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19.10.1977 - 

Begründung für das europäische Vierjahresprogramm:

EG will die DV mit 39 Millionen Mark subventionieren

LUXEMBURG/BONN (ee) - "In lebhafter Beunruhigung über die Verschleppungstaktik des Rates" wollte der französische Europa-Parlamentarier vom Rat der Europäischen Gemeinschaften wissen, warum es noch immer keine gemeinschaftliche Politik auf dem Gebiet der Datenverarbeitung gebe. Bislang hat sieh der Rat der Europäischen Gemeinschaften lediglich zu einer 28-Punkte-Entschließung durchringen können, die dem Tenor nach eine Begründung für die Notwendigkeit von europaweiter DV-Förderung (siehe dazu auch Seite 33, "Groß-EDV und Bauelemente fielen aus dem Subventionstopf") darstellt. So schreibt die Entschließung fest, daß "die Entwicklungschancen der europäischen Datenverarbeitungsindustrie auf Grund ihrer derzeit schwachen Stellung auf dem Weltmarkt bald gleich Null sein werden, wenn nicht umgehend eine gemeinschaftliche Politik in Gang gesetzt wird". Des weiteren weist der Rat "auf den geringen Umfang der vorgesehenen Mittel hin" (103 Millionen Rechnungseinheiten, das sind rund 39 Millionen Mark).

Das Bundesforschungsministerium hat inzwischen eine Stellungnahme zur europäischen DV-Förderung an den zuständigen Bundestagsausschuß weitergeleitet. Matthöfers Haus meint, daß ein EG-Programm, nicht, wie von der Gemeinschaft geplant, schon 1977, sondern erst 1978 anlaufen könne, und dann fordert das BMFT, daß Förderung dort europäisch einsetzen solle, "wo DV-Aktivitäten notwendigerweise oder mit Vorteil europäisch durchgeführt werden sollten".

Nach den bereits 1974 gemachten Voraussagen sieht der Ausschuß für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments die weltweite Entwicklung des DV-Sektors gegenwärtig durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

- Zunehmender Einsatz der Datenverarbeitung in nahezu allen industriellen, kommerziellen und sozialen Bereichen der marktwirtschaftlich organisierten Industrieländer; in der EWG wird sieh der Anteil der Informatikausgaben am Bruttosozialprodukt von 1970 bis 1980 verdreifachen, während für die Vereinigten Staaten ein Faktor von 2,6 vorausgeschätzt wird.

- In der EWG wird die mittlere jährliche Zuwachsrate für die nächsten 5 Jahre auf 13 Prozent geschätzt; eine viel stärkere Zuwachsrate wird in den Sektoren der Peri-Informatik (Kleinrechner: 17 Prozent, Peripheriegeräte: 15,5 Prozent) und in Software (16 Prozent) erwartet. In den Vereinigten Staaten schätzt das Handelsministerium die mittlere Zuwachsrate - des Sektors bis 1980 auf 10 Prozent.

- Die beherrschende Stellung der IBM verstärkt sich auf dem Markt für Zentraleinheiten mittlerer und hoher Leistung und bildet sich auf dem Markt für Peri-Informatik und elektronische Bauelemente heraus. Die Datenverarbeitungsindustrie wird - wie die Luft- und Raumfahrtindustrie - bis zu 80/90 Prozent von amerikanischen Unternehmen, darunter insbesondere die IBM, beherrscht. Die beherrschende Stellung der IBM wird durch die Struktur des Datenverarbeitungsmarktes verstärkt. Die bei Produktion im Großmaßstab mögliche Kostendegression spielt eine entscheidende Rolle für die Höhe der Mittel, die die IBM für Forschung und Entwicklung aufwenden kann. Die IBM ist auf Grund ihrer Finanzkraft und ihrer fortgeschrittenen Technologie in der Lage, ihr gesamtes Produktangebot in sehr viel kürzeren Abständen als ihre Konkurrenten zu erneuern.

Die europäische Datenverarbeitung befindet sich in einer schwachen Position, gleich welchen Sektor man betrachtet.

Nach den bereits veralteten Angaben in dehn Bericht der Kommission waren Ende 1974 - wertmäßig gesehen - etwa 70 Prozent des Anlagenbestandes der gesamten Welt amerikanischen Ursprungs, während der Anteil der europäischen Hersteller nur 5,8 Prozent und der der japanischen Firmen 4,7 Prozent betrug. Am 1. Januar 1976 verteilten sieh die Anteile an den in Westeuropa installierten Anlagenbeständen wie folgt:

- Auch wenn der Peri-Informatiksektor, in dem mit einem großen Zuwachs zu rechnen ist, der europäischen Datenverarbeitung neue Möglichkeiten eröffnet, so wird der Markt doch weiterhin von amerikanischen Firmen beherrscht, die über 70 Prozent der Lieferungen tätigen. Im Bereich der Nahperipherie betragen die Importe aus den USA über 80 Prozent (rund 50 Prozent entfallen auf IBM); dagegen wird der Bedarf im Bereich der Universalterminals zu fast 50 Prozent von europäischen Herstellern gedeckt, woran der Bedarf im Bereich der Spezialterminals (Kassen Bank und) zu fast 70 Prozent von der Gemeinschaft gedeckt wird.

Zwar nimmt die IBM im Bereich der dezentralen Datenverarbeitung noch keine beherrschende Stellung ein, doch entwickelt sie systematisch eine Reihe von Strategien mit dem Ziel, Zugang zu diesen neuen Märkten zu erlangen.

Im Bereich der elektronischen Bauelemente stellen die integrierten Schaltungen "eines der Hindernisse bei der Entwicklung der Rechnertechnologie dar. Während die Stellung der europäischen Industrie bei passiven Bauelementen mit variablen Rentabilitätskoeffizienten annehmbar ist, gilt dies nicht für die integrierten Schaltungen, bei denen der Rückstand gegenüber den amerikanischen Firmen auf 2 - 3 Jahre veranschlagt wird." Die heutigen Konzentrationstechniken haben ihre Grenzen fast erreicht, so daß die Forschung auf andere Verfahren gerichtet ist, die eine Überwindung dieser Sehwelle ermöglichen ("Blasenspeicher"). Falls die IBM ab etwa 1978 diese revolutionären Elemente in ihre nächste Rechnergeneration einbaut, würde ihr Vorsprung vor ihren Konkurrenten etwa 5 Jahre betragen.

Die gemeinschaftlichen Aktionen auf dem Gebiet der Datenverarbeitung weisen weiterhin eine ziemlich schwache Bilanz auf. Nach dem Scheitern der Unidata scheint die eigentliche Initiative im Bereich der Datenverarbeitung weiterhin bei den Einzelstaaten zu liegen (Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich). Weit davon entfernt, aufgeholt zu werden, scheint sich der Rückstand der europäischen Datenverarbeitung noch zu verstärken. Das erklärte Ziel, eine "in allen betroffenen Bereichen voll lebens- und wettbewerbsfähige Industrie mit europäischer Basis bis Anfang der 80er Jahre anzustreben", scheint immer stärker gefährdet.