vgl. Abbildung). Dabei wird unterstellt, dass sowohl Sender als auch Empfaenger ueber einen Account beim VAN-Betreiber verfuegen.

1. Schritt: Der Sender uebermittelt dem VAN eine Edifact- Uebertragungsdatei mit mehreren Nachrichten und Nachrichtentypen fuer unterschiedliche Geschaeftspartner (Empfaenger), die Datei wird auf dem VAN-Rechner gespeichert, die Verbindung wird abgebaut.

2. Schritt: Die Uebertragungsdatei wird in separate, fuer die einzelnen Empfaenger bestimmte Interchanges zerlegt.

3. Schritt: Es wird anhand der vorliegenden Partnerprofile geprueft, ob zwischen dem Sen- der und jedem Empfaenger eine Kommunikationsbeziehung besteht.

4. Schritt: Es wird abgeklaert, ob die im Interchange enthaltenen Nachrichtentypen (Rechnung, Bestellung etc.) zwischen den Kommunikationspartnern ausgetauscht werden duerfen.

5. Schritt: Die einzelnen Interchanges werden auf Syntax und Vollstaendigkeit kontrolliert.

6. Schritt: Nach Pruefung werden die elektronischen Dokumente in die Mailboxen der Empfaenger eingestellt.

7. Schritt: Der Empfaenger baut eine Verbindung zum VAN auf und ruft die in seiner Mailbox vorliegenden Dokumente ab.

Treten im Rahmen der Validierungen Fehler auf, wird ein Fehlerprotokoll generiert, das in die Mailbox des Senders eingestellt wird.

Fazit: Die Akzeptanz von EDI und Edifact bei den Anwendern wird nicht unerheblich von der Leistungsfaehigkeit der oeffentlichen und privaten VAS-Provider abhaengen. Analog zur Entwicklung bei der papiergebundenen Kommunikation muss es Ziel der "Datentransporteure" sein, durch Errichtung von elektronischen Postaemtern mit effizienter Clearing-Software den Anwender vom Nutzen des automatisierten Dokumentenaustausches zu ueberzeugen. Offene Systeme (X.400), Standards und die Zusammenarbeit privater und oeffentlicher Anbieter werden in zunehmendem Masse die Hemmschwelle auf seiten der Wirtschaft, EDI-Technologie einzufuehren und anzuwenden, senken.