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13.09.1991 - 

CFO Osterhoff tritt zurück - offiziell aus "persönlichen Gründen"

EG stimmt dem Philips-Deal zu - aber Termindruck für DEC

AMSTERDAM/MAYNARD/MÜNCHEN (CW) - Gesprächsstoff liefert weiterhin die Digital Equipment Corp., Maynard: Chief Financial Officer James Osterhoff, bekannt als großer Freund des Sparens, verläßt das Unternehmen. Zudem gibt es Hinweise, Digital habe den Aufwand für die Integration der Philips-DV unterschätzt, der Übernahmetermin 1. Oktober sei wackelig. Die EG-Kommission hat dem Deal inzwischen zugestimmt.

Wie ein Sprecher des Philips-Betriebsrates am Standort der Information-Systems in Apeldoorn mitteilte, lägen Hinweise vor, nach denen Digital derart akribisch bei der Bewertung der Lage und bei der Integration vorgehe, daß wegen der Größe der Philips-Information-Systems der Termin Anfang Oktober nicht eingehalten werden könne. Ein von Digital eingesetztes Team sei gegenwärtig unterwegs, alle großen Philips-Niederlassungen in Holland sowie in ganz Europa und Fernost zu besuchen. Dem Betriebsrats-Sprecher erscheint es unrealistisch, daß zum geplanten Stichtag mehr vorliegen wird als eine Studie, auf deren Basis Digital erst eine endgültige Offerte für den DV-Bereich von Philips würde abgeben können.

Bei der Ankündigung des Deals im Juli hatte es geheißen, über den Preis, den Namen und die Grobstruktur der neuen Aktivitäten werde bis zum 1. Oktober Klarheit herrschen. Theresia Wermelskirchen, Sprecherin der Digital Equipment GmbH in München erklärte gegenüber der COMPUTERWOCHE, die Festlegung der Rechtsformen der Beteiligung in einzelnen Ländern und Spezifikationen im Detail, teilweise bis herunter auf die Ebene einzelner Abteilungen und Personen, würden aber mit Sicherheit auch über diesen Termin noch andauern. So sei es von Anfang an geplant gewesen. Von verzögerten Verhandlungen zwischen Digital und Philips sei ihr nichts bekannt.

Wie die Agentur "vwd" meldet, hat die Kommission der Europäischen Gemeinschaften in Brüssel der geplanten Übernahme der Philips-DV durch DEC zugestimmt. Kartellrechtliche Bedenken hatten anfangs vorgelegen gegen die Integration der Aktivitäten bei kleinen Abteilungsrechnern. Hier werde Digital nach der Fusion Europamarkt-Führer vor der SNI AG sein. Da aber weitere starke Mitbewerber wie Unisys, Bull und AT&T/NCR vorhanden seien, seien die Bedenken nicht durchgeschlagen.

Überraschend gab jetzt James Osterhoff seinen Rücktritt als Finanzverantwortlicher von DEC bekannt. Seit 1985 im Unternehmen, war er laut "Wall Street Journal" der erste, der aus einer Position außerhalb von Digital in eine so hohe Stellung berufen wurde. Analysten halten große Stüke auf ihn; er gilt als sehr effizienter Finanzmann, der, wenn nötig, einen rigiden Sparkurs fahren könne. Unter seiner finanziellen Leitung, lobt Shao Wang von Smith Barney, Harris Upham & Co., sei die Corporation erstmals in der Lage gewesen, ihr Wachstum selbst zu finanzieren, anstatt ständig Wertpapiere abstoßen zu müssen.

In Analystenkreisen wird es für möglich gehalten, daß Osterhoff mit dem DEC-Gründer Ken Olsen über den Sparkurs des Unternehmens im Clinch gelegen hat. Entgegen dessen Haltung und der Digital-Kultur habe der CFO sich ständig für Kostenkürzungen auf allen Ebenen, auch beim Personal, eingesetzt. Mark Steinkrauss von DECs Finanzabteilung wird dagegen vom "Wall Street Journal" mit den Worten zitiert, Ken Olsen wisse "sehr genau, daß harte und schwierige Geschäftsentscheidungen getroffen werden müssen." Meinungsverschiedenheiten über die Unternehmenspolitik zwischen dem Finanzchef und dem Gründer habe es nicht gegeben.

Persönliche Gründe dagegen, so Wermelskirchen, seien auch nach ihrer Kenntnis ausschlaggebend gewesen für den Rücktritt des Finanzchefs. Die Strategie von Digital, sich zum Systemintegrator zu wandeln, werde davon nicht berührt. Sie habe auch keine Rolle gespielt für Osterhoffs Entscheidung. "Wir sehen einen Geschäftswandel, und dieser Geschäftswandel erfordert eine Anpassung von Digitals Seite. Das werden wir mit oder ohne Herrn Osterhoff tun."