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Europäische IT-Industrie leidet unter hohen FuE-Kosten


04.01.1991 - 

EG-Kommissar Pandolfi fordert Verdoppelung des Esprit-Budgets

BRÜSSEL (IDG) - Der EG-Kommissar für Forschung und Entwicklung, Mario Pandolfi, hat anläßlich der Esprit-Konferenz Æ90 noch für Januar

dieses Jahres ein Strategie-Papier in Aussicht gestellt, das unter anderem erste Hinweise auf eine technologische Neuausrichtung des bereits seit zehn Jahren laufenden Forschungsprogramms geben soll. Außerdem forderte er eine Verdoppelung des Esprit-Budgets.

Die Konferenzteilnehmer waren sich einige daß ein reformiertes Esprit-Programm den technologischen Veränderungen der letzten zehn Jahre Rechnung tragen müsse. Vertreter der Industrie sehen in diesem ständigen Wandel einen wichtigen Grund für die weitere EG, Unterstützung der länderübergreifenden Kooperationen zwischen den europäischen Unternehmen.

Als Esprit in den frühen 80er Jahren gegründet wurde, erhielten Firmen Forschungsförderung, die ihr vorgeschlagenes Projekt gemeinsam mit einem oder mehreren Unternehmen aus anderen EG-Ländern durchführen wollten. Auf diese Weise hofften die Verantwortlichen nicht nur die Grundlagenforschung effizienter zu gestalten sondern sie wollten mit dieser Maßnahme auch den Grundstein für transeuropäische Unternehmen legen.

Jean-Marie Cadiou, Esprit-Direktor für Informationstechnologie, erklärte jedoch, daß das Programm allein nicht ausreiche IT-Industrie international konkurrenzfähig zu machen. Das könne nur erreicht werden wenn Esprit Teil einer globalen Strategie für diesen Sektor würde.

Der Anwender muß stärker in FuE einbezogen worden

Seiner Meinung nach muß Esprit in Zukunft folgenden technologischen Veränderungen Rechnung tragen:

- Die Industrie habe sich von einem Technologie-dominierten Markt, auf dein große Rechnerhersteller bestimmten, welche Produkte eingesetzt werden, zu einem Anwender-orientierten Markt gewandelt. Dies habe zur Folge, daß der Anwender stärker in Forschung und Entwicklung einbezogen werden müsse.

- Software gewinne immer mehr an Bedeutung. 1989 hatte die "weiche Ware" einen Anteil von 45 Prozent am gesamten IT-Markt; für Mitte der 90er Jahre rechnet man bereits mit einem

Anteil von 80 Prozent.

- die zunehmende Abkehr von proprietären und die Hinwendung zu offenen Systemen. Das bedeute mehr Wettbewerb und einen größeren Forschungs- und Entwicklungsaufwand.

- Technologische Veränderungen würden immer schneller aufeinander folgen. Deshalb, so Cadiou weitere müßten künftig mehrere Produktgenerationen zur gleichen Zeit entwickelt werden. Darüber hinaus müßten Unternehmen die daraus resultierenden höheren Kosten und Risiken auch dann tragen, wenn die Gewinne niedrig ausfallen. Das wiederum beweist für ihn die zunehmende Wichtigkeit von, Kooperationen, um Kosten und Risiken zu teilen.

Angesichts all dieser Veränderungen schlug Cadiou die Verdoppelung des heute 196 Milliarden ECU befragenden Esprit-Budgets vor. Er unterstrich die zunehmende Bedeutung von Forschung und Entwicklung in der Informationstechnologie. Schließlich fielen zehn der 13 Schlüsseltechnologien, von denen man revolutionäre Veränderungen für die Industrie erwarte, in den IT-Sektor.

Unter Hinweis auf eine Studie, die Price Waterhouse für das US-Wirtschaftsrninisterium angefertigt hat, erklärte der Esprit-Direktor, daß Europa auf zehn Entwicklungsgebieten mit den USA gleichgezogen beziehungsweise sie sogar technologisch überholt habe. Mit Japan sei man in acht Feldern gleich.

Der Untersuchung zufolge ist die EG in den Feldern digitaler Bildverarbeitung und Computer Integrated Manufacturing (CIM) den USA voraus. Gleichgezogen habe Europa bei Halbleitern, Speichern hoher Kapazität, Sensoren, Supraleitern, neuen Materialien und bei der Software. Hinter den USA rangiere die "Alte Welt" bei Künstlicher Intelligenz, Hochleistungsrechnern, Opto-Elektronik, Biotechnologie und Medizintechnik.

Gegenüber Japan habe die EG einen Vorsprung bei CIM und Software, auf gleicher Stufe stehe sie bei Künstlicher Intelligenz, digitaler Bildverarbeitung, Sensorik, Supraleitern, Biotechnologie und Medizintechnik. Auf folgenden Entwicklungsgebieten, so die Studie hinken europäische Unternehmen japanischen hinterher: bei hochintegrierten Halbleitern, Hochleistungsrechnern, Speichern hoher Kapazität, Opto-Elektronik und neuen Materialien.

Cadiou warnte trotz der momentan guten europäischen Position vor einigen "gravieren. den Nachteilen im Technologie-Wettkampf, die Europa gegenüber seinen Konkurrenten habe. So würden die USA nicht nur 195 Milliarden Dollar direkt in Forschung und Entwicklung investieren, sondern auch von den 70 Milliarden Dollar, die das Verteidigungsministerium für Forschung und Entwicklung aufbringt, entfielen nochmals zehn Prozent auf den IT-Sektor.

Fernöstliche Konkurrenz hat geringere Kapitalkosten

Japan Profitiere hingegen von sehr niedrigen Zinsen: Während europäische und amerikanische Unternehmen bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten durchschnittlich 18,5 Prozent Zinsen zahlten, müßten ihre fernöstlichen Konkurrenten nur 8,5 Prozent aufbringen. Das aber bedeute, das die Söhne Nippons jährlich allein sechs Milliarden Dollar weniger Kapitalkosten hätten, was ausreiche, "sechs ICLs pro Jahr zu kaufen", erklärte Cadiou.