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14.02.1992 - 

"IBM-Connect" als private Alternative

EG 1993: Die Mehrwertnetze liegen im Trend des Wettbewerbs

Nicht nur mit Blick auf die bevorstehende Realisierung des Europäischen Binnenmarktes wird die weltweite Kommunikation für Unternehmen, gleich welcher Branche, zu einem immer wichtigeren Faktor. Bei der Auswahl eines Geschäftspartners entwickelt sich, wie Henning Sulitzer* feststellt, neben den klassischen Kriterien wie Preis, Liefertermin und Qualität auch dessen Fähigkeit, Kommunikation und Austausch von Geschäftsdaten auf elektronischem Wege vornehmen zu können, zu einem relevanten Entscheidungskriterium.

Da zudem häufig die Notwendigkeit besteht, von Bildschirmen- aus auf Rechnersysteme über große Entfernungen hinweg direkt zuzugreifen und elektronische Systeme über Leitungsverbindungen fernzusteuern und zu warten, ist der deutliche Trend, einzelne Informations- und Steuerungssysteme über Netze zu verbinden, leicht nachvollziehbar. Eine umfassende Nutzung von Netzwerken mit einer signifikanten Flexibilitäts- und Produktivitätssteigerung bietet sich sinnvollerweise dann, wenn Mehrwertdienste in Form von Value Added Network Services (VANS) intensiv angewendet werden. Mit der Deregulierung der TK-Dienste und damit der Freigabe der Mehrwertdienste für private Anbieter konnte in der Bundesrepublik und im westlichen Ausland bereits ein entscheidender Schritt in diese Richtung realisiert werden.

Firmenübergreifendes Netz erfordert Know-how

Aufbau und Betrieb eines Kommunikationsnetzes erfordern enormes Know-how, Erfahrung und umfangreiche personelle Ressourcen. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn es um firmenübergreifende oder grenzüberschreitende Kommunikation geht. Deshalb nutzen schon jetzt viele Unternehmen die Möglichkeit, bestehende private Netze für ihre Informations- und Kommunikationszwecke zu nutzen. Bereits seit einigen Jahren bietet die IBM, die als internationales Unternehmen selbst einen hohen Kommunikationsbedarf hat, ihren Kunden und Geschäftspartnern ihr eigenes privates Netz mit umfassenden VANS auf nationaler und internationaler Ebene an.

Die IBM ist heute mit ihrem Netz weltweit in über 88 Ländern vertreten: In jedem dieser Länder stehen Netzkonzentratoren zur Verfügung, an die verschiedene Rechnersysteme angeschlossen werden können, wobei allein in Europa in 180, in USA und Kanada in rund 300 Städten solche Anschlußknoten eingerichtet sind. Das Netz reicht mittlerweile auch in die neuen Bundesländer: In den Bezirksstädten der ehemaligen DDR wurden 15 Netzknoten eingerichtet und über terrestrische und Satellitenverbindungen an das bestehende westdeutsche Netz angeschlossen. Mit insgesamt 62 Netzknoten und den entsprechenden Leitungsverbindungen in der Bundesrepublik bestehen in nahezu allen IBM-Niederlassungen Anschlußmöglichkeiten an das internationale Netz.

In Deutschland 2000 Unternehmen

Heute sind weltweit über 700000 Benutzer an das Netz angeschlossen. Rechnet man die rund 300000 internen Benutzer hinzu, zeigt sich, daß dieses System das weltweit größte für Kunden zugänglicher logische Netzwerk darstellt. Allein in Deutschland haben über 2000 Unternehmen mit rund 33000 Benutzern Zugriff auf das Netz. Mehr als 450 Firmen sind dabei mit ihren eigenen Netzen, teilweise sogar mit den Netzen ihrer Tochtergesellschaften mit dem IBM-Netz verbunden.

Der Zugang zum Netz ist über Wählanschlüsse mit Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 9600 Bit/s und über Festanschlüsse mit maximal 64 Kbit/s möglich. Entscheidendes Kriterium ist die Sicherheit der Datenübertragung im Netz. Hier zeigen sich auch Vorteile der SNA-Architektur: Auf der Basis der Sicherungssysteme "SME Exit" und "RACF" findet an jedem Netzeingangsknoten eine Zugangskontrolle statt, die das gesamte Netz vor unberechtigten Benutzern schützt. Die Netz-Infrastruktur wird darüber hinaus um definierte, internationale Standards erweitert wie zum Beispiel Open Systems Interconnection (OSI), die den Anwendern auf zukunftssicherer Basis neue Anschluß- und Verbindungsmöglichkeiten gewährleisten sollen.

