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17.01.1992 - 

Die Ephos-Richtlinien sind jetzt realisiert

EG-Handbuch regelt europaweit die Beschaffung offener Systeme

17.01.1992

*Diplom-Informatiker Uwe Ossenberg, Mitarbeiter des Bundesministerium des Innern, ist Referent für die Koordinierungsstellen der Datenverarbeitung für die Bundesregierung.

Die Normierung der EG-weiten DV hat bereits vor fünf Jahren begonnen. Konkret sollte das heißen, nur noch Produkte zu kaufen, die den offenen OSI-Richtlinien entsprechen. Diesem Vorsatz stand jedoch, wie Uwe Ossenberg festgestellt hat, das Fachchinesisch dieser Spezifikationen entgegen. Deshalb wurde mit "Ephos" jetzt ein Handbuch geschaffen, das auch Beschaffer verstehen können.

Vor nunmehr fünf Jahren wurde vom Rat der Europäischen Gemeinschaften der Beschluß 87/95/EWG über die Normung auf dem Gebiet der Informationstechnik und der Telekommunikation verabschiedet. Dieser Beschluß, der als Meilenstein hinsichtlich der praktischen Umsetzung des OSI-Gedankens anzusehen ist, verpflichtet die öffentlichen Verwaltungen der EG-Mitgliedstaaten, bei nahezu allen größeren IT-Beschaffungen europäische Normen (einschließlich Vornormen) und national übernommene internationale Normen zu berücksichtigen.

In bestimmten Fällen sind für bestehende Systeme auch Strategien für den Übergang zu normgerechten Lösungen (Migrationsstrategien) gefordert. Als Gründe für diesen Beschuß werden die "Sicherstellung des Informations- und Datenaustauschs und der Kompatibilität der Systeme" sowie die "wirtschaftliche Bedeutung der Normung als Beitrag zur Errichtung eines Gemeinschaftsmarktes auf diesem Gebiet" aufgeführt.

Die praktische Umsetzung des Ratsbeschlusses wird jedoch dadurch erschwert, daß OSI-Normen von Spezialisten für Spezialisten geschrieben wurden, und zwar im Hinblick auf die Spezifizierung und Entwicklung von Produkten. Es ist dem Beschaffer in der öffentlichen Verwaltung kaum zuzumuten, sich in die Vielfalt der Normen, Begriffe und Modelle derart einzuarbeiten, daß er nicht mir OSI-Produkte exakt spezifizieren, sondern auch Angebote bewerten und Testbereichte verifizieren kann.

An dieser Stelle soll das europäische Beschaffungshandbuch Ephos ansetzen. Es soll dem Einkäufer in allen Phasen einer Beschaffung Unterstützung im Umgang mit OSI bieten. Insbesondere sollen ihm in seiner Begriffswelt Eigenschaften von OSI-Diensten erläutert, Entscheidungshilfen geboten und die Spezifikation dieser Dienste in Ausschreibungsunterlagen erleichtert werden.

Das zweite wesentliche Ziel des Handbuchs betrifft die Interoperabilität, das heißt die Fähigkeit zur Zusammenarbeit isoliert beschaffter Systeme, die in einem auch unter administrativen Gesichtspunkten weiter zusammenwachsenden Europa eine zunehmende Bedeutung gewinnt. Diese Eigenschaft ist lieben ökonomischen Erwägungen eine der Hauptursachen für die Entstehung der OSI-Bewegung, für derart immense Aufwendungen und Investitionen. Daß dieses Ziel der uneingeschränkte Interoperabilität nicht erreicht wurde, ist bekannt.

Auch Ephos erhebt diesen Anspruch nicht. Es soll jedoch einen weiteren Schritt in Richtung des angestrebten Ziels vollziehen. Gleichzeitig gilt es, mit diesem Handbuch einen Konsens der europäischen öffentlichen Verwaltungen hinsichtlich der Anwendung von Normen für offene Systeme zu finden und somit für eine EG-weite Akzeptanz und Anwendung des Handbuchs zu sorgen. Das Handbuch entstand im Rahmen eines internationalen Projektes. Finanziert von der Kommission der EG (EGK), wurde dieses Projekt nach längerer Vorbereitungszeit im Februar 1990 gestartet.

Die Initiatoren (Frankreich, Großbritannien, Bundesrepublik Deutschland) wurden mit der Durchführung beauftragt. Für die europaweite Harmonisierung sorgt im wesentlichen die "Public Procurement Group (PPG)", eine Gruppe höherer Beamter aus den EG-Mitgliedstaaten, die die EGK bei Fragen aus dem Bereich von IT-Beschaffungen berät. Die inhaltlichen Arbeiten zur Handbucherstellung sind von den beteiligten Verwaltungen zumeist als Unteraufträge vergeben worden.