Netz-Infrastruktur für eigene Applikationen

Mit dem IBM Netzservice wurden zum einen, wie oben beschrieben, effiziente Vorkehrungen zum Schutz der über das Netz ausgetauschten Daten realisiert. Darüber hinaus erlaubt diese Funktion dem angeschlossenen Unternehmen, die weltweite Netz-Infrastruktur für eigene Applikationen zu nutzen. So können die Benutzer ihre Anwendungen innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation, national oder über Grenzen hinweg einsetzen. Hierzu werden Systeme wie Datenstationen, Abteilungsrechner, Konzentratoren bis hin zu großen Datenverarbeitungssystemen und Steuerungsrechnern über das Netz miteinander verbunden.

Ganz oben in der Nutzungsskala des Informations- und Netzservices steht derzeit der Mail Exchange Service mit seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Ein entscheidendes Kriterium ist hierbei, daß die vorhandenen Büroanwendungen der Kunden zum Nachrichten- und Datenaustausch genutzt und untereinander verbunden werden können. Über OSI/X.400-Schnittstellen, die im Mail Exchange Service vorhanden sind, können Teilnehmer in IBM- als auch in anderen Netzen (beispielsweise Telex und Netze anderer Informationsanbieter) erreicht werden.

Während der Mail Exchange Service für die Übertragung unstrukturierter Daten konzipiert ist, können mit dein Mehrwertdienst Information Exchange strukturierte elektronische Daten (EDI) ausgetauscht werden. Dem Austausch geschäftlicher Dokumente in definierten Formaten, zum Beispiel Bestellungen, Auftragsbestätigungen sowie Rechnungen zwischen Unternehmen und Lieferanten kommt schon heute eine große Bedeutung zu.

Detentransfer unterstützt internationale Standards

Der entscheidende Rationalisierungseffekt liegt hierbei insbesondere darin, daß die formatierten Daten beim Absender durch entsprechende Softwareprogramme automatisch erstellt und beim Empfänger ebenfalls DV-gestützt weiterverarbeitet werden können. Der Datentransfer über Information Exchange unterstützt internationale Standards wie Edifact, ANSI X.12 und UNGTDI.

Einen weiteren wichtigen Mehrwertdienst stellt die gesicherte Übertragung großer Datenmengen, zum Beispiel Druck-, Grafik- und Adreßdaten, zwischen verschiedenen Rechnersystemen dar. Dieser File Exchange Service verwendet eine spezielle Store-and-Forward-Technik und ermöglicht die Datenübertragung über das weltweite IBM-Netz sowohl zwischen Systemen eines Unternehmens als auch zwischen Systemen verschiedener Kommunikationspartner.

Neben diesen vier Anwendungen im Netz-Mehrwertdienst, die komplett als Paket mit "IBM-Connect" angeboten werden, können im Rahmen des VANS-Spektrums zudem rund 1500 internationale Datenbanken erreicht werden. Hierzu ist lediglich eine vertragliche Regelung mit den Datenbank-Anbietern zu treffen.

Darüber hinaus kann der Nutzer über die CICS- und TSO-Servicezentren im Bedarfsfall auf die Rechnerkapazitäten der IBM zurückgreifen (Computing Resource).

Als einer der IBM-Connect-Anwender löste die Hallesche Nationale Krankenversicherung AG, Stuttgart, mit sieben Filial- und 30 Bezirksdirektionen in der Bundesrepublik und über 900 Mitarbeitern im Zuge des Netzanschlusses die vorhandenen Standleitungen und Datex-P-Verbindungen ab. Die Forderung eines klassischen 3090-Anwenders wurden dabei kurz und bündig definiert: schnellere Antwortzeiten, einfacheres Netzwerk-Management, Ausfallsicherheit und Kostenminimierung.

Netzwerksteuerung über das IBM-Rechenzentrum

Nach einer intensiven Informationsphase entschied sich die Unternehmensleitung für das Servicepaket IBM-Connect. Aus Sicherheitsgründen wurde die Hauptverwaltung in Stuttgart über zwei getrennte 64-Kbit/s-Festverbindungen an das Netz angeschlossen. Die Filialdirektionen verfügen ebenfalls über eine 64-Kbit/s-Festverbindung, bei den Bezirksdirektionen wurde jeweils eine 9,6-Kbit/s-Festverbindung eingerichtet. Die Realisierung der Anbindung an IBM-Connect erwies sich schon nach kurzer Zeit als richtig: Statt bisher vieler V.24-Abschlüsse an der DFV-Steuereinheit 3745 werden jetzt nur noch zwei X.21-Anschlüsse benötigt - die gesamte Netzwerksteuerung übernimmt das IBM-Rechenzentrum Ehningen.

Ergebnis: Die jährlichen Netzwerkkosten wurden uni rund 45 Prozent verringert. Deshalb ist es verständlich, daß das Stuttgarter Versicherungsunternehmen in Sachen Netzwerk derzeit weitere Pläne verfolgt. So sollen schon bald eine unternehmensübergreifende Kommunikation über Mail Exchange und ein umfassender Service zu den Partnern im Unternehmensverbund realisiert werden.

Eine ebenfalls eindrucksvolle Nutzung des Netzes und der Mehrwertdienste konnte bei der BMU, Beratungsgesellschaft Mittelständischer Unternehmen mbH, Northeim, verwirklicht werden. Dort hat man - neben der Verbindung der Büros in Northeim und Hildesheim - über das IBM-Netz Verbindung zu Mandanten und Kooperationspartnern installiert. Ihren Mandanten bietet die BMU über die Netzwerkservices eine spezifische Kundenbetreuung an, bei der Update-Versionen von Anwendungsprogrammen oder PTFs in das System des Kunden übertragen werden. Mittlerweile wird diese Kundenfernbetreuung mit einem Mandanten aus dem französischen Metz auch auf internationaler Ebene realisiert. Was den Eingriff in das System des Kunden anbelangt, so sind die Sicherheitseinrichtungen jeweils abgestimmt.

Welche weiteren Möglichkeiten der Netzwerkservice mit seinen Mehrwertdiensten bietet, zeigt die BMU mit ihrem Servicepaket "BMU-MSS/400" (Außendienstmitarbeiter Informationssystem), das sich in der Praxis erfolgreich bewährt hat. Die Außendienstmitarbeiter verfügen über ein Notebook, mit dem über Akustikkoppler oder Modems Besuchsberichte und Informationen über das Netz via Mailbox an die Zentrale übertragen werden. Diese Außendienstdaten empfängt eine AS/400 im Innendienst und mittels OfficeVision und einem profilgesteuertem Retrievalsystem ist es möglich, diese Informationen weiter zu verarbeiten.

Dieser elektronische Datenaustausch reduziert, wie die Praxis zeigt, den Verwaltungsaufwand mit dem Innendienst, sorgt für tagesaktuelle Informationen und beschleunigt die Auftragsabwicklung. Nach den vorliegenden Erfahrungen wurden durch die Optimierung der Abläufe im Zusammenwirken von Innen- und Außendienst zum Teil erhebliche Rationalisierungspotentiale im Vertrieb erschlossen.

Der Aufbau einer unternehmensübergreifenden Kommunikation zwischen der Hauptniederlassung Saarbrücken und dem bundesweiten Händlernetz stand für die Peugeot Talbot Deutschland GmbH im Vordergrund, als es darum ging, den Anforderungskatalog für ein effizientes Informationsnetz zu formulieren. Um dieses Ziel schnellstmöglich und auch kostengünstig zu realisieren, entschloß sich die Tochter der Pariser PSA-Holding, die knapp 600 Peugeot-Händler in den alten Bundesländern über IBM-Connect mit dem zentralen 3090-Host zu verbinden.

In den Niederlassungen und Verkaufsdirektionen wurden DFV-Steuereinheiten 3174, bei den Händlern Datenstationen mit Stand- und Wählleitungen installiert, so daß nun jede Peugeot-Vertretung an das Netz angebunden ist. Mit dem IBM- Informations- und Kommunikationsservice haben die Händler jetzt die Möglichkeit, mit der Zentrale direkte und komplette Bestellabwicklungen bis hin zur Auftrags- und Lieferterminbestätigungen durchzuführen. Für den französischen Automobilhersteller, der die Nummer eins unter den europäischen Kfz-Herstellern werden will, zeigten sich die Vorteile des Netzwerkservices und der Mehrwertdienste im Datenaustausch schon innerhalb kürzester Zeit.

"Durch den Einsatz von DV-Anwendungen und moderner Kommunikationstechnologie konnte der Konzern beträchtliche Kosteneinsparungen erzielen und so im Sinne der Unternehmensziele unser europäischen Neuwagengeschäft weiter ausbauen", heißt es in der Peugeot-Zentrale zu diesem Thema, Bevor es soweit war, hatten die Netzwerkspezialisten der IBM allerdings eine harte Nuß zu knacken: Die Verbindung der Peugeot-Lokationen mußte innerhalb von nur drei Monaten aufgebaut und in Betrieb genommen werden. Dies konnte in die Tat umgesetzt werden, und so planen die Franzosen jetzt, die rund 200 Peugeot-Händler in den neuen Bundesländern ebenfalls einzubinden.

*Dr. Henning Sulitzer ist Mitarbeiter des Geschäftsbereiches Telekommunikation der IBM Deutschland GmbH, Stuttgart.