Handbuch beschränkt sich auf die Schwerpunkte

Um die wegen der internationalen Dimension des Projekts vorhandene Komplexität nicht noch weiter zu erhöhen, beschränkt sich das Handbuch zunächst auf drei Schwerpunktthemen:

- Weitverkehrsnetze (X.25, insbesondere Transportschicht),

- Übertragung großer Datenmengen (FTAM, Simple file transfer),

- elektronische Post (MHS gemäß X.400 (84).

In diesem Rahmen versucht das Handbuch im Anschluß an die Einleitung zunächst, die funktionellen Anforderungen des Beschaffers auf geeignete Dienste, also funktionelle Normen abzubilden. Dabei wird zwischen anwendungsorientierten (Ebenen 5 bis 7

und kommunikationsorientierten Diensten (Ebenen 1 bis 4 des ISO-Referenzmodells) unterschieden, um - auch hinsichtlich späterer Erweitungen des Handbuchs - beliebige Kombinationen der Dienste abzudecken (zum Beispiel MHS/FTAM in Weitverkehrs- und lokalen Netzen). Jeder der behandelten Dienste wird hinsichtlich der erbrachten Funktionalitäten detailliert, aber mit möglichst nicht-technischen Begriffen beschrieben.

In Kapitel drei werden die jeweiligen Lösungen umfangreicher und notwendigerweise auch mehr technisch orientiert abgehandelt. Jedes dieser Unterkapitel ist nach folgendem Schema aufgebaut:

- Teil I enthält eine kurze Einführung in das Thema.

- Teil II umfaßt, ausgehend von typischen Beschaffungsszenarien, für jede behandelte funktionelle Norm die entsprechenden Anforderungen an zu beschaffende Produkte. Dabei werden Empfehlungen zur Festlegung von Optionen der Norm und Hinweise zu sonstigen

Wahlmöglichkeiten, aber auch zu möglichen Installations- und Interoperabilitätsproblemen geliefert.

- Teil III enthält ergänzende Informationen, die dem spezialisierten Beschaffer als Orientierungshilfe dienen sollen. Dieser Teil umfaßt unter anderem Erläuterungen zu den verwendeten technischen Begriffen, funktionelle Beschreibungen der Dienste und typische Anwendungsfälle.

Im vierten Kapitel wird das Umfeld der (auch mit Ephos noch notwendigen Konformitäts- und Interoperabilitätstests dargestellt und aufgezeigt, wie diese Test in Beschaffungsvorgänge eingebunden werden sollten.

Das Handbuch der ersten Projektphase ist inzwischen fertiggestellt und wird in Kürze in mehreren Sprachen, auch in deutsch, von der EG-Kommission publiziert. Mit diesem Handbuch wurde ein Standard geschaffen, der den Einsatz von OSI zum Vorteil der öffentlichen Verwaltungen werden läßt. Aber auch den OSI-Anbietern dürfte dieses Handbuch zugute kommen. Durch die festgelegten Spezifikationen wird der Bedarf der öffentlichen Verwaltungen näher konkretisiert und somit eine entsprechende Ausrichtung bei der Entwicklung und Bereitstellung von Produkten ermöglicht. Dabei dürfte die europaweite Harmonisierung dieser Anforderungen im Hinblick auf den Gemeinsamen Markt von besonderer Bedeutung sein.

Es ist geplant, wegen technischer Fortschreibungen im Normungsbereich eine aktualisierende Überarbeitung des Handbuchs zu veranlassen. In diese sollen nicht nur die Erfahrungen und nun besser konkretisierbaren Anforderungen der Beschaffer einfließen.

Erweiterung auf zusätzliche Dienste

Auch eine Erweiterung des Handbuchs auf zusätzliche Dienste ist beabsichtigt. Hierbei stehen Themen wie Zeichenvorräte und -codierung, Dokumentenformate, lokale Netze, Verkabelungsstrategien, Verzeichnisse, virtuelles Terminal und elektronischer

Datenaustausch auf der Prioritätenliste.

Weiteres Engagement bei allen europäischen Partnern ist also gefragt. Diese Bemühungen werden sich auszahlen. Sie werden sowohl die europäischen öffentlichen Verwaltungen als auch die OSI-Bewegung nachhaltig positiv beeinflussen.